Luftwaffentechnik Dornier Dornier Do 17 / Do 215
Dornier Do 17 / Do 215

Entwicklung

Im Gegensatz zur Heinkel He 111, deren militärische Verwendung neben ihrem Einsatz bei der Deutschen Lufthansa im Entwurf von vornherein Berücksichtigung fand, wurde 1933 die Do 17 von der Luftansa nur als Schnellverkehrsflugzeug mit gegenüber der Heinkel He 70 vergrößerten Fluggastraum in Auftrag gegeben. Bereits am 23.11.1934 startete die mit zwei BMW V1 7,3 ausgerüstete Do 17 V-1 zum Erstflug. Do 17 V-2 und V-3 folgten wnige Wochen später. Die Werkserprobung verlief zufriedenstellend.  Dann wurden alle drei Maschinen der Lufthansa übergeben. Diese lehnte die Übernahme wegen der Enge und Unbequemlichkeit der für sechs Fluggäste vorgesehenen Kabine ab. Als reines Postflugzeug wären die Betriebskosten aber zu hoch gewesen.
Die drei Maschinen standen daher fast ein halbes Jahr unbenutzt in der Dornier-Werkshalle in Löwental. Flugkapitän Untucht von der Lufthansa, der Mann, der die He 70 eingeflogen hatte, sah zufällig die drei verlassenen DO 17. Die elegante Form reitze ihn. Auf seine Bitte gab man ihm die Erlaubnis, eine der drei Maschinen zu fliegen. Was Untucht dann mit der Maschine vorführte, nach dem er einige Proberunden geflogen hatte, grenzte schon an ein Kunstflugprogramm. Nach der Landung äuserte er sich begeistert: "Das Ding ist schnell und wendig wie ein Jäger. Macht die Maschin mehr seitenstabil und wir haben den idealen Schnellbomber!"

Untuchts Urteil führte zu einem kleinen Serienauftrag der Luftwaffe. Zur Verbesserung der Seitenstabilität erhielten aber die Versuchsmaschinen ab V-4 ein doppeltes Seitenleitwerk, dass gleichzeitig dem MG-Schützen des B-Standes (hinten oben) ein besseres Schussfeld gab. Anstelle der Kabine wurden Funkraum und Bombenschächte eingebaut. Ansonsten blieb die Zelle unverändert. Die Do 17 V-5 erhielt statt der BMW VI-Hispano-Suiza 12 Y-Triebwerke, während in die V-6 und V-7 (DAAQH, D-AYLI) der BMW 132 eingebaut wurde. Eine dieser Maschinen wurde im Oktober 1935 während der militärischen Vorführungen beim Erntedankfest auf dem Bückberg vorgeführt. Eigenartigerweise schien niemand zu merken, dass hier ein Schnellbomber flog, der schneller als alle in- und ausländischen im Serienbau befindlichen Jahgdflugzeuge war. Auch das Ausland merkte nichts. Erst im Juli 1937 kam es zu einer Sensation in Zürich. Die Do 17 V-8, die mit DB 600-Motoren (950 PS) ausgerüstet war (auch als Do 17 MV-1 bezeichnet, D-ACEE), war um 40 km/h schneller als der damalig schnellste ausländische JÄger, die französische Dewoitine D 510. Sie war natürlich keine Serienmaschine; Musterflugzeug für die erste Serienausführung wurde die Do 17 V-9 (D-AHAK). Ihr folgte die Do 17 V-10 (D-AKUZ), die wie V-9 mit BMW VI ausgerüstet war. Beide Flugzeuge dienten als reine Versuchsmaschinen. Die V-9 flog noch einige Jahre als Reiseflugzeug der Luftwaffe. Sie war dann aber so strapaziert, dass die Mechanik für das Einziehen des Heckrades nciht mehr funktionierte.

