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Als das Dritte Reich einen Großteil Europas überrannte, stellte die Waffen-SS in den entsprechenden »nordischen« Ländern zahlreiche Freiwilligeneinheiten auf. Zuerst erfolgte die Rekrutierung noch sehr selektiv, aber nachdem immer mehr Soldaten benötigt wurden, musste auch die SS militärische Verbände aus Rassen zusammenstellen, die entschieden nicht-arisch waren. Während der Anfangsjahre gab es einen ständigen Kampf zwischen der nach Expansion strebenden SS und der SA, die über die zunehmende Macht und den Einfluss von Hitlers Elitetruppe besorgt war. In der Folge nützte die SA jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel, um die Expansion ihrer Rivalin zu verhindern. Bei Kriegsausbruch 1939 stellte die SA kein Problem mehr dar, aber die SS hatte nun einen neuen Gegner. Dieser verfügte aber über mehr Macht und Einfluss als die SA. Der neue Konkurrent war bis dato die einzige legitime Organisation gewesen, die zur Verteidigung der Heimat mit Waffengewalt berechtigt war: die Wehrmacht. Obwohl die Wehrmacht über weitaus mehr Soldaten als die SS verfügte, stand das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) der Aufrüstung der SS als militärische Kraft äußerst negativ gegenüber. Es bestand darauf, dass nur eine stark limitierte Anzahl an Rekruten der SS beitreten durften. In Friedenszeiten war es SS-Männern jedoch erlaubt, an Stelle der damals üblichen zwei Jahre Militärdienst bei der SS zu dienen. Im Krieg verlangte das OKW aber absolute Priorität in Bezug auf Rekruten - die SS sollte erst die zweite Wahl darstellen. Hitler akzeptierte anfänglich den Standpunkt der Wehrmacht und die SS durfte nur einen geringen Prozentsatz der Friedensstärke der Wehmacht erreichen. Von der gesamten Zahl an Rekruten, die für die Wehrmacht bestimmt war, verlangte das Heer zwei Drittel - der Rest war zwischen der Kriegsmarine und der Luftwaffe aufzuteilen. Die SS wiederum erhielt ihre Männer aus dem Kontingent des Heeres. Im Dezember 1939 wurde ein spezielles SS-Rekrutierungsbüro in Berlin eingerichtet. Es stand unter der Leitung von SS-Obergruppenführer Gottlob Berger und nannte sich Ergänzungsamt der Waffen-SS. Die SS hatte es hinnehmen müssen, dass sie innerhalb Deutschlands nur eine stark eingeschränkte Zahl an deutschen Staatsbürgern - den Reichsdeutschen - anwerben durfte. Außerhalb der Reichsgrenzen gab es aber solche Beschränkungen bei den sogenannten Volksdeutschen nicht. Zu diesen gehörten beispielsweise die Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei. Das selbe galt auch für die Rekrutierung von Freiwilligen in den europäischen Ländern, deren Bevölkerung als ausreichend »germanisch« angesehen Wurde. So gab es bereits im Mai 1940 eine kleine Anzahl von ausländischen Freiwilligen, vor allem Schweizern, die in der Waffen-SS dienten.
