Westwall ("Siegfried-Linie")
Der Westwall war eine 650 km langes Verteidigungssystem und beinhaltete über 18.000 Bunker, Stollen, Gräben und Panzersperren. Der Westwall wurde von den Alliierten auch "Siegfried-Linie" genannt. Geografisch verlief der Westwall von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden entlang der Grenze des Deutschen Reiches, bis nach Weil am Rhein an der schweizer Grenze. Im Jahre 1936 begannen die Planungen für den Westwall und schlieslich wurde er dann zwischen 1938 und 1941 errichtet.
Paralell zum Bau des Westwalls errichtete die Deutsche Luftwaffe hinter dem Westwall eine Kette von Flugabwehrstellungen mit eigenen Bunkern zur Bodenabwehr (LVZ-West).

Im Oktober 1938 befahl Hitler den Ausbau der Befestigungslinien vor den Städten Saarbrücken und Aachen zu einer richtigen Stellung um diese besser schützen zu können. Das Ganze wurde unter dem Namen Aachen-Saar-Programm bekannt.

1939 wurden die noch im Bau befindlichen Stellungen mit neuen Regelbauten (Bunkertypen) erweitert. Weiters wird die LVZ-West in Richtung Norden bis nach Mönchengladbach und im Süden bis zum Bodensee erweitert.

1940 verlangsamt sich der Ausbau des Westwalls und wird nach dem Westfeldzug vollständig eingestellt.

Durch die erneute Bedrohung der deutschen Westgrenze im Jahre 1944 werden die mittlerweile veralteten Befestigungsanlagen wieder reaktiviert. Der Bau von moderneren Bunkern kam nur sehr schleppend voran.

Der Bau des Westwall hatte bei seiner Errichtung höchste Priorität und wurde durch Nutzung aller verfügbaren Ressourcen vorangetrieben. Insgesamt wurden 8 Mio. Tonnen Beton und 1,2 Mio. Tonnen Stahl im Westwall verbaut, was eine Jahresproduktion von 20% bei Beton und 5% beim Stahl ausmachte. Die Kosten beliefen sich auf Rund 3,5 Mrd. Reichsmark.

Regelbauten und Programme des Westwalls:

