Italien Afrika Libyen 1940-41
Libyen 1940-41
Wenige Wochen nach der italienischen Kriegserklärung wird der italienischen Armee ein schwerer Schlag versetzt: Marschall Italo Balbo wird am 28. Juni 1940 versehentlich von einer italienischen Flak über dem Hafen von Tobruk abgeschossen. balbo war nicht nur bei seinen Soldaten sehr beliebt, er genoss auch hohes Ansehen in der Bevölkerung. Balbo wurde durch Marschall Graziani ersetzt, der in Libyen als brutaler Unterdrücker galt. Zwar bewährte er sich Anfang der 30er-Jahre beim Kampf gegen die verschiedenen Stämme in Nordafrika, doch seine Fähigkeiten in moderner Kriegsführung waren doch sehr zweifelhaft.
Zur Zeit des Kriegseintritt Italiens, waren in Nordafrika 236.000 Soldaten, 1.811 Geschütze, 339 Panzer und 151 Flugzeuge stationiert. Mit der Kapitulation Frankreichs konnte die 5. Armee vom Westen Libyens ostwärts zur Verstärkung der 10. Armee, die den Briten in Marmarica gegenüberstand, verlegt werden. In Ägypten standen den briten nur 31.000 Mann zur Verfügung, die hauptsächlich aus der 4. indischen- und der 7. Panzer-Division stammten.

Mussolini war sehr zuversichtlich und war sich sicher, eine schnelle und erfolgreiche Invasion starten zu können. Während des Sommers kam es zu kleineren Gefechten zwischen italienischen und britischen Grenzpatrouillen. Dabei gab es ein regelrechtes Abtasten der beiden Seiten, bei dem die Italiener allerdings (zu Mussolinis großem Ärger) 3.000 Opfer hinnehmen mussten. Mussolini befahl Graziani den umgehenden Start der Invasion, doch Graziani hatte starke Bedenken bezüglich der Bereitschaft seiner Truppen für derartige Operationen.
Auf dem Papier sahen die 5. und 10. Armee sehr gut aus, doch in Wirklichkeit litten sie unter den Problemen der Infrastruktur, Ausrüstung und Logistik. Die Italiener hatten große Probleme beim Transport und der gesamten Mobilität. Es fehlte an Fahrzeugen und die Infanterie war mit veralteten Waffen ausgerüstet. Es herrschte ein Mangel an Pak und Flak, die Artillerie-Geschütze waren total überholt und die italienischen Panzer zeigten enorme Schwächen.
Weiters wurden keine Treibstoff- und Munitionslager errichtet, wie sie für einen deratigen Feldzug von Nöten gewesen wäre. Von den Verfügbaren 5.140 motorisierten Fahrzeugen im November 1940 in Nordafrika, waren über 2.000 nicht einsatzbereit!

Die Führer litten unter veralteten Ansichten und Funk gab es nur provisorisch. Die Führer mussten ihre Einheiten mit Verbindungsoffizieren dirigieren.
Durch die lange Präsenz der Italiener zeigte sich als einer der wenigen Vorteile  die Kampferfahrung in der Wüste. Einige Soldaten hatten bereits in Äthiopien und Spanien Kampferfahrung gesammelt. Insgesamt entsprach die italienische Armee nicht den europäischen Standards.

Chronologie


1940


13.-20. September

Italien beginnt mit der Invasion Ägyptens mit 4 Divisionen und 200 Panzern. Die 5. und 10. Armee kommen nur langsam vorwärts und stossen rund 100 km in feindliches Gebiet vor. Dabei treffen sie nur auf kleinen Widerstand. Die Division "23 Marzo" nimmt die kleine Stadt Sidi Barrani ein. Graziani weigert sich die Offensive fortzusetzen, bevor nicht genügend Verstärkungen und Nachschub eingetroffen sind, doch diese treffen nicht ein, da sie die italienische Führung auf den Feldzug nin Griechenland konzentriert.

9. Dezember 1940 - 9. Februar 1941
Operation "Kompass": General Wavell muss Teile seiner Truppen nach Kreta verschiffen, als Ersatz erhält er 150 Panzer aus England. Er plant mehrere kleine Operationen gegen die Stellungen um Sidi Barrani. Das ziel dieser 5-Tage Operation war felxibel, jeder kleine Erfolg sollte genutzt werden.

