Beuteflak

Unter Beuteflak versteht man Geschütze, die während des Krieges in deutsche Hände fielen und, soweit noch funktionsfähig, für den eigenen Bedarf eingesetzt wurden.
Nur die 8,35 cm Flak 22 (t) war bereits vor Kriegsbeginn aus Beständen des tschechischen Heeres von der Wehrmacht übernommen worden, wie diese auch eine Anzahl 4 cm Flak Bofors M33 schon bei der Eingliederung Österreichs an das Deutsche Reich 1938 vereinnahmt hatte und später auf vielen Kriegsschauplätzen erbeutete.

Die schweren Beutegeschütze standen vorwiegend ortsfest in sog. Flaksperrfeuerbatterien im Heimatkriegsgebiet oder im besetzten westlichen Ausland und am Atlantikwall im Einsatz, während vor allem die 4 cm Bofors fast an allen Fronten zur Truppe kam. Zur Bedienmannschaft der schweren Batterien in der Heimat gehörte im verlauf des Krieges mehr und mehr sog. Hilfspersonal. Dazu zählten in erster Linie die Luftwaffenhelfer. Dies waren Schüler, später auch Lehrlinge, der Jahrgänge 1926-1929. Aber auch Männer des Arbeitsdienstes versahen an Stelle der zur Front versetzten Flaksoldaten in den Flakstellungen Dienst.
Später wurden sogar Männer aus Betrieben zumindest nachts als Flakwehrmänner zur Bedienung der zum Schutz ihres Werkes eingesetzten Geschütze herangezogen.

Der Kampfauftrag der Sperrfeuerbatterien lautete, vor dem zu schützenden Objekt einen Sperrfeuergürtel zu legen, um den anfliegenden Gegener an einem gezielten Bombenabwurf zu hindern.
Viele dieser Batterien waren daher auch nur mit einem Kommando-Hilfs-gerät, dem Kdo.Hr.Ger.35 ausgerüstet. Damit erfolgte bei Sicht am Tag und nachts auf von Scheinwerfern erfasste Ziele die Feuerleitung, oder sie bekamen ihre Richtwerte von einer mit Funkmess- und Kommandogerät 40 ausgerüsteten nachbarbatterie über die Umwertung, in der mit Hilfe eines Malsi-Gerätes deren Richtwerte für die eigene Batterie umgerechnet wurden.
Bei schlechter Sicht oder künstlicher Vernebelung schossen diese Batterien nach einer Sperrfeuertafel, auf der die Schusswerte für Seite, Höhe und Zünderlaufzeit für bestimmte Sperrfeuerzonen verzeichnet waren. Bei diesem verfahren war allerdings der Munitionsverbrauch sehr hoch, ein Abschusserfolg jedoch gering. Dennoch umflog der Gegner nach Möglichkeit diese Sperrfeuergürtel, weil auch "Hornissenstiche" unangenehm sein konnten.

Die 8,35 cm Flak M 22 (t)

Gleich zu beginn des Krieges wurden deutsche Flak-Batterien aufgestellt, die mit der tschechischen 8,35 cm Flak M 22 von Skoda ausgerüstet waren. Besonders zu erwähnen wäre da die Flak-Abteilung z.b.V. "Danzig", die bereits im Juli 1939 im Flak-Regiment 11 aus Freiwilligen aufgestellt wurde und in der "Heimwehr Danzig" Luftschutz- und Erkampfstellungen um Danzig und Zoppot mit der 8,35 cm Skoda-Flak und der 2 cm Flak 30 bezog.
Bei Kriegsbeginn hatte sie Anteil an der Einnahme von Gdingen (Gotenhafen). Vorwiegend aber kam die 8,35 cm Flak wegen der unzureichenden Richtmittel in Heimatsperrfeuerbatterien sowohl beim Heer als auch bei der Luftwaffe zum Einsatz. Eine Anzahl der zunächst in Böhmen und Mähren im Luftgau XVII (Wien) aufgestellten Einheiten wurden von da 1941 in bereits von Luftangriffen betroffene Gebiete verlegt, wo sie vor allem als Sperrfeuerbatterien eingesetzt wurden.

