|
Diese Pak war zu Beginn des Krieges die Standardwaffe zur Panzerbekämpfung. Sie wurde erstmals 1936 im spanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Anfangs war die Durchschlagskraft noch ausreichend und so kopierten die Amerikaner dieses Modell und die Japaner kauften einige dieser Pak. Selbst die Sowjetunion kaufte 1937 einige dieser Paks und entwickelten auf Grundlage der 3,7 cm Pak die sowjetische 4,5 cm 20K M1932.
Entwicklung
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde klar das Panzer in Zukunft eine immer größere Rolle übernehmen werden. Folglich mussten Maßnahmen für die Panzerabwehr vorgenommen werden. Panzerabwehr wurde zunächst eine Schwerpunktaufgabe der Feldartillerie angesehen, doch in Deutschland gab es viel zu wenig Geschütze um ausreichend artilleristische und gleichzeitig Panzerabwehraufgaben zu bewältigen. Anfang der 20er-Jahre gab es dann die ersten Überlegungen ein spezielles Geschütz zur Panzerabwehr einzusetzen.
Die Entwicklung eines entsprechenden Geschützes konnte aufgrund des Versailler Vertrages nur unter strengster Geheimhaltung (Zerlegung der Geschütze und als Maschinenteile getarnt) erfolgen. Im Januar 1927 erhielt das Geschütz mit der Bezeichnung 3,7-cm-Tankabwehrkanone die Dringlichkeitsstufe 1.
Am 1. Januar 1928 waren die ersten beiden Versuchsmuster fertig und erhielten die offizielle Bezeichnung 3,7-cm-Tankabwehrkanone in Spreizlafette, ab 1940 dann 3,7-cm-Panzerjägerkanone. Im Mai 1929 waren 13 Kanonen in der Fertigung, 5 hatte das Heereswaffenamt schon abgenommen. Mit der Herstellung weiterer 100 Geschütze hatte man begonnen. Erprobt wurde die Kanone auf dem Versuchsschießplatz in Kummersdorf. Anfang 1930 konnte die Erprobung zum Abschluss gebracht werden. Ein Truppenversuch konnte wegen der Geheimhaltung nicht durchgeführt werden. Laut Beschaffungsprogramm sollten bis 1932 566 Geschütze hergestellt werden, doch am 5. September 1932 gab es lediglich einen Ist-Bestand von 264. Am 20. November 1932 wurde der Sollbestand für ein Heer mit 21 Infanteriedivisionen,drei Kavalleriedivisionen und 2 Reiterbrigaden auf 608 Geschütze festgelegt (Fehlbestand 344).
Aufgrund des großen Nachdrucks mit welchem das Geschütz entwickelt wurde, entstand in Deutschland früher als in anderen Ländern eine wirksame und truppenbrauchbare Panzerabwehrkanone (Pak). Das Geschütz war für seine Zeit sehr modern. Die Rote Armee zeigte lebhaftes Interesse daran und so wurde die 3,7-cm-Pak trotz Geheimhaltung den Russen in Kummersdorf vorgeführt. Mit Zustimmung der Reichswehr erwarben Sie daraufhin von Rheinmetall die Lizenzrechte und stellten die Kanone in großen Stückzahlen, zuletzt im Kaliber 45 mm, für ihre eigenen Panzerabwehreinheiten her. Auch andere Länder übernahmen das Geschütz, u.a. China, Estland, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Spanien und Finnland. Die Reichswehr plante für das 21-Divisionen-Heer jedes Infanterieregiment mit acht 3,7-cm-Pak auszustatten. Sie waren zur Eingliederung in die Bataillone vorgesehen, deren 4. MG-Kompanie einen 5. Zug mit zwei Geschützen erhalten sollte. Dieser Zug erhielt die Tarnbezeichnung "Holzgeschützzug".
Am 17. September 1934 wurde die Umstellung von Pferde- auf Kraftzug beschlossen und ab November dann umgesetzt. Die Unterlafetten erhielten Schwingschenkel mit Drehfedern und Stahlscheibenräder mit Niederdruckreifen. Die bisher gebräuchlichen Holzspeicherräder wurden zurückgegeben. Innerhalb weniger Jahre avancierte die 3,7-cm-Pak im deutschen Heer zur Hauptwaffe der Panzerabwehr. Wesentliche Merkmale waren der Einzelschuss, die hohe Feuergeschwindigkeit (15 Schuss/min.), dass Schießen im direkten Richten. Mit der 3,7-cm-Panzergranate konnten auf 500 m Entfernung bei einem Auftreffwinkel von 60° 29 mm Panzerstahl durchschlagen werden. Das war bereits in der Mitte der 30er-Jahre, nur sechs Jahre nach Einführung des Geschützes zu wenig. In Frankreich ist 1930/31 mit der Herstellung des mittleren Panzers D-1 begonnen worden, dessen Frontpanzerung 40 mm dick war. Faktisch schwand damit der durch die Einführung der 3,7-cm-Pak im deutschen Heer gewonnene Leistungsvorsprung. Ab 1936 wurde die Pak im spanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Dort zeigte sie bereits gute Erfolge, allerdings kamen dort nur Panzer mit einer Panzerung von 16-22 mm zum Einsatz. Am Westwall wurde die Pak in Schartenstände eingebaut, ein entsprechender Regelbau wurde im April 1939 vorgestellt. Im August 1938 verfügte das Heer über einen Bestand von 8449 Geschützen, zu Kriegsbeginn waren es bereits über 11.200 und zu Beginn des Westfeldzuges 13.131.
