Waffen-SS Artikel Die Entwicklung der Tarnkleidung und der Einfluss der Waffen-SS
Die Entwicklung der Tarnkleidung und der Einfluss der Waffen-SS

Die Anfänge der Entwicklung von Tarnkleidung reichen bis in den Ersten Weltkrieg zurück. Obwohl bereits 1910 der „bunte Rock“ gegen die feldgraue Uniform eingetauscht worden war, zog manche Einheit 1914 immer noch mit alter Traditionskleidung ins Feld. Das änderte sich schnell mit der Erstarrung der Fronten im Stellungskrieg und der rasanten technischen Entwicklung der Waffen. Weiters gab es die zunehmende Luftaufklärung.
Blinkende Metallteile an Uniform, Ausrüstung und Bewaffnung wurden ersetzt oder durch entsprechende Anstriche oder Stoffüberzüge verdeckt. Die letzten Traditionsuniformen wurden gegen Feldgraue ausgetauscht.
Die Pickelhaube wurde gegen den Stahlhelm ausgetauscht. Diese Stahlhelme wurden durch mehrfarbige Anstriche oder graue Stoffüberzüge getarnt.
Im Winter benutzte man weiße Anstriche oder Stoffbezüge, für die Uniform weiße Schneeüberhemden
Diese Entwicklung wurde durch das Kriegsende und den damit verbundenen Versailler Vertrag unterbrochen, jedoch von der Reichswehr fortgesetzt. Die Entwicklung endete im Jahre 1932, als in der Reichswehr die getarnte Zeltbahn eingeführt wurde.
Als zweites Heer der Welt (nach den Italienern) wurde ein getarntes Zeltmaterial entwickelt, mit dem bis Ende des Zweiten Weltkrieges unverändert fortbestehenden grob zackigen Tarnmuster aus hell grünen, dunkelgrünen und Brauntönen, mit darüber gedruckten grünen Nadelstreifen.
Die Zeltbahnen waren beidseitig mit dem gelblichen Muster bedruckt, auf einer Seite jedoch in etwas hellerem Farbton.

Initiative der Waffen-SS
Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden in Anlehnung an entsprechende Initiativen der Waffen-SS mit diesem Muster auch Tarnjacke, Helmüberzüge, Mützen und andere Ausrüstungsgegenstände versehen.
Auf die Luftwaffe (Fallschirmjäger und Luftwaffe-Feld-Divisionen) übernahmen dieses Muster für alle Arten von Ausrüstung, änderte es später aber etwas ab (kleinere Zacken, Zwischenflecken mit anderen Farben).
Der Russlandfeldzug brachte wohl die Erkenntnis, dass das zackenförmige Splittermuster nicht den Geländebedingungen in Russland entsprach (Steppe und Sümpfe). So wurde ein neues Muster mit vorwiegend olivfarbenen, gelben und rotbraunen Tönen, auch wieder großflächig und zackenförmig, gestaltet. Dieses Muster wurde von den Alliierten „Sumpf“- oder „Wassertarnung“ genannt.
Da man mit der Konturenauflösung des Splittermusters wohl nicht zufrieden war, lies man bei dem neuen Muster die Farben etwas ineinander verlaufen. Auch dieses Muster wurde bis Kriegsende beibehalten.
Man experimentierte darüber hinaus mit dem Splitter- und Wassermuster in verschiedenen Farbtönen, es kam aber zu keiner standardisierten Veränderung.

Bahnbrechende Ideen
Die SS-Verfügungstruppe, welche später zur Waffen-SS  wurde , ging bezüglich Uniformierung und Ausbildung von Anfang an eigene Wege, wenn auch das Oberkommando der Wehrmacht eifersüchtig darüber wachte, dass die Waffen-SS bezüglich der Zuweisung von Rohstoffen, Ausrüstung und Bewaffnung nicht bevorzugt behandelt wurde. Die Waffen-SS setzte sich jedoch vielfach in unkonventioneller Weise gegen die starre Militärbürokratie der Wehrmachtsführung durch und verwirklichte ihre bahnbrechenden Ideen von der Tarnbekleidung bis zur Infrarottechnik.

Das SS-Hauptamt startete 1935 ein eigenes Programm zur Untersuchung aller mit Tarnung zusammenhängenden Fragen. Nach dem frühen Tod des ersten Programmdirektors Linnekogel wurde der Kunstmaler Professor J.G. Otto Schick mit der Fortführung seiner Arbeiten auf dem Tarngebiet beauftragt. Er sicherte sich die Mitarbeit von Adolf Schmid, einem weiteren Künstler, der zuvor bereits für das Heer gearbeitet hatte.
Die Arbeit Schicks wurde entscheidend durch eine Eingabe des Stabes/Bataillon „Ellwangen“ vom Regiment „Deutschland“ an das Hauptamt in Berlin beeinflusst:
SS-Hauptsturmführer Dr.-Ing. Wilhelm Brandt, der sich intensiv mit der Verbesserung von Ausrüstung und Gerät befasste, nahm eine Anregung des Bataillons-Adjutanten SS-Obersturmführer Günther Ecke auf – einen Helmtarnüberzug und eine Tarnjacke zu entwickeln.
Er entwarf verschiedene Kleidungsstücke und gab die Entwürfe nach Berlin weiter. Professor Schick widmete sich so intensiv seiner Aufgabe, dass Klagen über die Vernachlässigung anderer Tarnprobleme (z.B. Tarnschirme für MG) erhoben wurden.