  • Das Pionierprogramm:  Für das Pionierprogramm wurden in erster Linie kleine Bunker mit drei frontal ausgerichteten Scharten errichtet. Die Anlagen hatten nur eine Wandstärke von 0,3 m. An manchen Stellen wurden zusätzlich kleine Panzerkuppeln aufgestellt. Die Bauwerke waren eigentlich schon beim bau veraltet und schützten die Soldaten eigentlich nur noch gegen Bomben- oder Granatsplitter. Eine kleine militärische Truppe namens "Grenzwacht" nahm unmittelbar nach der Wiederbesetzung des Rheinlands dort ihre Arbeit auf.
  • Limesprogramm: Im Gegensatz zu den Bauten des Pionierprogramms, waren die Anlagen des Limesprogramms (1938) um einiges massiver konstruiert. Die Anlagen besaßen eine Decke und Wände von 1,5 m Dicke, was sich allerdings schon während des Baus als völlig unzureichend herausstellte. Vom Regelbau 10 wurden beispielsweise insgesamt 3.471 Anlagen am gesamten Westwall gebaut. Die Anlage besaß einen Aufenthalts- und Schutzraum für 10 bis 12 Mann mit einem Eingang und nach rückwärts ausgerichteter Treppenscharte und einen 0,5 m höher angelegten Kampfraum mit jeweils einer flankierenden und frontalen Scharte für ein Maschinengewehr mit einem separaten Eingang. Weitere Scharten waren für Karabinerersten Weltkrieges heraus sicher gegen Giftgas ausgelegt. Das Limesprogramm hatte seinen Ursprung in einem Befehl Adolf Hitlers zur verstärkten Befestigung der deutschen Westgrenze.
  • Aachen-Saar-Programm: Ähnlich typische Bauwerke waren die Doppel-MG-Kasematte vom Typ 107 und der Regelbau Typ 106a (MG-Kasematten mit Gruppenunterstand) des Aachen-Saar-Programms mit Betonstärken zwischen 2 m und 3,5 m. Allerdings verzichtete man in diesen Bunkern meist auf frontal wirkende Scharten und ordnete sie in der Flanke der Bunker an. Frontalscharten wurden nur in Ausnahmefällen eingebaut und dann mit einem massiven Panzerschutz versehen. Das veränderte Konzept der Bunker trug den Erfahrungen aus den vorher errichteten Regelbauten Rechnung. Das am 9. Oktober 1938 beschlossene und Anfang 1939 begonnene Programm schloss die beiden Städte Aachen und Saarbrücken wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung mit ein. Diese lagen zunächst westlich der Verteidigungslinie des Limesprogramms.
  • Luftverteidigungszone West (LVZ-West): Im Jahr 1938 befasste sich die Luftwaffe erstmals mit der Planung einer Zone, die den Namen Luftschutzzone West erhalten sollte. Diese sollte aus 60 leichten und schweren Flakbatterien bestehen und von Jülich bis Speyer verlaufen. Ein Schwerpunkt sollte auf dem Bereich Mosel-Rhein liegen. Mit den ersten Bauarbeiten wurde im Bereich des erwähnten Schwerpunktes begonnen. Am 12. November 1938 wurde per Verfügung die Erweiterung der nun Luftverteidigungszone West genannten Flakzone beschlossen. Als Termin für den Baubeginn dieser erweiterten Zone wurde in der Verfügung der 1. März 1939 festgehalten. Die Entfernung zwischen der LVZ-West und der Hauptkampflinie betrug rund 40 Kilometer. Die LVZ-West bestand im Wesentlichen aus betonierten Stellungen der Flugabwehr. Die dort eingesetzten Waffen sollten einen anfliegenden Gegner in eine größere Höhe zwingen, wodurch sie seinen Treibstoffverbrauch vergrößern und seinen Aktionsradius gleichzeitig verringern sollten. Die verwendeten Regelbauten waren den des zeitgleich begonnenen Limesprogramms sehr ähnlich und wurden auch noch gebaut als das Heer ab 1939 auf modernere Regelbauten umstieg. Zur Nahverteidigung besaßen diese Stellungen eigene Bunker für Maschinengewehre oder zur Unterbringung von Mannschaften oder eines Panzerabwehrgeschützes. Nur zwischen Mosel und Rhein wurde den Flakstellungen eine eigene Stellung mit LVZ-West-Regelbauten zur Bodenabwehr vorgelagert. Bis zum 1. März 1940 wären im Ausbaubereich der LVZ-West von Düren bis Basel 1544 Anlagen gebaut worden. Nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug wurde auch die LVZ-West in die Desarmierung der Westwallanlagen eingeschlossen.
  • Geldern-Stellung: Die Geldern-Stellung verlängerte den Westwall bis nach Kleve am Niederrhein und wurde erst nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gebaut. Ursprünglich endete der Westwall im Norden in der Nähe von Brüggen (Kreis Viersen. Errichtet wurden in erster Linie unbewaffnete Unterstände in allerdings massivster Bauweise aus Beton. Diese Regelbauten vom Typ 102V wurden aus Gründen der Tarnung gern in der Nähe von landwirtschaftlichen Gehöften errichtet. Die ebenfalls hier errichteten Doppel-MG-Kasematten des Regelbautyps 107 sind restlos beseitigt worden.
  • Panzersperren: Außerdem wurden auf vielen Kilometern entlang des Westwalls Panzersperren gebaut. Diese Sperren wurden ihrer Form wegen auch Höckerlinie oder Drachenzähne genannt. Die Höcker aus Stahlbeton stehen in mehreren Reihen auf einem gemeinsamen Fundament. Regulär lassen sich zwei Hindernistypen nachweisen: Das Hindernis vom Typ 1938 mit vier von vorn nach hinten ansteigenden Zähnen und das Hindernis 1939 mit fünf dieser Zähne. Es wurden aber ebenfalls sehr viele unregelmäßige Höckerlinien gebaut. Sofern es die Geografie des Geländes zuließ, wurden anstatt der Panzersperren wassergefüllte Gräben ausgehoben.
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