Der Lapplandkrieg Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 18. Juli 2009 um 22:56 Uhr
Am 4. und 5. September 1944 verhandelte Finnland bereits mit der Sowjetunion um einen Waffenstillstand, welcher dann am 19. September 1944 zum Abschluss kam.
Zu den Bedingungen für Finnland gehörten:
  • Gebietsabtretungen
  • Reparationszahlungen in Höhe von 300 Millionen Dollar
  • erlauben von kommunistischen Organisationen und Parteien
  • verbieten von faschistischen Organisationen und Parteien
  • das Beenden sämtlicher Beziehungen zwischen Finnland und dem Deutschen Reich
  • Internierung aller deutscher Truppen in Finnland
  • Auslieferung aller deutscher Truppen
  • Demobilisierung der finnischen Armee bis 5. Dezember
Die Forderungen die die deutschen Truppen in Finnland betrafen, sollten schon ab dem 15. September, also 4 Tage vor Vertragsabschluss, umgesetzt werden. Finnland gab den ehemals verbündeten deutschen Truppen eine Räumungsfrist von 14 Tagen, allerdings war von vorn herein klar, dass diese Frist unmöglich umzusetzen war.

Die 20. Gebirgsdivision, welche zu diesem Zeitpunkt in Finnland und Lappland im Einsatz war, vermutete nun das die Rote Armee in ihre südliche Flanke einfallen könnte oder das die Sowjetunion das finnische Militär zu einem Einsatz gegen die deutschen Truppen zwingen könnte.
Auf finnischer Seite befürchtete man, das die Rote Armee den Norden Finnlands besetzen könnte um so die deutschen Truppen abzuschneiden oder die abziehenden Truppen zu verfolgen. Aus diesem Grund gab bereits am 4. September das finnische Oberkommando den Befehl alle Zivilisten aus Lappland zu evakuieren.
Die Evakuierung startete am 7. September und verlief zum Großteil erfolgreich. Die deutschen Truppen in Lappland unterstützten die Evakuierung nach Möglichkeit, trotz des Abwendens der ehemaligen Verbündeten. Insgesamt wurden rund 127.000 Zivilisten aus Lappland evakuiert.

Lappland KriegNach dem Waffenstillstandsabkommen begannen die deutschen Truppen mit dem Abzug in Richtung Norden von Lappland, Ziel war die Region Petsamo. Während des Rückzuges gab die 20. Gebirgsarmee die Erlaubnis den Abzug bis nach Norwegen fortzusetzen.
Finnische Truppen bezogen währenddessen westlich der im Abkommen neu festgelegten Grenzen Verteidigungsstellung, wo der Großteil bis zur Unterzeichnung des Vertrages verblieb. Einige Truppen wurden in Richtung Norden verlegt. Die Einheiten die nach Lappland verlegt wurden, folgten den abziehenden deutschen Truppen, so wie es zwischen beiden Seiten vereinbart wurde.
Im Süden Finnlands befanden sich noch Wartungseinheiten, Lager, kleinere Marine-Abteilungen und die Sturmgeschütz-Brigade 303, welche die Finnen bei den Kämpfen gegen die Rote Armee auf der karelischen Halbinsel unterstützte. Diese Einheiten verließen Finnland noch vor dem 15. September.

Die erste richtige Auseinandersetzung zwischen den ehemaligen Verbündeten ereignete sich am 15. September, als deutsche Truppen versuchten die Insel Suursaari im finnischen Golf zu besetzen. Man wollte von hier aus den finnischen Golf kontrollieren und die Blockade, die von der sowjetischen Marine während des Krieges errichtet wurde, evtl. aufrecht erhalten.
Bereits seit Februar 1944 gab es deutsche Pläne, für den Fall das Finnland die Seiten wechseln sollte, die Åland-Inseln (Unternehmen "Tanne-West") und Suursaari (Unternehmen "Tanne-Ost") zu besetzen. Unternehmen "Tanne-West" wurde niemals umgesetzt, doch für das Unternehmen "Tanne-Ost" gab es nun den Befehl.
Auf Suursaari war das finnische 16. Küsten-Artillerie-Regiment stationiert, welches am Abend des 14. September den deutschen mit finnischen Booten half die Insel zu verlassen. Gegen Mitternacht trafen im Hafen von Suursaari dann deutsche Minenräumboote ein und die  Deutschen forderten die Finnen auf die Insel aufzugeben und zu verlassen. Nach dem die Finnen ablehnten betraten die deutschen Besatzungen die Insel. Es glenag den deutschen Soldaten die nördliche Spitze der Insel einzunehmen, doch die Finnen verhinderten das sie bis ins Landesinnere vorstoßen konnten. Die Kämpfe dauerten den gesamten Tag über und am Abend des 15. September entschlossen sich die deutschen Soldaten dann aufzugeben.