Umfangreiche Studien

Man führte umfangreiche Studien über Licht- und Schatteneffekte in der Nater bei verschiedenen Lichtverhältnissen durch. Entsprechende Farb- und Konturenmuster, welche Zweige und Blätter imitierten, wurden entwickelt.
Das grobzackige Wehrmachtsmuster der Zeltbahnen wurde von Schick wegen seiner scharfen Konturen und der Bildung örtlich begrenzter, sich aus der Umgebung heraushebender Farbflecken abgelehnt. Professor Schick, achtete bei der seinen Entwicklung streng auf farbliche Harmonie und dem daraus resultierenden optimalen Tarneffekt.
Wie aus seinen Berichten hervorgeht, legte man besonderes Gewicht auch auf die Distanzwirkung und die Konturenauflösung, welche mit dem Wehrmachtsmuster nicht erreicht werden konnte. Unter Konturenauflösung versteht man den Effekt, dass getarnte Personen, Fahrzeuge, Gerät gegen den natürlichen Hintergrund im Gelände betrachtet, in ihren signifikanten Umrissen nicht mehr klar erkennbar sind, sich nicht mehr davon abheben, sondern farblich damit verschmelzen.

Dieser Effekt wurde dadurch erreicht, dass Ansammlungen kleiner runder Farbflecke auf kurze Distanz betrachtet den Hintergrund ebenso simulierten wie auf größere Distanz, bei der sie zu größeren Flecken verschmolzen.
Für den Frühling und Sommer bevorzugte man naturgemäs mehr grüne Farbtöne, für den herbst und Winter überwogen die braunen Färbungen.
Professor Schick schlug schlieslich sogar für die Zukunft die Einrichtung eines speziellen Instituts für Tarnung vor. Hierfür sollten technisch begabte Kunststudenten gewonnen werden, Für die Ausbildungszeit waren 3-4 Jahre vorgesehen. Ein detaillierter Ausbildungsplan wurde erstellt. Die politische und militärische Entwicklung machte jedoch einen Strich durch solche Pläne.

Spezielle Stoffdruckverfahren
Professor Schick und seine Mannschaft befassten sich nicht nur mit der Entwicklung von Tarnmustern, sondern auch mit der von geeigeneten Stoffen, der von Druckverfahren und Farben. Mit verschiedenen Textilbetrieben und Stoffdruckereien, wie mit den „Bayrischen Textilwerken“ in Tutzing, wurde eng zusammengearbeitet. Für dicht gewebtes Baumwollsegeltuch mit späterer Beimengung eines Anteils Zellwolle (Kunstseide, Viskose) wurde speziell hergestellt und wasserabstoßend mit „Persistol“ bzw. „Hydrophobol“ imprägniert.
Die Stoffe wurden im Drei-Farben- bzw. Fünf-Farben-Druck beidseitig bedruckt, auf der einen Seite mit dem Frühlings-/Sommermuster, der anderen mit dem Herbst-/Wintermuster.

Die Entwicklung spezieller Stoffdruckverfahren und Farben (Anthrasol- und Indanthren-Farben) war hierfür ebenso erforderlich und sicherte Deutschland bis weit nach dem Krieg eine führende Position auf dem Weltmarkt.
Aus diesem Stoff wurde zunächst die bekannte Dreieckszeltbahn hergestellt, die zur persönlichen Ausrüstung jedes Soldaten gehörte. Mit dieser liesen sich Zelte jeder beliebigen Größe zusammenknöpfen. Sie konnte auch als Regenumhang (Poncho) benutzt werden.

Helmüberzug und Tarnjacke für die Standardausrüstung

Als nächstes wurde der Helmüberzug fertig entwickelt. Der Überzug wurde mit Wendehaken am Helmrand befestigt, was sich Professor Schick patentieren lies. Diese über einen Stift als Achse beweglich angeordneten Haken ermöglichten ein beidseitiges Tragen des Überzugs ohne überstehende Teile. Sie garantierten mit Hilfe eines an den Haken angebrachten Federzuges auch das Festsitzen des Helmbezuges.
Zunächst waren 4 Haken vorgesehen, der vierte Haken an der Stirnseite wurde jedoch in der Serienausführung durch eine Stofflasche ersetzt. Der Helmbezug wurde mit Verordnungsblatt der Waffen-SS Nr. 8 vom 5.9. 1940 bzw. Nr. 16 vom 1.9.1941 als Standardausrüstung in die Truppe eingeführt.
Als weiteres Bekleidungsstück wurde die Tarnjacke fertiggestellt und mit  V.Bl.d.WSS Nr. 16 vom 1.9.1941 standardtisiert. Diese Jacke war als eine Art Schlupfanorack mit Frontverschnürung und Taillengummizug konzipiert, die ursprünglich über die ganze Ausrüstung überzogen werden sollte.
Zwei Brust-Durchgreiftaschen (Schlitze) sollten den Zugang zur Ausrüstung gewährleisten. Diese Anordnung erwies sich jedoch als unpraktisch, so dass der Truppe alsbald Koppel, Koppeltragegestell, Patronentasche usw. über der Tarnjacke getragen wurden. Aus diesem Grund wurden die Durchgreifschlitze ab 1942 weg gelassen und durch echte Seitentaschen ersetzt, wozu die Tarnjacke etwas verlängert werden musste (Verbesserung des Regenschutzes).
Die Taschen waren auch eine Forderung der Truppe, um zusätzlich Munition u.a. mitführen zu könen.
Ab 1940 kam der Gummizug um Hals in Fortfall, der sich ebenfalls nicht bewährt hatte (zu weiter Halsausschnitt, Verrutschen der Jacke nach rückwärts). Ab 1942 wurden auch Schlaufen auf Brust, Rücken und Oberärmeln zur Befestigung von Tarnmaterial angebracht. Diese Änderung erfolgte auch auf den Helmüberzügen. In dieser Ausführung wurden Tarnjacken und Helmüberzüge trotz inzwischen erfolgter Weiterentwicklung der Tarnkleidung bis zum Kriegsende gefertigt und getragen (offiziell sollte die Fertigung der Tarnjacke am 1. März 1944 beendet und Restbestände aufgebraucht werden).

