Der deutsche Wetterdienst
Der Wetterdienst begann seine Arbeit in den 1920er Jahren unter der Kontrolle der Deutschen Seewarte. Seine Aufgabe war das Sammeln von Wetterinformationen für die verschiedenen zivilen Fluglinien. Er setzte sich aus einer Anzahl Wetterflugstellen zusammen, welche Lokal oder Regional arbeiteten. Die lokalisierten Wetterdaten wurden durch Wetterinformationen anderer Staaten durch eine Zusammenarbeit vervollständigt.

Während der 1930er Jahre wurde der Wetterdienst immer wichtiger für die Luftwaffe und die Wehrmacht. Der Wetterdienst wurde stückweise militarisiert und ein wichtiger Teil der Luftwaffe.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 gab es insgesamt 14 Wetterflugstellen und 5 Wettererkundungsstaffeln (Wekusta), wovon 4 direkt bei den Luftflotten eingesetzten waren und die fünfte direkt dem Oberkommando der Luftwaffe unterstand.
Durch den Krieg blieben die meisten internationalen Wetterinformationen aus und so bildetet das Oberkommando der Luftwaffe eine Zentrale Wetterdienst-Gruppe. Diese war mit U-Booten mit entsprechender Ausrüstung und Wetterbeobachtungsschiffen ausgestattet. Auf einigen Inseln der Nordsee wurden später auch einzelne Wetterstationen eingerichtet.

Die 5 bei Ausbruch des Krieges bestehenden Wettererkundungsstaffeln (Wekusta) waren die
- Wekusta Ob.d.L (Berlin-Gatow)
- Wekusta 1/Luftflotte (Leipzig-Brandis)
- Wekusta 26 (Luftflotte 2/Wesendorf)
- Wekusta 51 (Luftflotte 3/Langendiebach)
- Wekusta 76 (Luftflotte 4/Zeltweg)
Die Wekusta waren hauptsächlich mit zweimotorigen Flugzeugen des Typs He 111 J, Dornier Do 17 P und einigen Focke-Wulf Fw 58 E ausgestattet.
Die Wetterflugstellen und die Wekusta flogen tägliche Wetteraufklärungsflüge um den Luftdruck, Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen zu messen. Die Informationen wurden dann bei der Zentralen Wetterdienst-Gruppe gesammelt und ausgewertet.
Als immer mehr Wetterinformationen benötigt wurden und sich der Wetterdienst erweiterte, wurden individuelle Kommandos und Schulen eingerichtete, die ihre eigene Wetterkette bildeten

Nach Beginn des Krieges weiteten sich die Wetterflugstellen auch aus dem von Deutschland besetzten Gebieten aus. Es wurden neue Wekusta gebildet und die wichtigsten Wetterflugstellen waren
Wetterflugstelle 464 (Dokudowo)
Wetterflugstelle 464 (Sachtalowka)
Wetterflugstelle 1228 Udetfeld-Mielec
Wetterflugstelle Amterdam-Schiphol
Wetterflugstelle Balkan (Belgrad-Semlin)
Wetterflugstelle Berlin
Wetterflugstelle Breslau-Gandau
Wetterflugstelle Dievenow
Wetterflugstelle Dresden-Klotsche
Wetterflugstelle Erfurt-Bindersleben
Wetterflugstelle Frankfurt/Main
Wetterflugstelle Hamburg-Fuhlsbüttel
Wetterflugstelle Handorf
Wetterflugstelle Kaukasus
Wetterflugstelle Kiel-Holtenau
Wetterflugstelle Kiew-Postwolinsk
Wetterflugstelle Königsberg (später Heiligenbeil)
Wetterflugstelle Krakau
Wetterflugstelle Paris-Le Bourget
Wetterflugstelle Madrid
Wetterflugstelle München-Riem
Wetterflugstelle Münster-Loddenheide
Wetterflugstelle Nancy
Wetterflugstelle Norderney
Wetterflugstelle Pardubitz
Wetterflugstelle Pleskau
Wetterflugstelle Prag-Ruzyn
Wetterflugstelle Saarbrücken
Wetterflugstelle Saporoshje
Wetterflugstelle Stettin
Wetterflugstelle Stuttgart-Böblingen
Wetterflugstelle Vaernes
Wetterflugstelle Wien-Aspern

Es gab noch weitere temporäre Wetterflugstellen, welche sich im Laufe des Krieges durch den sich ändernden Frontverlauf nach hinten verlegten und sich schließlich in Neuruppin sammelten und dann aufgelöst wurden.
Im April 1942 verlegte die Wetterflugstelle Wien-Aspern nach Shatalovka-Ost wo sie in Wetterflugstelle Schatalowka-Ost umbenannt wurde und die Wekusta 26 ersetzte. Am 7. September 1943 folgte die Verlegung nach Orhsa-Süd und im Juni 1944 nach Dokudovo wo sie in Wetterflugstelle 464 umbenannt wurde. Am 15. Juni 1944 wurde aus der aufgelösten Wetterflugstelle 464 eine neue Wekusta 26 (Ost) gebildet. Im Juli folgte die Wekusta 76/2.