Do 17 E-1

Der Serienbau des Bombers E-1 lief parallel mit dem des Fernkunders F-1. Bei der Do 17 wurde zum ersten mal der Großserienbau mit Großbauteilen (Hauptrumpf, trennbare Kanzel, Leitwerk und Tragfläche), die auch bei Lizenznehmern gebaut wurden, durchgeführt. Die Zelle war so ausgelegt, dass man Triebwerke von 600 bis 1.100 PS einbauen konnte.
Trotz der durch die militärische Entwicklung bedingten wiederholten Änderungen der Bewaffnung und Ausrüstung, isr die Grundkonstruktion der Do 17 nie geändert worden. Nach dem Erfolg der Do 17 V-8 im Sommer 1937 in Zürich hatte die Do 17 ihren Spitznamen weg, den sie auch behalten hat. Die Engländer nannten sie "Flying Pencil" - Fliegender Bleistift.
Do 17 E-1 und F-1 wurden im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt, wo sie sich ausgezeichnet bewährten, da sie jeden feindlichen Jäger mühelos abschütteln konnten. Die Spanier nannten die Do 17 "Pablo" und die He 111 "Pedro", was beinahe unseren deutschen "Max und Moritz" entspricht. Bereits in Spanien zeigte sich, dass die Höhenleistung des BMW VI unzureichend war. Da der DB 600 und später DB 601 für die Jägerproduktion gebraucht wurden, rüstete man die Do 17 V-13 (MV-2, D-AYZE) und V-14 (MV-3, D-AAQU) mit dem Bramo 323 "Fafnir" aus, der in verschiedenen Versionen als Lademotor genügend Höhenreserve hatte.
Mit diesem Motor sollten die Versionen Do 17 L und M in Serie gebaut werden. Do 17 L war ein Bombenführungsflugzeug mit vier Mann Besatzung und verstärkter Funkausrüstung, während Do 17 M ein normaler Bomber mit drei MG 15 und 1.000 kg Bombenlast wurde. Von der Do 17 L sind aber nur zwei Maschinen gebaut worden. Die stärkere Bewaffnung war erforderlich geworde, da inzwischen die schnelleren Feindjäger Morane 406 und Hurricane aufgetaucht waren. Parallel zur Version M entstand der Fernerkunder Do 17 P-1, der mit dem zwar etwas schwächeren, aber leichteren BMW 132 N9 ausgerüstet wurde. Do 17 M und P ersetzten nach und nach die alten E und F.

Im Oktober 1937 wurde auf Grund einer jugoslawischen Bestellung aus der Do 17 V-8 eine Do Ka-2 hergestellt, die sich von der V-8 hauptsächlich durch den Einbau französischer Gnome-Rhone 14 No-Motoren unterschied. Jugoslawien bestellte 20 Maschinen dieses Typs mit verschiedenen Ausrüstungen als Ka-2, Ka-3 und Kb-1.
1940 erwarb Jugoslawien die Nachbaurechte und baute 50 Maschinen dieser version, die dann 1941 im Balkanfeldzug den deutschen Truppen manche unliebsame Überraschung bereiteten.

Am 19.9.1938 verfügte die Luftwaffe laut Stärkemeldung des Generalquartiermeisters der Luftwaffe über 479 Do 17 E, F, M und P. Dornier hatte aber zu diesem zeitpunkt bereits 579 Do 17 abgeliefert. Die fehlenden 100 erklären sich durch die nach Spanien gesandten und durch Bruch verloren gegangenen Maschinen.
Dornier wollte die Do 17 weiter entwickeln. So entstanden Do 17 RV-1 mit Db 600 G (D-AEEE) und RV-2 mit DB 601 A (D-ATJU). beide Versionen gingen aber wegen der immer noch starken beanspruchung der DB-Motoren für die Jägerproduktion nicht in Serie. Sie wurden von der Luftwaffe für verschiedene Zwecke als Erprobungsjäger eingesetzt.

Die nächste Version Do 17 S-O, ein schneller Fernerkunder mit DB 600 G hatte als erste den vergrößerten besatzungsraum der Do 17 Z und Do 215, wurde aber nur in drei Exemplaren gebaut. Als Ersatz für die Do 17 L entstand die Do 17 U, ein Bomberführungsflugzeug mit Db 601, von der aber aus Motorenmangel nur 15 Maschinen gebaut wurden. Sie trug eine Besatzung von 5 Mann und eine verstärkte Funkausrüstung. Sonst entsprach sie der Do 17 S-o. Als Serienmaschine dieser neuen Rumpfform entstand dann auf Grund der guten Erprobungsergebnisse mit S und U die Serie Z.
Am Jahresübergang 1938/39 erschienen die ersten Do 17 Z-O und Z-1, die das gleiche Treibwerk wie M-1 hatten und auch die gleiche Höchstgeschwindigkeit wie diese. Um die Reichweite zu erhöhen, hatte man bei der Z-1 die Bombenlast auf 500 kg herabgesetzt. Als Anfang 1939 der neue bramo 323 P, - 1.000 PS mit Zweistufenlader - verfügbar wurde, ging die Do 17 Z-2 in Serie, die zwar wieder 1.000 kg Bomben trug, aber geringere Höcgstgeschwindigkeit und Reichweite hatte. Sie erfreute sich aber wegen ihrer Zuverlässigkeit und Robustheit bei der Luftwaffe großer Beliebtheit.{mospagebreak title=Do 215 Exportmaschine}