Erste Vorstellung in der Öffentlichkeit
Im Sommer 1937 wurde gemäs Otto Weidinger (Division „Das Reich“) das gesamte Regiment „Deutschland“ mit Tarnjacke und Helmüberzug ausgerüstet. Die erste Vorstellung in der Öffentlichkeit in größerem Rahmen vor Himmler und Offizieren von Heer, Marine und Lufwaffe soll bei einem Manöver 1939 auf dem Truppenübungsplatz „Munsterlager“ erfolgt sein.

Mit Tarnkleidung im Einsatz
Im Polenfeldzug war offenbar das Regiment „Deutschland“ noch immer die einzige vollständig mit Tarnkleidung (Helmbezug und Tarnjacke) ausgestattete Truppe. Es ist jedoch mit Fotos belegt, dass auch die Heimwehr Danzig zumindest teilweise Helmüberzüge getragen hat.
Die Tarnkleidung hat in den ersten Tagen des Polenfeldzuges übrigens zu einem Beinahmezusammenstoß deutscher Truppen untereinander geführt, da diese Art der Sonderbekleidung im Heer noch völlig unbekannt war. Soldaten einer Einheit des Regiment „Deutschland“ wurden erst im letzten Moment als eigene Truppen erkannt. Die vielen Fotos vom Frankreichfeldzug belegen, dass selbst da noch nicht alle SS-Soldaten mit Tarnkleidung ausgerüstet waren, obwohl gemäs einem bericht von Gruppenführer Pohl vom 19.6.1940 folgende Lieferzahlen belegt sind:

Leibstandarte Adolf Hitler 3.000 Stück
SS-Verfügungstruppe 10.900 Stück
SS-Totenkopfdivision 9.000 Stück
SS-Polizei-Division 9.500 Stück

Schuld an dieser zögerlichen Ausrüstung war einmal die Rohstofflage und zum anderen die Tatsache, dass es noch nicht gelungen war, die Tarnstoffe maschinell in größerem Umfang zu bedrucken.
Man benutzte noch das zeitraubende Handsiebverfahren. Erst mit der Verwendung von Druckwalzen konnte die Produktion erheblich gesteigert werden. Hierzu war jedoch zuvor die Entwicklung neuer Tarnmuster erforderlich, welche in den Walzendurchmesser bzw.- umfang angepasst waren. (Die Muster wiederholten sich gemäs Walzenumfang alle 45-50 cm)

Es gab zunächst grundsätzlich drei verschiedene Tarnmuster, abgesehen von den wahrscheinlich noch von Linnekogel stammenden ersten Versuchstypen. Sie wurden nach dem Krieg von den Alliierten in ihren Geheimberichten zur Unterscheidung mit entsprechenden Namen versehen, welche in der Literatur heute allgemein verwendet werden:

1.Platanenmuster: Dieses Muster erinnert in seinen Konturen an die Baumrinden von Platanen.
2.Eichenblattmuster: Es erinnert mit seinen Formen an Eichenblätter
3.Palmenmuster: Bei diesem Muster wurden lanzettenförmig Blätter, ähnlich der Fächerpalme und strichförmig stilisierte Blumen verwendet.

Einheitliches Bild kontinuierlicher Muster
Besonders vom „Plantanenmuster“ das ursprünglich nur für Zeltbahnen entwickelt wurde, sind einige Abarten entstanden. Es handelt sich hier um verschiedene hellgrüne und olivgrüne Basismuster in verschiedener Größe, welche mit einem dunkelgrünen bis anthrazitfarbenen Blockmuster überdruckt wurde. Sie wurden zur Kennzeichnung von 1-6 durchnummeriert.
Bei der Nr. 1 handelt  es sich z.B. um ein maschinell zuerst aufgedrucktes „Eichenblattmuster“, welches dann mit dem dunklen Blockmuster von Hand ergänzt wurde.
Diese Nummerierung hatte bei der Fertigung von Zeltbahnen eine wichtige Funktion:
Die Zeltbahnen waren in der Mitte aus 2 dreieckigen Stoffhälften zusammengenäht. Um ein fortlaufendes Muster zu erhalten, mussten immer die zwei zusammenpassenden Hälften mit der gleichen Nummer zusammengefügt werden. Mit fortschreitendem Krieg, Steigerung der Produktion und dem gravierendem Rohstoffmangel, musste dieses sinnvolle Prinzip leider aufgegeben werden.
Die verschiedenen Platanenmuster waren so ausgeklügelt gestaltet, dass an den Zeltbahnrändern, wo diese zusammengeknüpft wurden, Blockmuster in bestimmten Abständen vorgesehen waren, welche bei allen 6 Typen zueinander passten.
Hierduch konnten die 6 Typen willkürlich aneinandergefügt werden. Es gab immer ein einheitliches Bild kontinuierlicher Muster (Patent von Prof. Schick).
Wegen der hierfür erforderlichen besonderen Blockanordnung war ein sich nach bestimmten Abständen ständig wiederholendes Musterm wie es bei einem Walzendruck entsteht, nicht möglich. Es wurde daher bis zum Kriegsende von hand aufgebracht.

