Panzer
Sowjetische Beutepanzer auf finnischer Seite
Eine finnische Panzereinheit besetzt mit sowjetischen Beutepanzern (KV-1, T-34/76) ein von der Roten Armee zuvor erobertes Dorf.
Die finnische Panzertruppe wurde 1919 mit 32 aus Frankreich gekauften Renault FT-17 Panzern gebildet. Man plante ein Panzerkorps auszuheben, doch es wurde nur ein Panzerregiment (Tankkirykmentti) gebildet, welches allerdings nicht weiter entwickelt oder vergrößert wurde, sondern 1925 sogar als Panzerbataillon (Panssaripataljoona) verkleinert wurde. 1927 wurde dieses wieder zu einer Panzerkompanie (Panssarikomppania) verkleinert. Grund für die stetige Verkleinerung der finnischen Panzertruppe waren finanzielle Nöte. Weiters war man in Finnland der Meinung das das finnische Gelände weitgehend ungeeignet für Panzer sei.

Noch vor 1938 kaufte die finnische Armee 32 neue Vickers 6t Panzer. Diese modernen Panzer wurden allerdings ohne Bewaffnung, Funk und Fahrersitze gekauft, so das keines dieser Fahrzeuge zu beginn des Winterkrieges am 30. November 1939 einsatzbereit war.
Folgende Panzereinheiten wurden kurz vor oder während des Winterkrieges (November 1939 - März 1940) gebildet:

1. Panzer-Kompanie (Renault FT-17)
Kam nicht als Einheit zum Kampfeinsatz. Einzelne Panzer wurden eingegraben und als Geschütz genutzt.
2. Panzer-Kompanie (Renault FT-17)
siehe 1. Panzer-Kompanie
3. Panzer-Kompanie (Vickers 6t)
Kam nicht als Einheit zum Kampfeinsatz. versuche die Panzer während des Krieges zu bewaffnen schlugen fehl. Die Einheit erhielt einige erbeutete sowjetische Panzer, welche allerdings nicht zum Einsatz kamen.
4. Panzer-Kompanie (Vickers 6t)
Wurde anfangs mit unbewaffneten Panzern ausgestattet. Während des Krieges wurden 13 Panzer bewaffnet, von denen 8 bei Kämpfen verloren gingen. Alleine bei der Schlacht um Honkaniemi am 26. Februar 1940 gingen 5 Panzer verloren.
Panzer-Ersatz-Kompanie/ ab 7. November 1939: 5. Panzer-Kompanie
Erhielt keine Fahrzeuge.
6. Panzer-Kompanie
Wurde ab 16. Januar 1940 gebildet. Sie erhielt während des Krieges einige erbeutete Sowjetpanzer, welche allerdings nicht zum Einsatz kamen.
Eigenständige Panzer-Schwadron
Wurde aus finnischen Vorkriegsplänen übernommen. Diese sahen vor eine Kavallerieeinheit mit gepanzerten Fahrzeugen auszustatten. Die Einheit verfügte über ein gepanzertes Fahrzeug des Typs Landsverk 182, zwei LKW und ein Motorrad. Diese Einheit war die erste gepanzerte Einheit die an Kämpfen teilnahm, kam allerdings nur selten zum Einsatz.

Erbeutete Panzer der Roten Armee wurden dazu genutzt Panzerbataillone für den Fortsetzungskrieg auszurüsten. Insgesamt wurden von den Finnen 167 Beutepanzer eingesetzt. Die eigenen Vickers 6t-Panzer wurden mit erbeuteten sowjetischen Kanonen bewaffnet. Diese Panzer erhielten die Bezeichnung T-26E ("E" stand hier für "Englisch").

Als der Fortsetzungskrieg begann, war die Haupteinheit der finnischen Panzertruppe ein Panzerbataillon, welches zwischen März 1939 und Juni 1941 gebildet wurde. Neben diesem Panzerbataillon, welches für den konzentrierten Einsatz von Panzern vorgesehen war, wurden innerhalb der finnischen Armee 1941 Leichte Panzer-Züge und Züge mit gepanzerten Fahrzeugen gebildet. Diese Züge waren sehr klein gehalten und meist nur mit 3 Fahrzeugen ausgerüstet. Hier wurden im Winterkrieg erbeutete gepanzerte Fahrzeuge und sowjetische Amphibienpanzer des Typs T-37 und T-38 eingesetzt.
Unterstellt waren die Züge dem Armee-Korps oder einzelnen Divisionen. Im Frühjahr 1942 wurden diese Einheiten wieder aufgelöst.

