Geschütze Flugabwehrkanonen FlaK Der Einsatz von Behelfspersonal bei der Flak
Der Einsatz von Behelfspersonal bei der Flak
Verluste an den Fronten und die Aufstellung von Luftwaffenfelddivisionen 1942 zwangen zur Abgabe von Personal aus den Flakeinheiten des Reichsgebietes. Die Lücken wurden von dem sog. "Behelfspersonal" geschlossen. So wurden ab 1943 reine RAD-Flakbatterien aufgestellt, die taktisch Flakabteilungen eingegliedert waren. Uniformen und Dienstgradabzeichen waren die des Reichsarbeiterdienstes (RAD).
Insgesamt standen bis Kriegsende rund 420 RAD-Batterien für die Luftverteidigung im Einsatz. Davon allein 16 im Wiener Raum. In der Schlussphase des Krieges wurden aber auch viele dieser batterien in Erdkämpfe verwickelt. An der Ostfront hielten davon manche ihre Stellung bis zum letzten Schuss und opferten sich, um der Zivilbevölkerung noch die Flucht oder eigenen Truppen den Rückzug zu ermöglichen. Ähnliche Beispiele lieferten Batterien, in denen Luftwaffen- bzw. Flakwaffenherlfer und Marinehelfer eingesetzt waren. Auch diese Schüler und Lehrlinge der Jahrgänge 1926, 1927 und 1928, über die anfangs abwertend als "Babyflak" geurteilt wurde, haben sich bei schweren Luftangriffen, und einige Batterien auch im Erdeinsatz, voll bwährt. Ausgebildet und eingesetzt wurden diese Jungen als Flakhelfer an allen Flakgeräten und Flakwaffen bis zur 12,8 cm Flak, z.B. auf den Flaktürmen am berliner Zoo und auf dem Heiligengeist-Feld in Hamburg. Ihre blaugraue Uniform war ähnlich der der Luftwaffe. Sie bestand aus einer Bluse mit aufgesetzten Taschen, über deren rechter das Abzeichen der Luftwaffe aufgenäht war, einer langen Überfallhose, einem lederkoppel mit dem Koppelschloss der Luftwaffe und einer Skimütze. Die Armbinde der HJ, die am linken Oberarm getragen werden musste, wurde oft nach dem Verlassen der Stellung abgenommen, da die Flakhelfer als Soldaten anges,ehen werden wollten, was sie ja im Grunde auch waren, und nicht mehr als Hitlerjungen, deren Führung sich noch gewisse Einflussnahmerechte gesichert hatte.
Erschwerend für die Jungen war, dass neben dem militärischen Dienst der Schulunterricht mit 18 Stunden pro Woche weiterlief. Der wurde, wenn überhaupt möglich, oft zwischen Feuerbereitschaften in den Stellungen abgehalten, nach dem die Luftwaffenhelfer auch außerhalb ihres Heimatortes eingesetzt werden konnten. Die gleichen Anforderungen wurden an die Marinehelfer gestellt udn auch von denen gemeistert.

An männlichem sog. "Behelfspersonal" seien hier noch die Bedienungen der heimat-Flak- und Alarm-Flakbatterien erwähnt. Sie waren Werksangehörige von Großfirmen, Stäben und Schulen der Flakwaffe, die nur im Alarmfall eine Flakstellung besetzten. Selbst Winzer und Marschfeldbauern waren bei Wien als Flakwehrmänner für den Nachteinsatz in einigen batterien einberufen worden. Hinzu kamen Flak-V-Soldaten. Das waren meist Verwundete oder leicht Kranke, die aber noch für den Einsatz bei einer Heimat-Flakbatterie als tauglich schienen.
Schließlich dürfen auch die über 100.000 Ausländer (Freiwillige, Hilfswillige und zwangsweise eingeordnete Kriegsgefangene) nicht unerwähnt bleiben. Sie wurden meist in schweren Batterien als Munitions- und ladekanoniere eingesetzt. Von Ausnahmen abgesehen, war aber ihre Einsatzfreudigkeit verständlicherweise gering.

Frauen und Männer waren in der Wehrmacht zunächst nur als Stabs- und Nachrichtenhelferinnen eingesetzt. Doch nach Stalingrad befahl Hitler, sie auch als Flakwaffenhelferinnen innerhalb der Flakartillerie an Mess-, Funk-, Horch- und Kommandogeräten, Ballonsperren und Scheinwerfern ausbilden zu lassen. Dadurch standen sie in unmittelbarer Verbindung zum kampfeinsatz und nahmen eine Sonderstellung ein.
Auch bei der marine gab es ab 1943 Marineflakhelferinnen bei der Küstenartillerie. Zu diesen weiblichen Hilfskräften kamen noch dienstverpflichtete RAD-Maiden. Auch sie wurden an den oben genannten Flakgeräten ausgebildet und eingesetzt, um tausende von Flaksoldaten für die Luftwaffenfelddivisionen freizubekommen.