Die ständige Ausweitung der Waffen-SS und der Materialverbrauch an der Front erforderte so große Mengen an Zeltbahnen, dass ab 1942 auch alle anderen Muster für die Zeltbahnherstellung hergenommen werden mussten, zumal bei diesen das rationellere Walzendruckverfahren angewandt werden konnte.
Eine Besonderheit des Siebdruck- bzw. Schablonendruckverfahrens beim Platanenmuster muss noch erwähnt werden. Auf vielen der noch vorhandenen Tarnjacken entdeckt man gleichzeitig zwei verschiedene Muster. Das kommt daher, dass auf den Schablonen jeweils zwei verschiedene Muster nebeneinander angeordnet waren (z.B. linke Hälfte 1 und 2, linke Hälfte 3 und 4, bzw. rechte Hälfte 1 und usw.). die der Zeltbahnherstellung wurden diese Hälften auseinandergeschnitten. Bei den Jacken nicht – es wäre zu viel Verschnitt übrig geblieben.

Eichenblattmuster

Eichenblatt Tarnmuster HelmüberzugDas Eichenblattmuster wurde für alle Ausrüstungsgegenstände verwendet. Dieses Muster hatte vor allem in Laubwäldern eine hervorragende Tarnwirkung. Es wurde gegen Kriegsende vorwiegend für Wintertarnanzüge verwendet. Es gibt davon einige Variationen in Form und Farbe. Inder späteren Ausführung wurden die Schatten um die Eichenblätter stärker betont.
Rechts im Bild ein Waffen-SS-Stahlhelmüberug mit Eichenblattmuster, Sommerseite.

Palmenmuster

Dieses Wurde speziell für Tarnjackenentwickelt und erschien in großen Stückzahlen mit Beginn des Russlandfeldzuges. Die Masse dieser jacken ging dort auch unter, so dass nur wenige Exemplare überlebt haben.
Das Muster hat wegen seines exotischen Aussehens seinen Namen zu recht. Es wurde als erstes vollmechanisch im Walzendruch hergestellt, wurde aber 1942 aufgegeben, da es mehr für kurze Distanzen gedacht und damit nicht universell einsetzbar war.
Es existierten nur Jacken in der ersten Ausführung (ohne Seitentaschen) so wie Helmüberzüge. Zeltbahnen soll es nicht gegeben haben. Restbestände der Jacken tauchten am Kriegsende wieder auf und wurden mangels anderer Möglichkeiten aufgebraucht.
Zwei Beispiele des Palmenmuster: Links: Waffen-SS-Tarnjacke mit Palmenmuster, Herbstseite.
Rechts: Waffen-SS-Tarnjacke mit Palmenmuster, Sommerseite.
Palmenmuster TarnjackePalmenmuster Tarnjacke


Rauchtarnmuster

1941 wurde zusätzlich ein neues Muster heraus gebracht, dass so genannte „Verschwommene Konturenmuster“ oder „Rauchtarnmuster“.
Es sieht wie ein verwischter Fehldruck aus, als ob die Walze beim Druck leicht durchgerutscht wäre. Dieser Effekt entstand durch Übereinanderdrucken des Eichenblatt-Grundmusters mit einem dunklen leicht durchsichtigen Schattenmuster. Es sieht so aus, als ob man das Eichenblattmuster durch aufsteigenden dunklen Rauch hindurch betrachten würde.
Das Muster ist auf vielen Fotos von der Normandie-Front fest zu stellen. Es wurde für alle Zwecke eingestzt.
Bild: Waffen-SS Zeltbahn mit Rauchtarnmuster.

Rauchtarnmuster


Tarnmütze und Gesichtstarnmaske
Mit V.Bl.d.WSS Nr.11 vom 1. Juni 1942 wurde eine Tarn-Feldmütze eingeführt. Sie wurde aus allen üblichen Tarnstoffen hergestellt und war wendbar. Sie erwies sich bei wärmerem Wetter und abgenommenem Helm als Sonnen- und Regenschutz sowie zur Aufrechterhaltung der Kopftarnung als sehr nützlich.
Aus Tarnungs- und Kälteschutzgründen wurden auch verschiedene Gesichtsmasken und -schleier entworfen. Eine spezielle „Gesichtstarnmaske“ wurde 1930 zum Patent angemeldet und sogar mit V.Bl.d.WSS Nr.8 vom 15. April 1942 eingeführt.
Sie war wohl in erster Linie für Scharfschützen gedacht und sollte zunächst nur in kleineren Stückzahlen an die Soldaten ausgegeben werden. Die Tarnmaske bestand im wesentlichen aus einem Schleider von mit Tarnmuster bedruckten groben Längsfäden, die am Helm und unter der Nase im Mundbereich durch ein grobes, getarntes Gewebeband zusammen gehalten wurden.
Für die kalte Jahreszeit experimentierte man zu Tarn- und Kälteschutzzwecken mit weißen oder fleckengetarnten Gesichtsmasken. Alle diese Ausrüstungsstücke hatten große Nachteile. Vor allem engten sie das Gesichtsfeld der Soldaten ein und erfüllten nur teilweise ihre Bestimmung. Im Kampf in der Bewegung waren sie hinderlich und sogar gefährlich und wurden daher nur mit Einschränkungen getragen.

