Tirpitz

Die Schlacht um den Atlantik im zweiten Weltkrieg, im Visier der Alliierten: Deutschlands stärkste Waffe - die mächtige Tirpitz.
Winston Churchill erklärte 1942 die Versenkung des Stahkkollosses zur wichtigsten Aufgabe der Royal Navy. Zehntausende alliierter Soldaten machten Jagd auf das größte Schiff der Deutschen Kriegsmarine und ihrer Besatzung.
Die Tirpitz war gefürchtet, die Engländer nannte sie "die einsame Königin".

Die Hauptwaffe der Deutschen Marine waren die U-Boote, denn die Marine verfügte bei Kriegsausbruch nur über die Schlachtkreuzer "Scharnhorst" und "Gneisenau".
Nach der Niederlag im ersten Weltkrieg, verbot der Friedensvertrag von Versailles der Kriegsmarine den Besitz und Bau von Schlachtschiffen. Erst 1935, nach einem Flottenabkommen mit den Briten, durften die Deutschen wieder Schlachtschiffe bauen.
1936 wurden in Hamburg und Wilhelmshafen zwei Großkampfschiffe auf Kiel gelegt - die Bismarck und die Tirpitz.
Voll ausgerüstet verdrängte die 253m lange Tirpitz über 50.000t, dass fast 31 Knoten schnelle Schiff hatte eine Besatzung von fast 2.000 Mann.
Mit diesen beiden Giganten und noch größeren Schlachtschiffen wollte Hitler Deutschland wieder zur Seemacht machen. Aufmerksam hatte die britische Admiralität den Bau der Schiffe verfolgt.
Zum Stapellauf der Tirpitz kam Hitler am 1. April 1939 nach Wilhelmshafen, 80.000 Zuschauer waren auf der Marinewerft, als die Tochter des Marine-Admirals Tirpitz, Frau von Hassel, dem Schiff seinen Namen gab.
Die Tirpitz lag noch in Wilhelmshafen am Ausrüstungskai als im Juli 1940 die Briten das Schiff erstmals angriffen, es waren "Hampton"-Bomber der Royal Airforce (RAF). Die Bomben verfehlten jedoch ihr Ziel, die Briten konnten nicht das Vertrauen der Besatzung in die mächtige, gepanzerte Tirpitz erschüttern.

Im September 1940 lief das in Hamburg gebaute Schwesterschiff "Bismarck" zur Erprobung aus, bevor die Tirpitz fertig war griff die RAF sie noch dreizehn mal an - immer ohne Erfolg. Am 15. Februar 1940 wurde das Schiff in den Dienst gestellt.
Die Tirpitz lief in die Ostsee, am 5. Mai 1941 inspizierte Adolf Hitler die beiden Schlachtschiffe in Gotenhafen bei Danzig.
Die Tirpitz hatte 8 riesige 38cm-Kanonen, sie zählte damit zu den Kampfstärksten Schlachtschiffen der Welt. Gegen Luftangriffe schütze die Boardflak, jetzt musste nur noch die Mannschaft gedrillt werden um das Schiff einsatzbereit zu machen.
Ende Mai zeigte die Bismarck bei ihrem ersten Einsatz wie Kampfstark die neuen deutschen Schlachtschiffe waren: in einem Gefecht mit Schiffen der Royal Navy versenkten die Deutschen den Stolz der britischen Flotte - den Schlachtkreuzer "Hood".
Nach wenigen Tagen schlugen die Briten zurück: ein von einem FLugzeug abgeworfener Torpedo beschädigte das Ruder der Bismarck und somit war diese Manövrierunfähig. Dann stellten sämtliche britischen Schiffe den Giganten und schossen ihn zusammen.