Großraum-Wettererkundungsstaffel
Diese wurde am 15. März 1938 in Berlin-Gatow gebildet um zu erproben, welche Flugzeugtypen für die Wetteraufklärung am besten geeignet sind, um geeignete Ausrüstung zu testen und um neue Crew-Mitglieder auszubilden. Nach zahlreichen Tests erwiesen sich die Dornier 17, heinkel 111 und die Junkers Ju 86 als beste Flugzeuge für den Langstreckeneinsatz.
Am 1. Juni 1939 wurde die Staffel in Wekusta Ob.d.L. umbenannt.

wekusta1Wekusta Ob.d.L. / Wekusta 1./Ob.d.L.
Diese wurde im Juni 1939 aus der zivilen Großraum-Wettererkundungsstaffel gebildet. Die Staffel blieb in berlin-Gatow, bevor sie dann über Oldenburg Anfang 1941 nach Bad Zwischenhahn verlegt wurde.  Sie hatte mit über 20 Flugzeugen mehr Flugzeuge wie jede andere Staffel.
bei Kriegsausbruch wurde die Staffel militarisiert und als Wekusta 1 Ob.d.L (Juli 1940) bezeichnet. Im August 1944 wurde sie als Wekusta 1/OKL geführt.
Diese Staffel war die primäre Wettererkundungsstaffel udn wurde erst im Mai 1945 aufgelöst. Aus der Staffel wurden auch die Wetterkette Stavanger und Wetterkette West gebildet.

wekusta2Wekusta 2/Ob.d.L.

Diese wurde im juni 1940 in Oldenburg als Teil der Wekusta 1./Ob.d.L. gebildet und im Juli nach Brest verlegt. Hauptsächlich war sie mit Heinkel He 111H ausgerüstet, ab Anfang 1942 dann mit Junkers Ju 88 D-1.
Im Juli 1942 folgte die Verlegung nach Nantes und im März 1944 nach Burg in Deutschland, wo sie  auf Heinkel He 177 umgerüstet wurde. Im Juli 1944 ging es nach Mont-de-Marsan und Ende Juli dann gemeinsam mit dem KG 40 nach Bordeaux-Merignac. Als die Alliierten aus ihrem Brückenkopf in der Normandie ausbrachen, ging es für die Staffel zurück nach Burg wo sie im September aufgelöst wurde.

wekusta1lf1Wekusta 1 /Luftflotte 1

Die wurde am 1. Juni 1939 bei Bradis gebildet und wurde Ende August 1939 dann nach Stargard verlegt. Sie nutzte Heinkel He 111 J-1 um Wetteraufklärungsflüge über Polen im September zu fliegen.
Nach der Niederlage Polens verlegte die Wekusta 1 zurück nach Brandis und im Februar 1940 dann nach Jesau in Deutschland. Dort wurde die Wekusta 1 im Frühling 1941 mit Junkers Ju 88 A ausgerüstet.
Am 15. Juni 1941 erfolgte die Verlegung nach Jürgenfelde. Nach dem schnellen Vorstoss der deutschen Truppen in die Sowjetunion begab sich die Wekusta 1 am 4. August 1941 nach Rakopolye (südlich von Pskov), am 9. Oktober nach Korovye Selo und am 15. November dann nach Gostkoni nahe Luga.
Während der sowjetischen Winteroffensive wurde die Wekusta 1 am 13. Januar 1941 nach Pskov zurückverlegt. Im April 1942 ging es weiter nach Dno. Aufgrund von mangelnden Bomberverbänden in diesem Gebiet, flog die Staffel neben der Wetteraufklärung auch Bombermissionen.
Im April 1943 ging es für die Staffel abermals nach Pskov um von dort dann im Februar 1944 dann nach Jelgava/Litauen zu verlegen.
Am 31. Juli 1944 wurde die Staffel schließlich in Pärnu/ Estland aufgelöst. Die reste gingen in die 5.(F) Aufklärungs-Gruppe 122 über.