Overall aus Zeltbahnstoff und Winterbekleidung
Nach dem seit September 1941 bereits ein olivgrüner Overall aus Fischgrät-Körper (Drillich) zum Schutz und zur Tarnung der schwarzen Panzeruniform existierte, wurde mit V.Bl.d.WSS Nr.2 vom 15. Januar 1943 ein mit Platanen-, Eichenblatt- oder Rauchtarnmuster getarnter Overall aus Zeltbahnstoff für Panzer- und Panzerspähwagenbesatzungen eingeführt.
Man sieht ihn auf vielen Fotos von der Kursker Offensive.
Mit dem gleichen Verordnungsblatt wurde eine gefütterte, wendbare Winterkombination, ausen oliv, innen weiß, in das Ausstattungssoll der Panzersoldaten aufgenommen.
Von den Kämpfen um Charkow gibt es viele Fotos von den Overalls. Ende 1943 wurde diese Art der Winterbekleidung wieder aufgegeben, weil sie sich aus den verschiedenen Gründen doch nicht als praktisch erwies.
Ersetzt wurde sie durch die allgemein für die gesamte Truppe mit V.Bl.d.WSS Nr. 19 vom 1. Oktober 1943 eingeführte Wintersonderbekleidung. Sie bestand aus wendbarem gefüttertem, getarntem Parka, mit großer Kapuze, innen weiß, Hose aus aus dem gleichen Material mit angenähten Hosenträgern, einer wendbaren, leicht gefütterten Kopfhaube aus dem gleichen Stoff, sowie gefütterten Dreifingerhandschuhen, ebenfalls wendbar, welche, falls nicht gebraucht, mit einer Schnur um den Hals getragen werden konnnten.
Als Tarnmuster waren zunächst das Eichenblattmuster und das Tauchtarnmuster vorgesehen. Diese getarnte Winterausrüstung ersetzte auch den von der Wehrmacht nach dem katastrophalen Winter 1941/42 entwickelten schilfgrünen Wende-Winter-Anzug, welche ab Winter 1942/42 bis Kriegsende auch von der Waffen-SS getragen wurde und der in der Ausführung dem neuen getarnten Anzug sehr ähnlich war.
(Eine spezifische Schneetarnung war zuvor nur für die Gebirgstruppe entwickelt und standardisiert worden: wendbare Windjacke (Anorak) mit 2 oder 3 Brusttaschen, Hose, Schneehemd, weißer Feldmützenüberzug. Die Helme wurden weiß gestrichen. Die übrige Truppe war zunächst auf Improvisationen angewiesen.)

Steigerung der Tarnausrüstungsproduktion
Mit dem Walzendruckverfahren konnte die Produktion aller Arten von tarnausrüstung erheblich gesteigert werden. Waren von 1938 bis Juni 1940 nur insgesamt 32.400 Stück Tarnjacken gefertigt worden, war nach einem Bericht von SS-Gruppenführer Pohl, dem Chef des Wirtschafts- und Verwaltungs-Hauptamtes für die Monate Juli, August, September 1940 die Auslieferung von 100.000 Stück geplant.
Die Erhöhung der Produktionszahlen war jetzt nur noch eine Frage der verfügbarkeit von Rohstoffen. Diese Verfügbarkeit hing einmal von der Zuteilung durch das Oberkommando des Heeres ab, wurde aber auch durch die Anforderungen der Waffen-SS an Zeltbahnen und Helmüberzügen entscheidend bestimmt.
Zusätzlich zu den 6.000 Tarnjacken waren im Juni 1940 14.000 Helmüberzüge und 8.500 Zeltbahnen abgeliefert worden.
Durch Wegfall der Zeltbahnproduktion hätten monatlich 18.300 Tarnjacken und Helmüberzüge ausgeliefert werden können. Pohl hoffte jedoch auf eine Erhöhung der Zuteilung durch das Heer. Diese Hoffnung wurde aber nicht erfüllt, so dass angeordnet werden musste, nur die  Frontverbände auszustatten. Das hatte jedoch Auswirkung auf die Ersatztruppen, welche oft schlecht  Ausgerüstet an die Front geschickt wurden.

Dramatische Rohstoffprobleme
Mit Fortdauer des Krieges und dem weiteren Aufwuchs der Waffen-SS erhöhten sich Anfang 1943 die Rohstoffprobleme dramatisch. So dass Pohl schätzte, für 1943 nur 14% den benötigten Baumwollmenge zur verfügung gestellt zu bekommen.
Demzufolge war es nicht mehr möglich, den bisherigen Stoff-Qualitätsstandard zu halten. Fadenstärke und Zellwollgewebe und Fischgrätdrillich (Zellwolle/Leinen) wurden verwendet. Diese hatten weder die gleiche Reissfestigkeit, noch die ausgezeichneten wasserabstoßenden und Winddichtigkeitseigenschaften des Standardmaterials aufzuweisen. Auserdem wurde die haftung der Druckfarben auf dem gewebe negativ verändert (sie rieben stärker ab und verblassten schneller bei Reinigung).
Die schlechte Rofstofflage hätte eine mindestens vierfache Lebensdauer der Bekleidung erfordert. Ein großer Nachteil der Tarnbekleidung war auch die erforderliche Doppelausrüstung der Truppe mit der normalen feldgrauen Wolluniform und der Tarnjacken. Falls es gelungen wäre, beide Anforderungen zu vereinen, wäre das mit enormen Material- und Arbeitskrafteinssparungen verbunden gewesen. Die Überlegungen gingen zuerst in Richtung eines Bedruckens des Wollstoffes der fledgrauen Feldblusen und Hosen mit Tarnaufdruck. Obwohl entsprechende Versuche duchgeführt wurden, lies man diesen Gedanken wieder fallen, da die großen Bestände an feldgrauen Uniformen für diesen Zweck nicht hätten verwendet werden können. Auserdem war die zeit- und kostenaufwendige Entwicklung neuer Druckverfahren erforderlich.

