Geschütze Flugabwehrkanonen FlaK Einsatz der 8,8 cm Flak im Zweiten Weltkrieg
Einsatz der 8,8 cm Flak im Zweiten Weltkrieg
Eine 8,8 cm Flakbatterie gliederte sich zu Kriegsbeginn in:

Die Befehlsstelle I mit dem Kommandogerät 36 (später Kdo.Ger.40). Hier waren der Batteriechef und der Messoffizier anzutreffen. Die Stellung war je nach dem gelände einge 100 m von den geschützständen abgesetzt, um ein ungestörtes Arbeiten am gerät von der Bedienung zu ermöglichen. Vom Kommandogerär führte ein Fernleitungskabel zu dem Verteilerkasten in der Batteriemitte, an dem auch die vier Geschütze angeschlossen waren. Über dieses Kabel wurden die Schusswerte für Seite, Höhe und Zünderlaufzeit von der B1 an die Geschütze durch ein Lampenübertragungsgerät 30 oder später durch das Folgezeigerübertragungsgerät 37 übermittelt. Bei Ausfall des Übertragungssystemes konnten die schusswerte auch fernmündlich durchgegeben werden.

Die Befehlsstelle II mit dem Kommandohilfsgerät 35 lag in der Batteriemitte und übernahm bei Ausfall der B1 die Feuerleitung. Von hier aus war die Übertragung der ermittelten Schusswerte nur fernmündlich über Fernsprechleitungen möglich. An dem Kdo.Hi.Ger. waren in der Regel der Batterieoffizier, der Führer der Nachrichtenstaffel und der Munitionsunteroffizier anzutreffen.

Die Feuerstellung der vier 8,8 cm Flak waren je nach den Geländeverhältnissen und dem Kampfauftrag im Quadrat oder Rechteck in 70 bis 80 m Entfernung von der BII aufgestellt. In Frontnähe und an der Küste standen die Geschütze so, dass drei von ihnen auch zur Bekämpfung von Erd- oder Seezielen im direkten eingesetzt werden konnten, ohne sich gegenseitig zu gefährden.

Die 100 Watt-Funkstelle war seitlich der Feuerstellung abgesetzt. Im Einsatz hörte sich auf der Flugmeldefrequenz die Flugmeldungen über gegnerische Anflüge ab und gab diese über Fernsprecheinrichtung an die BI weiter.

Der leichte Flaktrupp mit seinen zwei bzw. drei 2 cm Flak wurde so eingesetzt, dass er Tieffliegerangriffe auf die Batteriestellung wirksam abwehren konnte.

Die Protzenstellung lag so, dass die dort abgestellten Kfz., Zgkw. und Sonderanhänger der Batterie gegen feindliche Luft- und Erdsicht getarnt waren. Lag diese Stellung wegen eventueller feindlicher Feuereinwirkung weit von der eigenen Feuerstellung entfernt, wurde ein Nahprotzenstellung eingerichtet. In der befanden sich die zum schnellen Stellungswechsel unbedingt erforderlichen Fahrzeuge.

Feuerstellung 8,8 cm Flakbatterie
Da die 8,8 cm Flak recht unterschiedliche Kampfaufträge zu erfüllen hatte, war es erforderlich, schon in der Erstausstattung verschiedenartige Munition mitzuführen. Davon können hier nur die gebräuchlichsten aufgeführt werden.
Verschossen wurden bei der Flak nur Patronenmunition. Für den Luftzielbeschuss war die 8,8 cm Sprenggranat-Patrone L/4,5 mit zeitzüner üblich. Für den Beschuss von Erdzielen wurde der Aufschlagzünder AZ 23/28 verwendet. Das Geschossgewicht betrug 9,4 kg, das gewicht der patrone 14,4 kg. Gefüllt war das geschoss mit 870 g TNT oder AMATOL und hatte zwei Kupferstahl-Führungsringe. Später waren diese aus Sintereisen. Die Treibladung bestand aus 2,40 kg Digl. RP (Diglycol-Röhrenpuvler).
Im Einsatz gegen Flugziele stellte sich sehr bald heraus, dass nicht schon bei 30 m Schussablage eine vernichtende Splitterwirkung zum Abschuss führte, sondern es nur bei etwa 3 bis 4 Metern Ablage dazu kam. Versuche, durch größere Splitter die Beschädigungen an den Flugzeugen und damit auch die Abschussquote zu steigern, verliefen bis Kriegsende nicht sehr erfolgreich, da sich auch die Schussfestigkeit der fliegenden Superfestungen erhöhte.

Zur Bekämpfung von Panzern, Schiffen, Betonbauten und anderen befestigten Zielen kam die Panzergranat-patrone 40 (AP) für die 8,8 cm Flak 36, 37 zum Einsatz oder für die 8,8 cm Flak 18, 36 und 37 die Pzgr.Patr. 39 mit Bodenzünder BdZf 8,8 cm Pzgr. Das Geschossgewicht betrug 9,5 kg, das der Patrone 15,4 kg. Die Sprengladung bestand aus 155 g Nitropenta-Wachs, die Treibladung aus 2,5 kg Digl.-RP. das panzerbrechende Geschoss hatte zwei Kupferführungsringe und besaß eine Durchschlagsleistung von 105 mm Stahl auf 1000 m Entferung bei einem Auftreffwinkel von 60°.
Die Pzgr.Patr. 40 mit einem Geschossgewicht von 7,5 kg und dem Gewicht der Patrone von 13,8 kg soll mit ihrem Hartkern eine Durchschlagsleistung auf 1000 m bei einem Auftreffwinkel von 60° von 103 mm gehabt haben.

Erfolgsversprechende Verbesserungen der vorhandenen Munition kamen teils wegen Rogstoffmangels, teils aus anderen Fertigungsgründen nicht mehr in großer Zahl zum Einsatz. Munition mit Flüssigkeitszünder, Pfeilgeschossen, Brandschrapnell-Granaten, kombinierte Zeit- und Aufschlagzünder, elektrische Zielabstandszünder waren einige dieser neuen Munitionsarten. Trotz all dieser Verbesserungsversuche war eines klar geworden: man war zwar an die Leistungsgrenze der herkömmlichen Flak herangekommen, was von der Entwicklung der Flugzeuge noch nicht zu erkennen war. Leistungsstärkere und damit erfolgversprechende Raketen zur Abwehr waren bis Kriegsende jedoch noch im Versuchsstadium.


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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 14:41 Uhr
 

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