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Seite 1 von 15 Entwicklung und Entstehung Der kriegerische Einsatz chemischer Kampfmittel, Bransätze und Raketen ist uralt: Schon die Chinesen und die Spartaner im Peloponnesischen Krieg 431-404 v. Chr. hatten sie benutzt. Auch noch im 19. Jahrhundert verwendeten England, Dänemark, Schweiz, Frankreich (in Algier), Griechenland (ab 1840), USA (ab 1846), Preußen (bis 1872), Österreich (bis 1867) und vor allem Russland gegen Polen, Türken, Chinesen und im Krim-Krieg Raketen als wirksame Waffe. Ihre Weiterentwicklung in Deutschland wurde dagegen durch die Verbesserung der Artillerie blockiert, bis der Verlauf des I. Weltkrieges ab 22.4.1915 im Zuge des Stellungskrieges und des Einsatzes chemischer Reizstoffe die Notwendigkeit großkalibriger, beweglicher Minien- und Gas-Werfer mit größeren Schussweiten erwies und der Versailler Vertrag mit seinem Verbot schwerer Artillerie, von Panzern und Luftwaffe zur Stärkung der waffenmäßigen Abwehrkraft nicht-verbotene Waffen wie Nebel und Rakete wieder in den Vordergrund treten ließ. Seit MItte des vorigen Jahrhunderts verdrängte Möglichkeiten wurden aufgegriffen; die zeitweilige militärische Zusammenarbeit mit der Roten Armee im Rahmen des Rapallo-Vertrages hatte manche Ansätze bestärkt. Schon seit 1910 hatten die Raketenforscher Hermann Oberth und Goddard Grundlagen-Forschungen betrieben, denen ab 1925 erste Versuche mit Pulver-Raketen, 1928 Fritz v. Opels und M. Valiers Raketen-Wagen, 1929 der versuchsflug eines Raketen-Flugzeuges und 1931 Winklers Flüssigkeits-Rakete folgten. So waren die ersten Maßnahmen der Heeresleitung und des Heeres-Waffebantes unter Gen.d.Art.Prof.Dr.Becker nicht nur zeitgemäß und zweckmäßig, sondern auch von großer Weitsicht getragen, in dem sie 1929/1930 die erste Weichenstellung für ein neues Zeitalter vornahmen, dass dann geprägt wurde durch Walter Dornberger und Werner v. Braun. Deutschland hatte hier einen Vorsprung von sechs bis zehn Jahren. England begann erst im Juli 1936, so dass es Ende 1941 die Aufstellung von Raketen-Batterien erreichte, die USA folgten ab 1949 und setzten 1942 auf Schiffen und Flugzeugen Raketen ein. Die Sowjetunion trat ab Ende 1941 mit ihren "Katjuscha"-Werfern 82, 132, 400 mm von T-Schienen auf Lkw und Panzerwagen ("Stalinorgel") auf. Bis 1945 jedoch behielt Deutschland in der stürmischen Weiterentwicklung dieser Waffe seine überlegene Führung. Zunächst wurden, ausgehend von den Nebel- und Entgiftungs-Einheiten, nebeneinander - im Rahmen der sich entwickelnden Nebeltruppe - Feld-Raketen-Einheiten aufgebaut, bei denen sich unter den Anforderungen des Krieges der technische Durchbruch vollzog, so dass das Schwergewicht dann dort lag: 1934 noch Nebel/Granat-Werfer, 1937 Feld-Raketen-Mehrfachwerfder, 1939 Durchbruch zur Groß-Rakete, entwickelte 1942/45 zur Fernrakete im operativ-strategischen Bereich. Danch fielen ab 1941 Infanterie-Panzerabwehr-Raketen und ab 1942 Flugabwehr-Raketen wie eine Art Nebenprodukt dieser Entwicklung ab. Aus Artillerie und Chemie-Truppe enstand die Werfer-Truppe, die sich heute in Artillerie-Raketen und strategischen Raketen-Truppen darstellt, wenn man von FlaRak-Verbänden und den InfRaketen absieht. Dieser technische Durchbruch gründete sich auf die Verwendung von Strahltriebwerken mit elektrischer Zündung, die - frei von statischem und dynamischem Auftrieb - bei Rückstossfreiheit und glattem Rohr nicht nur größere Kaliber, sondern auch durch unbegrenzte Schub-Verstärkung neue Anfangsgeschwindigkeitsbereiche eröffnete und damit - praktisch unabhängig von der Luftwaffe - ungeahnte Schussweiten zulässt, die das Geschoss zum Flügkörper werden