Jagdpanzer 38 (t) "Hetzer" Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 16. Februar 2009 um 18:13 Uhr

Entwicklung

Jagdpanzer  38 (t) Hetzer

Im Frühjahr 1944 waren die Produktionskapazitäten im Deutschen Reich durch die andauernden alliierten Luftangriffe bereits stark eingeschränkt. Die vorgegebenen Produktionspläne konnten so nicht mehr eingehalten werden und so litt auch die Panzerjägerproduktion. Die Firma Alkett in Berlin wurde bereits im Oktober 1943 fast vollständig zerstört. Der zweite große Hersteller von Sturmgeschützen, MIAG, konnte die Produktionsausfälle nicht kompensieren und so blieb als einzige Alternative für die Produktion von Sturmgeschützen nur noch die BMM - Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik in Prag.

Bei der BMM arbeitete man bereits seit Oktober 1943 an einem leichten Panzerjäger. Bei einer Tagung in Prag am 18. Dezember 1943 teilte Oberst Schäde vom Heereswaffenamt in Berlin die Anforderungen an das neue Fahrzeug mit. Dieses sollte ein leichtes Sturmgeschütz mit einem Gewicht von 13 t sein, welches leicht und schnell zu produzieren ist. Hierzu sollten Teile des Panzer 38 (t), welche auch für den Marder III genutzt wurden, verwendet werden. Als Bewaffnung sollte eine Pak 39 L/48 im Kaliber 7,5 cm dienen. An Geschwindigkeit sollten 50-60 km/h erreicht werden. Erste Lieferungen sollten bereits im April 1944 folgen. Kopf der Entwicklungsarbeiten war der Ingenieur Alexej Surin.

Das Fahrzeug war von Anfang an eine provisorische Lösung um das Loch in der Panzerjägerproduktion zu füllen. Das Heereswaffenamt bezeichnete das neue Fahrzeug Sturmgeschütz neuer Art mit 7,5 cm Pak 39 L/48 auf Fahrgestell Panzerkampfwagen 38 (t). Später wurde es auch leichter Panzerjäger 38 (t) genannt, bis im September 1944 schließlich die endgültige Bezeichnung Jagdpanzer 38, bzw. Sd.Kfz. 138/2, eingeführt wurde. Innerhalb der Truppe trugder Jagdpanzer 38 bereits den Namen "Hetzer", wie er allerdings niemals offiziell bezeichnet wurde.

Produktion

Der erste Prototyp verließ am 1. April 1944 die Produktionsstätte der BMM. Auf den Fabrikbändern befanden sich bereits 20 weitere Fahrzeuge, welche man Adolf Hitler an seinem Geburtstag am 20. April vorführen wollte.
Die Nachfrage bei den Heereseinheiten nach dem "Hetzer" war bereits so groß, dass das OKH vorsah bei BMM rund 500 Fahrzeug im Monat zu fertigen. Die gleichen Erwartungen wurden an Skoda gestellt, die im Juni 1944 in die Hetzer-Produktion miteinbezogen wurden. Insgesamt sollten bei BMM 4.000 und 7.000 Fahrzeuge bei Skoda gefertigt werden. Diese Mengen waren unter den gegebenen Voraussetzungen natürlich völlig utopisch.

Im April und Mai 1944 wurden inkl. der 3 Prototypen 73 Fahrzeuge gefertigt, von denen nur rund die Hälfte die Einführungstests bestanden. Nur 38 Hetzer erreichten die Reserve-Panzerjäger-Abteilungen.
Bei den Fahrzeugen die zwischen April und August 1944 gefertigt wurden, wurden bereits einige Änderungen vorgenommen. Ab Anfang September 1944 erhielt der Hetzer dann seine typische Silhouette.
Bei den Fahrzeugen die bis zum Dezember 1944 gefertigt wurden waren die Räder mit 32 Bolzen gefertigt, als sie dann mit 16 Nieten gefertigt wurden, was die Produktion vereinfachte.
Die Auspuffanlage wurde komplett überarbeitet und der Auspuff nach unten gerichtet. Dies diente der besseren Tarnung bei Nachteinsätzen, da so eine evtl. Flamme aus dem Auspuff verborgen werden konnte.
Ebenfalls ab Dezember 1944 gab es auch erste Hetzer mit Schürzen an den Seiten.

