Kampfschwimmer

Sie waren Hitlers Geheimwaffe im Seekrieg, ihr Auftrag: Sabotage an Schiffen, Brücken und Hafenanlagen.
Eine Eliteeinheit auf die man sich 100% verlassen konnte, sie waren bereit sich selbst zu opfern und kaum jemand wusste wer sie waren.
Ägäis im Sommer 1942: der berühmte Meeresforscher Hans Hass startet eine Unterwasserexpedition wie es sie so noch nie gegeben hatte. Hass teste ein völlig neues Tauchgerät, erstmals kann er sich damit bis zu einer Stunde vollkommen frei unter Wasser bewegen. Sein Tauchgerät erzeugt kaum Luftblasen, nahezu geräuschlos schwebt er im Wasser.
Mit an Board ist auch Alfred von Wurzian, ein Freund aus gemeinsamen Studentenzeiten. Die Wehrmacht beurlaubt Wurzian für die Expedition. Ihn faszinieren vor allem die militärischen Möglichkeiten des neuen Tauchgeräts. Ideal für heimliche Sabotageakte unter Wasser.
1942 notiert er in sein Tagebuch: "Wenn ich auf die unter Wasser liegenden Fracks hingetaucht war oder in der Abenddämmerung im Hafen umher schwamm, erlies mich die Idee vom militärischen Einsatz von Schwimmern nie ruhen. Welche Möglichkeit gäbe es da ungesehen in ein fremdes Schiff oder in einen Hafen hinein zu gelangen. Manche Nacht konnte ich nicht schlafen, jede Minute hatte ich eine Idee, eine Waghalsiger als die Andere." - die Idee der Kampfschwimmer und Alfred von Wurzian wird ihr Lehrmeister.

Ende 1942, sofort nach der Rückkehr aus der Ägäis, führt Wurzian den Militärs seine Kampfschwimmeridee vor - zunächst vergeblich, denn Hilter sieht für Kampfschwimmer keine Verwendung, doch dies sollte sich Ende 1943 schlagartig ändern: englische Saboteure bringen Minen an der Tirpitz an und setzten das Schlachtschiff für Monate auser Gefecht.
Jetzt soll Wurzian in der Marineschule Kiel Rekruten für ein Geheimkommando finden. Hier trainieren die besten Sportschwimmer des Dritten Reiches, die so genannte "Wettkampfgruppe Schwimmen". Eigentlich eine Showgruppe, die durch Vorführungen Freiwillige für die Kriegsmarine anwerben soll. Unter ihnen sind Rekordschwimmer, sogar Weltrekordhalter. Keiner von ihnen weis, was ihre neue Aufgabe sein wird, einige von ihnen erhalten nur den Befehl Kiel zu verlassen, mit dem Hinweis, es wären alles ausgewählte Leute mit der Vorraussetzung das man gut schwimmen konnte.

Anfang Januar 1944 erhalten die ersten 20 Schwimmer ihren Marschbefehl Richtung Italien. Sie werden zu dem kleinen Städtchen Valdagno am Fuße der Dolomiten beordert.
Im Schwimmbad von Valdagno will Wurzian aus ihnen eine Elitetruppe machen: aus den Sportschwimmern sollen Kampfschwimmer werden.
Mit Training und militärischem Drill macht er sie gefügig. Stundenlang lässt er sie schwimmen und tauchen. Als Vorbild dienen die italienischen Kampfschwimmer, sie trainieren ebenfalls in Valdagno und sie sind den Deutschen in der Ausbildung voraus.
Zusätzlich werden die Schwimmer als Einzelkämpfer ausgebildet, genannt wurde dies "Marine-Vernichtungs-Sport". Die Nahmkampfausbildung ist überlebenswichtig für die geplanten Einsätze hinter den feindlichen Linien. Sie soll die Chance für eine Rückkehr nach dem Einsatz erhöhen.

Textauszug der Wochenschau 1944: "Dieser neue junge Soldatentyp setzt sich auch Freiwilligen zusammen, die in sich die Härte, den Mut und das Draufgängertum des Soldaten und die Gewandheit, Ausdauer und Zähigkeit des Sporstmannes vereinen."