Gängige Lösungen
Im Frühjahr 1944 hatte man eine gängige Lösung parat: Eine neue zweiteilige Tarnuniform, bestehnd aus 4-Taschenrock und Hose in Keilhosenform aus Drillichstoff, sollte die bisherige Tarnjacke ersetzen. Gleichzeitig war sie als Ersatz für die bisherigen weißen bzw. olivfarbenen Drillich-Uniformen bestimmt. Sie war als leichte Sommeruniform zu tragen und bei kaltem Wetter über die feldgraue Wolluniform überzuziehen.
Die Lebensdauer der Woll-Feldblusen und- hosen wurde damit erheblich verlängert.

Als weitere materialschonende Masnahmen wurde z.B. im November 1944 angeordnet, mit Beginn der kalten Jahreszeit diese Sommeruniform abzugeben und gegen Wintertarnsachen auszutauschen. Diese Masnahme konnte wegen des teigenden Mangels an an Ausrüstung nicht mehr ordnungsgemäs durchgeführt werden, wie die Ausstattung der Truppe in der Ardennenoffensive zeigt. Dort wurde neben den Wintertarnuniformen auch vielfach noch Sommerstandarddrillich über den feldgrauen Uniformen getragen.

Für diese neue zweiteilige Tarnuniform, welche nicht wendbar, also nur einseitig bedruckt war, musste ein neues Tarnmuster entwickelt werden, welches sich für Frühjahr, Sommer und Herbst gleichermasen eignete: Das sog. „Erbsen- oder Punktemuster“.
Dieses Muster war kleingefleckt und hatte einen höheren Braunbeigeanteil. Dazu wurden Helmüberzüge  mit den konventionellen Tarnmustern, vorwiegend Eichenblattmuster getragen. Helmüberzüge aus Erbsenmuster gab es standardgemäs nicht, jedoch entgegen falschen Behauptungen sehr wohl fabrikmäsig hergestellte Feldmützen (zu sehen in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz).
Dieser zweiteilige neue Kampfanzug wurde in der Anfangszeit auch aus Restbeständen konventionellen Tarnstoffs für Tarnjacken hergestellt, wie es ebenso aus dieser zeit Tarnjacken aus Tarndrillich gibt, welcher mit den alten Tarnmustern beidseitig bedruckt war.
Als Versuch wurden auch jacken und Hosen der neuen Form und mit dem neuen Tarnmuster aus einem festen reinen Zellwollgewebe produziert, welches auch später für die Herstellung von wendbaren Wintertarnanzügen der bekannten Ausführungen hergenommen wurde.
Aus Tarndrillich gab es standardgemäs auch zweiteilige Panzeruniformen in dem bekannten Schnitt der schwarzen und feldgrauen Panzeruniform.

Ein besonderes Kapitel ist die Existenz von Fallschrimjäger-Springerkombinationen aus diesen Stoffen (Zellwolle und Drillich), mit diesem Erbsentarnmuster. Es wird immer bezweifelt, ob es sich um echte, zeitgenössische Ausrüstungsstücke handelt. Hierüber gibt es Zeugenaussagen von Kriegsteilnehmern, welche diese Stücke getragen und sogar mit nach Hause gebracht haben.

Kombis für Spezialeinsätze

Ein in Staumühle (Truppenübeungsplatz Sennelager/Paderborn) um die Jahreswende 1944/45 für Sondereinsätze aufgestellter Verband der Waffen-SS wurde komplett damit ausgerüstet.
Dieser Verband wurde wegen der in Ungarn eingetretenen kritischen Lage geschlossen als 2. Kompanie, Aufklärungsabteilung 9 zur 9. SS-Panzerdivision versetzt und kam in diesen „Knochensäcken“ im Raum Stuhlweißenbrug zum Einsatz.
Nach einer anderen Aussage vom Kompaniechef der Panzerjägerkompanie der Kommandoeinheit „Dora II“, wurden diese Kombis ohne alle Abzeichen bei Sprungeinsätzen hinter den feindlichen Linien über den russischen Uniformen getragen. Nach dem Sprung wurden sie mit den Fallschrimen vergraben. Im normalen Kampf trug diese Einheit normale Tarnuniformen, da diese Kombis als zu unbequem empfunden wurde.
Die mitgeführten Springerkombis verblieben für Sprungeinsätze im Torß. Die Springerausbildung erfolgte an Springerschulen in normalen Luftwaffenkombis mit LW-Brustadler.

