Waffen-SS Allgemeines Militärische Ausbildung in der Waffen-SS
Militärische Ausbildung in der Waffen-SS
Die anfängliche Ausbildung erfolgte in Lagern auserhalb der Standorte der Regimenter. Dies waren Dachau Für Totenkopf, München für Deutschland und Hamburg für Germania.
Offiziersanwärter gingen entweder nach Bad Tölz oder Braunschweig, wo helle und großräumige Kasernen und Klassenräume zu diesem Zweck errichtet worden waren. Bei seiner Tätigkeit als Ausbilder der SS-Männer standen Paul Hausser zwei sehr erfahrene Offiziere zur Seite: Felix Steiner und Cassuis Freiherr von Montigny.
Steiner war Offizier eines Stosstrupps im 1. Weltkrieg gewesen und wollte die Waffen-SS zu ähnlichem Elan un Stil formen. Diese Stosstrupps, direkte Vorgänger der heutigen Spezialeinheiten, bestanden aus kleinen Gruppen von schwer bewaffneten Freiwilligen. Sie waren die wahre leichte Infanterie, so wie es die Grenadiere der Waffen-SS werden sollten. Sie trugen nur Waffen, Munition, Feldflaschen und den Feldanzug und hatten nicht das schwere Gepäck zu tragen. Dies, entschied Felix Steiner, sollte der Stil der SS sein: sie sollte aus Frontkämpfern bestehen.

Montigny, ein U-Boot-Kapitän des 1. Weltkrieges, der in der Folge den Totenkopfverbänden beigetreten war, verfügte über ähnlich strenge Vorstellungen von Disziplin. So gingen er und Steiner daran, eine Truppe zu schaffen, die hart, unerbittlich und, ebenso wichtig, äuserst diszipliniert war. Dies gelang in einem hohen Maß, obwohl im Wesentlichen mangelnde Disziplin, absolute Rücksichtslosigkeit und völlige Geringschätzung menschlichen Lebens die Auslöser für einige Gräueltaten sein sollten.
Das  Ausbildungsprogramm, dass für die Standarten Deutschland und Germania entwickelt worden war, galt im Wesentlichen auch für die Leibstandarte Adolf Hitler. Da sie aber auch bei feierlichen Veranstaltungen und als Wache eingesetzt wurde, wurde in dieser Einheit dem "Polieren und Reinigen" weitaus mehr Bedeutung zugemessen. Dies führte dann auch zu deren Spitznamen "Asphaltsoldaten".
Das selbe Programm verwendete im Wesentlichen auch Theodor Eicke, als er einen Teil seiner Totenkopfverbände zur Totenkopfdivision umformte.

Tägilche Routine
Der übliche Tagesablauf begann um 6:00 Uhr, als die Rekruten vor dem Frühstück eine Stunde lang Gymnastik im Trainingsanzug zu absolvieren hatten. Danach wurde je nach Tagesprogramm der Dienst- oder Arbeitsanzug angezogen. Von allen Ausbildungspunkten wurde dem Waffengebrauch die größte Bedeutung zugemessen.
Zuerst mussten die Männer lernen, wie man ein gewehr zerlegt, reinigt und wieder zusammensetzt. Dies wurde im Lehrsaal durchgeführt. Der Ausbilder verwendete dazu eine große Wandkarte, die das Gewehr in Einzelteile zerlegt zeigte, um die Funktionen jedes Teils zu erklären.
Dann mussten die Männer das Erlernte am eigenen Gewehr erproben. Immer wieder wurde die Waffe zerlegt und wieder zusammengebaut, bis man es mit verbundenen Augen tun konnte.
Die Rekruten lernten, wie man eine Ladehemmung behebt und einfache Feldreparaturen durchführt. Erst jetzt durften sie auf Zielscheiben üben, wobei die Entfernung immer größer wurde.
Diejenigen, die Angst vor der Waffe hatten, oder trotz geduldigen Zuredens einfach nicht geeignet waren, wurden zu Büroarbeiten und andere Diensten heran gezogen. Die SS benötigte ja wie jede andere militärische Einheit ebenfalls Fernmelder, Schreiber, Fahrer und Köche.

