Kriegsmarinetechnik Küstenartillerie und Fernkampfgeschütze Geschichtlicher Rückblick - Küstenartillerie
Geschichtlicher Rückblick - Küstenartillerie

Die Küstenartillerie hatte in der deutschen Marine eine lange Tradition. Alle Häfen der kaiserlichen Flotte wurden mit Batterien von 2 bis acht Geschützen verschiedener Kaliber bestückt. Hersteller der Kanonen waren meist die Firmen Krupp und Rheinische Metallwarenfabrik (später Rheinmetall).
Stammeinheiten der Küstenartillerie waren die Matrosenartillerieabteilungen I - IV, diese zeichneten verantwortlich für den Nachwuchs und die Ausbildung der Artilleristen sowie für die Ausstattung mit Waffen und Gerät.
Sie unterstanden direkt dem Inspekteur der Küstenartillerie und des Minenwesens mit Sitz in Cuxhafen.
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden rasch Marinebatterien zur Sicherung der bestetzten Küsten eingesetzt. Die stärkste Konzentration von Geschützen befand sich an der flandrischen Küste von Knokke bis Westende, als Verlängerung des nördlichen Teiles der Westfront.

Nach Gründung des Marinekorps Flandern im November 1914 mit einer U-Boot-Basis in Brügge, Schnellboot- und Seeflugstationen in Ostende und Zeebrügge, wurde die erste Batterie mit vier 5-cm-Bootskanonen am Strand bei Duinbergen eingebaut. Dieser folgten bald weitere.
Schwerstes Geschütz der kaiserlichen Küstenartillerie war die 38-cm-Schiffskanone (SK) mit der Rohrlänge L 45 (Lauflänge = Kaliber x 45).
Ursprünglich war dieses von Krupp entwickelte Geschütz auf die Schlachtschiffe der Bayernklasse vorgesehen. Während zwei dieser Schiffe, die "Bayern" und die "Baden" 1915 vom Stapel liefen, wurden die "Sachsen" und die "Württemberg" nicht mehr fertig gestellt. Für jedes dieser Schiffe waren acht 38-cm-Geschütze in vier Doppeltürmen vorgesehen.

Die überzähligen Rohre wurden in speziellen Schießgerüsten, sog. Bettungsschießgerüsten, zur Küstenverteidigung in den Batterien Pommern bei Moere und Deutschland bei Breedene heran gezogen.
Für die 38-cm-SK L/45 gab es zwei verschiedene Geschosse. Die Sprenggranate mit 400 kg Gewicht L/4,1 (Länge = 4,1 x Kaliber) mit Bodenzünder und Kopfzünder mit ballistischer Haube hatte eine Anfangsgeschwindigkeit von 1040 m/sek, maximale Reichweite 47.500 m.
Die Sprenggranate L/5,4 mit 750 kg Gewicht mit Bodenzünder und Kopfzünder mit Haube konnte bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 890 m/sek 38.700 m geschossen werden.
Neben Seezielen beschossen diese beiden Batterien auch die Stadt und den Hafen von Dünkirchen, hier wurden während des 1. Weltkrieges die meisten Güter und Nachschub für die Westfront ausgeladen.
Ein Geschütz der Batterie Moere blieb bis in die 50er Jahre erhalten, erst mit dem Bau eines modernen Seebades wurde das Geschütz verschrottet.

Auser den konventionellen Richtmethoden, wie Entfernungsuhr, Langbasis und Messtisch, wurde bereits 1915 mittels Fliegerbeobachtung das Ziel vermessen und das Feuer gelenkt.
Bis 1918 ist dieses Verfahren durch den Einsatz von Funk bei den Marine-Feld- und Seeflieger-Abteilungen zufriedenstellend weiter entwickelt worden.
Geplante Landeunternehmen der Westmächte an der flandrischen Küste mit dem Ziel, den rechten Flügel der deutschen Westfront einzudrücken, wurden aufgegeben, da die Küstenartillerie abschreckend wirkte.
Besonders bewährten sich die leichten Batterien während der englischen Kommandounternehmen gegen Ostende und Zeebrügge.
Nach Ende des 1. Weltkrieges wurden die Matrosenartillerie-Abteilungen aufgelöst. An ihrer Stelle wurden in der Reichsmarine Küstenabwehrabteilungen geschaffen, die später in Marine-Artillerie-Abteilungen umbenannt wurden.
Durch die Abgabe aller modernen Geschütze fiel die Artillerie praktisch auf den Stand von 1905 zurück.

In den 20er Jahren versuchte die Marine durch Modernisierung der veralteten Geschütze mit ausländischen Marinen gleichzuziehen.
Erst nach 1933 wurde der Aufbau der Küstenartillerie in der Reichsmarine und Kriegsmarine (ab 21.5.1936) verstärkt betrieben.

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