Vorkriegsgeschichte Nationalsozialismus Wurzel des Judenhasses
Wurzel des Judenhasses

Wenn man nach den deutschen Geschichts- und Schulbüchern geht, ensteht der Eindruck das eigentlich Hitler und seine Politik für den Judenhass verantwortlich sind, dies trifft so allerdings nicht zu, denn das jüdische Volk wird schon seit Jahrtausenden verfolgt, unter Hitlers NS-Herrschaft kam es lediglich zu einem "neuen Aufleben" des Hasses gegenüber der Juden.

Die vom Nationalsozialismus funktionalisierten Feindbilder lassen sich weit in die Geschichte zurückverfolgen. Die Christen setzten schon früh das Bild von den »Gottesmördern« in die Welt, jene Projektion, mit der sie die Schuld am Tod des Erlösers auf die Juden abwälzen konnten: Sie bildet die Wurzel des religiös motivierten Judenhasses.

Als sich das Christentum vom Judentum endgültig losgesagt hatte und zur Staatsreligion aufgestiegen war, formulierten die Kirchenväter die Lehre von der ewigen Knechtschaft der Juden, nach der die »verstockten«, nicht konvertierenden Juden für den »Gottesmord« verflucht, zugleich aber auch als ewige Zeugen für die Wahrheit und den Sieg des Christentums toleriert werden durften. Lange Zeit blieb diese Doktrin unbeachtet. Vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Machtkampfs zwischen Kaisertum und Papsttum, der Kreuzzüge und Ketzerkriege sowie des Aufkommens der Städte und der Geldwirtschaft verloren die Juden die Privilegien, die ihnen als unentbehrlichen Kaufleuten von den adligen Herrschern gewährt worden waren. Verdrängt aus dem lukrativen Fernhandel, fanden sie im »verwerflichen« Geld- und Pfandleihgeschäft eine neue ökonomische Existenz.

Die Figur des jüdischen Wucherers wurde zum Stereotyp. Der Judenhaß entlud sich in Pogromen. Bekehrung oder Vertreibung offerierten aber noch Möglichkeiten des Überlebens. Als die deklassierten jüdischen Gemeinschaften dann aus West- und Mitteleuropa vertrieben wurden, tauchte die alte Legende von Ahasverus auf, jenem Schuster, der Christus auf dem Kreuzweg verhöhnt haben soll und zur Strafe zu ruhelosem Umherirren verurteilt worden war. Der Mythos vom Wandernden Juden schlug tiefe Wurzeln. Verfluchung und Verteufelung erreichten im ausgehenden Mittelalter ihren Höhepunkt.
Sie ließen im Bewußtsein einer unaufgeklärten und abergläubischen Bevölkerung die Juden als fremde, geheimnisvolle und unheimliche Kreaturen erscheinen, deren Berührung Unheil und Tod brachte. Die Juden wurden zu Teufeln und Hexern, Magiern und Giftmischern erklärt, zu Antichristen, die in der Zerstörung der christlichen Gesellschaft ihr letztes Ziel erblickten.
Auch diese Verschwörungstheorie wurde tradiert und erwies sich noch im 20. Jahrhundert als wirksame Propagandawaffe. Sie findet sich in den Fälschungen der »Protokolle der Weisen von Zion« wieder.

Im Zeitalter der Aufklärung und Emanzipation, Säkularisierung und Industrialisierung paßten sich die mittelalterlichen Symbolisierungen einer im Umbruch befindlichen Vorstellungwelt an.
Lange bevor die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, hatten Rassefanatiker bereits Thesen propagiert, die auf den Völkermord abzielten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts formierte sich der moderne Antisemitismus, der die Gleichsetzung des Jüdischen mit dem Liberalismus oder der Sozialdemokratie, mit dem Marxismus oder Kapitalismus, der Freimaurerei oder dem Pazifismus vornahm.
Je nach Standort konnten die Konflikte der sich herausbildenden bürgerlichen Gesellschaft mit dem Attribut »jüdisch« versehen werden. Der Antisemitismus avancierte zum Symbol für die Auflehnung gegen die Moderne.