Nach dem Waffendrill standen dann die Angriffstechniken der Infanterie auf dem Programm. Mit aufgesteckten Bajonetten wurde dabei an Sandsäcken geübt. Die Ausbilder legten großen Wert auf Aggression und forderten die Männer ständig auf, schneller und noch wilder zu attackieren. Dadurch konnten nämlich die eigenen Erfolgschancen verbessert und Verluste verringert werden. Zu diesem Zweck machten ausgebildete Nahkämpfer die Männer mit den Techniken des unbewaffneten Kampfes vertraut.
Später, als sie über ausreichende Fertigkeiten verfügten, um gefahrlos zu üben, wurden Scheingefechte mit Gewehren und Bajonetten durchgeführt.
Ein wesentlicher Teil der Ausbildung gehörte dem Boxen. Dadurch sollte der kampfgeist gestärkt und die instinktive Angst vor einer Verletzung genommen werden. Den zukünftigen SS-Soldaten wurde so beigebracht, dass zuerst die eigenen Schläge anzubringen sind.

Auf dem Ausbildungsprogramm der Waffen-SS standen verschiedenste Sportarten - weitaus mehr als bei der Wehrmacht. Alle Arten von Feldsport- und Laufdisziplinen wurden gefördert, nicht blos der Entspannung wegen, sondern als Teil der Ausbildung selbst. Es war dies als Masnahme gedacht, um körperliche Fitness und Reflexe zu stärken.
Selbstverständlich gab es auch als Training der Ausdauer und des Durchhaltevermögens endlose Geländemärsche und Querfeldeinläufe - mit und ohne Ausrüstung.

Nach der Morgenarbeit erhielten die Männer ein herzhaftes Mittagessen. Darauf folgte der Innendienst, bei dem die Kaserne gereinigt, Schuhe geputzt, Uniformen repariert und gebügelt und sonstige Hausaufgaben erledigt wurden. Dann ging es wieder zu weiteren Übungen ins Freie. Am Abend konnten die Männer lesen, Radio hören, Briefe schreiben und Karten oder Schach spielen. (Letzteres wurde empfohlen, um sowohl logisches Denken als auch die geistige Flexibilität zu fördern).
Jene Rekruten, die das Glück hatten, einen Passierschein zu haben, konnten in die Stadt gehen. Zuvor mussten sie sich aber einer strengen Kontrolle durch den diensthabenden Wachoffizier unterziehen.
So gesehen gab es nur wenig Unterschiede zwischen der Ausbildung der SS und der Wehrmacht.

Ideologische Schulung
Daneben fand noch drei mal die Woche allgemeiner Unterricht statt. Dazu gehörte die Politik der NSDAP sowie eine intensive Auseinandersetzung mit der Philosophie der SS. Schwerpunkt dabei waren die Theorien der rassischen Überlegenheit, die sie zu den Beherrschern der Untermenschen, d.h. der Slawen und Juden (Zigeuner, Freimaurer und Kommunisten wurden ebenfalls als Untermenschen betrachtet), machten. In einem typischen Appell an die Truppe sagte Himmler zu Beginn der Operation "Barbarossa":

"Wenn ihr, meine Männer, dort im Osten kämpft, dann ist dies derselbe Kampf gegen dieselben Untermenschen, dieselben unterlegenen Rassen, die einst als Hunnen, dann - vor tausend Jahren - zur zeit König Heinrichs und Ottos I. als Magyaren, dann wiederum als Tartaren oder zu einer anderen zeit als Dschingis-Khan und seine Mongolen aufgetreten sind. heute sind dies die Russen unter dem politischen Banner des Bolschewismus."

Ironischerweise sollten schon schon bald tausende dieser Untermenschen, vor allem aus den baltischen Staaten und der Ukraine, in die Reihen der SS aufgenommen werden.

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