9.-10. Dezember

Die 4. Indische Division stürmt die befestigten Stellungen von Nibeiwa, Tummar und Sidi Barrani, während die 7. Panzer-Division in Richtung Süden durch die Wüste vorstösst. Dadurch wurden die italienischen Stellungen isoliert und nach und nach ausgeschalten und das obwohl die Italiener vorbereitet waren und großflächig angelegete Minenfelder legten. Ursache für diesen britischen Erfolg war die vorherige Gefangennahme eines italienischen Offiziers, der die Pläne für die Minenfelder bei sich führte. Schnell stellte sich heraus das die italienischen Stellungen zu weit voneinander entfernt waren um sich gegenseitig zu unterstützen. So gelang es den mobilen britischen Einheiten diese Stellungen einzeln auszuschalten und sich danach jeweils auf eine andere Stellung zu konzentrieren.
Eine große Hilfe auf Seiten der Briten waren die Matilda MK-II Panzer, mit denen das 7. Panzer-Regiment ausgerüstet war. Zwar waren diese Panzer nur leicht bewaffnet und sehr langsam, doch durch ihre 78mm-Panzerung waren sie zu diesem Zeitpunkt fast unverwundbar. Oft bekämpften die italienischen Mannschaften der Feldgeschütze vergeblich bis zum Tot die Matilda-Panzer.
Bei Nibeiwa leistete die Maletti-Gruppe heftigen Widerstand. Ein Angehöriger des 7. Panzer-Regiment erinnert sich: "Wir konnten die Italiener zwar schnell überwältigen, doch in Nibeiwa kämpften sie wie die Hölle." In den ersten 3 Tagen gingen 38.000 italienische Soldaten in Gefangenschaft. 237 Feldgeschütze und 73 Panzer fielen in britische Hand.

11. Dezember

General Wavell befiehlt die 4. Indische Division nach Ostafrika. Sie wird durch die australische 6. Division ersetzt. Wavell erweitert seine eigentlich klein angelegte Operation in eine Großoffensive.
20. Dezember
Die letzten italienischen Truppen müssen sich aus Ägypten zurückziehen.

1941

1. Januar - 9. Februar
Die Alliierten, nun 13 Korps, stossen entlang der Küste weiter vor. Sie nehmen Bardia, Tobruk, Derna und Benghazi. Die 7. Panzer-Division geht weiter südwestlich vor und durchquert die Cyrenaica bis nach Beda Fomm am 5. Februar. Dadurch werden die sich zurückziehenden italienischen Truppen abgeschnitten.
Am 9. Februar Zeit stoppen die Briten bei El Agheila. Zu diesem zeitpunkt haben die britischen Truppen 500 Meilen zurückgelegt, 130.000 Gefangene (inklusive 22 italienische Generale) gemacht, 845 Feldgeschütze und 380 Panzer erbeutet. Die Verluste auf britischer Seite belief sich auf 500 Tote, 1.373 Verwundete und 56 Vermisste. Rund 8.000 Italiener gelang die Flucht nach Tripolitana, wo sie bald verstärkt werden sollten. Die Moral der italienischen Soldaten war absolut am Boden angelangt. General Graziani wurde seines Amtes enthoben und durch General Gariboldi ersetzt.

Schlachtordnung im Dezember 1940 der italienischen Armee in Libyen:


5. Armee  (General Gariboldi)
  • X. Korps: Inf.Div. "Bologna", "Savona", "Sabratha"
  • XX. Korps: Inf.Div. "Pavia", Brescia", "Sirte"
  • Raggruppamento Maletti
  • XXIII. Korps: MVSN Div. "23 Marzo", "28 Ottobre", 2. Lybische Inf.Div.
10.Armee (General Berti)
  • XXI. Korps: Inf.Div. "Marmariva", "Cirene"
  • XXII: Korps: Inf.Div. "Catanzaro", MVSN.Div. "3 Gennaino", 1. Lybische Inf.Div.
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