LeibermusterDas Leibermuster
Die letzte von Professor Schick gemeinsam mit den Hauptsturmführern Krug, Lechler und Fischer vorangetriebene Entwicklung war das sog. „Leibermuster“. Links im Bild: Waffen-SS-Drillichhose mit Leibermuster von 1945.
Diese ist die einzige überlieferte offizielle Bezeichnung für ein Tarnmuster. Die anderen stammen von den Alliierten oder werden dem Landserjargon zugeschrieben (z.B. Erbsenmuster). Diese Entwicklung wurde durch die sich 1943 abzeichnende Verwendung der Infrarottechnik ausgelöst.
Bei dieser Technik wurde mit Spezialscheinwerfern, welche unsichtbares Licht des jenseits von Rot liegenden Teils des Spektrums abstrahlten, ein Ziel angeleuchtet. Die vom Ziel zurückreflektierenden Strahlen wurden in speziellen Geräten sichtbar gemacht, dass Ziel damit auch bei schlechter Sicht oder nachts abgebildet.
Das Infrarotlicht äusert sich hauptsächlich als Wärmestrahlung.

Von den I.G. Farben wurden spezielle, Infrarotstrahlen schluckende bzw. nicht reflektierende Farben entwickelt. Sie enthielten Schwefel und Graphit wie z.B. Hydron Oliv GX und Anilin Schwarz.
Zur besseren Konturenauflösung wurden Muster mit bis zu 30 cm langen schwarzen, unregelmäsigen Zackenbändern entworfen, welche mit hellgrünen orangefarbenen Fleckenmustern auf gelbbeigem Grund unterlegt waren. Um ein möglichst irreguläres, unsymmetrisches gesamtbild zu erhalten, wurden die Farben mit 6 verschiedenen Walzen von 44,1/46,2/48,2/49,0/50,0 und 50,5 cm Umfang aufgebracht.
Dieses Muster auf Zellwoll/Leinendrill bzw. festerem Zellwollgewebe aufgedruckt. Sollte alle anderen Tarnmuster bei Heer und Waffen-SS ersetzen, um endlich die aus logistischen Gründen unbedingt erforderliche Vereinheitlichung der Bekleidung herbeizuführen.
Von diesen Tarnuniformen sind nur ganz wenige Stücke erhalten geblieben (Jacken, Hosen und Winterparkas), alle gemäs Herstellerstempeln aus der Zeit 1944/45.
Die Jacken sind als kurze Feldblusen mit zwei brusttaschen ohne jedes Futter ausgeführt, die Hosen mit geraden Hosenbein (keine Keilhosenform). Alles war auf Einsaprung von material und Fertigungsaufwand ausgelegt.
Sicher ist diese Art der Bekleidung nicht mehr in großen Stückzahlen zum Einsatz gekommen. Da bisher keine zeitgenössischen Fotos aufgetaucht sind, wird sogar bezweifelt, ob diese Bekleidung überhaupt noch vor Kriegsende jemals von der Truppe getragen wurde.
Augenzeugenberichten zufolge sollen jedoch Anfang Mai 1945 lettische oder estnische Einheiten, die sich auf dem Rückzug durch das Sudetenland befanden, mit diesen Anzügen gesehen worden sein.

Diese interessante letzte Entwicklung hat neben der mit Infrarotkameras nachgewiesenen Infrarotschutzfunktion auch den Nachteil aller vorher entwickelten Muster kompensiert: Diese hatten mehr oder weniger die Tendenz, in der Distanz zusammenzufliesen und ihren spezifischen optischen Eindruck zu verlieren.
Die schwarzen Zackenränder des „Leibermusters“ garantierten jedoch auch auf größere Entfernung noch eine ausreichende Konturenauflösung.

Einheitliche Austattung war nicht möglich
Zur Entwicklung der Tarnkleidung der deutschen Wehrmacht und insbesonders der Waffen-SS ist der Vollständigkeit halber auch folgendes zu bemerken:
Die mit Fortdauer des Krieges zunehmend angespannte Rohstoff- und Versorgungslage ermöglichte nicht, auslaufende Tarnbekleidungsmodelle in der Ausbildung aufzubrauchen. Das musste bei der kämpfenden Truppe geschehen. Eine einheitliche Austattung des gesamten Heeres und der Waffen-SS mit gleichem Bekleidungsmodell oder gar gleichem Tarnmuster war nicht möglich.
Hinzu kam, dass Ersatzmaterial oft nicht vorhanden war. Das zwang zur Improvisierung. Es wurden aus Zeltbahnen oder beschädigten Tarnanzüge in der Truppe selbst oder in Privatinitiative bei zivilen Schneidern vor allem Jacken in verschiedenster Ausführung geschneidert.

Tarnbekleidung als Lebensretter
Durch Truppenerfahrung für sinnvoll anerkannte Verbesserungen oder Änderungen konnten nicht berücksichtigt werden. Man musste sie vor Ort mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in Selbsthilfe erledigen.
Nach dem Abfall Italiens und Entwaffnung der italienischen Armee durch deutsche Truppen wurden in Oberitalien durch die Leibstandarte Adolf Hitler größere Mengen italienischer Tarnstoffe und Tarnuniformen requiriert. Vor allem die neu aufgestellte 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend, aber auch andere SS-Divisionen, wie z.B. die 17. SS-Panzer-Divisiov „G.v.B.“ wurden teilweise aus diesen Beständen versorgt, was das Erscheinungsbild der Truppe noch vervielfältige.
Neben original italienischen Uniformen wurden aus diesen Tarnstoffen nach deutschem Schnitt Panzerkombinationen, Vier-Taschen-Feldblusen, Hosen, Feldmützen, fellgefütterte Winterjacken mit Kaputzen, Magazintaschen u.a. gefertigt.
Diese Bekleidung wurde wegen ihrer guten Stoffqualität offenbar auch gern von höheren Führern getragen. (Es gibt u.a. Fotos von „Panzermeyer“, Wünsche, Milius, Krause in der Normandie).
Die Italiener benutzten diese Tarnmuster unverändert von 1929 bis 1982.