Hitler hatte nur noch ein Schlachtschiff - die Tirpitz, aber das war noch immer in der Erprobung.
Der Drill und die Übungsfahrten gehen bis Anfang Januar 1942, als die Tirpitz die Ostsee verlies. Sie fuhr unter vollen Gefechtsbedingungen durch den Kaiser Wilhelm-Kanal zurück nach Wilhelmshafen und wurde dort mit Munition, Öl usw. vollens ausgerüstet. Ende Januar lief sie dann in Richtung Norwegen aus,
die Tirpitz sollte dort die von Hitler befürchtete Landung der Alliierten verhindern.
Norwegen war sehr wichtig für die deutsche Rüstungsindustrie, durch das Land lief der wichtige Eisenerztransport aus Schweden. Die Eisfreien norwegischen Häfen waren auch eine hervorragende Basis für Angriffe auf alliierte Konvois in das sowjetische Murmansk oder nach Großbritanien.
Zusammen mit Zerstörern und Kreuzern lag das Schlachtschiff in einem Fjord um blitzschnell alliierte Konvois mit Kriegsmaterial für die Sowjetunion anzugreifen. Das zwang die Allierten eine ganze Flotte zum Schutz des Konvois in Bereitschaft zu halten.

Das Warten auf den Einsatz brachte Probleme, die Besatzung begann sich zu langweilen. Es gab die Befürchtung es könnte ausarten wie im ersten Weltkrieg als es öfters zu Meutereien kam. Die Besatzung wurde mit Gefechtsübungen bei Laune gehalten und das Schiff war stets auf dem Status "Einsatzbereit".
Als nach Wochen immer noch kein Einsatz kam, machte sich Frustration breit.
Im März 1942 kam endlich der langerhoffte Gefechtsalarm: die Tirpitz sollte den Alliiertenkonvoi "PQ-12" auf dem Weg von Island nach Murmansk angreifen.
Die Besatzung war froh das es endlich los ging.
Trotz tagelanger Suche entdeckte die Tirpitz den Konvoi "PQ-12" nicht, auf dem Rückweg griffen britische Torpedoflugzeuge das Schlachtschiff an.
Dabei wurde ein britisches Flugzeug abgeschossen, dessen Besatzung trieb im Meer - doch die Tirpitz konnte während des Gefechts mit anderen Flugzeugen nicht anhalten um die Besatzung des abgeschossenen Flugzeugs zu bergen. In bestimmten Medien wieder als "Kriegsverbrechen" beschrieben, war dies nur eine logische Konsequenz des Verlaufs dieses Gefechts.

"PQ-12" war unbeschädigt entkommen, aber die Tirpitz konnte jederzeit wieder die Konvois im Atlantik angreifen, dass musste die Royal Navy unbedingt verhindern. Deshalb starteten die Briten am 26. März 1942 ein Kommandounternehmen:
Im französichen St.Nazaire lag das einzigste Drockendock auserhalb von Deutschland das groß genug war die Tirpitz aufzunhemen, der Hafen war auch ein idealer Stützpunkt für Angriffe auf alliierte Konvois.
Mit der Zerstörung des Docks wollten die Briten der Tirpitz diese Basis nehmen. Die Deutschen hatten den Hafen sehr stark befestigt, die Briten überraschten die Deutschen mit einem Nachtangriff - kleine Boote brachten die 270 Männer der Kommandotruppe an Land.
Gleichzeitig lief der britische Zerstörer "Campeltown" in die Hafeneinfahrt, um die Deutschen zu täuschen wurde er extra umgebaut, er sah aus wie ein Torpedoboot der Deutschen Kriegsmarine.
Während die Kommandos begannen Hafeneinrichtungen zu zerstören, rammte die "Campletown" die Schleusentore des Docks, konnten sie aber nicht durchbrechen.
Über 150 Mann des britischen Kommandos starben bei diesem Einsatz, als der Tag anbrach schienen die Deutschen gesiegt zu haben. Aber die Briten hatten noch einen Trumpf: als deutsche Offiziere das Wrack der "Campletown" am Mittag inspizierten, explodierten 4 Tonnen Sprengstoff in ihrem Bug, zersörten die Schleusentore und töteten alle Deutschen an Board.
Das Dock war nun unbrauchbar und die Tirpitz verlor einen wichtigen Stützpunkt.