Er galt als hof- und salonfähig und setzte sich in weiten Kreisen der Bevölkerung fest. Verbreitung und Virulenz erhielten noch durch einen anderen historischen Akt einen besonderen Auftrieb. Nach zahlreichen emanzipatorischen Akten wurde den Juden im neuen Wilhelminischen Deutschland und im alten Habsburger Kaiserreich definitiv die volle staatsbürgerliche Gleichstellung gewährt – in der Erwartung, daß sie ihre »unzeitgemäßen« Traditionen und »lästigen« Eigenarten aufgäben und sich als Deutsche oder Österreicher in die neuen, nach Homogenität strebenden Nationalstaaten einfügten. Der moderne Antisemitismus suchte den Prozeß der Emanzipation wieder rückgängig zu machen.

Mit dieser Stoßrichtung zielte er – und darin unterschied er sich von seinen mittelalterlichen Vorläufern – auf die Wiederausgrenzung einer jüdischen Bevölkerungsgruppe, die bereits auf dem Weg der sozialen Integration, der Akkulturation und der Assimilierung war.
Entscheidend war dabei, daß er sich schnell mit dem aufkommenden Rassismus verband, der den Judengegnern in Gestalt von sozialdarwinistischen Leitvorstellungen den »unwiderlegbaren« Beweis lieferte, daß die Juden per se »andersartig«, »minderwertig« und »zerstörerisch« waren. Kernpunkt dieser neuartigen, sich pseudowissenschaftlicher Kriterien bedienenden Rassenlehre war die Annahme, daß soziale Phänomene auf biologische Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen seien: Jude bleibe Jude, was immer er tue.

Im Rahmen einer Hierarchisierung der Menschheit wurden die Juden auf die unterste Stufe gestellt und als »Schmarotzer« und »Zerstörer« des »Volkskörpers« identifiziert. Als populär erwiesen sich Parolen wie »Die Juden sind unser Unglück« oder, weiter vulgarisiert, »Juda verrecke!«. Aus dieser Perspektive präsentierte sich schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts die »Lösung der Judenfrage« als eine »reinliche Scheidung« in »Deutsche« und »Juden«. Schon damals wurde von der Notwendigkeit einer »Entjudung« Deutschlands oder der »Vernichtung der jüdischen Rasse« gesprochen.
Diese Proklamationen und Prophezeiungen verhallten in einer Gesellschaft, die zwar die »Judenfrage« aufgeworfen hatte, dabei allerdings noch Lösungsmodelle offerierte, die von der Aufgabe jüdischer Existenz über die Zurückdrängung des jüdischen Einflusses und die Ausschaltung aus der Gesellschaft bis zur Vertreibung aus Deutschland reichten, oder, anders formuliert, Assimilierung, Ausgrenzung und Austreibung anvisierten. Historische Erfahrung und menschliche Vorstellungskraft sperrten sich aber damals noch dagegen, den Judenmord in den Bereich des Realisierbaren zu rücken.

Diesem Erbe entstammten die nationalsozialistischen Feindbilder. Sie kulminierten im Mythos vom jüdisch-bolschewistischen Weltfeind, der seit 1918 zum Kampf gegen die arische, sprich deutsche »Herrenrasse« angetreten war.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfuhren Antisemitismus und Rassenhaß eine entscheidende qualitative Veränderung. Anders als in der Weimarer Republik und im Wilhelminischen Kaiserreich wurden sie 1933 zur Staatsdoktrin erhoben. Gleichzeitig lieferten bis dahin relativ unbedeutende Wissenschaften wie Rassenhygiene und Eugenik ( Medizin) die Legitimationen wie auch die Rezepte für die Errichtung einer neuen, homogenen deutschen Volksgemeinschaft, in der es keinen Platz mehr für die »Gemeinschaftsfremden« gab. In die Kategorie der »Volks- und Reichsfeinde« fielen alle tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner.

Zu ihnen zählten neben den politischen Opponenten in erster Linie die Juden sowie die »Zigeuner«, ebenso »Asoziale« und Homosexuelle, später bestimmte Gruppen der sowjetischen Kriegsgefangenen, der Zwangsarbeiter und andere »fremdvölkische« Gruppen. Zu den unerwünschten Elementen gehörten auch Behinderte; sie wurden – quasi als Versuchsobjekte – als erste Opfer der Rassenideologie getötet.

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