lassen. Damit wurde der Vorstoss durch die Lufthülle über das Schwerefeld der Erde hinaus möglich, kombiniert mit elektronische Steuerung und automatischer Zielsuche. USA und Sowjetunion bedienten sich ab 1945 der deutschen Konstruktionen und Techniker. Nach Entwicklung der Dralldüsen durch das Heeres-Waffenamt ab 1931, die mit ihren schräg gebohrten Austrittsöffnungen und dem Randdüsenzünder beim Austritt der Verbrennungsgase des Treibsatzes die Wurfgranate in eine im die Längsachse rotierende Bewegung versetzten und so ohne Flügel - wie dir Russen - und ohne Züge - wie die Artillerie - in der Flugrichtung stabilisierten, und nach dem erfolgreichen Abschluss der Versuche mit dem Rauchspur-Gerät durch Hptm.Dr.Ing.Walter Dornberger und seinen Mitarbeiter Wernher v. Braun Ende 1935 gelang mit dem 15 cm NbWf 41 bis 1937 die Entwicklung des Standart-Merhfachwerfers, der nicht nut alle vorherigen Konstruktionen ablöste, sondern bis Kriegsende gefertigt und eingesetzt wurde. Der "Do-Werfer" bot folgende Fortschritte: Die Rückstossfreiheit erlaubte ein niedriges Werfer-Gewicht (540 - 1200 kg), das nur rund ein Viertel bis ein Zehntel der entsprechenden Geschütze der Artillerie betrug, eine geringe Feuerhöhe und eine günstige Geländegängigkeit, selbst im Mannschaftszug, falls nötig. Die Waffe war robust, von großer Lebensdauer und einfach, auch in der Bedienung. Die glatten Rohre zeigten praktisch keinen Verschleiß; die Abschussgestelle waren weitgehend standartisiert; die meisten Werfer hatten nur eine Ladung. Daher kostete der Werfer nur ein Drittel bis ein Zwanzigstel der vergleichbaren Artillerie-Geschütze (1.500 - 5.000 RM). Der Werfer ist also eine Billig-Wafe des "armen Mannes". Und seine Produktionszeit erforderte nur die Hälfte bis ein Drittel der entsprechenden Artillerie-Waffen! Die schweren Wurf-Geräte und Wurf-Rahmen verschossen ihre Wurfkörper sogar auf den Packkisten. Nicht nur die (damals) großen Kaliber der Wurfgranaten und Wurfkörper von 15 bis 32 cm, sondern vor allem das doppelte bis gleiche Geschossgewicht (bei den großen Kalibern), die doppelte bis neunfache Sprengstoffmenge im verhältnis zum Geschossgewicht und die durch die dünne Wände der geschosse entstehende große Druckwelle bei geringer Splitterwirkung führten zu einer äuserst gesteigerten Wirkung im Ziel. Die großen Geschossgewichte waren dem des 21 cm Mörsers gleich. Dazu trat die Flächen-Deckung: Eine Werfer-Batterie deckte mehr als die Wirkungsfläche einer Artillerie-Abteilung mit 650 m x 100 m, eine Werfer-Abteilung die eines Artillerie-Regimentes mit ca. 2000 m x 100 m. Eine derartige wikrung war bis dahin unbekannt. Elektrische Zündung der Werfer beim Abfeuern erhöhte die Schussfolge; die Mischung von Spreng-, Flamm- und Nebel-Munition verdichtete die Wirkung. Als Heeretruppe waren die Werfer voll motorisiert; eine zeitweise Eingliederung in Div.-Artillerie-Regimenter ab 1.3.1942/43 - wie z.B. in der A.R.336, 340, 345, 371, 376, 377, 383, 384, 386 (mot.), 287, 389 und als 7./ und 8./ der SS-Art.Battr., seien es Wf.-Batterien oder Wf.-Abteilungen - blieb eine Ausnahme. Werfer und Werfer-Einheiten mussten besonders beweglich sein, weil nach den ersten Salven ihre Feuerstellungen für den Gegner ziemlich leicht erkennbar waren, so dass sie sofort wieder geräumt wurden, um Verluste zu vermeiden. Daher war die Ausstattung mit Kraftfahrzeugen relativ großzügig, geländegängige Halbketten-Zugmaschinen 1t und 3t. Trotz der wenigen Nachteile der Waffe - halbierte Schussweiten der Artillerie, kein Einsatz als Einzelwaffe, kein Wirken gegen Punktziele, geringe Zerstörungseigenschaften gegen Stellungen und Bauten, kein Sperrfeuer dicht vor