Im Mai 1942 forderte Stalin mehr Kriegsmaterial von den Allierten, daraufhin stellten diese im Juni den größten Konvoi des zweiten Weltkriegs zusammen.
35 große Frachtschiffe steuerten Murmansk an, der Konvoi war schon im Atlantik als die Alliierten einen deutschen Funkspruch aufingen den sie entschlüsseln konnten. Dem Funkspruch zufolge sollte die Tirpitz mit einem Flottenverband diesen Konvoi angreifen. Die britische Admiralität beschloss kein Risiko einzugehen und zog die Begleitzerstörer ab, den jetzt wehrlosen Handelsschiffen wurde befohlen den Konvoi aufzulösen und als Einzelfahrer Murmansk anzusteuern.
Voller Furcht suchten die Männer auf den Frachtern und Tankern den Horizont nach der Tirpitz ab, aber statt des Schlachtschiffes griffen deutsche U-Boote und Flugzeuge an. Bomben zerrissen die Schiffe in kleine Teile, die Matrosen glaubten niemand würde dieses Inferno überleben. Es war bitterkalt, überall schwammen Eisberge, wer ins Wasser fiel starb binnen Minuten. Überlebende der Schiffe trieben hilflos in den Rettungsbooten, waren oft wochenlang auf See und viele verhungerten. DIe Überlebenden hatten Erfrierungen, fast alle waren völlig erschöpft und äuserst verbittert darüber das die Royal Navy sie schutzlos zurücklies.
Die Tirpitz war längst auf dem Heimweg, die erolgreichen Angriffe der U-Boote und Flugzeuge erforderte ihren Einsatz nicht mehr.
Die Katastrophe von "PQ-17" veranlasste die Alliierten über Monate keinen Konvoi mehr in die Sowjetunion fahren zu lassen.

Die Anwesenheit des mächtigen Schlachtschiffs hatte den Erfolg der Deutschen ermöglicht. Da die Tirpitz auch weiter die Nachschublinien der Allierten bedrohte, wurde sie auch vorrangig Angriffsziel der Briten.
1942 suchte die Royal Navy per Anzeige "risikofreudige Abenteurer" für einen gefährlichen Einsatz. Die Freiwilligen kamen in ein abgelegenes Camp an der Küste Schottlands, sie wurden an einer neuen Waffe ausgebildet, mit der auch die Tirpitz versenkt werden sollte: Die Royal Navy erprobte 2-Mann-Torpedos, sogenannte "Chariots", es waren eigentlich nur schwimmende Röhren die Sprengstoff geladen hatten, wie effektiv eine solche Waffe sein konnte hatten die Italiener 1941 gezeigt, als sie damit 2 britische Schlachtschiffe versenkten.
Nachts und unter Wasser sollten die "Chariots" der Tirpitz nähern, ihre Sprengladung am Rumpf des Schlachtschiffs anbringen und wieder verschwinden.
Im Herbst 1942 waren die 2-Mann-Torpedos einsatzbereit: sie wurden auf einen, in Norwegen gestohlenen, Fischkutter geladen, am 26. Oktober verlies das Kommando die Shettland-Inseln mit Kurs auf den Liegeplatz der Tirpitz.
Vor der norwegischen Küste verbarg die Besatzung die "Chariots" unter dem Schiff vor den Deutschen, der Kutter kam bis auf 10 Seemeilen an den Ankerplatz der Tirpitz heran, als ein Sturm aufkam. Plötzlich hörten die Männer starke Schläge am Rumpf - beide "Chariots" hatten sich losgerissen waren verschwunden!
Alle Bemühungen der Briten waren vergebens.

Seit Monaten lag die Tirpitz untätig im Fjord, dass Nichtstun, die Langeweile hatten Auswirkungen auf die Moral der Besatzung.
Ein Matrose versuchte sogar zu den Alliierten zu desertieren, vor der schwedischen Grenze wurde er gestellt und wieder an Board gebracht. Auf Fahnenflucht stand die Todesstrafe! Der Kommandant statuierte ein Exempel, das Exekutionskommando bestand aus 12 Kameraden des Deserteurs.
Nachwievor lag das Schiff untätig im Fjord, im Januar 1943 wechselte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Der Nachfolger von Großadmiral Raeder wurde Karl Dönitz - der bisherige Befehlshaber der U-Boote. Jetzt hofften die Männer der Tirpitz auf einen baldigen Einsatz, aber erst im September 1943 kam der Befehl dazu.
Zusammen mit dem Schlachtkreuzer "Scharnhorst" und 9 Zerstörern steuerte die Tirpitz Spitzbergen an. Es hies der alliierte Stützpunkt dort müsste vernichtet werden - es war eine Wettersatation.
Aber das Unternehmen diente auch der Stärkung der Moral der Besatzungen, als die Zerstörer mit den Landungstruppen auf Gegenwehr stiesen, schossen die schweren Geschütze der Tirpitz erstmals auf einen Feind. Die 38er Geschosse machten das Gebiet dem Erdboden gleich.

