Drittes Reich Widerstand im Dritten Reich Bund deutscher Offiziere - "Seydlitz-Truppen"
Bund deutscher Offiziere - "Seydlitz-Truppen"
Zur Person Seydlitz und dem BDO
Seydlitz war Kommandeur der 12. Infanteriedivision, die Teil der 6. Armee war, und Träger des Ritterkreuz mit Eichenlaub. Er war erfahrener Frontkommandeur und nahm bereits am Frankreichfeldzug teil. Seinen größten Erfolg hatte er, als er mit seiner Division die rund 100.000 deutschen eingeschlossenen Soldaten im Kessel Von Demjansk befreite.
Nach dieser Tat trug er den Rang eines Generals und war von nun an Kommandeur des LI. Armeekorps, welches Teil der 6. Armee war und somit in Stalingrad eingeschlossen wurde.
Seydlitz wurde am 31.1.1943 im Süden von Stalingrad gefangen genommen.
Ab Ende Februar 1943 Gefangenschaft im Hauptlager 27 Krasnogorsk, Lager Susdal, Generalslager Woikowo bei Iwanowo und ab 22.07.1943 in Lunjowo.

11.09.1943 - 12.09.1943 Gründung des BDO (Bund deutscher Offiziere), von Seydlitz-Kurzbach wird Präsident. Noch auf der konstituierenden Sitzung schließt man sich dem Nationalkomitee “Freies Deutschland“ (NKFD) an.
Den Gründungsaufruf des BDO unterzeichneten die 4 Generale des Lagers 27:
Edler von Daniels, Dr. Korfes, Lattmann und von Seydlitz. Seydlitz wurde BDO-Gründungspräsident.

Die Gründungsmitglieder des BDO versprachen sich durch die Kooperation mit der Sowjetunion einen Beitrag zur Erhaltung des Deutschen Reiches leisten zu können, da sich nach ihrer Meinung bereits eine Niederlage abzeichnete.
So fühlte sich Seydlitz durch eine Zusage des sowjetischen Generals Nikolaj D. Melnikow legitimiert. Diese Zusage, bzw. Versprechen, sah vor, ein bürgerlich-demokratisches Deutschland in den Grenzen von 1937 zu errichten (vertraglich der Sowjetunion verbunden), weiters wurde das Fortbestehen der Wehrmacht versprochen.
Diese Zusage des sowjetischen Generals wurde allerdings niemals schriftlich fest gehalten und wurde mehrmals abgeändert. Hinzu kam, dass ein Sturz Hitlers durch die Wehrmachtsführung und durch Mitwirken des NKFD/BDO vonnöten war.

Seydlitz plante ein Korps mit ca. 40.000 Mann aufzustellen. Diese Masse wollte er aus den Kriegsgefangenenlagern rekrutieren, doch nicht mal annähernd so viel deutsche Soldaten zeigten Interesse an seinen Plänen.
Seydlitz wollte mit diesem Korps allerdings nicht die Rote Armee bei ihren Kämpfen gegen die Wehrmacht unterstützen, sondern vielmehr das Korps zu Verteidigungszwecken der neuen deutschen Nachkriegsregierung einzusetzen.
Gegenüber dem sowjetischen General Melnikow äuserste er einer Denkschrift, dass es zu einem Fronteinsatz erst kommen könne, wenn sich größere deutsche Truppenverbände bereit erklärten sich der deutschen Befreiungsarmee anzuschliesen.

Der BDO, unter Führung des Generals der Artillerie Walther von Seydlitz-Kurzbach, Generalleutnant Alexander Edler von Daniels (und später auch Generalfeldmarschall Paulus, welcher in Stalingrad kapitulierte), rief mit Flugblättern und Radiosendungen die deutschen Soldaten dazu auf überzulaufen und den Kampf gegen die Hitlerregierung aufzunehmen.
Auf LKW's wurden große Laufsprecher montiert und damit die Front abgefahren. Die deutschen Soldaten wurden immer wieder in den Gefechtspausen von der sowjetischen Seite aus mit Aufrufen zur Aufgabe beschallt. Dabei wurde den deutschen Soldaten etliche Versprechnungen gemacht, die aber kaum ein Landser ernst nahm und so blieben die Aufrufe des BDO/NKFD ohne nennenswerten Erfolg.
Die deutsche Soldaten ärgerten sich eher über den dauernden Lärm und verachteten die Initiatoren des BDO/NKFD.

Seydlitz forderte gegenüber Generl Melnikow, am 26. Februar 1944, dass NKFD als deutsche Exilregierung anzuerkennen, doch diese Froderung wurde abgelehnt.
Im Februar 1944 sollte Seydlitz und das NKFD die Generale der eingeschlossenen deutschen Truppen in Korsun/Tscherkassy zur Kapitulation bewegen, doch alle Versuche waren vergebens.