Den ersten Kampfeinsatz im Fortsetzungskrieg hatte das Panzer-Bataillon im September 1941 bei der Schlacht um Tuulos. Die finnischen Panzer führten hier einen Angriff entlang der Linie Tuulos - Syväri/Svir - Äänislinna/Petroskoi - Poventsa an. Nach kurzer Pause führte das Bataillon einen weiteren Angriff an, der am 6. Dezember 1941 in Poventsa am nördlichen Ende des See Ääninen/Onega endete.
Im Jahr 1941 wurden verschiedene sowjetische T-26 Modelle zur Hauptbewaffnung des Bataillons. Daneben gab es noch einige erbeutete Panzer der BT-Serie und zwei T-28. Zwischen 1941 und 1942 kamen fünf T-28, zwei KV-1 und zwei T-34/76 hinzu.
Schließlich wurde ein zweites Bataillon gebildet. Die beiden Bataillone bildeten nun eine Panzer-Brigade (Panssariprikaati) die Teil einer Panzerdivision wurde.
Finnlands erste und einzige Panzerdivision (Panssaridivisioona) kam bis zum Sommer 1944 kaum zum Einsatz. Teile wurden hin und wieder bei Grenzgefechten eingesetzt. Eine Ausnahme bildete die 3. Panzer-Kompanie, welche Teil eines Gegenangriffs bei Syväri/Svir im April 1942 war.
Im Februar 1942 wurde eine Sturmgeschützabteilung, mit sowjetischen BT-42 ausgerüstet, gebildet. Im September 1943 wurde diese mit deutschen StuG 40 bewaffnet. Die BT-42 wurden in separaten Panzerkompanien (Erillinen Panssarikomppania), welche im Juli 1943 gebildet wurden, eingesetzt.
Weiters wurde im Mai 1942 eine gepanzerte Flak-Batterie aufgestellt. Diese wurde mit 6 Landsverk Anti II Flak-Panzern ausgerüstet.

Im Juni 1944 begann die Rote Armee mit ihrer Großoffensive. Zu diesem Zeitpunkt war die finnische Panzertruppe zwar bestens ausgebildet, litt jedoch unter der schlechten Ausrüstung. Der Großteil bestand aus veralteten T-26-Modellen. Drei T-34/76 und zwei KV-1 waren die einzigst halbwegs moderneren Panzer. Neben ihnen gab es noch die deutschen StuG 40 der Sturmgeschütz-Abteilung. Drei weitere T-34/76 wurden im Sommer 1944 aus Deutschland gekauft. Während des Sommers wurden noch ein T-34/76, sieben T-34/85 und ein ISU-152 erbeutet.
Keiner der T-34, KV-1 und T-28 ging im Kampf verloren. Von den StuG 40 der Sturmgeschütz-Abteilung ging 8 Fahrzeuge verloren: 5 in Kuuterselkä, 2 in Nurmilampi und 1 in Vuosalmi. Allerdings konnten durch die StuG 40 die meisten Verluste auf Seiten der Roten Armee verursacht werden. Weitere Lieferungen aus Deutschland ersetzten die Verluste.
Bei der Schlacht um Viipuri im Juni 1944 stellte sich der BT-42 las völlig unzureichend beim Kampf gegen gepanzerte Fahrzeuge heraus. Eine Kompanie verlor innerhalb weniger Tage 8 ihrer 18 Fahrzeuge ohne nennenswerten Schaden zu verursachen. 25 von 87 T-26 gingen bei Kämpfen verloren, davon wurde rund ein Drittel allerdings als Zugmaschine für Pak verwendet.
Als Deutschland versicherte T-34, Panzer IVJ und weitere StuG 40G nach Finnland zu liefern, wurden am 7. Juli 1944 alle T-26, T-28E und BT-42 als veraltete deklariert und vom Fronteinsatz abgezogen. Noch bevor die Lieferung eintraf hatte Finnland bereits Friedensverhandlungen mit Russland aufgenommen, daher wurde Anfang September 1944 die Lieferung gestoppt. Bis dahin waren bereits im August 1944 15 Panzer IVJ geliefert worden, die allerdings nicht zum Einsatz kamen.
Während des Lappland-Krieges 1944-1945 war die Rolle der finnischen gepanzerten Fahrzeuge minimal. Die abziehenden deutschen Truppen zerstörten Brücken und verminten das Gebiet, so das für Fahrzeuge kaum ein Vorwärts kommen möglich war. Die StuG 40 wurden wieder in den Süden verlegt, während die T-34, Panzer IVJ und T-26 zwar eingesetzt wurden, allerdings keine bedeutende Rolle spielten.

Kommentare (0)Add Comment
Kommentar schreiben

busy
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 10. November 2010 um 03:39 Uhr
 

Unterstützung

Sie finden diese Seite hilfreich oder wollen unser Projekt unterstützen?
 PayPal
Mit den eingegangenen Spenden finanzieren wir ausschlieslich diese Homepage und garantieren eine stetige Fortentwicklung.

Unser Newsletter

Bleiben sie aktuell. Jetzt unseren Newsletter abonnieren!


Banner