Wenige Tage später ankerte die Tirpitz im Kaarfjord, dieser glich einer Festung. Torpedonetze schützten vor U-Boot-Angriffen, Flak-Stellungen und Nebelanlagen auf den Bergflanken schützen vor Luftangriffen, Jäger auf einem nahegelegenen Flugplatz sollten feindliche FLugzeuge abschießen.
Trotzdem gelang es den Briten mit sogenannten "Exquafts" die Tirpitz anzugreifen. Es war ein Kleinst-U-Boot, im Gegensatz zu normalen U-Boote hatte es keine Torpedos sondern trug 4 Tonnen Sprengstoff (Amathol - den damals stärksten Sprengstoff). Es war sehr eng, 1,8m im Durchmesser und etwas mehr als 15m lang.
Die "Exquafts" konnten bis zu 90m tief tauchen und unter Wasser maximal 300 Meilen zurücklegen, aber ein Angriff auf die gut geschützte Tirpitz war schwierig.

Norwegische Widerstandskämpfer informierten die Briten das am 22. September die Unterwasser-Horchgeräte der Tirpitz wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet würden. damit stand der Angriffstermin fest.
Große britische U-Boote zogen von Schottland aus die drei "Exquafts" vor den Fjord, dies dauerte 10 Tage. Im Fjord lagen die "Tirpitz", die "Scharnhorst", die "Scheer" und die "Lützow", als die Briten nahe genug an der Tirpitz waren tauchten sie. Nach über 35m Tauchtiefe entdeckten die Briten das die Netze bis zum Grund des Fjords reichten und es auf diesem Weg kein Durchkommen gab.
Sie mussten bis auf Periskoptiefe auftauchen und hatten Glück, sie sahen wie ein Teil der Netzsperre für ein Boot geöffnet wurde und so folgten sie diesem Boot - Nur kurze Zeit später waren die Briten unter der mächtigen Tirpitz. Sie legten die Sprengladungen ab und stellten die Zünder auf 8:00 Uhr, doch die Deutschen hatten irgendetwas bemerkt, denn sie schmissen Handgranaten ins Wasser und Schossen auf alles mögliche im Umfeld.
Die britische Mannschaft bereitet sich auf den Ausstieg vor: da es den in der Marine üblichen Befehl gab alle Unterlagen bei einer Gefangennahme zu vernichten, verbrannten sie die Papiere und was nicht verbrannte wurde aufgegessen.
Als die Männer an Board der Tirpitz gebracht wurden erhielten sie Decken und Kaffee, zu ihnen wurde noch ein weiterer Überlebender eines anderen U-Bootes gebracht, dieses Boot hatten die Deutschen versenken können - vom dritten Boot fehlte jede Spur.
Unter der Tirpitz lagen jetzt Tonnen von Sprengstoff, es waren die größten Wassersprengladungen des zweiten Weltkrieges.
Während die Zeitzünder tickten taten die Engländer etwas ausergewöhnliches: Sie sagten das in ca. 1 Stunde hier alles in die Luft fliegen würde - ihr Auftrag war das Schiff zu versenken und nicht die Seeleute.
Während des gesamten Krieges gab es unter den Seeleuten aller Nationen eine gewisse "Kameradschaft", egal ob "Feind oder Freund".

