Luftwaffe Sanitätswesen der Luftwaffe Lufttransport von Verwundeten und Kranken
Lufttransport von Verwundeten und Kranken

Der Lufttransport von Verwundeten und Kranken kann als die bedeutendste Neuerung des Zweiten Weltkrieges in sanitätsdienstlicher Hinsicht gewertet werden.
Die Idee, Verwundete mit dem Flugzeug zu transportieren war zwar nicht neu, doch wurde sie vor dem Zweiten Weltkrieg wenig beachtet. Die Vorteile eines Verwundetentransportes durch Flugzeuge wurden vom damaligen Chef der Medizinalabteilung klar erkannt. Durch die rasche Überbrückung großer Entfernungen hat das Sanitätsflugzeug die hochentwickelten chirurgischen Arbeitsstätten der Heimat mit in die erste und endgültige Versorgung der Verwundeten eingezogen.
Ein Transport im Schock, mit Schockbereitschaft oder Anämie war ausgeschlossen. Als Ausnahme galten Räumungstransporte, die sich nur noch nach menschlichen und nicht mehr nach ärztlichen Gesichtspunkten richteten. Besonderes Augenmerk war auf die Schwerverwundeten mit großem Blutverlust, Lungen - oder Bauchschüssen zu richten. Diese Verwundeten konnten nur ihn Höhen bis maximal 1.300 m transportiert werden.

Eine weißgespritzte, mit rotem Kreuz auf Tragflächen und Rumpf versehene Ju 52 war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Sanitätsflugzeuge. Sie besas erst vier, dann acht Spezialtragen, bequeme Sitze sowie Behälter für die Aufnahme von Arznei- und Verbandmitteln. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen entschloss man sich dazu, Sanitätsflugbereitschaften aufzustellen.
Für den transport Verwundeter und Kranker wurden auch Transportflugzeuge eingesetzt. Sie konnten ebenfalls acht Tragen aufnehmen. Alle Transportflugzeuge, die Nachschub in den Frontbereich flogen, waren grundsätzlich mit Krankentragen bzw. Befestigungsvorrichtiungen ausgerüstet.
Für eine Sanitätsflugbereitschaft wurden folgende Einsatzgrundsätze fest gelegt:

1. Die Sanitätsflugbereitschaften wurden den Fliegerkorps unmittelbar unterstellt.
2. In unmittelbarer Nähe des Flugplatzes mussten ausreichend aufnahmefähige Lazarette vorhanden sein.
3. Der Korpsarzt hatte engen Kontakt mit den Korps- und Divisionsärzten der im gleichen Gebiet eingesetzten Heereseinheiten zu halten, um Schwerpunkte für den Abtransport festzulegen.
4. Die Führer der Einheiten sollen alle Einsätze mitfliegen, um sich ein Bild von dem Verwundetenfall, den Landverhältnissen usw. zu machen. Sie hatten die Transportfähigkeit der Verwundeten festzustellen und Anordnungen für eine Betreuung während des Fluges zu geben. Anfangs wurde jedem krankentransport ein Arzt beigegeben, doch stellte es sich heraus, dass eine Krankenschwester bzw. Sanitätsdienstgrad als Begleitung ausreichte. Nur bei Schwerstverwundeten flog jeweils ein Arzt mit. Rissen die Verbindungen zu den Fliegerkorps ab, setzten die Führer der Sanitätsflugbereitschaft die Flugzeuge selbständig ein.

Der Einsatz selbst hing von der Wetterlage, den geographischen Gegebenheiten, der Luftlage und der Dringlichkeit ab, wobei besonders die Luftlage wichtig war. Bei eigener Luftüberlegenheit verliefen die Flüge ohne Schwierigkeiten, bei feindlicher Überlegenheit mussten die FLugzeuge entweder einzeln auf Sichtweite oder Nachts fliegen. Kursabweichungen, unruhige Luftschichten, häufiger Blindflug mussten hierbei in kauf genommen werden. Wolken waren als Sicherung der Strecke besonders beliebt und Tiefflüge über Wasser in  2 m bis 3 m Höhe wurden zur Selbstverständlichkeit.

Die Zusammenarbeit zwischen Heer und Luftwaffe verlief nicht immer reibungslos, da das Heer nicht mit den Einsatzgrundsätzen und Einsatzmöglichkeiten der Luftwaffe vertraut war. Der Lufttransport von Verwundeten konnte bereits am Truppenverbandsplatz beginnen, was besonders den abgelegenen Sanitätseinheiten zu Gute kam. Der Transport vom Truppenverbandsplatz zum nächst gelegenen, für Transportflugzeuge benutzbaren Feldflugplatz wurden u.a. mit den im Zubringerdienst eingesetzten Flugzeugen vom Typ "Fieseler Storch", die jeweils zwei verwundete übereinander transportieren konnten, durchgeführt. Auf dem Feldflugplatz gab es eine Verwundetenumschlagstelle. Hierher kamen nicht nur Verwundete von der Front, sondern auch von den Hauptverbandsplätzen und den Lazaretten in der Umgebung. Von diesem Feldflugplatz aus erfolgte der Rücktransport mit Sanitäts- oder Transportflugzeugen, in der hauptsache mit der Ju 52.

Durch die Benutzung der Krankentrage 37, die in alle Krankentransportmittel passte, wurde der Verwundetentransport vom Truppenverbandsplatz zum Lazarett ohneUmbetten, d.h. mit größter Schonung für den Verwundeten durchgeführt. Vom April 1944 existierte auch ein Befehl zur Aufstellung einer Großraum-Sanitätsflugbereitschaft, die mit der schesmotorigen Messerschmitt 323 ausgerüstet werden sollte. Große bedeutung haben diese Großraumsanitätsflugzeuge nicht erlangt, da sie technisch noch nicht vollendet waren und deshalb zu oft ausfielen.

Um auf dem Feldflugplatz unnötige Wartezeitn für Sanitätsflugzeuge zu vermeiden, waren die Sanitätsflugbereitschaften mit Krankenkraftwagen ausgerüstet, die die Verwundeten aus der Umgebun zur Umschalgstelle brachten.
Bis Ende 1943 wurden mittels Lufttransport über 2 Millionen Verwundete durch die Sanitätsflugbereitschaften und mit Transportflugzeugen der Luftwaffe abtransportiert.

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 06. März 2009 um 23:02 Uhr
 

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