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| Beuteflugzeuge |
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1910-1918 EnglandBereits vor 1939 flogen einige englische Sportflugzeuge DH 60 Moth und Moth major in der deutschen Sportfliegerei. Unter anderem flog der Filmschauspieler Heinz Rühmann eine "Moth (Motte)", aber auch Ernst Udet flog bereits 1931 eine "Motte" bei seinen Kunstflugvorführungen.Professor Henrich Focke kaufte den Tragschrauber de la Cierva C 30A aus England, der ihm dann als Grundlage für die Entwicklung des ersten echten Hubschraubers diente. Während des Krieges sind, insbesondere beim Feldzug im Westen 1940, viele englische Baumuster in deutsche Hände gefallen, darunter eine ganze Reihe Bristol "Blenheim IV", die dann an die finnische Luftwaffe weitergegeben wurden. Im Bombenkrieg sind nur selten englische Bomber fast unbeschädigt in deutsche Hände gefallen. Sie wurden nur in Rechlin nachgeflogen. Es scheint allerdings, daß einige Vickers "Wellington" auch im Truppendienst geflogen worden sind. ![]()
FrankreichNach dem Feldzug im Westen wurde Frankreich zu einem wesentlichen Faktor in der deutschen Luftrüstung. Bei der Kapitulation fielen hunderte von französischen Flugzeugen unbeschädigt in deutsche Hände. Einzelne Typen wie Caudron C 445 wurden sogar für die Luftwaffe weitergebaut. USAVor 1933 sind so gut wie keine amerikanischen Flugzeuge in Deutschland geflogen worden. Da man aber nach 1933 sowohl auf dem Militärsektor wie auch auf dem zivilen die Überlegenheit der amerikanischen Luftfahrtindustrie kannte, versuchte man davon zu profitieren.Heinkel schickte seine Konstrukteure nach USA. Junkers stellte amerikanische Konstrukteure ein. Die Lufthansa kaufte zwei moderne Verkehrsflugzeuge des Typs Boeing 247 D an. Ein Sonderfall war eine Stinson "Reliant". Nachdem General Motors die Opel-Werke in Rüsselsheim übernommen hatte, wurde ein Reiseflugzeug des genannten Typs angekauft und flog mit dem deutschen Kennzeichen D-OPEL. Die Kriegsmarine, die dringend Bordflugzeuge für die Kreuzer und Schlachtschiffe brauchte, kaufte, um Erfahrungen zu sammeln, im Sommer 1935 drei Bordaufklärungsflugzeuge für Katapulteinsatz des Typs Vought V 85 G. Die Versuche damit fanden auf dem Kreuzer "Köln" statt. Die Maschinen trugen ursprünglich die zivilen Kennzeichen D-IBAX, D-IDIT und D-ITIX. Zumindest eine der Maschinen ist später mit Radfahrwerk und den Kennzeichen TK+HR geflogen worden. Über das weitere Schicksal der Maschinen ist nichts bekannt.— Ein Amphibium Douglas 0A4 wurde zu Studienzwecken von Arado gekauft, das als Grundlage für die Entwicklung des Projekts Ar E 430, später Ar 233 bezeichnet, diente. Über die Rolle, die der Marine Sturzbomber Curtiss F 11C-1, den Ernst Udet flog, bei der Entwicklung der deutschen Sturzbomberwaffe spielte, ist bereits berichtet worden. Der Feldzug im Westen 1940 brachte dann verschiedene amerikanische Baumuster in deutsche Hände, die größtenteils alle bei der Luftwaffe und bei der Lufthansa Verwendung fanden. Bereits 1938 hatte die Lufthansa vier Douglas DC-3 von der Tschechischen Luftverkehrsgesellschaft übernommen. 1936 war eine DC-2 angekauft, aber 1937 wieder ins Ausland verkauft worden. 