Mit Fortdauer des Feldzugs im Westen fielen immer mehr sogenannte »germanische« Länder in die Hände der Deutschen: Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Flandern, die sich alle als fruchtbarer Boden bei Bergers Suche nach Rekruten erweisen sollten. Hitler zögerte noch immer, einer Expansion der Waffen-SS zuzustimmen, da er die Generäle der Wehrmacht nicht verärgern wollte. Er stimmte aber immerhin der Bildung einer Division »germanischer« Freiwilliger zu. So entstand die Elitedivision Wiking, die um das niederländisch/flämische Regiment Westland und das dänisch/norwegische Regiment Nordland herum gebildet wurde. Dazu kam noch das Regiment Germania, das von der SS-Verfügungsdivision abgezogen wurde. Als Anreiz bei einer freiwilligen Meldung wurde geeigneten »germanischen« Rekruten die deutsche Staatsbürgerschaft nach Beendigung ihrer Dienstzeit angeboten. Himmler selbst förderte die Rekrutierung von »germanischen« Freiwilligen. »Wir müssen das gesamte nordische Blut dieser Welt anziehen und dieses so unseren Feinden entziehen, damit niemals mehr nordisches oder germanisches Blut gegen uns kämpft.« 1941 drang Himmler darauf, die Bemühungen nach neuen Rekruten zu intensivieren, um für den bevorstehenden Angriff auf Russland genügend Soldaten zur Verfügung zu haben. Trotzdem weigerte er sich, jene Standards zu senken, die von potenziellen Rekruten verlangt wurden. Schließlich glaubte man ja, dass der Feldzug im Osten nur kurz dauern würde und der Feind rasch besiegt sein werde. Diese zu optimistische Sicht der Dinge führte zu einigen lächerlichen Situationen. In Belgien wurde beispielsweise die flämische Bevölkerung als germanisch angesehen und durfte folglich Dienst bei der Waffen-SS tun. Die Wallonen hingegen (die sich dann als exzellente Soldaten in der Waffen-SS herausstellen sollten) galten als nicht ausreichend germanisch und wurden abgelehnt und zur Wehrmacht geschickt. Den Luxus einer solchen Selektierung konnte man sich jedoch nicht lange leisten. Die ersten ausländischen SS-Rekruten In vielen besetzten Ländern gab es bereits faschistische oder neonazistische politische Organisationen. Die DNSAP in Dänemark, der VNV in Belgien, die NS in Norwegen und die NSB in den Niederlanden waren alle eng mit der Ideologie des Nationalsozialismus verbunden. Die meisten von ihnen waren aber auch glühende Nationalisten und nicht unbedingt prodeutsch eingestellt. Nur wenige waren bereit, der Waffen-SS beizutreten, und noch weniger ersehnten sich als Belohnung die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Großteil der Freiwilligen zu diesem Zeitpunkt wurde daher auf Basis einer zweijährigen Dienstverpflichtung bei der SS aufgenommen. Sie galten nicht als richtige SS-Mitglieder, sondern als der Organisation nur angeschlossen. Nach internationalem Recht mussten sie deutsche Uniformen tragen und waren üblicherweise durch ein Hoheitsabzeichen am Ärmel in den eigenen Landesfarben zu erkennen. Dazu kam noch ein Ärmelstreifen mit dem Namen der Einheit. Nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 nahm die Zahl der Rekruten rasch zu. Der Grund dafür war vor allem Hitlers Aufruf, sich dem »Kreuzzug gegen den Bolschewismus« anzuschließen (dazu kam noch, dass es anfänglich nach einem raschen Zusammenbruch der Roten Armee aussah). Leider gab es für diese idealistischen Rekruten ein böses Erwachen, als sie sich zur Ausbildung in den verschiedenen Kasernen in Deutschland meldeten. Nur wenige waren die strenge Disziplin, die spartanischen Bedingungen und die harte Ausbildung der Waffen-SS gewöhnt. Die gnadenlosen Ausbildungsunteroffiziere der SS hatten nur wenig Verständnis für die verletzten Gefühle ihrer Soldaten. So wechselte sich das übliche Niederbrüllen und Einschüchtern der Rekruten mit Beschimpfungen gegen ihr Land ab. Diese nahmen sich das sehr zu Herzen.
Die Beschwerden über die Behandlung der Rekruten durch ihre deutschen Offiziere und Unteroffiziere gelangten sogar bis zu Himmler. Dieser sah seine Idee, germanische Freiwillige zu rekrutieren, durch die Gedankenlosigkeit der Ausbildner gefährdet. Wutentbrannt sorgte er dafür, dass die Schuldigen bestraft wurden. Nachdem sich dann immer mehr geeignete Offiziere und Unteroffiziere freiwillig meldeten, beruhigte sich die Lage zusätzlich. Die freundlichere Behandlung der Rekruten durch Offiziere und Unteroffiziere der eigenen Nationalität ließen die angeknackste Moral dann rasch steigen. Die Freiwilligenlegionen, die in den germanischen Ländern aufgestellt wurden, kämpften dann an der Ostfront mit großem Erfolg und machten sich einen guten Namen durch ihre Verlässlichkeit im Kampf.
