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| Unternehmen Platinfuchs: Der Angriff des Gebirgskorps Norwegen auf Murmansk, Sommer 1941 |
Der Angriff des Gebirgskorps "Norwegen" gegen Murmansk, Sommer 1941Unter Führung des Generals der Gebirgstruppen Dietl wurde das Gebirgskorps Norwegen, bestehend aus der 2. Gebirgsdivision (General Schlemmer) und 3. Gebirgsdivision (General Kreysind) mit entsprechenden Korpstruppen, in den Monaten April bis Juni 1941, in Seetransporten und Fußmärschen aus Nordnorwegen kommend, im Raum des Varangerfjords versammelt. Dann erfolgte nach einer Vereinbarung mit Finnland der Anmarsch. In langen Kolonnen standen am 22. Juni, als bereits an der ganzen Ostfront der Krieg begann, die beiden Divisionen aufgereiht, um die norwegisch-finnische Grenze zu überschreiten. Schon der weitere Marsch durch das finnische Petsamogebiet zur russischen Grenze in die Aufmarsch- und Bereitstellungsräume brachte große Wegschwierigkeiten. Am 29. Juni begann dann auch auch hier am Rande des Eismeeres und am nördlichsten Ende der gesamten Ostfront unter dem Decknamen "Platinfuchs" der Angriff auf Murmansk. Die Lage im Korps war von vornherein einmalig, es stand nämlich völlig allein ohne Nachbarn links und rechts. Im Norden war das Eismeer, im Süden klaffte durch endlose Tundren und Waldgebiete eine riesige Lücke von rund 300 km bis zum XXXVI. Korps, das in Richtung Salla angriff. Der Nachschubweg aus den Heimathäfen nach Kirkenes, durch britische Seestreitkräfte bedroht, betrug rund 200 Seemeilen.Der Auftrag für das Korps lautete: Stadt und Hafen Murmansk in Besitz zu nehmen und die von dort ausgehende Murmanbahn abzuriegeln. Dadurch sollten die erwarteten Hilfslieferungen der Alliierten nach der Sowjetunion durch Schiffsgeleitzüge auf der Nordatlantik- und Eismeerroute unterbunden werden. Das diese in der folgenden Kriegszeit tatsächlich in bedeutendem Umfang erfolgten, zeigt dieser kurze Hinweis: von insgesamt in den Jahren 1941 bis 1945 von den USA und Großbritannien gelieferten 17,5 Mio. Tonnen Kriegsmaterial aller Art kamen rund 4,5 Mio. Tonnen über den Nordatlantik und das Eismeer nach ihren Bestimmungsorten Murmansk und Archangelsk, der andere Teil im Mittleren Osten über den Persischen Golf und den Iran und im Fernen Osten über Wladiwostok in die Sowjetunion. Die dem Gebirgskorps Norwegen gestellte Aufgabe, das mit rund 120 km scheinbar nahe gelegenen Murmansk zu erreichen, schien entfernungsmäßig (gemessen an den bisherigen Feldzügen) nicht schwer erfüllbar, jedoch wurden von der obersten deutschen Führung einige Faktoren gewaltig unterschätzt. Hier war von Anfang an eine Kriegsführung modernen Ausmaßes nicht möglich. Der Angriff glich vielmehr eine Expedition (wie Generaloberst Franz Halder, Oktober 1938 bis September 1942 Chef des Generalstabes des Heeres, vermerkte) in ein gänzlich unbekanntes Land jenseits der russischen Grenze mit seinem völlig unwegsamen Gelände, über das nicht einmal die Finnen genau Bescheid wussten. Das anfangs zur Verfügung stehende Kartenmaterial war ebenso ungenügend und mit großen weißen Flecken versehen. Der versuchte Einsatz von Panzern zeigte sich bald als nicht möglich, ein motorisierter Verkehr konnte erst nach mühsamen und langwierigem Straßenbau in rückwärtige Bereiche erfolgen. Im eigentlichen Kampfgebiet ging es nur noch zu Fuß vorwärts, dominierten allein die Gebirgsjäger mit ihren Tragtieren, musste die Versorgung durch Tiere und Träger durchgeführt werden. Der Kampf war dem eines Buschkrieges ähnlich, außer Einsätzen der Luftwaffe war einem mordern geführten Feldzug nichts zu merken. Der neue Gegner, die Rote Armee, war bisher fremd und über seine Stärke