Die Uniform der Flakwaffenhelferinnen war aus blaugrauem Fliegertuch. Auf dem rechten Ärmel war das Flakwaffenabzeichen aufgenäht und auf der rechten Seite der Bluse das der Luftwaffe. Die Keilhose wurde in den Schuhen getragen. An der Schirmmütze war vorn der Luftwaffenadler aufgenäht. Bei warmem Wetter trugen die Flakwaffenherlferinnen weiße Blusen. Die RAD-Maiden behielten ihre RAD-Uniform.
Vom Einsatz des weiblichen Flakhilfspersonals am Geschütz wurde nur ein Fall bekannt. So sollen in einer 8,8 cm Großbatterie bei Wien-Kagran nur Flakwaffenhelferinnen an den geräten und Geschützen gestanden und sämtliche Funktionen ausgeführt haben, außer denen der Geschützführer, dre Lade- und Munitionskanoniere.

Ein paar Zahlen veranschaulichen den Personalbestand der Flak gegen Kriegsende.
Im August 1944 waren bei der Flak im Einsatz: 662.000 Soldaten und 448.700 sog. Behelfspersonal. Davon waren 221.890 RAD-Männer, Luftwaffenhelfer und Flakwehrmänner der heimatflak, 128.710 Flakwaffenhelferinnen und RAD-Maiden, 98.200 ausländisches Behelfspersonal.
Im Oktober 1944 waren es : 600.000 Soldaten und 520.000 Behelfspersonal, davon 60.000 RAD-Männer, 50.000 Luftwaffenhelfer, 80.000 Flakwehrmänner und Flak-V-Soldaten, 160.000 Flakwaffenhelferinnen und RAD-Maiden, 170.000 ausländisches Behelfspersonal.

In der Endphase des Krieges wurden bei Annäherung des Frontverlaufes die Luftwaffen- und Flakwaffenhelfer wie die Flakwaffenhelferinnen und RAD-Maiden entweder zurück verlegt oder auch entlassen und in die Heimatorte geschickt. Leider gelang das nicht bei allen Einheiten. Da keine Verlustlisten vorliegen, wird nie zu erfahren sein, wie hoch die Zahl der Opfer ist, die diese jungen Menschen im guten Glauben beim kampf für ihre Heimat gebracht haben. Nur anhand von Einzelbeispielen lässt sich ihr Opfergang bei einigen Einheiten nachvollziehen.

Bei einem Angriff am 13.4.1943 auf Nürnberg fielen vier Luftwaffenhelfer, weitere wurden verwundet. Sechs Schüler der Schadow-Schule Berlin fielen bei einem Angriff am 1.3.1943 auf Berlin-Zehlendorf als LwH. Am 3.10.1943 hatte der Batteriechef während eines Angriffs auf Kassel die noch in der Ausbildung befindlichen LwH, alles Schüler der Friedrich-Wilhelm-Schule Eschwege, in den Bunker der Umwertung geschickt, da er sie dort in Sicherheit wähnte. Doch gerade der Bunker erhielt einen Volltreffer. 23 Jugendliche waren sofort tot. Weitere 29 wurden verwundet.
Bei eiem Angriff am 3.8.1944 auf Friedrichshafen fanden 22 LwH den Tod, 20 wurden verwundet. 16 LwH aus Höheren Schulen Saarbrückens verloren in der schweren 4./631 Batterie beim Angriff am 11.5.1944 auf Saarbrücken ihr Leben. Die 1./407, eine 10,5 cm Batterie in Düsseldorf-Mörsenbroich, hatte 1944 fünf Tote und sechs Verwundete zu beklagen. Das sind nur einige Beispiele aus einer langen Verlustliste. Unzählige Opfer blieben durch die letzten Kriegswirren unbekannt.

Kurz vor Kriegsende sprach der Inspekteur der Flakartillerie General von Axhelm einen treffenden Satz aus: "Die Luftwaffenhelfer haben in den Rachen der Hölle geblickt. Es ist ihnen nichts erspart geblieben!". Er hatte damit sicher alle Jugendlichen männlichen und weiblichen Geschlechtes gemeint, die an irgendeiner Waffe oder einem Gerät im Kriegseinsatzn waren.
Kommentare (0)Add Comment
Kommentar schreiben

busy
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 19:41 Uhr
 

Unterstützung

Sie finden diese Seite hilfreich oder wollen unser Projekt unterstützen?
 PayPal
Mit den eingegangenen Spenden finanzieren wir ausschlieslich diese Homepage und garantieren eine stetige Fortentwicklung.

Unser Newsletter

Bleiben sie aktuell. Jetzt unseren Newsletter abonnieren!


Banner