der vordersten Linie, kein Verweilen in einer Feuerstellung - galt die Werfertruppe als Schwerpunk-Waffe, für einige Großangriffe als Bahnbracher, in der Abwehr zum Zerschlagen feindlicher Bereitstellungen und zur Abriegelung von Einbrüchen. Sie vereinte Überraschung durch schlagartige Feuerüberfälle mit Wucht durch überlegene und entscheidende Einschlag-Dichte, eine Massen-Waffe. Das verlangte von ihrer Führung ständige Vorausplanung und besondere Einsatz-Überlegungen, abweichend von der Rohr-Artillerie, wenn auch wirkungsmäsig die Zusammenarbeit notwendig war. Die Regel war der Einsatz einer Abteilung, der einer Batterie Ausnahme, wenn auch Ausreichend; größere Verbände kamen nur für den Großkampf in Frage. Dabei hatte sich das Heeres-Waffenamt für Mehrfachwerfer mit wenig Rohren (4-10), dafür viele Werfer entschieden im Gegensatz zu den Russen mit ihren Vielfachwerfern. In zehn Jahren verlief die Entwicklung von den ersten Versuchseinheiten zur schlagkräftigen Werfertruppe, die praktisch erts ab 1941 voll zur Geltung kam und Mitte Dezember 1944 ihren größten Gesamteinsatz erlebte, mehr als stürmisch, Sie hatte sich in sechs Jahren zwischen 1939 und 1945 verfünzigfacht; 1939 umfasste die jüngste und kleinste, aber eine der modernsten Waffengattungen insgesamt 100 Offiziere, 332 Unteroffiziere und 1.612 Mannschaften, zusammen ganze 2.044 Soldate, mit 96 Werfern und 484 Kfz - 1945 waren es dagegen 5.257 Offiziere, 18.150 Unteroffiziere und 88.914 Mannschaften, zusammen 112.321 SAoldaten, mit 4.816 Werfern und 20.066 Kfz! Die Produktion an Werfern und Munition zeigte 1941/45 folgendes Bild:  Im Juli 1944 verlangte Hitler mit einer SAteigerung auf 3,6 Mill. Schuss Werfer-Munition einen Höcsht-Ausstoss; am 20.8.1944 forderte er eine sofortige "Stoss-Aktion" für 1.500 neue Werfer bis zum 20.10. d.J., was in einer Gewalt-Aktion von fünf bis sieben Monatsproduktionen auch erreicht wurde. So konnten dann am 16.12.1944 bei beginn der Ardennen-Offensive ahct Werfer-Briganen mit 957 Werfern, davon 369 schwere, bei drei Angriffs-Armeen, je Armeekorps eine Brigade, eingestzt werden:
- 6. Pz.Armee V.Wf.Brig. 4,9 und 17 mit 214 Nb.Wf. 15 cm, 108 Nb.Wf. 21 cm, 18 Nb.Wf. 30 cm, zusammen 214 le. und 126 s.Wf. = 340 Werfer
- 5. Pz.Armee V.Wf.Brig. 7,15 und 16 mit 232 Nb.Wf. 15 cm, 54 Nb.Wf. 21 cm, 54 Nb.Wf. 30 cm, zusammen 232 le. und 108 s.Wf. = 340 Werfer.
- 7. Armee V.Wf.Brig. 8 und 18 mit 140 Nb.Wf. 15 cm, 54 Nb.Wf. 21 cm, 54 Nb.Wf. 30 cm, zusammmen 140 le. und 108 s.Wf. = 248 Werfer.
Das waren 3.5.28 Rohre 15 cm, 1.215 Rohre 21 cm und 756 Rohre 30cm Kaliber allein bei der Heeres-Werfertruppe! Abgesehen von dem endgültigen Misserfolg, der durch den russischen Großangriff im Osten, die Wetterlage und feindliche Luftüberlegenheit bestimmt wurde, ist dieser letzte deutsche Großangriff der Höhepunkt der Werfer-Waffe. Erstmals übertraf die Zahl der Werfer-Rohre die der Rohrartillerie mit 1.003 leichten und 659 schweren geschützen um weit mehr als das Doppelte. Bei Lriegsende 1945 namhen die Werfer, die rund die Hälfte ihres Bestandes einnbüsten, wesentliche artilleristische Aufgaben wahr. Andere Aufgaben nahmen die Fernraketen V1 (seit zehn Monaten) und V2 (seit sieben Monaten), die Infanterie mit ihren Pz.AbwRak wie PzFaust, Ofenrohr, PtSchreck und Puppchen und die Flab.Rak mit Schmetterling, Enzian, Rheintochter und Wasserfall war. Alle führten eine epochemachende Zäsur herbei. Zur Vemeidung des Begriffs "Rakete" wird die Bezeichnung "Nebenwerfer" oder "Do-Werfer" (nach Dronberger) gebraucht; der Name von Dipl.Ing. Rudolf nebel hat - wie oft behauptet - damit nichts zu tun.
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