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| Runen |
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Eine Besonderheit der Schutzstaffel war die Verwendung von Runen und die Beschäftigung mit diesen. Als Bestandteil der „geistigen Kultur der Germanen“ erlangten sie für Himmler, der in ihnen die „Mutter aller Schriften“ (Himmler) sah, eine besondere Bedeutung. Im Schulungswesen der SS existierten zwar keine speziellen Unterrichtseinheiten bezüglich der Runenkunde, dennoch kam es des öfteren zu Vorträgen über Runen bei den verschiedenen SS-Abteilungen, und auch SS-eigene Zeitschriften veröffentlichten regelmäßige Abhandlungen und Aufsätze zur Thematik der Runen. Es kann allerdings nicht von einem einheitlichen Runenbild gesprochen werden, da keine allgemeine verbindliche Runenlehre existierte und sich viele der Publikationen inhaltlich widersprachen, bzw. die runenkundlichen Theoretiker der SS einander versuchten, zu widerlegen. Dennoch lassen sich einige gemeinsame Aspekte in den runenkundlichen Unternehmungen der SS heraustrennen: Entscheidend für die Runenauffassung der SS war die Betrachtung der Runen, in ihrer magisch-religiösen Funktion als „Sinnzeichen“, im Gegensatz zum bisherigen Verständnis als Schriftzeichen. Statt wissenschaftlicher Ergebnisse waren vor allem eine „nordisch bedingte Vorstellungsgabe“ und ein „rassegebundenes Urgefühl“ (Dieckhoff) für die SS-Runologen zur Erschließung der Runen als „heilige, geheimnisvolle Kraftzeichen“ (Weigel) von Bedeutung. Bei Heinrich Himmler spielten vor allem Theorien und Fantasien eine wichtige Rolle für sein Verständnis der Runen. Hierbei wurde auf Alter und Herkunft der Runenreihen oftmals wenig Rücksicht genommen und man betrachtete die Edda als „wichtigste Quelle für das gesamte Runenwesen“ (Schilling). Die Verwendung der Runen als zierende Ornamente auf SS-Porzellan and anderen Gebrauchsgegenständen sollte den neuheidnischen Kult innerhalb der SS bestärken und zusätzlich, durch die Vertreibung von christlicher Symbolik, die Hinwendung zu einem Glauben „germanischer Auffassung“ unterstützen, was gleichzeitig die Abkehr vom Christentum bedeutete. Seit 1929 bildeten zwei Sigrunen das Emblem der SS, wobei sich die Verknüpfung von Runenbedeutung und Schutzstaffel-Mentalität erst im weiteren Verlauf ihrer Geschichte vollziehen sollte. Der Entwurf des Emblems stammt von Walter Heck, einem arbeitlosen Zeichner, welcher weder runenkundliche Kenntnisse besaß, noch symbolische oder mystische Ambitionen bei der Auswahl verfolgte. Weigel deutete die Sigrune als Heilszeichen, welches die „Gewissheit des Sonnensieges“ (Weigel) symbolisiere. Diese Deutung weicht von der tatsächlichen Bedeutung der Sigrune ab, die diese als Symbol der geistigen Kraft und des spirituellen Sieges über die Ungewissheit (die Dunkelheit), durch Erlangen der Erleuchtung (Licht), und als Träger der positiven Sonnenenergie sieht. Man erkennt hier eine zweckgebundene Willkür in der Deutung und Auslegung der Runen durch die SS-Runenforscher, um diese auf einen Nenner mit der Ordensmentalität der SS zu bringen. Ein weiteres Beispiel für Runenverwendung ist der Totenkopfring, welcher SS-Männern jeden Ranges für besondere Verdienste verliehen wurde. Von Karl Maria Willigut für Heinrich Himmler entworfen, sollte der Totenkopfring gleichzeitig das Germanentum mit der NS-Weltanschauung verbinden und „als integrativ wirkendes Kultrequisit die Verpflichtung der SS versinnbildlichen“. Der Totenkopf stand als Zeichen der Mahnung, „jederzeit bereit zu sein, das Leben unseres Ichs einzusetzen für das Leben der Gesamtheit“ und wurde auf der Außenseite des Ringes eichenlaubumkränzt neben vier Runentafeln, und einem Hakenkreuz abgebildet. Auch hier werden die Runen als magische Heils- und Schutzzeichen gebraucht, die den Träger im Sinne der „SS-Tugenden und -Leitideen“ beeinflussen sollte. Ein, dem Ring enthaltenes, hektographisches Schreiben gibt dem Besitzer Auskunft über die Bedeutung der abgebildeten Runen: Die Sigrune wurde mit „der Schöpfergeist muss siegen“ gedeutet, Tyr- und Os-Rune sollten „Sei truglos, tapfer und treu“ und „Deines Geistes Kraft macht dich frei“ symbolisieren, während die Hagal-Rune aufforderte: „Umhege das All in dir und du wirst das All beherrschen“ und den „nicht zu erschütternden Glauben an den Sieg unserer Weltanschauung“ zu wahren. Auch hier spiegelt sich die Willkür der Runenverwendung wieder, da die Os-Rune zum einen mit „Weisheit, Wissen, Vernunft und Verständigung“ assoziiert wird, aber zum anderen auch dem Herannahen eines Tests oder einer Prüfung. Auch Hagal- und Tyrrune sind aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang genommen worden und werden zweckdienlich uminterpretiert. Die Wirksamkeit der Runen als stützende Säule für Himmlers Neuheidentum, als Integrations- und ideologisches Festigungsmittel bleibt äußert fraglich, da innerhalb der SS, außer bei Heinrich Himmler und wenigen anderen SS-Führern, nur geringes, in glücklichen Fällen sporadischen Interesse für Runen bestand. Hauptsächlich wurden die Runen als Schmuckobjekte, bzw. als zierende Ornamente genutzt, ohne dass ihre Bedeutung von Interesse war. Vor allem fehlte der SS-Runenkunde jede wissenschaftliche Grundlage, da man sich vordergründig auf mythologische Literatur, wie die Edda, oder auf eigene Eindrücke und Erkenntnisse berief. Kommentare (0)
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