1940 wurden von der Koninklijke Luchtfaart Matschappij (KLM) vier DC-2 und vier DC-3 übernommen. Hierbei handelte es sich um Maschinen, die von Fokker unter Lizenz von Douglas gebaut worden waren. — Während des Frankreichfeldzuges fielen dann einige Curtiss H.75-Jagdflugzeuge und einige Ubungsflugzeuge der Typen North American NA 57(BC-1) und NA 64(BT-14, brit. "Yale") in deutsche Hände, die auf verschiedenen A/B-Flug-zeugführerschulen verwendet wurden. Während des sich ab 1942 laufend verstärkenden Bombenkriegs über dem Reichsgebiet wurden dann verschiedentlich amerikanische Vier-mot .-Bomber der Typen Boeing B-17 und Consolidated B-24 zur Landung gezwungen, die zum Teil ohne Kennzeichen für Sonderaufträge eingesetzt wurden. Aber auch einige Jagdflugzeuge North American P-51 und P-47 fielen fast unbeschädigt in deutsche Hände. Alle diese Beuteflugzeuge wurden in Rechlin einer intensiven Erprobung unterzogen. Insbesondere die große Reichweite der amerikanischen Jagdflugzeuge war für die deutschen Jäger-Konstrukteure Messerschmitt und Tank eine Überraschung. ![]() ![]() SowjetunionVon allen in deutsche Hände gefallenen Flugzeugen ist nur ein Baumuster im regulären Truppendienst der Luftwaffe geflogen worden. Es handelt sich um den mittleren Bomber Tupoleff SB-2 (ANT-40). Dieser Typ wurde von der Tschechischen Firma Avia in Lizenz gebaut unter der Bezeichnung Avia B-71. Bei der Besetzung der Tschechoslowakei 1939 wurden große Stückzahlen dieses Baumusters vorgefunden.Die festgestellten guten Flugeigenschaften der Maschine veranlaßten die Übernahme der Avia B-71 durch das Kommando der Fliegerschulen. Die B-71 wurde offiziell in die Typenliste des Reichsluftfahrtministeriums übernommen, allerdings ohne Hinweis auf die sowjetische Abstammung. Sie wurde als Zielschlepper und zur Bomberschulung eingesetzt. Alle übrigen sowjetischen Beuteflugzeuge wurden nur in Rechlin einer eingehenden Erprobung unterzogen, aber nicht im Truppendienst verwendet. Interessant ist die Tatsache, daß man auf deutscher Seite besonders über die sowjetischen Jäger mit Holzrümpfen überrascht war. Es gelang den deutschen Ingenieuren nicht die sowjetische Fertigungsmethode für diese sehr leichten aber stabilen Holzrümpfe festzustellen. ![]() PolenEin großer Teil der polnischen Luftstreitkräfte wurde bereits in der Anfangsphase des deutschen Angriffs 1939 am Boden zerstört.Nur wenigen Bombern PZL 37 gelang es der Vernichtung durch die deutsche Luftwaffe zu entkommen. Sie flogen noch eine Zeitlang in Rumänien. Von den wenigen übrig gebliebenen polnischen Flugzeugen wurden einige in Rechlin nachgeflogen. Ein Einsatz der Maschinen bei Schulen oder Verbänden der Luftwaffe ist nicht erfolgt. ![]() NiederlandeAnfang der dreißiger Jahre flog über deutschen Städten ein Flugzeug, das mit Leuchtbuchstaben Reklame während der Abendstunden für Schokolade, Seifenpulver und Milch machte.Nur wenige wußten, daß es sich dabei um ein Flugzeug holländischer Herkunft, die Koolhoven FK 33, handelte. Zu diesem Zeitpunkt flogen aber bereits seit einigen Jahren holländische Jagdflugzeuge des Baumusters Fokker D XIII, in dem geheimen deutschen Luftwaffenzentrum Lipezk in der Sowjetunion. Insgesamt sind 50 Flugzeuge dieses Typs nach Lipezk geliefert worden und waren teilweise noch 1933 in Dienst. Die übrig gebliebenen Maschinen wurden nach der Auflösung von Lipezk 1933 den Sowjets übergeben. Bei der Lufthansa flogen 1926 neunzehn Verkehrsflugzeuge des Typs Fokker F II und sechzehn F III. Der größte Teil davon ist unter Lizenz von Fokker in Deutschland gebaut worden und vor Übernahme durch die Lufthansa bei deren Vorgängern Deutsche Luft-Reederei und Deutscher Aero-Lloyd geflogen worden. Die letzten Maschinen dieser Typen flogen noch 1937. — Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht fielen 1940 einige Zerstörer Fokker G I in deutsche Hände, die auf deutschen Schulen aufgebraucht wurden. Ein eigenartiges Schicksal hatte das See-Mehrzweckflugzeug Fokker T VIIIW. Einige Maschinen entkamen nach England und flogen mit englischen Kennzeichen beim Coastal Command der Royal Air Force. Die in Holland verbliebenen Maschinen kamen zu Küstenfliegergruppen. Nachdem man aber die englischen T VIII W festgestellt hatte, wurden - um tödlichen Verwechselungen aus dem Wege zu gehen - diese Maschinen ins Mittelmeer verlegt, wo sie bei der Küstenfliegergruppe 126 eingesetzt waren. Eine der Maschinen wurde versuchsweise mit einem festen Radfahrgestell versehen. 1940 beim Unternehmen "Weserübung" fielen in Dänemark einige nach dort gelieferte Fokker C V E in deutsche Hände, die als Schulmaschinen aufgebraucht wurden. ![]() ItalienItalienische Flugzeuge sind in der Luftwaffe zeitweise sehr zahlreich vertreten gewesen. Als am 13. März 1938 der Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich vollzogen wurde, wurden auch die Flugzeuge der österreichischen Luftwaffe von der deutschen Luftwaffe übernommen. Dabei handelte es sich zum größten Teil um italienische Baumuster.Unter anderem wurden ein- und zweisitzige Fiat CR 20 und CR 32, einige Aufklärer Romeo Ro 37 und dreimotorige Bomber Caproni Ca 133 vorgefunden. Die Jagdeinsitzer wurden noch einige Zeit bei den Jagdschulen verwendet. Später wurden sie, wie auch die anderen Flugzeuge an mit Deutschland verbündete Staaten abgegeben. Fünf Jahre später, am 8. September 1943 fiel Italien von Deutschland ab. Von deutscher Seite war man bereits darauf vorbereitet und reagierte dementsprechend. Alle Flugzeuge der Regia Aeronautica, der italienischen Luftwaffe, wurden beschlagnahmt. Nur ein Teil davon wurde später den auf deutscher Seite weiter kämpfenden italienischen Verbänden zurückgegeben. Nach den starken Verlusten der deutschen Transportverbände im Osten und im Mittelmeer waren die nunmehr verfügbaren italienischen Transporter von Savoia-Marchetti und Piaggio eine willkommende Auffrischung. Aber auch italienische Jagdflugzeuge von Macchi, Fiat und Reggiane flogen unterm Balkenkreuz. Eine besondere Rolle spielten die Doppeldecker Fiat CR 42, die als Ersatz für die nicht mehr vorhandenen deutschen Henschel Hs 123 als Schlachtflugzeuge, unter anderen bei der Nachtschlachtgruppe 7 eingesetzt wurden. Alle nach dem 8. September von italienischen Werken unter deutscher Kontrolle gebauten Neuentwicklungen durften nur mit deutschen Kennzeichen geflogen werden. Nur wenige dieser Flugzeuge haben das Ende des Zweiten Weltkriegs überlebt. ![]() TschechoslowakeiNachdem am 16. März 1939 nach dem Einmarsch deutscher Truppen das "Protektorat Böhmen und Mähren" errichtet worden war, wurden sämtliche Bestände der tschechischen Fliegertruppe von der Luftwaffe übernommen.Hierbei spielte das Jagdflugzeug Avia BH-534 eine besondere Rolle. Die Maschine wurde nicht nur als Übungsflugzeug an die Jagdschulen geliefert, sondern zum Teil auch an aktive Jagdstaffeln. Zumindest eine deutsche Jagdgruppe war bei Kriegsausbruch mit diesem Flugzeug ausgerüstet. Noch 1941 wurden BH 534 als Schleppflugzeuge für Lastensegler im Osten eingesetzt. Die tschechische Luftfahrtindustrie wurde in die deutsche Flugzeugproduktion eingeschaltet. Diese entwickelte während der deutschen Besetzung auch eigene Flugzeugmuster, die zum Teil an Bulgarien und Ungarn geliefert wurden.
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