Schweden und Jugoslawien zeigten sich an einem Kauf der Do 17 Z sehr interessiert. Dieser Export-Typ erhielt die Bezeichnung Do 215. Musterflugzeug war eine umgebaute Do 17 Z-O D-AFFY mit BRamo 323 A-1, die nun Do 215 V-1 hies. Ihr folgte noch eine Do 215 V-2 D-AIIB, auch eine ehemalige Do 17 Z-O, aber mit Gnome-Rhone 14 No-Motorren. Die beiden Käufer bestanden aber auf einer Lieferung mit DB 601-Triebwerken.
Im Sommer lief der Serienbau der Do 215 an. Schweden hatte 18 Maschinen dieses Typs bestellt, erhielt aber keine einzige dieser maschinen. Insgesamt wurden 100 Do 215 gebaut, die alle an die Luftwaffe ausgeliefert wurden. Bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 verfügte die Luftwaffe über 100 Do 17 E-1, 32 M-1 und 188 Z-1 und Z-2, dazu kamen noch 213 Fernerkunder Do 17 P-1, also insgesamt 533 Do 17/215. Inzwischen hatte aber die He 111 die Do 17 überholt; von ihr standen 705 Bomber am 1.9.1939 einsatzbereit.
Von der Do 17 Z entstanden dann noch folgende Versionen:
  • Do 17 Z-3 als Fernerkunder mit Reihenbildgeräten Rb 20/30 und Rb 50/30, 22 Maschinen gebaut.
  • Do 17 Z-4: Schulflugzeug mit Doppelsteuerung.
  • Do 17 Z-5 ähnlich Z-2, aber mit Seenotausrüstung
  • Do 17 Z-7 "Kauz I": Nachtjäger, wahrscheinlich nur 2 gebaut.
  • Do 17 Z-10 "Kauz II": Nachtjäger, 9 gebaut.

Von der Do 215 entsanden folgende Versionen:
  • A-1 Bomber mit DB 601, B-O mit B-1; für Luftwaffe umgerüstete Exportmaschinen mit FuG 10.
  • B-2 Fernerkunder mit Rb 50/30 und Rb 20/30.
  • B-3: einzige wirkliche Erxportversion, ähnlich A-1, 2 Stück für Sowjetunion.
  • B-4: Aufklärer, ähnlich b-" mit verbesserter Ausrüstung.
  • B-5: Dieser Version kommt eine besondere Bedeutung zu gute. Sie ist der erste Nachtjäger gewesen, der mit dem ortungsgerät FuG 202 "Lichtenstein BC" ausgerüstet wurde. Diese Maschinen sind von Januar 1941 bis Mai 1944 bei der I. und IV./NJG 1 und bei der II./NJG 2 im Einsatz gewesen.{mospagebreak title= Do 17/215 im Einsatz}

Do 17 und 215 im Einsatz

Fast alle Do 17 nahmen am Feldzug in Polen teil, bis auf einige Fernerkunder, die über Frankreich und  England Aufklärung flogen. Anschliesend flogen Do 17 Z Angriffe gegen die englische Versorgungsschifffahrt, später gegen küstennahme Flugplätze in Süd-England und bestimmte Punktziele.
Während der so genannten "Schlacht um England" waren folgende verbände mit Do 17 ganz oder teilweise ausgerüstet.
  • I. Fliegerkorps: Kampfgeschwader 76
  • II. Fliegerkorps: Kampfgeschwader 2 und 3
Daneben noch einige Fernaufklärungsstaffeln.
Waren im Balkanfeldzug noch einige Gruppen mit Do 17 Z-2 ausgerüstet, so war doch bis zum beginn des Russlandfeldzuges die Umrüstung der Kampfverbände auf Ju 88 A weitgehend durchgeführt. Lediglich die Fernaufklärungsstaffeln des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, von denen die 2.(F) für die Luftflotte I flog, waren noch mit Do 215 ausgerüstet.