Wekusta 3
Diese entstand im Januar 1944 durch die Erweiterung der Wetterkette Südnorwegen. Diese sehr kleine Staffel bestand gerade mal aus 5 Flugzeugen, welche bei Stavanger-Sola in Norwegen stationiert waren. Mit Junkers Ju 88 D-1 und Ju 188 F-1 flog die Staffel Wetteraufklärungsflüge über der Nordsee und im Nordatlantik.
Am 2. November 1944 verlegte die Staffel nach Oysand, wo sie bis zum Ende des Krieges blieb und sich  dann den britischen Streitkräften ergab.
Der letzte Einsatz wurde am 8. Mai 1945 geflogen, als Freiwillige Besatzungen nach Kurland flogen um dort verwundete Soldaten zu evakuieren.

wekusta5Wekusta 5
Sie wurde im September 1940 aus der erweiterten Wetterkette Nord gebildet. In den ersten Monaten wurden ihre Verluste unter der Wetterkette/Luftflotte 5 geführt.
Die Einheit war in Vaernes/Norwegen stationiert und flog Einsätze im nördlichen Atlantik und im Eismeer. Im juli 1941 wurde bei Banak eine Wetterkette gebildet um so die Reichweite der Flüge zu erhöhen, diese wurde später zur Wekusta 6.
Am 23. Oktober 1944 wurde die Staffel mit der Wekusta 3 zusammengelegt.

Wekusta 6
Diese wurde aus der Wetterkette Banak am 12. September 1943 gebildet. Sie verlegte am 4. November 1943 nach Bodo/Norwegen und wurde kurz darauf aufgelöst.

Wekusta 7
Diese Staffel wurde am 25. November 1944 in Brandenburg-Briest gebildet und war der Luftflotte Reich unterstellt. Hauptsächlich kamen innerhalb der Staffel Junkers Ju 88 G-1 zum Einsatz.
Am 10. Ferburar 1945 verlegte die Staffel nach Stendal und am 13. April 1945 über Uetersen nach Husum, wo sie aufgelöst wurde.

Wekusta 26
Diese wurde im Juni 1939 bei Braunschweig-Waggum gebildet und unerstand der Luftflotte 2. Anfangs war die Einheit mit Ju 52, He 111 J und Do 17 ausgerüstet. Am 9. Oktober 1939 erfolgte die verlegung nach Münster-Loddenheide und am 23. April 1940 nach Köln-Ostheim. Rund ein Jahr flog die Einheit von hier aus Einsätze über Frankreich. Im August 1940 erhielt die Einheit die schnellere und besser gepanzerte Messerschmitt Bf 110 C.
Am 4. Juni 1941 erfolgte die Verlegung nach Warschau-Bielany. Während des Russlandfeldzuges flogten dann Verlegungen nach Minsk (Juli), Seshchinskaya (Anfang September) und am 24. September 1941 nach Orscha. Nach schweren Verlusten wurde die Einheit über Minsk und Finsterwalde nach Würzburg verlegt um dort mitte November aufgefrischt und mit Ju 88 D-1 ausgerüstet zu werden.
Danach wurde die Staffel südlich von Trapani auf Sizilien verlegt, wo sie zwischen 28. Dezmeber 1941 und 19. Januar 1942 eintraf. Eine kleine Abteilung der Wekusta 6 wurde am 20. Mai 1942 nach Kreta verlegt, wo diese als Wetterkette Kreta, später Wekusta 26/1, geführt wurde. Später wurde diese Einheit als "Teilstaffel Süd-Griechenland" bezeichnet (ab Juli) und verlegte von iraklion nach Tatoi im November.
Die Wekusta 26 in Sizilien flog neben den Wetteraufklärungsflügen vermehrt reguläre Aufklärungsflüge und Konvoischutz. Am 10. Juli 1943 erfolgte die Verlegung nach Frosinone, südöstlich von Rom. Dort war die Wekusta 26 der Aufklärungsgruppe (F) 122 unterstellt und ihre Hauptaufgabe war nun die taktische Aufklärung. Am 13. September erfolgte die Verlegung die Wekusta 26 nach Perugia wo sie im Juni 1944 offiziell als 6.(F)/Aufkl.Gr.122 bezeichnet wurde.
Am 15. Juni 1944 wurde bei Dokudovo in Zentralrussland eine neue Wekusta 26 (Ost) gebildet, die im Sektor der Luftflotte 6 tätig war. Im Dezember verlegte die Einheit nach Kolberg und von dort aus dann nach Neubrandenburg, wo sie am 14. Februar 1945 aufgelöst wurde.

Wekusta 27
Diese wurde im juni 1943 bei Tatoi aus der Teilstaffel Süd-Griechenland gebildet. Sie flog dort rund ein Jahr Wetter- und reguläre Aufklärungsflüge, bevor es dann nach Semlin/Jugoslawien ging, wo sie die Wetterflugstelle Balkan am 1. September 1944 übernahm. Im Oktober erfolgte die Verlegung nach Szombathely (Steinamanger) in Ungarn wo die Einheit im Dezember 1944 schließlich aufgelöst wurde.