Im Januar 1945 erreichte das Produktionstempo der beiden Fabriken BMM und Skoda seinen Höhepunkt. Erst ein amerikanischer Luftangriff am 25. März 1945 konnte die weitere Produktion bei BMM in Prag verhindern. Ein ähnliches Schicksal erlitt die Produktion bei Skoda einen Monat später am 25. April. Noch bevor die Produktion bei Skoda eingestellt wurde, wurden noch einige Modifikationen am Hetzer vorgenommen, bzw. Schritte in der Fertigung vereinfacht.

Weitere Versionen des Hetzers waren eine Flammerwerferversion, der aus Tarnungsgründen ein ähnliches Rohr wie das der Pak 39 besaß, in dessen Innenraum sich die Flammenwerfer-Zuleitung befand und ein Bergepanzer 38 (l), der anstelle einer Kanone eine Winde besaß.
Insgesamt wurden rund 1.600 einsatzfähige Fahrzeuge des Hetzers gebaut.

Nach dem Krieg

Der Hetzer wurde bei Skoda firmenintern als "Projekt G-13" bezeichnet. Als er nach Kriegsende bei der Tschechoslowakischen Armee zum Einsatz kam, erhielt er die Bezeichnung ST-1.
Die Schweizer Armee führte den Hetzer, bzw. G-13, ebenfalls ein. Skoda setzte statt der Pak 39 die StuK 40 Kanone, welche bei den Sturmgeschützen während des Krieges zum Einsatz kam, ein.
In der Schweiz kam es zu weiteren Modifikationen, so wurde im Panzerjäger G-13 eine Fluchtluke zwischen dem Schützen und dem Funker eingebaut, die Sichtschlitze überarbeitet und letztendlich die Praga-Motoren gegen Saurer-Arbon CH-2DRM Dieselmotoren ausgetauscht.
Diese modifizierten Hetzer waren bis in die 1970er Jahre bei der Schweizer Armee im Einsatz.
In Schweden wurde der Hetzer ebenfalls nach dem Krieg eingesetzt

Hetzer gibt es in unzähligen Museen zu sehen, doch bei den meisten handelt es sich um schweizer Modelle. Nur 8 original Hetzer des Zweiten Weltkrieges gibt es in folgenden Orten zu begutachten: Aberdeen (USA), Axvall (Schweden), Bovington (England), Camp Bordon (Kanada), Kubinka (Russland), Thun (Schweiz), Warschau (Polen) und zwei im Militärtechnischen Museum in Lesany nahe Prag.

Technische Daten

Motor
Vergasermotor Praga AC/2800 Jagdpanzer 38 Hetzer
Zylinderzahl 6
Bohrung x Hub 110 x 136 mm
Hubraum 7754 ccm
Leistung 160 PS bei
Drehmoment 2800 U/min
Verdichtung 1:7
Vergaser 2 Solex 46 FNVP
Ventile Hängend, Seitliche Nockenwelle,
Antrieb durch Stirnräder
Kurbelwellenlager 7
Kühlung Wasser/Pumpe
Batterie 12 V
Kraftübertragung Motor im Heck
Antrieb auf Ketten-Laufwerk
Getriebe Praga-Wilson-Planetengetriebe mit Vorwählschaltung:
5 Vorwärtsgänge,
1 Rückwärtsgang
Fahrwerk und Aufbau  
Selbsttragende Panzerwanne
Panzeraufbau ohne Turm
Ketten-Laufwerk 2 Gleisketten zu je 98 Glieder
Treibrad vorn, Leitrad hinten
4 große Laufräder in Reihe
2 Stützrollen
4 Halbfedern

Einsätze des Jagdpanzers 38

Es wurde geplant jede Panzerjäger-Kompanie einer Infanteriedivision bis April 1944 mit 14 Jagdpanzer 38 auszurüsten. Durch Produktionsengpässe verschob sich diese Zeitvorgabe um 4-5 Wochen. Die ersten 20 Jagdpanzer 38 die im April fertiggestellt wurden, wurden erst zwischen 28. und 30. Mai dem Heereszeugamt geliefert.
14 von diesen Jagdpanzern wurden umgehend dem Wa Prüf zugeteilt (2 nach Hilersleben, 2 nach Bergen, 1 nach Wunstorf, 5 nach Kummersdorf, 3 nach Berka und 1 nach Putlos), wo sie ausgiebig getestet wurden.
7 weitere Jagdpanzer 38 kamen zur Panzerjäger-Schule Mielau, gefolgt von einem weiteren Panzerjäger 38 der zwischen 20. Juni und 25. Juli zum Ersatzheer kam, um damit Besatzungen auszubilden.