Der Kommandant der Tirpitz befahl das Schiff zu verholen ("verholen" in der Marine = den Liegeplatz wechseln), aber die Kessel hatten nicht genug Dampf und so konnte er nur durch das Einholen der Ankerkette das Schiff von dem Liegeplatz abdrehen. Die Briten warteten auf die Explosion und auf ihren sicheren Tod.
Dann funktionierten die Zeitzünder - die unteren Decks traf es am Schlimmsten: es gab einen Toten und 40 Verwundete, von den Briten wurde niemand verletzt.
Dem Kapitän gelang es das Schiff nach Steuerboard zu verholen, deshalb traf die Wucht der Explosion die Backboardseite. Die Schäden waren trotzdem enorm, unter anderem waren die Türme angelüftet worden, die Ruderblätter waren beschädigt und eine Schraube war beschädigt.
Zwar hatten die Briten nicht wie erhofft das Schiff versenkt, aber so stark beschädigt, dass 1.000 Werftarbeiter aus Kiel kommen mussten um es zu reparieren. Erst im Frühjahr 1944 war die Tirpitz wieder einsatzbereit.
Unterdessen schickten die Alliierten wieder Waffen und Munition in die Sowjetunion. Um die Konvois anzugreifen konnte die Marineleitung nur die "Scharnhorst" einsetzen, ihrer Besatzung fehlten jedoch 30 Leute und so wurden diese fehlenden Männer von der Tirpitz versetzt. An Weihnachten 1943 lief der Schlachtkreuzer aus und am 26. Dezember 1943 versenkten die Briten die "Scharnhorst", von den mehr als 1.800 Mann Besatzung überlebten nur 36.
Jetzt war die Tirpitz das einzige schwimmende Schlachtschiff, das aber im Moment auch nicht Einsatzfähig war.
Von der Besatzung der Tirpitz erwarteten Seegefecht sollte es nicht mehr kommen, denn die Briten setzten auf die Royal Air Force, der Hauptgegner der Tirpitz war somit die feindliche Lufttwaffe und die schwere Artillerie der Tirpitz war somit überflüssig.

Als 1944 die Landung in der Normandie bevorstand forderte Churchill die Vernichtung der Tirpitz, zusammen mit anderen deutschen Schiffen sollte sie keine Chance haben die alliierte Invasionsflotte anzugreifen.
5 Flugzeugträger wurden vor die norwegische Küste geschickt, am Morgen des 3. April starteten die Maschinen. Begleitjäger schützen die "Barracudas" mit den neuen Sprengbomben, "Wildcats" sollten die Flak der Tirpitz ausschalten.
135 Deutsche sterben, die Reparatur des von 15 Bomben getroffenen Schiffes dauerte bis zum Herbst 1944. In dieser Zeit griffen Maschinen von Flugzeugträgern aus mehrmals die Tirpitz an, jedoch ohne gravierende Schäden zu verursachen. Die Briten begriffen das die Tirpitz mit herkömmlichen Bomben nicht zu vernichten war, es bedarf einer weitaus mächtigeren Waffe.
Ein Mann schien die Lösung zu haben: seit 1943 arbeitete der britische Konstrukteur Barnes Wallace an einer Bombe namens "Tallboy". Normale Bomben kommen oft nach dem Abwurf ins Trudeln, nicht die Talboy, sie fliegt senkrecht und ruhig exakt in das vorhergesehene Ziel. Der Sprengstoff alleine wog schon 5.600kg, am Ende hatte sie vier Flügel die ihr für die Treffsicherheit benötigte gerade Flugbahn gab.
Die Bombe hatte eine enorme Durchschlagskraft, sie durchschlug 5m dicke Betondecken von U-Boot-Bunkern und war eine einzigartige Bombe.
Um die maximale Wirkung zu erreichen musste der "Tallboy" aus mehreren tausend Metern Höhe abgeworfen werden. Um dabei das Ziel zu treffen, gab es besondere Zielgeräte, diese hatten die 9. und 617. Staffel des "Bomber Commands".