In Valdagno erhalten die Schwimmer erstmals auch ihren Kampfanzug aus Gummi. Darunter ein Wollanzug um die Wärme zu erhalten. Darüber eine graue Stoffkombination um den Gummianzug zu schützen und ein neues Sauerstoff-Kreislauftauch-Gerät, wie es auch der Meeresforscher Hans Hass benutzt.
In Valdagno weis niemand wer die deutschen sind, die so viel im Schwimmbad trainieren. Gut getarnt leben sie unter dem Dach des Hallenbades und geben sich als verwundete Soldaten aus, die zur Genesung hier sind.

Auch auf der anderen Seite der Alpen findet ein Geheimkommando statt: in der SS-Junkerschule Bad Tölz wird parallel eine zweite Kampfschwimmertruppe ausgebildet.
Tagsüber gehört die Schwimmhalle dem SS Kadernachwuchs, das nach Sonnenuntergang Marinesoldaten in ihrem Hallenbad trainieren ahnen die SS-Junker nicht. Meist wurde die halle noch verdunkelt.
Einer der wenigen Eingeweihten War Otto Skorzeny, der während des Krieges für sämtliche Kommandotrupps und Geheimkommandos zuständig war.
Skorzeny will auch die Kampfschwimmer unter seine Führung bringen, was dann aber von oberster Stelle abgelehnt wurde. Admiral Haie soll gesagt haben, dass dies nicht in Frage kommt und SS eben SS bleibt und Marine bleibt Marine.
Somit behält die Marine das Kommando über die Kampfschwimmer. Unter dem Befehl des Konteradmiral Haie wird der neue Kleinkampfverband der Kriegsmarine am 20. April 1944 offiziell aufgestellt. Die Kampfschwimmer feiern den Tag mit einer Parade in Valdagno.

Im Sommer 1944 kommt es auch rund um Valdagno zu immer mehr Partisanenaktivitäten und für die Kampfschwimmer wird es immer gefährlicher sich frei zu bewegen. An einem Sonntag, dem 11. Juni 1944 sind vier von ihnen auf dem Weg zurück von einer Bergwanderung. Sie laufen durch das Dorf Borga, ganz in der Nähe von Valdagno. Für den 22-Jährigen SS-Kampfschwimmer Hermann Georges findet die Bergwanderung ein jähes Ende. Im Dorf eröffnen versteckte Partisanen das Feuer auf die vier Deutschen. Georges wird tödlich getroffen während die Anderen in Richtung Valdagno flüchteten. Dort angekommen berichten die Überlebenden ihrem Kommando dem Vorfall, worauf sich ein Jagdkommando in Richtung Dorf in Marsch setzt um Vergeltung zu üben.
Alle Männer des Dorfes wurden von Frauen und Kindern getrennt und an eine Böschung gebracht. Es wurden alle 17 Männer erschossen und anschliesend die Häuser des Dorfes in Brand gesteckt.
An der Exekution der 17 Männer waren auch wenige befreundete Kampfschwimmer des zuvor hinterhältig ermordeten Hermann Georges beteiligt, die ihren Freund rächen wollten. Doch nicht alle durften Vergeltung üben, denn die Kampfschwimmer sollten beschützt werden und man wusste nicht was einem im betroffenen Dorf erwarten würde.
Während dieser Vorfall von der heutigen Geschichtsschreibung "mal wieder" als "bestialisches Kriegsverbechen" verurteilt wird, bleibt das "warum" auser Acht. Der Kampf gegen Partisanen gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines Soldaten und dabei gibt es die meisten unschuldigen Opfer. Aber gehören zu einem Kriegsverbrechen meist zwei Seiten. Nicht alle, aber sehr viele als "bestialische Taten deutscher Soldaten" beurteilen Vorkommnisse, beruhen auf einem zuvor gekommenen Angriffs, bzw. Kriegsverbrechen der Gegenseite.