Die 8,35 cm Flak M 22 (t) war ein Geschütz mit Rohrrücklauf, waagerechtem Keilverschluss, Rohrbremse, Federvorholer, Federausgleicher und Aufsatz für direktes Schießen auf Flugzeuge.  Das Rohr neuerer Ausführungen bestand aus einem Mutterrohr mit dünnwändigen Futterrohr.
In dessen gezogenem Teil waren die 32 Felder und 32 Züge für einen rechtsgängigen konstanten Drall eingearbeitet. Die älteren Mantel-Schrumpfrohre bestanden aus einem Seelenrohr, vier Schrumpfrohren, dem Mantelrohr und dem Bodenstück. Als Verschluss diente bei beiden Rohren ein waagerechter, nach rechts sich öffnender Flachkeilverschluss.
Die Lafette bestand aus der Wiege mit Rohrbremse und dem mit ihm verbundenenFedervorholer. Letzterer hatte die Aufgabe, das Rohe nach dessen Rücklauf beim Schuss wieder in die Schusslage zu bringen.
Die Oberlafette war eine Pivotlafette mit einem Seitenschwenkbereich von 360°. Zwei Federausgleicher hoben das Übergewicht des Rohres nach vorn auf und ermöglichten einen leichten gang der Höhenrichtmaschine. Diese be diente auf der linken Seite der Lafette mit Hilfe zweier Richträder der Höhenrichtkanonier von seinem Richtsitz aus. Der Höhenrichtbereich reichte von -5 bis +85°.
Auf der rechten Geschützseite saß der Seitenrichtkanonier an seinen beiden Richträdern. Die Seitenrichtmaschine konnte durch eine Ausschaltkupplung ausgeschaltet werden, so dass das geschütz per Hand rasch in eine gewünschte Seitenrichtung geschwenkt werden konnte.
Die Richtsitze waren an der Oberlafette angelenkt und machten mit ihr die Seitenschwenkungmit. Die Abfeuerung konnte durch Hand- oder Fußbedienung auf der linken Seite derOberlafette bedient werden.
In der Unterlafette lagerte der Pivotzapfen im Pivotschlitten, durch den die Horizontierung der Oberlafette möglich war.
Beim direkten Richten musste zuerst das Rundblickfernrohr 32 für die Seiteneinstellung und anschließend das liegende Rundblickfernrohr 32 für die Höhe auf den tiefsten sichtbaren Punkt des Zieles eingerichtet werden.

Fahrbar war das Geschütz auf einem vierrädrigen Fahrgestell, dem Geschützwagen M24, von dem es in Feuerstellung nicht abgesenkt werden konnte. Die Standfestigkeit wurde durch zwei Spreizarme gesichert. Der Wagenhinterteil trug die Sitze für die Bremser, die mit Hilfe der Handbremsräder die Handbremse bedienten. Die Holzsprechenräder des Geschützwagens hatten einen Durchmesser von 130 cm. Sie waren mit einem eisernen Radreifen von 20 cm Breite versehen.

An scharfer Munition wurde die zeitzündergranante M 23 verschossen, deren Anfangsgeschwindigkeit, die Vo, betrug 800 km/sek. und ihr Gewicht 10 kg. Die Granatpatrone wog 18,2 kg.
Gelagert und transportiert wurden sie in Kästen zu je drei Stück. Die größte Schusshöhe betrug 12.180 m. Das geschütz wog sowohl in Fahr- wie in feuerstellung 8.800 kg, da das Fahrgestell nciht vom gesmchütz getrennt werden konnte.