Drei Monate nach Produktionsstart wurde die erste Einheit, die Heeres-Panzerjäger-Abteilung 731, zwischen 4. und 13. Juli 1944 mit 45 Panzerjägern 38 ausgerüstet. Die Einheit wurde an der Ostfront der Heeresgruppe Nord unterstellt.
Die Heeres-Panzerjäger-Abteilung 743, zwischen 19.-28 Juli mit 45 Panzerjägern 38 ausgerüstet, kam zur Heeresgruppe Mitte.
Beide Einheiten hatten 14 "leichte Panzerjäger 38" in jeder der 3 Kompanien (laut K.St.N.1149, plus drei für den Abteilungsstab).
Ein Jagdpanzer 38 jeder Kompanie und zwei des Abteilungsstabes hatten ein zweites Fu8-Funkgerät.
Die Panzerjäger-Abteilung 731 hatte zusätzlich noch 4 Bergepanzer 38 erhalten.

Nur noch drei weitere Heeres-Panzerjäger-Abteilungen wurden direkt mit Panzerjägern 38 ausgestattet: die 741. im September 1944, die 561. im Februar 1945 und die 744. im März 1945.
Die 41. wurde aufgeteilt, in dem die 1. Kompanie an die Ostfront verlegt wurde und der Rest der Abteilung in den Westen verlegt wurde ( ab 22. September 1944 im Sektor von Arnheim).

Der Hauptgrund für die Produktion der Jagdpanzer 38 war es, den Infanteriedivisionen Mobilität bei der Panzerabwehr zu geben. Sie wurden hauptsächlich zum Gegenangriff bei Feinddurchbrüchen genutzt, aber auch um die Infanterie bei eigenen Angriffen zu unterstützen.

Zwischen August 1944 und Januar 1945 wurde jede Panzerjäger-Kompanie mit 14 Jagdpanzer 38 ausgerüstet. Von Februar-April 1945 wurden jeder Kompanie nur noch 10 Jagdpanzer 38 zugeteilt, um so mehr Einheiten mit den Jagdpanzern ausrüsten zu können.
Zum Beginn der Ardennenoffensive wurden 18 Panzerjäger-Kompanien in den Westen verlegt. Sie besasen insgesamt eine Stärke von 295 Jagdpanzern 38.
Am 30. Dezember 1944 meldete die Heeresgruppe B 131 von 190 einsatzbereiten Jagdpanzer 38 in 16 Panzerjäger-Kompanien. Die Heeresgruppe G meldete 38 von 67 einsatzbereiten Jagdpanzer 38 in 2 Panzerjäger-Kompanien.

Trotz der Produktionsengpässe wurden folgende Einheiten direkt mit Jagdpanzern 38 ausgerüstet:
- 16. SS-Panzergrenadier-Division (als Ersatz für nicht gelieferte Jagdpanzer IV)
- Panzerjäger-Abteilung Jüterbog und Schlesien (anstelle von Panzer IV)
- Panzerdivision und Panzergrenadier-Division FHH (anstelle von Panzer IV)
- Sturmgeschütz-Brigade 236 (anstelle von Stug III)

Beim Versuch den Rohstoffhandel mit den Verbündeten aufrecht zu erhalten, sollten auch gepanzerte Fahrzeuge (auch der Jagdpanzer 38) verkauft werden. Im Juli und August 1944 sollten u.a. 15 Jagdpanzer 38 nach Rumänien geliefert werden, da jedoch die Produktionskapazitäten nicht einmal genügten um die eigenen Ansprüche zu decken, konnten diese nicht nach Rumänien geliefert werden.
Im September sollten Jagdpanzer 38 auch nach Ungarn geliefert werden. Dieser Plan wurde jedoch umgesetzt und so konnten 75 Jagdpanezr 38 per Zugtransport nach Ungarn gebracht werden. 25 Fahrzeuge wurden am 7. Dezember 1944 abgeschickt, welche am 9. Dezember in Ungarn ankamen. weitere 25 wurden am 10. Dezemer verladen und kamen am 12. Dezember in Ungarn an. Die letzten 25 wurden am 12. Januar 1945 verladen und erreichten bereits am nächsten Tag ihr Ziel.
Die 75 Jagdpanzer 38 wurden ungarischen Sturmgeschütz-Abteilungen zugeteilt, welche an der Ostfront innerhalb der Heeresgruppe Süd kämpften.

