28 cm Schiffskanone L/50
Die 28 cm SK L/50 war eine Weiterentwicklung der 28 cm SK L/45 des Jahres 1909, diese diente als Bewaffnung für die kaiserlichen Schlachtkreuzer "Moltke", "Göhen" und "Seydlitz".
Bereits während des 1. Weltkrieges wurde das Geschütz, nach den Erkenntnissen aus der Seeschlacht bei der Doggerbank im Jahre 1915, modernisiert.
Der Höhenrichtbereich wurde erweitert und die Rohrlänge wurde um 5 Kaliberlängen auf L/50 erhöht.
Das Geschütz war durch die Verlängerung erheblich leistungsfähiger geworden und zudem leichter, immerhin wog das Rohr noch 77.600 kg bei einer Länge von 14.150 mm.
Das exakte Kaliber des eingeschraubten Seelenrohrs betrug 283 mm. Das Rohr gehörte zu den selbsttragenden Seelenrohren, d.h. es konnte die Beanspruchung beim Schuss allein auffangen.
Das Mantelrohr lag nur an zwei Passstellen am Seelenrohr an und diente lediglich dazu, das Durchhängen des Seelenrohres auf zulässiges Maß zu beschränken.
Auserdem erhöhte es die Sprengsicherheit, darunter versteht man die Sicherheit des Rohres gegen das Bersten, bei der Detonation von scharfen Geschossen im Rohr.
Das große Spiel zwischen den Rohrteilen ermöglichte ein einfaches Wechseln des Seelenrohres bei einem ausgeschossenen oder beschädigten Rohr.

Das Geschütz hatten einen Keilverschluss und wurde mechanisch mit einer Schubkurbel geöffnet und geschlossen. Das Rücklauf- und Vorholsystem war in zwei hydraulischen Bremszylindern oberhalb des Rohres aufgeteilt. Der Luftdruck in den Vorholern, die auch das Rohr bei der Erhöhung hielten, musste laufend kontrolliert werden, hierzu waren an der Rohrwiege Manometer angebracht.

Die 28 cm SK L/50 wurde von der Kriegsmarine auf den Panzerschiffen der Deutschland-Klasse, in Doppel- und Drillingstürmen, und als Einzellafette in der Küstenbatterie "Großer Kurfürst" verwendet.
In der Küstenverteidigung wurden die Rohre auf die Drehscheibenlafette C737 gesetzt und diese wiederum auf eingeschossige Versorgungsbunker.
Zum Schutz gegen Beschuss und Bombenangriffe erhielten die Geschütze einen Panzerturm aus 15 cm Stahlplatten.

Durch ihren Wirkungskreis von 360° gehörte die Batterie Großer Kurfürst zu den wirkungsvollsten am Kanal. Leider konnten die Rohre aufgrund der Kriegslage im Jahr 1944 nicht mehr ausgewechselt werden.
Daher sank die Reichweite von 30.200 m mit der Sprenggranate L/4,4 (Gewicht 284 kg), mit einer Treibladung von 108 kg im jahr 1940, bis auf 26.000 m im September 1944.
Die Treibladung bestand aus der in der Kartuschenhülse enthaltenen Hauptladung von 70 kg Pulver RP C/12 und aus der Vorkartusche aus Zellulosepappe mit Kunstseidenschnurbund von 38 kg Pulver.
Als Zünder wurden bei allen deutschen Kartuschen Perkussions-Treibladungszünder C/12 (nA) verwendet.

Neben den Sprenggranaten L/4,4 konnte auch die Sprenggranaten L/3,6 mBdZ mHb und die Panzergranate L/3,2 mBdZ mHb verschossen werden.
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