Die Kampfschwimmer werden auf die Insel Alga nahe Venedig verlegt. Nach der Grundausbildung beginnt nun ihre Meeresausbildung. Ihr Quartier ist ein altes Benediktienerkloster, dass für ihre Zwecke umgebaut werden muss.
Auch die Insel Alga ist als Erholungsinsel getarnt, denn die Kampfschwimmer sollen unter keinen Umständen entdeckt werden. Sie schwören absolute Geheimhaltung und viele von ihnen halten sich bis Heute an ihr gemeinsames Gelöbnis.
Zum ersten mal trainieren die Kampfschwimmer unter halbwegs realen Bedingungen vor Alge im offenen Meer. Töglich schwimmen sie 10 km in der lagune von Venedig. Im August 1944 leben und trainieren 170 Männer auf der kleinen Insel.
Unweit liegt das Schiffswrack der "Tampico", hier üben die Kampfschwimmer bei Tag und Nacht ihre Angriffe. Die meisten von ihnen tauschen das erste Mal im trüben Meerwasser. Sie entwicklen eine spezielle Schwimmtechnik: fast stehend bewegen sie sich im Wasser, so dass möglichst nur ihr Kopf aus dem Wasser herausragt. Mit winzigen Flossenschlägen bewegen sie sich voran, ein Netz über dem Kopf dient ihnen als Tarnung. Hinter sich ziehen sie eine Torpedomine zum Schiff und erst an der Bordwand benutzen sie ihr Tauchgerät. Lautlos gleiten sie unter das Schiff, ein Moment bei dem die Männer immer wieder Panikattacken bekommen, ganz besonders bei Dunkelheit.
Sie tauchen mehrmals täglich in die dunklen Tiefen und gehen an ihre Grenzen. Unerbittlich treibt sie ihr Ausbilder Alfred von Wurzian an. Er fordert das alles "wie im Schlaf" vor sich gehen soll.
Doch einer von ihnen überlebt das training nicht, es ist der deutsche Werner Bullin. Erst 9 Tage nach seinem Unfall taucht seine Leiche in der Lagune von Venedig wieder auf und wird auf der nahegelegenen Toteninsel beigesetzt. Doch er sollte nicht das einzigste Todesopfer während der Ausbildung bleiben.

Zu den Übungen der Kampfschwimmer gehören auch geheime Einsätze in Venedig, sie sollen ihre Tarnung testen und ihr Können als Saboteure unter Beweis stellen. Heimlich binden sie Gondeln von ihren Ankerplätzen los, sie stehlen Lebensmittel vom Markt und bringen die Beute unbemerkt zurück in ihr Ausbildungslager.
Dieses gespenstige Treiben in den Kanälen von Venedig wird bald Stadtgespräch. Niemand kann sich erklären wer hinter diesen seltsamen Vorkommnissen steckt. Die Kampfschwimmer fühlen sich dadurch bestätigt und ihre "Streiche" machen ihnen auserdem Spass, doch für einen von Ihnen werden sie zum Verhängnis: er wird von einem Polizisten angeschossen und wird daraufhin in das Lazarett gebracht wo er dann verstirbt.

Als im Juni 1944 der Krieg immer näher kommt, sind die Kampfschwimmer auch auf der Insel Alga nicht mehr sicher. Die alliierten Bomber bomardieren schon das Umfeld von Venedig. Als im selben Monat die alliierten Invasion in der Normandie statt findet, löst das Voranschreiten der alliierten Truppen den ersten Einsatz für die Kampfschwimmer aus. Am 21. Juni 1944 gibt Konteradmiral Haie den Einsatzbefehl. Die Kampfschwimmer werden sofort an die Atlantikküste beordert, die Froschmänner sollen das erreichen was die Wehrmacht nicht mehr vermag: die Invasionsflotte auser Gefecht setzen.
Als sie ankommen ist die See stürmisch und die Kampfschwimmer kämpfen gegen die hohen Wellen und weniger gegen feindliche Schiffe. Der Angriff auf die Invasionsflotte schlägt fehl. Auch weitere Einsätze an der Küste scheitern, auch weil die Kampfschwimmer mit tagealten Luftaufnahmen ihre Ziele nicht mehr finden können.
Gegen die Übermacht der Invasionsflotte können die Kampfschwimmer nichts mehr Ausrichten und ziehen sich vorerst zurück.

Nach dem Scheitern an der Invasionsfront setzt die Kriegsmarine auf eine weitere "Wunderwaffe", die sogenannten Ein-Mann-Torpedos - ein lenkbarer Torpedo in dem ein mensch Platz hat. Darunter befindet sich ein scharfer Gefechtstorpedo. Obwohl die Waffe unausgerift ist, werden derartige Torpedos samt den Kampfschwimmern an die Küste verlegt.
Am Abend des 5. Juli 1944 stechen 24 Torpedoboote an der Atlantikküste in See und haben gegen 3 Uhr ihr Einsatzgebiet erreicht. Eigentlich ein Himmelfahrstkommando, denn jeder von ihnen hat nur einen einzigen Schuss.
Sie schaffen es jedoch diverse Fregatten, Kreuzer und Zerstörer zu versenken. Karl Dönitz lässt daraufhin die Einzelkämpfer in der Wochenschau antreten, wo ihnen dann auch das Ritterkreuz überreicht wird.
Doch die Einsätze erfordern auch ihre Opfer, bei einem Einsatz im August 1944 kommen von 58 Torpedofahrern rund 40 ums Leben.