Zwischen 13. und 25. September verlegten 4 finnische Divisionen und 2 Brigaden in Richtung Norden. Die 15. Brigade, die Panzerdivision und die 3. und 1.. Infanterie-Division verlegten hierbei in das Gebiet von Oulu. Im Osten, auf Höhe Kajaani-Kuhmo, befanden sich die finnische 6. Division und eine Jäger-Brigade.
Als der Vertrag zwischen Finnland und der Sowjetunion dann am 19. September unterzeichnet wurde, begannen diese Einheiten mit dem Abzug zur neu festgelegten Grenze. Dieser Abzug nahm 10 Tage in Anspruch.

Um die südliche Flanke des eigenen Abzugs zu decken, stellte die deutsche 20. Gebirgsarmee die beiden Kampfgruppen "West" und "Ost" auf, die im Norden von Oulu und Kajaani eingesetzt wurden. Hinter diesen beiden Kampfgruppen befand sich eine Divisionsgruppe und eine Gebirgsdivision. Als erstes begann das 18. Armee-Gebirgs-Korps mit dem Abzug aus Richtung Uhtua und Kiestinki. Dies waren die in diesem Gebiet am südlichsten gelegenen Truppen.

Anfangs führten Finnland und Deutschland einen sog. "Sitzkrieg". Beide Seiten hatten geheime Vereinbarungen in Rovaniemi getroffen, nach denen die finnischen Vorstösse genau mit dem deutschen Abzugsplan abgestimmt waren. Am 19. September begann die finnische 6. Division sich in Bewegung zu setzen. Es kam hier zu keinen Kampfhandlungen mit den abziehenden deutschen Truppen.
Bei Suomussalmi trafen die Soldaten der 6. Division auf Truppen der Roten Armee, welche den Deutschen über die Grenze gefolgt sind.
Die abziehenden deutschen Truppen zerstörten hinter sich die Brücken und legten Minenfelder (dies war zuvor bei den Verhandlungen in Rovaniemi vereinbart worden) um so die Verfloger abzuhängen.
Am 21. September erhielten die finnischen Truppen im Gebiet von Oulu den Befehl zum Vorrücken.

Marschall Mannerheim entschied alle finnischen Truppen in Lappland unter ein kommando zu stellen und bildete so das 3. Armee-Korps. Generalleutnant Siilasvuo erhielt das Kommando über das Korps und die gesamte Operation. Er befahl alle deutschen Truppen zu internieren. Am 26. September traf Gen.Lt. Siilasvuo in Oulu ein und stellte alle Verbindungen zum Stab der deutschen 20. Gebirgsarmee ein. Zum ersten mal kämpften Einheiten der finnischen Panzerdivision gegen deutsche Truppen.

Gen.Lt. Siilasvuo befahl seinem Stab einen Plan für eine Seelandung in Kemi und Tornio auszuarbeiten. Eine kleine finnische Einheit in Kemi berichtete jedoch von deutschen Truppen in Kemi und so entschied sich Siilasvuo für eine überraschende Landung im Rücken der deutschen Truppen in Tornio. Die finnischen Einheiten wurden in Oulu verladen. Durch diese Landung begann der eigentliche Lapplandkrieg.

Am Morgen des 1. Oktober 1944 landeten die finnischen Truppen im Hafen von Tornio ohne das die Deutschen davon etwas bemerkten. Die finnischen Einheiten bewegten sich in Richtung Stadtzentrum, wo es schließlich zum Kampf kam. Weitere Truppen landeten am 2. Oktober in Tornio. Die Kämpfe um Tornio tobten bis zum 8. Oktober, als die deutschen Einheiten versuchten die Stadt zurückzuerobern.
Inzwischen stieß die finnische 15. Brigade von Oulu aus in Richtung Kemi vor und nahm die Stadt am 8. Oktober ein. Noch am gleichen Tag nahm die Einheit Kontakt mit den Truppen aus Tornio auf, die bereits in Richtung Kemi verstießen. Während der Kämpfe um Tornio wurde auch die finnische 11. Division per Schiff in das Gebiet gesendet, doch diese wurden von Flugzeugen der deutschen 5. Luftflotte angegriffen. Hierbei sanken zwei finnische Schiffe.
Bei den Kämpfen um Tornio und Kemi nahmen die Finnen knapp über 1.000 deutsche Gefangene. Wie im Vertrag mit der Sowjetunion festgelegt, wurden diese ausnahmslos der Roten Armee übergeben.

Die Deutschen sahen die Landung in Tornio als finnischen Verrat. Einige Tage nach der Landung befahl der Kommandeur der 20. Gebirgsarmee, Generaloberst Lothar Rendulic, die Zerstörung Lapplands. Demnach sollten alle Gebäude, die vom Feind genutzt werden könnten, zerstört werden. Bis dahin hatten die abziehenden Truppen lediglich Brücken gesprengt und Straßen vermint um so den Abzug zu decken.