Da es bis Ende 1944 der Roten Armee gelang die deutschen Linien auf breiter Front zu durchbrechen, zogen sich die Sowjets im Dezember 1944 in offener Form von Seydlitz zurück. Zwar existierte das NKFD nominell noch, doch bis zu seiner Auflösung am 3.11.1945 war es völlig unbedeutend geworden.

Seydlitz wurde nach dem Krieg, am 8. Juli 1950, trotz seines Engagement gegen das Deutsche Reich und der Wehrmacht, von den Sowjets als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Haft (Höchststrafe) verurteilt.
Nach eigenen Aussagen von Seydlitz wurde er zum Tode verurteilt und dann zu 25 Jahren Haft begnadigt worden, doch die Todesstrafe wurde in der UdSSR bereits am 25.5. 1947 abgeschafft.

Seydlitz' Beweggründe waren weitgehend durch das Stalingrad-Trauma (Haltebefehl Hitlers und die damit verbundene Vernichtung der 6. Armee) zustande gekommen. Bis Heute gilt Seydlitz' Verhalten in weiten Kreisen als "ehrloser Verrat" und Eidbruch.
Im Jahre 2000 verurteilte sogar der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Mitarbeit im BDO als Landesverrat.
Seylitz und seine Anhänger wurden also offiziell niemals als eine Art Widerstandskäpfer gesehen.

Gerüchte
Bis Heute kursieren Gerüchte über die sog. "Seydlitz-Truppen", welche auf Seiten der Roten Armee gegen deutsche Soldaten gekämpft haben sollen. Hierzu sei angemerkt das Kampfeinsätze seitens der Mitglieder des BDO oder des NKFD niemals von sowjetischer oder deutscher Seite bestätigt wurden. Der Großteil des NKFD waren bspw. Politiker (KPD) und keine Soldaten. Wie im Artikel erwähnt, beliefen sich die Aufgaben des BDO und des NKFD auf Indoktrinierung und Propaganda. Einzig durch Verwirrung innerhalb der deutschen Linien schaffend oder in einen Hinterhalt lockend, nahmen der BDO und das NKFD an "Kampfhandlungen" teil.
In der Nachkriegsliteratur sind nur vereinzelt Erwähnungen über das NKFD oder den BDO zu finden, so erwähnt Wilhelm Tieke in seinem Buch "Tragödie um die Treue - Kamp und Untergang des III.(germ.) SS-Panzer-Korps":
"In den ersten Novembertagen setzt eine Intensive Lautsprecherpropaganda des NKFD ein, die aber bei den Angehörigen des III.(germ.) SS-Panzer-Korps keine Wirkung zeigt. Beim Bataillon Lang wird ein Angriff von Angehörigen des "Freien Deutschland" in Stärke von 30 Mann, die deutsche Uniformen tragen und nur durch rote Armbinden kenntlich sind, abgewiesen."
Einen typischen Einsatz des NKFD schildert Tieke auf Seite 142 des oben genannten Buches:
"Im Kampfraum nördlich Preekuln gelingt ihnen (Angehörige des NKFD, Anm. der Redaktion) jedoch ein Husarenstück, das allen Kompanien als warnendes Beispiel bekannt gegeben wird. Am späten Abend erscheinen beim Kompanie-Gefechtsstand einer Grenadierkompanie ein Offizier und 30 Mann als Ablösung. Am nächsten Morgen ist die ganze Kompanie verschwunden und im Bataillonsabschnitt klafft eine Lücke, die jedoch rechtzeitig bemerkt und geschlossen werden kann."

Abschliesendes

Seydlitz war sicherlich Patriot und liebte sein Vaterland, jedoch entiwckelte sich im Laufe der Regierungszeit der NSDAP eine starke Abneigung gegenüber der selbigen - besonders aber gegen Adolf Hitler und den Kommandostab der Wehmacht ("Heeresleitung ohne Gewissen“). Als ihn bspw. der Kommandeur der 6. Armee nach einer Beurteilung der Lage fragte, teilte Seydlitz ihm mit, sich am besten gegen den Befehl Hitlers hinwegzusetzen und einem Einschluss in Stalingrad zu entgehen.
Am 2. November 1944 hatten NKFD und BDO für die Sowjetführung schliesslich nur noch politisch-propagandistische Alibifunktion; die Mitglieder mussten am Schluss erfahren, dass ihr Wiederstandsbemühen aus Gefangenenlagern heraus trotz der Zusicherungen des NKWD-Generals Melnikov zu keinem politischen Erfolg geführt hatte und von der Sowjetführung
ausgenutzt und auch politisch missbraucht worden war.

Externer Link:
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