Als am 24. Januar 1945 die Aufstellung der Panzer-Jagd-Brigade 104 begann, sollte sie sich aus folgenden Einheiten zusammensetzen:
- Stab Panzer-Jagd-Brigade 104 (vormals Panzerbrigade 104)
- Panzer-Aufklärungs-Kompanie "Krampnitz"
- Panzer-Jagd-Abteilung 1 bis 6
- Sturmgeschütz-Lehr-Brigade 111
- Panzer-Aufklärungs-Abteilung 115
- Panzer-Aufklärungs-Abteilung "München"

Jede Panzer-Jagd-Abteilung setzte sich aus zwei Panzerjäger-Kompanien (mit jeweils über 14 Jagdpanzer 38) und einer Aufklärungs-Kompanie (1 SdKfz.251/3, 5 SdKfz.250/1, 5 Sd.Kfz.250/3 und 5 SdKfz.251/21) zusammen.
Die Panzer-Jagd-Abteilung 1 hatte drei anstelle von zwei Panzerjäger-Kompanien: zwei Kompanien mit Sturmgeschütz IV und eine Kompanie mit Jagdpanzer 38.
Die Panzer-Jagd-Brigade 104 wurde Ende Januar und Anfang februar 1945 an die Ostfront zur Heeresgruppe Weichsel verlegt. Dort wurde sie allerdings nicht zur Infanterieunterstützung bei Gegenangriffen eingesetzt, sondern als Aufklärungstruppe. Nach dem sich die Lage an der Frot immer weiter zuspitzte und der Feind an verschiedenen Frontabschnitten immer wieder durchbrach, wurde die Panzer-Jagd-Brigade nur noch geteilt eingesetzt. Hierbei mussten die einzelnen Einheiten der Brigade als "Frontfeuerwehr" dienen.

Am 15. März 1945 meldeten die 51 Kompanien der Panzerjäger an der Ostfront 359 von 529 einsatzbereite Jagdpanzer 38. Die 26 Jägerkompanien an der Westfront meldeten 137 von 236 einsatzbereite Fahrzeuge. In Italien meldeten die dort befindlichen 4 Kompanien 49 von 56 einsatzbereite Jagdpanzer 38.
Die letzte Stärkemeldung des Krieges gab es am 10. April 1945, in der foglendes gemeldet wurde:
- Ostfront: 489 von 661 einsatzbereit
- Westfront: 79 von 101 einsatzbereit
- Italien: 64 von 76 einsatzbereit
Diese Meldungen kurz vor Kriegsende zeugen von der Zuverlässigkeit und leichten Wartung des Jagdpanzer 38.

Die ersten Einsätze und Erfahrungen der "leichten Panzerjäger 38" wurden im "Nachrichtenblatt der Panzertruppen" in der Ausgabe Oktober 1944 festgehalten:
"Der "leichte Panzerjäger 38" hat seine Feuertaufe bestanden. Die Besatzungen sidn stolz auf ihren Jagdpanzer und die Infanterie vertraut auf ihn. Speziell das Rundumfeuer der MG wird gelobt. Die effektive Bewaffnung und das niedrige Profil erlauben ihm die Infanterie sowohl beim Angriff als auch in der Verteidigung hervorragend zu unterstützen."
"Innerhalb kürzester Zeit gelang es einer Kompanie 20 feindliche Panzer zu zerstören, ohne ein eigenes Fahrzeug zu verlieren. Eine Abteilung zerstörte 57 Feindpanzer, von denen zwei des sowjetischen Typs JS 122 waren, auf 800 Meter. Nicht ein einziger Jagdpanzer ging durch Feindeinwirkung verloren. Ihrem befehl folgend, erreichte die gleiche Abteilung ihr Ziel in 160 Kilometer Entfernung an nur einem Tag ohne das ein Jagdpanzer ausfiel."
[...]
"Bei den Strassenkämpfen in Warschau erwies sich der Jagdpanzer 38, besonders durch sein Rundumfeuer der MG, als sehr hilfreich. Als Nachteil erwies sich, dass der Ladeschütze die Luke öffnen muss, um so Nachladen zu können. Es musste per Funk immer ein zweiter Jagdpanzer zur Sicherung gerufen werden."


Die erste Einheit die mit Jagdpanzer 38 ausgestattet wurde, die Heeres-Panzerjäger-Abteilung 731, wurde von Juli 1944 bis Ende des Krieges an der Ostfront eingesetzt.
Mit 45 Jagdpanzern 38 beginnend, erhielt die Abteilung im November 1944 10 weitere und Dezember nochmals 20 Fahrzeuge. Die Stärkemeldungen der Abteilung waren wie folgt:
1. September: 30 von 33 einsatzbereit
1. Oktober: 18 von 25
1. Dezember: 11 von 26
1. Januar: 12 von 22
1. Februar: 27 von 41
1. März: 13 von 28

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. Mai 2010 um 00:05 Uhr
 

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