Wekusta 51
Diese Staffel wurde im August 1939 in Roth nahe Nürnberg gebildet. Als Flugzeuge dienten Do 17, He 111 J und Ju 52. Am 3. Oktober 1939 erfolgte die Verlegung nach Langendiebach. Nach der Niederlage Frankreichs wurde die Einheit nach Tossus-le-Buc in Frankreich verlegt. Sie flog von dort aus Wetteraufklärungsflüge über den britischen Inseln und später über der Biskaya und dem Nordatlantik.
Im September verlegte die Staffel nach Nantes, am 1. August 1943 nach Rennes und am 13. Juni 1944 schließlich nach Tours.
Nach dem Ausbruch der Alliierten aus ihrem Brückenkopf in der Normandie verlegte die Staffel nach Nancy von wo aus es eine Woche später im September 1944 weiter nach Jüterbog ging. Am 24. Oktober 1944 wurde die Einheit schließlich aufgelöst. Die Reste gingen zur Wekusta 1 über.

Wekusta 60
Diese Einheit war für die Luftflotte 6 geplant, wurde jedoch nie aufgestellt. Die Luftflotte 6 erhielt im Juni 1944 mit der Wekusta 26 (Ost) ihre eigene Wetteraufklärungsstaffel.

Wekusta 76
Diese Einheit wurde im Juli 1939 bei Zeltweg/Österreich für die Luftflotte 4 gebildet.
Sie wurde nach Schweidnitz in Schlesien verlegt um von dort aus Wetteraufklärung über Polen zu fliegen. Im Oktober ging es zurück nach Zeltweg. Anfang 1940 verlegte die Staffel nach Wien-Aspern um dort Piloten auszubilden, bevor die Staffel dann im April 1941 wieder zweckgemäß einsatzbereit war.
Sie verlegte am 13. April 1941 nach Plovdiv/Bulgarien und von dort aus weiter nach Rzeszow im südöstlichen Polen (Mai), von wo aus sie Wetteraufklärung über Russland flog.
Mitte August verlegte die Staffel nach Vinnitsa, südwestlich von Kiew, wo sie 3 Monate verblieb um dann im Oktober weiter nach Nikolayev zu verlegen. Dort blieb die Staffel bis August 1942.
Nach dem deutschen Vorstoss in den Kaukasus 1942 wurde schnell klar das die weit auseinander gezogene Front viel zu groß für eine Wekusta ist. Es wurde daher beschlossen die Wekusta 76 in zwei Teile zu spalten. Die Wekusta 76 wurde am 31. Juli 1942 aufgelöst, während gleichzeitig die beiden Wekusta 76/1 und Wekusta 78/2 gebildet wurden. Wekusta 76/1 wurde im Nvoember 1942 nach Mariupol und später nach Novocherkassk verlegt, währen die Wekusta 76/2 nach Volchansk verlegte.
Der weitere Weg der Wekusta 76/1 ging über Zaporozhye (21. Februar 1943), Focsani/Rumänien (März 1944, Mamaia und Buzau (April) und im Mai nach Debrecen/Ungarn.
Die Wekusta 76/2 ging über Nikolayev (September 1943), Odessa (November), Proskurov (Dezember) bis nach Jasionka/Polen am 29. Januar 1944.
Beide Einheiten befanden sich bei ihrer Auflösung im September 1944 in Szekesfehervar/Ungarn südwestlich von Budapest


Wetterkette Nord

Diese wurde im April 1940 bei Langendiebach aus Besatzungen und Flugzeugen der Wekusta 26 und Wekusta 51 gebildet. Nach der Besetzung Norwegens verlegte die Einheit nach Stavanger Die Kette wurde zur Staffel ausgeweitet und im September 1940 nach vaernes verlegt wo sie zur Wekuste 5 wurde.

Wetterkette Südnorwegen
Auch als Wetterkette Stavanger bezeichnet wurde diese kleine Einheit Ende 1941 als Teil der Wekusta 1/OKL gebildet um die Lücke zwischen der Wekusta 5 und Wkusta 1 Ob.d.L. zu schließen.
Die Einheit wurde später zur Staffel erweitert und wurde im Januar 1944 zur Wekusta 3.

Wetterkette West
Diese Einheit war ein Teil der Wekusta 1/OKL auf dem Rhein-Main-Flughafen und flog für das Luftwaffenkommando West. Sie begann ihre Operationen am 1. September 1944 mit Junkers Ju 88 S-3.
Am 23. März 1945 verlegte die Einheit nach Ingolstadt und am 1. April dann nach Husum wo sie mit Teilen der Wekusta 1 zusammengeschlossen wurde.
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 31. August 2010 um 17:11 Uhr
 

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