Geschütze Flugabwehrkanonen FlaK 10,5 cm Flak 38 und 39
10,5 cm Flak 38 und 39
10,5 cm Flak 39Schon während des ersten Weltkrieges forderte die damalige Oberste Heeresleitung (OHL) eine Verstärkung und Steigerung der vorhandenen Flakwaffe. Das führte dazu, dass neben der 8,8 cm Flak von Rheinmetall eine 10,5 cm Flak auf Eisenbahn-Plattformwagen und von Krupp eine 10,5 cm Flak für einen ortsfesten Einsatz entwickelt wurde.
Nach Kriegsende durften auch diese Waffen laut Versailler Vertrag in nur begrenzter Zahl auf den der Kriegsmarine belassenen Schiffen stationiert sein. Erst nach 1933 erfolgte von den beiden bereits genannten Firmen eine Weiterentwicklung dieser Waffe für den Einsatz auf dem lande. Mitte 1935 wurden die ersten Prototypen einer neuen 10,5 cm Flak vorgestellt und 1936 in Truppenversuchen erprobt.
Eingeführt wurde die Kanone 1938 unter der Bezeichnung 10,5 cm Flak 38.
Das geschütz stand auf Horizontierungsstellern des Lafettenkreuzes. Mit Hilfe der Horizontierungsvorrichtung konnte eine Neigung von 2°, mit der Horizontierung in der Pivot-Sockellafette nochmals ein hang bis zu 5° ausgeglichen werden.

Bis zur laufenden Nr. 120 hatten die Geschütze ein ungeteiltes Seelenrohr mit 36 Zügen, das der folgenden Geschütze bestand aus drei Teilen. Das Öffnen und Schließen des Flakkeilverschlusses mit Schubkurbelantrieb erfolgte selbsttätig oder von Hand. An der rechten Lafettenseite befanden sich die Höhen- und Seitenrichtmaschine mit ihren Pittler-thoma-Hydraulik-Getrieben und den zugehörigen Elektromotoren. Diese und die automatische, elektrische Ladeeinrichtung an der linken Geschützseite sowie die ebenfalls dort angebrachte Zünderstellmaschine, wurden mit Gleichstrom gespeist.
Als Kraftstoffquelle für die vier Geschütze einer Batterie diente der Maschinensatz 38. Er bestand aus einem Achtzylinder-Verbrennungsmotor mit einem festgekuppelten Gleichstromgenerator und einer zugehörigen Schaltanlage. Die Generatorleistung betrug bei einer Spannung von 260 Volt etwa 26 kW.
Fahrbar war der Maschinensatz mit dem Sonderanhänger 104. Wenn die Möglichkeit bestand, wurde der Strom für die Geschütze aus dem ortsnetz von 220/380 Volt gezapft. Bei Ausfall der Stromzuführ konnte notfalls die leistung der Motoren durch Muskelkraft ersetzt werden.

Das Seitenrichtfeld der 10,5 cm Flak war unbegrenzt. Das Höhenrichtfeld reichte von -3° bis +85°. geladen wurde das Geschütz mit Hilfe der automatischen Lade- und Ansetzeinrichtung. Die Feuergeschwindigkeit betrug 12-15 Schuss pro Minute.
Die Bekämpfung von Flugzielen erfolgte in der Regel im indirekten Richtverfahren. Die dafür vom Kommandogerät 36 oder 40 ermittelten Schusswerte für Seite, Höhe und Zünderlaufzeit wurden durch das Übertragungsgerät 30 auf die Lampenempfänger der 10,5 cm Flak 38 übertragen. Später war die 10,5 cm Flak 39 mit dem Übertragungsgerät 37 an die zugehörigen Wechselstrom-Folgezeiger-Empfänger angeschlossen.
Fahrbar war das Geschütz mit dem Sonderanhänger 203. Zur Fahrstellung musste das Rohr um 1125 mm zurück gezogen werden. Dafür befand sich auf der linken Seite des Wiegentroges der Rückziehtrieb, der mit Hilfe einer Kurbel betätigt wurde.

Verfeuert wurde mit der 10,5 cm Flak Patronenmunition. Das Gewicht der 10,5 cm Sprgr.Patr. L/4,4 betrug etwa 26,5 kg. Das mit einem zeitzünder ZS/30 oder S/60 versehene Geschoss hatte zwei Kupfer/Stahl- oder zwei Sintereisen-Führungsringe.
Die Sprengladung bestand aus etwa 1,5 kg Amatol, die Treibladung aus 5,63 kg Digl.-Rp.
Die Panzer-Sprenggranat-Patrone mit Bodenzünder hatte ein Geschossgewicht von 15,5 kg, das der Patrone 26 kg. Die Treibladung bestand aus 4,9 kg Digl.-RP. Das Geschoss durchschlug auf 1.000 m Entfernung bei einem Auftreffwinkel von 60° 140 mm Panzerstahl.

In den letzten Kriegsmonaten wurden von einigen Batterien pfeilstabilisierte Geschosse mit einer höheren Vo und damit einer größeren Schusshöhe, Schussweite und Durchschlagskraft verschossen. Bei dem "unterkalibrierten Geschoss" waren am Boden ein Treibspiegel und am zylindrischen Teil des Geschosses bis zu drei Zentrierringe vom Rohrdurchmesser angebracht. Diese fielen nach dem Verlassen des Rohres ab.
Die Vo, die mit der Sprgr. der 10,5 cm Flak erreicht wurde, betrug 900 m/sek, die größte Schussweite bei 45° Rohrerhöhung 17.700 m, die größte Schusshöhe bei 85° 12.800 m.
Das waren wesentlich höhere ballistische Werte, als sie mit der 8,8 cm Flak 18, 36 oder 37 erreicht werden konnten. Dennoch war die 10,5 cm Flak wegen ihres verhältnismäßig hohen gewichts von 14.600 kg in Fahrstellung auf dem Sonderanhänger 203 und 10.240 kg in Feuerstellung weniger für den direkten Fronteinsatz geeignet als die leichtere und wendigere 8,8.
Nach einer Aufstellung des Luftwaffen-generalquartiermeisters waren im Februar 1945 im Einsatz:
  • 10,5 cm Flak 38/39 verlegefähig (v): 898
  • 105, cm Flak 38/39 Eisenbahn: 110
  • 10,5 cm Flak 38/39 ortsfest (0): 876
10,5 cm Flak 39
10,5 cm Flak 39

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 28. Oktober 2009 um 00:14 Uhr
 

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