Am 1. Oktober startete die Panzerdivision und die 6. Division ihren Vorstoss. Sie attackierten die Nachhut der sich zurückziehenden 7. Gebirgs-Division. Dabei kam es zwischen 6. und 9. Oktober südlich von Rovaniemi zu den größten Kämpfen in diese Richtung. Dabei versuchten die finnischen Truppen ein deutsches Regiment einzuschließen, doch das Regiment unternahm einen Gegenangriff und konnte sich so befreien.

Die Rote Armee folgte der deutschen Truppen die die Grenze bei Kuusamo und Suomussalmi überschritten, stießen jedoch nicht weiter nach Finnland hinein. Das finnische Jäger-Regiment lies einige Grenzschutztruppen an der Grenze, als es sich in Richtung Norden in Bewegung setzte.

Nach den Kämpfen in Tornio erhielt das finnische 3.Armee-Korps Befehl in Richtung West-Lappland vorzustossen. Aufgabe war es, die deutsche Fluchtroute abzuschneiden und die deutschen Truppen im Gebiet von Rovaniemi einzukesseln. Das finnische Oberkommando versetzte hierfür zusätzlich die 15. Division und die 19. Brigade in den Norden. Troz aler Bemühungen der finnischen Armee gelang es den deutschen Truppen der Gefangenschaft oder einer Einkesselung aus dem Weg zu gehen, selbst die Truppen die sich aus Rovaniemi zurückzogen konnten sich ihren Weg frei kämpfen. Die sowjetische Kontrol-Kommission, welche die Erfüllung der einzelnen Punkte im Vertrag überwachte, war darüber äuserst verägert. Sie verlangten verstärkte Maßnahmen gegen die deutschen Truppen.
Am 16. Oktober schrieb der Vorsitzende der Kommission, Andrei Zdanov, einen wutentbrannten Breif an Marschall Mannerheim, in dem er nochmals ausdrücklich darauf hinweis die deutschen Truppen zu entwaffnen und zu internieren. Mannerheim verwies darauf das Generalleutnant Siilasvuo nicht ausreichend Truppen zur Verfügung stehen würden um dieses Vorhaben umzusetzen.

Am 20.Oktober erreichte die 20.Jäger-Brigade Sodankylä, welches zuvor von den abziehenden deutschen Truppen zerstört wurde. Im Norden von Sodankylä kam es dann zum Kampf gegen deutsche Einheiten die den Abzug des 19. Gebirgs-Armee-Korps durch Ivalo deckten. Diese hatten zuvor in Petsamo gegen die Rote Armee gekämpft und wurden von dieser ebenfalls verfolgt. Diese Truppen war sehr gut eingegraben und befanden sich hinter einem zuvor errichteten Schutzwall. Am 1. November verliesen die deutschen Einheiten die Vertreidigungslinie, da ihr Auftrag, den Rückzug der deutschen Truppen in diesem Gebiet, erfüllt war.
Im Westen erreichten finnische Truppen am 30. Oktober Muonio, welches zuvor von den Deutschen aufgegeben wurde.

Da laut Waffenstillstandsabkommen die finnische Armee bis 5. Dezember demobilisiert werden sollte und ab diesem Zeitpunkt nur noch eine Armee in der Größe wie einst 1939 vor dem Winterkrieg erlaubt war, wurde das 3. Armee-Korps in die 1. Division umgwandelt. Diese verfolgte die deutschen Truppen bis zum nordwestlichen Rand Finnlands. Sie stoppte bei Lätäseno nahe Kaaressuvanto direkt vor der rechten Flanke der deutschen sog. "Sturmbock-Stellung".
Die Jäger-Brigade, zu diesem Zeitpunkt nördlich von Ivalo, wurde aufgrund der sowjetischen Vorgaben ebenfalls reduziert und bestand von nun an nur noch aus drei kleinen Bataillonen, welche sich in Richtung Karigasniemi aufmachten. Die Brigade wurde in keine weiteren Kämpfe verwickelt und anschließend aufgelöst.

Bis Ende November überquerten die letzten deutschen Einheiten die Grenze nach Norwegen.
Die sowjetischen Truppen, die die deutschen Truppen bei ihrem Abzug in Finnland verfolgten, kehrten zurück auf ihre Ausgangsstellungen östlich der finnischen Grenze.
An der nordwestlichen Spitze Finnlands standen deutsche Truppen noch bis Ende April 1945. Am 28. April 1945 informierte Generalleutnant Siilavuo Marschall Mannerheim darüber, das Finnland frei von deutschen Truppen wäre.

Kommentare (0)Add Comment
Kommentar schreiben

busy
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. Dezember 2009 um 23:26 Uhr
 

Unterstützung

Sie finden diese Seite hilfreich oder wollen unser Projekt unterstützen?
 PayPal
Mit den eingegangenen Spenden finanzieren wir ausschlieslich diese Homepage und garantieren eine stetige Fortentwicklung.

Unser Newsletter

Bleiben sie aktuell. Jetzt unseren Newsletter abonnieren!


Banner