Einsatz der 3,7-cm-Pak
Polenfeldzug Im Polenfeldzug gingen 94 Pak verloren und es wurden 1.793.000 Schuss 3,7-cm-Pak-Munition verschossen. Aufgrund mangelnder gegnerischer Panzerfahrzeuge wurde die Panzerabwehr in diesem Feldzug kaum gefordert. Die wenigen Fahrzeuge waren zudem zu schwach gepanzert, so dass die 3,7-cm-Pak fast jede Panzerung problemlos durchschlagen konnte. Durch die schlechten Wegeverhältnisse in Polen stellten sich die Schwingschenkel mit Drehfedern der Lafette als zu schwach heraus. Dieses Problem wurde erst 1942 durch den Einbau von verstärkten Federungen des 7,5-cm-IG 18 gelöst.
3,7-cm-Pak während des Frankreichfeldzuges
Frankreichfeldzug Auf einen französischen oder englischen Panzer kamen vier deutsche 3,7-cm-Pak, allerdings kam diese zahlenmäsige Überlegenheit in diesem Feldzug nicht zum tragen. Auf französischer Seite traten leichte Kampfwagen mit 40-45 mm Frontpanzerung und mittlere Kampfwagen mit bis zu 60 mm Frontpanzerung auf. Die Engländer verwendeten Infanteriepanzer mit 60-80 mm Panzerdicke. Die Chancen sich erfolgreich gegen die feindlichen Panzer durchzusetzen waren also eher gering. Gute Ausbildung, Erfahrung, überlegene Führung, teils auch Mut und Tapferkeit, der Geschützbedienungen machten zwar einen Teil der waffentechnischen Unterlegenheit wett, doch örtliche Rückschläge und Abwehrkrisen wie im Brückenkopf von Abbeville blieben aber nicht aus. Erstmals mussten 10,5-cm leFH und 8,8-cm-Flak in die Panzerabwehr einbezogen werden. Folgerichtig wurde in einem Erfahrungsbericht vom 28. Juli 1940 über den Frankreichfeldzug eingeschätzt: "Die ungenügende Durchschlagsleistung der 3,7-cm-Pak ist bekannt und wird behoben". Dabei dachte man vor allem an die 3,7-cm-Panzergranate 40, deren Fertigung im Frühjahr 1940 angelaufen war. Diese war auf kürzere Entferung zwar effektiefer, doch auf weitere Entfernung war ihre Durchschlagskraft wesentlich schlechter als die herkömmliche Panzergranate.
Eine Munitionsausstattung setzte sich wie folgt zusammen: 120 Panzergranatpatronen 30 Panzergranatpatronen 40 100 Sprenggranatpatronen
Letztere wurde ab Mai 1941 mit einer fertigungstechnisch vereinfachten Sprengladung ausgeliefert. Mitte 1940 waren erste neue 5-cm-Pak 38 verfügbar und die beschleunigte Serienfertigung lief im August an, dennoch waren im Juni 1941 nur 1047 Stück verfügbar. Somit blieb auch 1941 die 3,7-cm-Pak die wichtigste Waffe zur Panzerbekämpfung.
Russlandfeldzug Die russische Panzerwaffe verfügte am 22. Juni 1941 über mehr als 18.000 Panzerkampfwagen, darunter 1861 modernste Fahrzeuge der Typen T-34 und KW, die Panzerstärken von 45-100 mm Dicke aufwiesen. Besonders vorteilhaft war hier die Schrägstellung der Panzerplatten. Die Geschosse der Pak prallten wirkungslos. Es musste umgedacht werden und so gab man die Taktik mit einem möglichst weitem Schussfeld auf und brachte die Geschütze aus Hinterhaltstellungen zur Wirkung. So sollten Panzerabschüsse auf kürzeste Entfernung aus dem Hinterhalt erzielt werden. Nach einer Meldung des V. Armeekorps vom 15. Dezember 1941 war es ohnehin nicht möglich dem T-34 und dem KW mit der 3,7-cm-Pak erfolgreich entgegenzutreten. Lediglich englische Panzer, die inzwischen an der Ostfront erschienen, ließen sich auf 100 m Entfernung von der Seite abschießen. Hier erhielt das Geschütz auch den Spitznamen "Panzeranklopfgerät". Im August 1941 war bereits die fast vollständige Ablösung der 3,7-cm-Geschütze innerhalb des Afrikakorps angewiesen worden, doch ein genereller Austausch bei den Frontverbänden ließ sich wegen der anhaltenden hohen erluste, vor allem an der Ostfront, und dem Fehlen einer ausreichenden Zahl mittlerer und schwerer Pak nicht durchführen. In der Zeit vom 22. Juni 1941 bis zum 10. April 1942 waren insgesamt 3540 Pak verloren gegangen. Die Fertigung des 3,7-cm-Geschützes ist im März 1942 eingestellt werden.