Die 2,5 cm Flak Hotchkiss 38 und 39

Die 2,5 cm Flak Hotchkiss 38 und 39 waren französischer Herkunft und wurden von der deutschen Wehrmacht nach der Besetzung Frankreichs übernommen. Am 1.3.1944 befanden sich nach einer Erhebung des Generalquartiermeisters im Generalstab der Luftwaffe noch 36 Geschütze in 3 Batterien im Einsatz. Dagegen besagt eine andere Quelle, dass zum gleichen Zeitpunkt insgesamt noch 549 Geschütze bei den drei Wehrmachtsteilen eingesetzt waren.
Die Maße, gewichte und Ballistischen Werte beider Waffen waren gleich. Sie unterschieden sich lediglich in der Lafettierung und Fahrbarmachnung. Beim Schießen ruhte die 38er Lafette auf den Stütztellern der Home. Der Richtschütze saß an der linken Seite der Oberlafette auf seinem Richtsitz und bediente mit der rechten Hand das Höhenrichthandrad, mit der linken das Seitenrichthandrad um mit dem rechten Fuß den Abzug.
An der rechten Seite standen der Ladekanonier und der Visiersteller auf einer Plattform. Zur Fahrbarmachung wurden die beiden Hinterholme zur Zugstange zusammen geklappt, der Vorderholm agehoben und gezurrt, während die beiden Räder in die Achse eingesteckt werden mussten.

Die 39er Lafette war auf einem Sonderanhänger fahrbar. Zum Schießen wurde das geschütz abgesetzt und der Sonderanhänger ausgefahren. Die Waffe war gleitbar auf der Wiege angeordnet und mit der in der Wiege eingebauten brems- und Vorholereinrichtung gekuppelt. An der rechten Lafettenwand war die Höhen- und an der linken die Seitenrichtmaschine angebaut. Der Richtkanonier saß hinter den Lafettenwänden auf seinem Richtsitz, der längsverschiebbar auf den beiden Ausgleichern lagerte und bediente von da gleichzeitig beide Richthandräder udn die Abzugsvorrichtung.

Der Höhenrichtbereich beider geschütztypen reichte von -5° bis +80°. Der Seitenrichtbereich war unbegrenz. Die Feuerhöhe der abgesetzten Lafette betrug bei der 38er Hotchkiss 837 mm, der der 39er Hotchkiss 615 mm, das gewicht der geschütze in Fahrstellung mit Visier von der 38er Hotchkiss war rund 1.000 kg, von der 39er Hotchkiss 1.180 kg, das gewicht in Feuerstellung mit Visier von der 38er 837 kg, von der 39er 855 kg.
Die Oberlafette wog bei der 38er 104 kg, bei der 39er 430 kg, die betntung wog bei der 38er 365 kg, bei der 39er 286 kh.
Die Patronenzufuhr erfolgte bei beiden  Waffen aus einem oben angeschwmenkten Flachmagazin, das 15 Patronen enthielt und 16,55 kg schwer war. Das geschossgewicht der 2,5 cm Sprgr. patr. L-spur Flak (hotch.) betrug 0,250 kg, das der Patrone etwa 0,680 kg.
Die Leuchtreichweite der Lichtspur reichte bis etwa 2.000 m vor dem Rohr. Die theoretische Schussfolge wurde mit 250 Schuss/min. angegeben, praktisch waren jedoch nur etwa 180 Schss/Min. möglich. Die Vo betrug 900 m/sek., die größte Schussweite war 7.500 m, die größte Steighöhe 5.250m. Das Gewicht der Waffe mit rohr und Mündungsdämpfer betrug 116 kg, das Rohr wog mit Mündungsdämpfer 44 kg. 12 Züge waren in den 1.340 mm langen gezogenen Teil des Rohres eingeschnitten. Bei den Hotchkiss wurde das Flakvisier DCA 951 verwendet.

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 19. Juli 2009 um 19:28 Uhr
 

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