Leider wurde dieser Ruf vielfach, wie bei den meisten der besseren Einheiten der Waffen-SS, auf Kosten schwerer Verluste erworben. Gegen Ende ihrer zweijährigen Verpflichtungszeit 1943 waren nur mehr wenige bereit, sich für eine weitere Dienstzeit zu verpflichten oder der Waffen-SS überhaupt beizutreten. So wurden die meisten Legionen 1943 aufgelöst und die verbliebenen Reste gingen in neu aufgestellte Freiwilligendivisonen der Waffen-SS auf.
Mit Fortdauer des Krieges und -den damit verbundenen Verlusten wurde der Bedarf an neuen Rekruten in Deutschland immer größer. Himmler sah sich gezwungen, seine rassischen Standards zu senken und den Eintritt von nicht-germanischen Freiwilligen zu erlauben. Die bereits vorher erwähnten Freiwilligen aus dem belgischen Wallonien kämpften beispielsweise anfänglich in der Wehrmacht. 1943 erfüllten die Wallonen jedoch die Standards für eine Aufnahme in die Waffen-SS. Schließlich wurde die Lage so ernst, dass Himmler jeden Versuch einer rassischen Selektion aufgab. Das einst »reine« nordische Blut seiner militärischen Legionen wurde nun durch Zugänge von slawischen, moslemischen, indischen und anderen asiatischen Freiwilligen vermischt. Es wurde nämlich immer schwieriger, die Verluste auf dem Schlachtfeld auszugleichen und das SS-Imperium auszudehnen. Die Qualität dieser SS-Einheiten konnte jedoch bei weitem nicht mit den ursprünglichen reichsdeutschen oder frühen germanischen Freiwilligenformationen verglichen werden. Zwar behaupteten sich einige von ihnen auf dem Schlachtfeld, andere wiederum machten nur durch ihre Gräueltaten von sich reden und wurden aufgelöst.
Abzeichen der ausländischen Freiwilligen Schließlich kamen alle ausländischen Freiwilligen unter die direkte Kontrolle des Reichs-führers-SS, ob sie nun tatsächlich SS-Uniformen und -Abzeichen trugen oder auch nicht. Gegen Ende des Krieges wurde fast jeder, der fähig war, eine Waffe zu tragen als geeignetes Material angesehen. Dabei versuchte die SS jedoch zwischen den »richtigen« SS-Männern und den ausländischen Freiwilligen zu unterscheiden. Nur die »richtigen« SS-Männer durften vor ihren Dienstgrad die Bezeichnung »SS« setzen. Einem SS-Sturmbannführer in einer reichsdeutschen Einheit entsprach so in einer Freiwilligeneinheit ein Waffen-Sturmbannführer oder ein Legions-Sturmbannführer. Damit wollte man hervorheben, dass Letztere keine richtigen SS-Männer waren und nur eine bestimmte Zeit in der SS dienten. Die »richtigen« SS-Männer legten großen Wert darauf, die SS-Runen zu tragen. Dies hatte zahlreiche verschiedene Kragenspiegel zur Folge, die von den ausländischen Freiwilligeneinheiten verwendet wurden. Die meisten dieser Einheiten der Waffen-SS erlangten nur Regimentsstärke, obwohl sie als Legion oder Division bezeichnet wurden. Deshalb fehlten ihnen auch ganz bestimmte Truppenteile, die zu einer richtigen Kampfdivision gehörten. So wurden sie auch häufig deutschen Divisionen zu administrativen Zwecken zugeteilt.
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