Am 20. August 1944 erobern die alliierten Truppen die strategisch wichtigen Brücken von Njimwegen. Nach dem es der Deutschen Luftwaffe und der Artillerie nicht gelang diese Brücken zu zerstören, erhielten nun die Kampfschwimmer den Auftrag diese Brücken von der Wasserseite aus zu sprengen.
12 Freiwillge setzen sich vom Hauptquartier auf der Insel Alge in Richtung Njimwegen in Bewegung - eine Operation im Rücken des Feindes. Die Kampfschwimmer müssen je 7 km feindliches Gebiet durchqueren: Vor- und hinter den beiden Brücken (eine Strassen- und eine Eisenbahnbrücke).
Am 29. September 1944 sollte es der bisher schwierigste Auftrag für die Kampfschwimmer werden, denn der Fluss hatte eine starke Strömung und es lagen kaum Informationen über die Gegebenheiten vor. So waren z.B. die Luftaufnahmen des Gebietes wie schon in der Normandie veraltet. So trafen die Kampfschwimmer völlig überraschend auf eine Pontonbrücke, die direkt hinter der Strassenbrücke lag.
Dennoch gelang es den Kampfschwimmern ihr Sprengladungen anzubringen und so die Strassenbrücke stark zu beschädigen und die Eisenbahnbrücke vollständig zu zerstören.
Nach den Explosionen versuchen die Kampfschwimmer schnellstmöglich aus dem Feindgebiet heraus zu kommen, was sich als äuserst schwierig erweisen sollte, da langsam die Dämmerung einsetzte. Während sich die Meisten der Kampfschwimmer in der Nähe verstecken, lassen sich zwei von ihnen weiter Stromabwärts treiben.
Die Kampfschwimmer werden von Holländern entdeckt. Bei einer Werft ziehen sie die deutschen Froschmänner aus dem Wasser. Sie versuchten zu flüchten, doch die Ruderboote der Holländer waren schneller, zu dem waren die Holländer bewaffnet.
Als die Holländer die Deutschen mit der Absicht diese zu erschiessen an die Wand stellen wollten, wurden einige Engländer auf das geschehen aufmerksam und nahmen die Deutschen in Gefangenschaft.
Nur zwei der ursprünglich 12 Kampfschwimmer kommen durch und die deutsche Propaganda feiert die Rückehr mit einem der verwegensten Unternehmen das in der gesamten Kriegsgeschichte durchgeführt wurde.
Dönitz setzt seine Kampfschwimmer weiter in diversen Einsätzen ein, doch die meisten Sabotageakte der Kampfschwimmer in den letzten Kriegsmonaten schlugen fehl. Lediglich mehrere Frachtdampfer wurden in dieser zeit durch die Kampfschwimmer versenkt, unter anderem im Hafen von Split.

Kurz vor Kriegsende geht im Führerhauptquartier ein Funkspruch ein: Vom Kleinkampfverband der Kriegsmarine (kdk) machen sich 1000 Einzelkämpfer bereit für die Schlacht um Berlin. Absender ist Karl Dönitz.
Zwei Tage später folgt ein weiterer Funkspruch von Dönitz: er kündigt an, zum persönlichen Schutz des Führeres weitere 30 Einzelkämpfer im K-Verband nach Berlin zu fliegen.
Ob diese Männer tatsächlich in Berlin ankamen ist bis Heute ungeklärt, fast alle Akten über die Kampfschwimmer und Torpedomänner wurden vernichtet.
Am 30. April 1945 erfolgt der letzte Angriff der Kampfschwimmer auf eine Brücke an der Elbe - es ist der tag an dem Adolf Hitler Selbstmord begeht.

Kommentare (1)Add Comment
Lewandowski
November 01, 2011
84.56.86.214
...

Ehemaliger Kampfschwimmer ( Deutsches Kreuz in Gold )
In dem Bericht bleibt unerwähnt die Einsatzgruppe Leutnant Keller. Einsatz 1944.ende 1945 Wir sprengten mehr fach Brücken die den Vorstoß der Russen verhindern sollten.

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busy
 

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