Am 10. September 1944 starteten 36 "Lancaster"-Bomber der 9. und der 617. Staffel von einem Flugplatz in Schottland, aber die Tirpitz lag auserhalb ihrer Reichweite. Sie mussten einen Zwischenstop auf einem russischen Flugplatz in der Nähe von Archangelsk machen. Dort wurden sie aufgetankt, munitioniert und starteten ihren Überraschungsangriff auf die Tirpitz.
Jedes Flugzeug trug einen "Tallboy" und für jeden gab es nur eine einzige Chance das Schiff zu vernichten, aber dafür musste die Bombe aus einer großen Höhe treffen.
Am 5. Oktober hoben die "Lancaster"-Bomber in den nächtlichen Himmel ab, die Deutschen bemerkten den Angriff frühzeitig und setzten ihre Nebelmaschinen in gang. Fast das gesamte Fjord lag unter einer Nebeldecke, wieder schien ein Angriff gescheitert zu sein doch ein in den Nebelschleier abgeworfener "Tallboy" traf die Tirpitz dann doch.
Die nicht mehr seefähige Tirpitz fuhr vom Kaarfjord aus in das gut 160km weiter süd-westlich gelegene Tromsö, als schwimmende Batterie sollte sie die von Hitler befürchtete Invasion Norwegens durch die Alliierten abwehren, aber in Tromsö konnten "Lancaster"-Bomber die Tirpitz von britischen Flugplätzen erreichen. Ein zweiter Angriff am 29. Oktober 1944 machte das Schiff bewegungsunfähig.

Obwohl die Tirpitz keine Kriegsentscheidende Rolle mehr spielen konnte, wollte Churchill das Schiff unbedingt vernichten. Kurz vor Beginn der arktischen Nacht griffen am 12. November noch einmal 29 Bomber die Tirpitz an.
In Tromsö gab es keine Nebelmaschinen zum Schutz der Tirpitz und das Wetter war klar, aber auf einem nahegelegenen Flugplatz standen Jäger bereit um die Bomber anzugreifen, doch die Jäger erschienen nicht - die Luftwaffe versagte!
Die Tirpitz musste sich gegen die Bomber alleine verteidigen - selbst die großen Artilleriegeschütze der Tirpitz wurden gegen die angreifenden Bomber eingesetzt. Es half aber alles nichts, es brach ein Inferno auf der Tirpitz aus! Mit Überschallgeschwindigkeit schlug der "Tallboy" auf der Tirpitz ein, nichts konnte die Bombe stoppen, egal wie schwer die Tirpitz gepanzert war.
Zwei "Tallboys" durchschlugen das Panzerdeck, dabei flog der Turm "Bruno" in die Luft, es gab eine gewaltige Detonation und Stichflamme. Der gesamte Turm flog durch die Luft und landete auf der Backboardseite, unglücklicherweise genau auf die Turmbesatzung die schon ausgestiegen war und Richtung Land schwamm.
Das Schiff kenterte, mehr als die Hälfte der Mannschaft kam ums Leben. Endlich war es Churchill gelungen die Tirpitz zu vernichten - "The Beast", wie er sie nannte. Hitler verlor sein letztes Schlachtschiff, für die Soldaten der Royal Air Force und der Royal Navy war es das Ende eines jahrelangen Kampfes.

Die Überlebenden der Tirpitz trauerten um fast 1.000 tote Kameraden, dass Drama um die Tirpitz war zu Ende, dass Schlachtschiff wurde versenkt ohne je ein Gefecht gegen einen Feind geführt zu haben.

Kommentare (1)Add Comment
Klaus Rohwedder
September 24, 2010
79.223.55.224
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Anmerkung zum artikel des SS TIRPITZ


Die TIRPITZ hatte eine Stammbesatzung von 2608 Mann. Davon waren ein großer Teil des technischen Personals wenige Tage zuvor bereits ausgeschifft worden und teilweise bereits auf dem Weg in die Heimat. Einigen Von ihnen ist zu danken,- weil sie noch in Tromsö waren -, dass das Einbringen ihrer Kenntnisse bei der Rettung besonders hilfreich war. Die Verluste an Menschenleben waren dennoch bedeutend. Es waren fast 900 Soldaten im Schiff verblieben und annähernd 800 konnten gerettet werden. Von diesen hat noch mancher in den letzten Kriegsmonaten oder in der Gefangenschaft sein Leben verloren. Die genauen Zahlen sind zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr zu ermitteln. Nur wenigen der Toten hat der Reichsbund für Kriegsgräberfürsorge eine Grablage auf dem Soldatenfriedhof Botn-Rognan bereiten können. Auch die bei den späteren Abwrackarbeiten gefundenen Gebeine Gefallener sind dort beigesetzt worden.
Es ist der Turm Cäsar explodiert.
Wir haben bisher 1167 Kameraden identifirieren können, die während der Einsatzen 1941-44 gefallen sind.

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