Anfang Juni 1942 wurden bei der Organisationsabteilung III des Generalstab des Heeres die Zahlen für die Fertigung von Panzerjägerkanonen für das kommende Jahr zusammen gestellt. Einschließlich des Ersatzes zu erwartender Verluste ergab sich ein Bedarf von 11.000 Geschützen. Die 3,7-cm-Pak tauchte in dieser Aufstellung schon gar nicht mehr auf. Innerhalb des Heeres wurde immer wieder ein leichtes Geschütz für die Infanterie in vorderster Linie zur Panzerbekämpfung gefordert. Danach sollte die Fertigung im Frühjahr 1943 erneut anlaufen. Am 29. August 1942 wurde vom Generalstab des Heeres aber endgültig entschieden die 3,7-cm-Pak aufzugeben: "Die Waffe ist als Pak nicht mehr brauchbar. Fertigung der Waffe zur Infanterieunterstützung nicht vertretbar." heißt es im Kriegstagebuch. Lediglich die Fertigung von Ersatzrohren für das Geschütz wurde beibehalten (im Januar 1943 185 Stück). In einigen Frontverbänden blieb die 3,7-cm-Pak noch bis Anfang 1944 im Einsatz. Das waren Panzerjägereinheiten verschiedener Sonderverbände sowie des RAD. Bei den Panzergrenadier-Bataillonen (SPW) und den Panzerjäger-Abteilungen erfreute sich das Geschütz als Unterstützungswaffe gegen infanteristische Ziele einer gewissen Beliebtheit. Der Bestand dieser Geschütze war stark rückläufig: am 1. November 1944 gab es davon noch 1309 Stück, ein Zehntel der 1941 verfügbaren Kanonen. Ein Großteil befand sich in den Panzerjäger-Ersatz- und Ausbildungseinheiten des Ersatzheeres. Nur wenige Geschütze kamen zum Kriegsende im Rahmen von Alarmkompanien und Kampfgruppen noch einmal zum Fronteinsatz. Dazu gehörten bspw. einzelne Kompanien der Panzerjägerabteilung des Verteidigungsbereich Dresden, welche damit Anfang Mai 1945 gegen die Übermacht russischer Panzer antreten sollten.
Fazit Ursprünglich zählte die 3,7-cm-Pak zu den ersten modernen Geschützen zur Panzerbekämpfung. Durch die Veränderungen beim Panzerbau Mitte der 30er-Jahre (erhöhte Panzerung) war die Kanone bereits kurze Zeit nach ihrer Einführung in das Heer veraltet. Der Verzicht auf eine konsequente Weiterentwicklung, bzw. die ausbleibende rechtzeitige Ablösung durch ein leistungsfähigeres Panzerabwehrgeschütz, lies die hervorragend ausgebildete Panzerjägertruppe mit einem waffentechnischen Anachronismus in den Krieg ziehen.
Technische Daten
Kaliber: |
37 mm
|
Hersteller: |
Rheinmetall-Borsig |
Besatzung: |
6 |
Gewicht in Feuerstellung: |
450 kg |
Höhenrichtbereich: |
-8° / +25° |
| Seitenrichtbereich: |
60° |
| Münd.Geschw.: |
745 m/sek.
|
Feuerrate: |
12-15 Schuss/min.
|
| Schussweite: |
6800 m
|
| Schussweite im direkten Richten: |
800-1000 m |
| Zielfernrohr: |
ZF 1x11 |
Munition:
Durchschlagskraft:
PzGr.39 Panzerbrechend
|
Gewicht |
Geschw. |
100m |
500m |
1000m |
1500m |
2000m |
10,2 kg
|
1000 m/sec
|
202 mm
|
185 mm
|
165 mm
|
148 mm
|
132 mm
|
PzGr.40/43 Panzerbrechend
|
Gewicht |
Geschw. |
100m |
500m |
1000m |
1500m |
2000m |
7,3 kg
|
1130 m/sec
|
237 mm
|
217 mm
|
193 mm
|
170 mm
|
152 mm
|
3,7cm Sprgr. Patr. 34 Hochexplosiv
|
Reichweite |
Geschw. |
Gew. Granate |
Gew. Sprengkopf |
Sprengstoff |
6200 m
|
680 m/sec
|
0,61 kg
|
0,025 kg
|
TNT
|
 |