Es muss festgestellt werden, dass die Do 17 Z zu den besten Flugzeugen gehörte, die die Luftwaffe bei Beginn des Krieges besas. Während der Schlacht um England war die Do 17 Z bei den Engländern gefürchteter als die Ju 88 und He 111. Kein anderer deutscher Flugzeugtyp konnte Überraschungsangriffe im Tiefflug, das so genannte "Heckenspringen", so vollendet durchführen. Obwohl auser bei Treibstoffbehältern keine Panzerung eingebaut war, zeigte sich die Do 17/215 gegen Beschussschäden relativ unempfindlich. Die festigkeit der Konstruktion lies sogar Bahnneigungsflüge mit Geschwindigkeiten bis 600 km/h zu. Ihre Wendigkeit und schnelle Reaktion auf geringste Steuerausschläge machte sie sogar für die englischen Hurricanes und Spitfires zu einem Ziel, dass schwer zu fassen war.
Die genaue Zahl aller gebauten Do 17/215 ist nicht mehr fest zu stellen. 1939/40 wurden 475 Bomber, 16 Aufklärer und 9 Nachtjäger Do 17 und rund 100 Do 215 gebaut.

Technische Daten

    E-1     F-1
 M-1
 P-1
  Z-2 
 Z-10 
  215 B-1 
 B-5 
Zweck  Bomber Fernerkunder 
Bomber 
Fernerkunder 
Bomber
Nachtjäger
Aufkl.-Bomb.
Nachtjäger
Besatzung 3 3 3 3 4 3 4 3
Triebwerk
BMW V1 7,3
BMW
V1 7,3
Bramo 323 A-1
BMW
132 N
Bramo 323 P
Bramo
323 P
DB 601 A
DB 601 Aa
PS
2 x 660 2 x 660 2 x 900
2 x 865
2x1000
2x 1000
 2 x 1100
2 x 1175
Spannweite
18 m
18 m  18 m  18 m 18 m 18 m 18 m 18 m
Länge 16,25m
16,25 m  16,25m  16,25 m 15,8 m
16,2 m
15,8 m
16,2 m
Höhe
4,32 m
4,32 m  4,60 m
4,60 m 4,60 m 4,60 m 4,60 m 4,60 m
Leergewicht
4500kg
4500 kg
4800 kg
5200 kg
5200kg
5200 kg
6800 kg
6800 kg
Fluggewicht 7040kg 7000 kg 8000 kg
7650kg
8860kg
8510 kg
8,8-9,5 t
8800 kg
Bombenlast
750 kg
 -  1000kg
 -  1000kg
 - 1000 kg
 -
Höchstgesch. 354 354
410
410
360
420
485
500
Gipfelhöhe
5100 m
6000 m
7000 m
6900 m
7000 m
8000 m
8200 m
9000 m
Reichweite
1500km
2050 km
1360km
2200 km
1160km
2000 km
2450 km
1800 km
Ausrüstung
 - Rb 50/18 od.
Rb 50/30
 - Rb 20/30 od.
Rb 50/30
 - Spanner+
FuG 202
 - FuG 202
Bewaffnung
2 x MG 15
2x MG 15
3 x MG 15
3 x MG 15
6-8 MG 15
4 MG 17 +
2 MG 151/20
6-8- MG 15 1 MG/FF +
4 MG 17
später:
3 MG/FF+
3 MG 17
Kommentare (2)Add Comment
Horst Brameyer
August 18, 2010
79.240.235.6
...

Die Angaben zur Kennung Do 17 D-AYLI kann ich bestätigen. Ich bin im Besitz von original Flugbücher mit der Aufzeichnung von Erprobungsflügen von der E-Stelle Rechlin B Süd. Darin sind 159 Erprobungsflüge im Zeitraum vom 26.4.38 bis 19.8.39 unter D-AYLI und 12 Flüge unter WL-AYLI im Zeitraum vom 1.9.39 bis 2.11.39 aufgezeichnet. Es erfolgte eine weitere Umkennzeichnung in DL+AO dazu gibt es im Zeitraum vom 13.11.39 bis 14.8.41 74 Flugbuchaufzeichnungen. Mein Vater war Bordmechaniker der D-AYLI,WL-AYLI bzw. der GL+AO. Am 6.9.1040 wurde dann die Do217v7 mit der Kennung CO+JK von Friedrichhafen nach Rechlin überführt. Mit diesem Flugzeug gibt es 362 Erprobungsflugbuchaufzeichnungen. Die gemachten Angaben kann ich durch original Flugbuchaufzeichnungen belegen.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Brameyer
(Dipl.-Ing.)

Horst Brameyer
August 18, 2010
79.240.235.6
...

Entschuldigung es muss GL+AO heißen, anstelle DL+AO!

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. Februar 2010 um 12:45 Uhr
 

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