und Stellungen kaum etwas bekannt. Der Sowjetsoldat zeigte sich als geschickter, harter und zäher Kämpfer, wurde in der Vrteidigung besonders vom Gelände begünstigt und konnte zudem über die Murmanbahn und die von Murmansk ins Kampfgebiet führende, ausgebaute Strasse laufend rasch und sicher verstärkt und versorgt werden. Der Gegner besaß auserdem um Murmansk gute Flugplätze mit einer starken Luftwaffe und beherrschte durch seine Seestreitkräfte, denen keine eigenen gegenüberstanden, völlig die Küsten, Buchten und Fjorde des Eismeers. Die 2. und 3. Gebirgsdivision, denen im späteren Verlauf noch einige Einheiten zugeführt wurden, waren von vornherein sowohl stärke-, wie ausrüstungs- und versorgungsmäßig zu schwach. Am 8. September war zum dritten Male nach zwei vergeblichen Angriffen und feindlichen Gegenangriffen über die Liza, die zum Schicksalsfluss des Gebirgskorps Norwegen werden sollte, angetreten worden. Nach guten Anfangserfolgen musste die Hoffnung, die beherrschenden Höhen jenseits der Liza noch vor Einbruch des Winters zu erobern, endgültig begraben werden. General Dietl meldete an General Jodl (Chef Wehrmachtsführungsstab im OKW): "Mein Korps ist infolge dieser schweren Kämpfe schon rein zahlenmäßig am Ende seiner Kraft." Auch die im Spätherbst 1941 aus Griechenland im Frontgebiet eintreffende 6. Gebirgsdivision konnte den stecken gebliebenen Angriff gegen Murmansk nicht mehr in Fluss bringen. Sie reichte gerade dazu aus, die entstandene Einsmeerfront und den über die Liza gebildeten Brückenköpfe zusammen mit Teilen der den offenen Südraum sichernden 2. Gebirgsdivision zu halten. Die 6. Gebirgsdivision musst froh sein, den hereinbrechenden Polarwinter überhaupt durchstehen zu können. Norweger und Finnen hielten es für gänzlich ausgeschlossen, dass größere Truppeneinheiten nördlich des Polarkreises überwintern und mit allem notwendigen Nachschub versorgt werden könnten. Das es dennoch gelang, war der später von der Truppe voll anerkannten Härte und Strenge des Divisionskommandeurs, General Schörner, den forgesetzten Bemühungen aller Versorgungsdienste und dem Aushaltewillen und der Anspruchlosigkeit von Offizier und Mann zu verdanken, schrieb später ein Angehöriger. Der Angriff gegen Murmansk wurde nach einer endgültigen Entscheidung des OWK nicht mehr aufgenommen und fortgesetzt. Die erreichte Front erstarrte im Stellungskrieg und diente vor allem dem Schutz und der Sicherung der kriegswirtschaftlichen wichtigen, einzig in Europa befindlichen finnischen Nickelgruben von Kolosjokki. Das anfänglich angestrebte Ziel Murmansk blieb trotz aller Einsatzbereitschaft und Tapferkeit der Gebirgssoldaten unerreichbar, die Eismeerfront wurde von nun an zum kaum noch erwähnten Nebenkriegsschauplatz, bis im Herbst 1944 eine sowjetische Großoffensive zum allgemeinen Rückzug zwang. Bei diesem befohlenen Angriff auf Murmansk war besonders deutlich geworden, wie eine sehr gute Truppe von der obersten Führung völlig überfordert und ihr über das Menschenmögliche hinaus zu viel abverlangt worden war, so dass ein Erfolg versagt bleiben musste. ![]() Gesamtverluste des Gebirgskorps Norwegen vom 29. Juni bis Mitte Oktober 1941 2610 Gefallene (darunter 91 Offiziere) 656 Vermisste (darunter 15 Offiziere) 9229 Verwundete (darunter 262 Offiziere) 2. Gebirgsdivision 1174 Gefallene 182 Vermisste 4458 Verwundete 3. Gebirgsdivision 1017 Gefallene 206 Vermisste 3245 Verwundete Die Vermissten müssen fast durchweg zu den gefallenen gerechnet werden. Detaillierte Kämpfe der 2. Gebirgsdivision Detaillierte Kämpfe der 3. Gebirgsdivision Verwandte Themen
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 10. Dezember 2009 um 14:46 Uhr |