Optimaler Tarneffekt
Die Beschreibung der Tarnbekleidung dieser Zeit ist nicht vollständig, ohne auch etwas über die an dieser Kleidung getragenen Effekten (Kragenspiegel, Schulterstücke, Ärmel- bzw. Brustadler, Dienstgradabzeichen usw.) zu erwähnen.
Wie der Name schon sagt, ist ein optimaler Tarneffekt nur durch weglassen aller auffallenden Kleidungsbestandteile, wie blitzende Knöpfe, Litzen, Sterne usw. zu erreichen. Andererseits ist es aber eine gewisse Kennzeichnung von Diensträngen und Nationalität bzw. eine Freund-Feinderkennung erforderlich.
Die SS-Tarnjacke war diesbezüglich ein ideales Kleidungsstück. Die Dienstränge konnte man an den Kragenspiegel der darunter getragenen Feldblusen ersehen, welche oben aus den Jacken herausragten.
Da das keine optimale Lösung war, wurden schlieslich mit V.Bl.d.WSS Nr. 4 vom 15.2.1943 „Dienstgradabzeichen für Führer und Unterführer der Waffen-SS an Bekleidungsstücken ohne Schulterstücke bzw. Schulterklappen“ eingeführt, welche an beiden Oberarmen zu tragen waren. Sie bestanden aus auf schwarzem Stoff gestickten bzw. aufgedruckten grünen (Generale gelben) Emblem in Form von Balken bzw. Eichenblättern.
Die Wehrmacht benutzte das gleiche System. Fallschirmjäger und Luftwaffe hatten Kennzeichen mit Balken und Schwingen. An den späteren zweiteiligen Tarnuniformen der Waffen-SS wurden zunächst eigenmächtig Schulterstücke sowie offiziell Ärmeladler getragen (keine Kragenspiegel). Das wurde bald aus gründen der Tarnung untersagt.
Da das Verbot nicht generell wurde, musste es mit V.Bl.d.WSS Nr. 14 vom 15.7.1944 nochmals ausgesprochen werden.

Die Idee der Waffen-SS kopiert
Über den Wert und Nutzen der Tarnbekleidung gibt es unterschiedliche Ansichten.
Die deutschen Entwicklungen wurden selbstverständlich von den Gegnern aufmerksam studiert und eigene Initiativen entwickelt.
Vom US-Quartermaster Corps liegen entsprechende Berichte vor. Soblad man Beutestücke hatte, wurden diese labormäsig untersucht und getestet. Über Stoffqualität, Druckverfahren und Zweckmäsigkeit der Bekleidungsstücke war man des Lobes voll. Nur die Verarbeitungsqualität wurde bemängelt.
Als die Amerikaner dann auf dem europäischen Kriegsschauplatz erschienen und ihre einseitige Luft- und Materialüberlegenheit ausspielen konnten, war ihre Führung der Ansicht, dass eine besondere Tarnbekleidung nicht erforderlich sei, zumal sie in der Bewegung viel an Wert verliert (im Dschungelkampf im Pazifik war man wohl anderer Ansicht und führte auch Tarnkleidung ein).
Trotzdem wurde nach dem Krieg im Zuge der Aktion „Paper Clip“ alle greifbaren Informationen, Dokumentationen, Verfahren, patente, Werkzeuge, eingehend studiert und sicher gestellt.
Über das Thema Tarnbekleidung wurde ein Geheimbericht, der sog. „Richardsonreport“ erstellt, in welchem alle Details von Fabrikation, Endprodukt, Testverfahren usw. festgehalten sind.
Tarnbekleidung wurde erst im Vietnamkrieg generell eingeführt.

Anders die Meinung der deutschen Seite:
Anfänglich mokierte sich die Wehrmachtsführung noch über die „SS-Laubfrösche“ („Ein echter Soldat trägt Feldgrau“). Nur die getarnte Zeltbahn war standardisiert.
Später kopierte man jedoch die Idee der Waffen-SS und führte im Heer (und in der Luftwaffe) ebenfalls mehrere Arten von Tarnbekleidung ein.
Die Fallschrim-Panzer-Division „Hermann Göring“ trug zum Teil sogar SS-Tarnjacken und Helmüberzüge.
Die Waffen-SS war dagegen von Anfang an vom vielfachen Nutzen der tarnbekleidung überzeugt. Sie wurde von der Truppe wegen ihres Tarneffekts, des „sportlichen Aussehens“ und ihres zusätzlichen Wetterschutzes voll akzeptiert.
Theodor Eicke, Kommandeur der Totenkopf-Division, forderte nach dem Polenfeldzug die Ausrüstung seiner Truppe „wegen der Offiziersausfälle durch polnische Scharfschützen“.
Im herbst 1944 bestätigte SS-Obergruppenführer Pohl die große Bedeutung der Tarnung:
„Der gegenwärtige Krieg zeigt, dass die richtige Tarnung von größtem Nutzen und großer Bedeutung für die Truppe ist“.
„Es hat sich an allen Fronten gezeigt, dass die Tarnung die gleiche Bedeutung wie die Bewaffnung gewonnen hat“, war die Ansicht Prof. Schicks.

Pionierleistung der Waffen-SS

In der Normandie schlieslich war wegen der absoluten Luftüberlegenheit der Alliierten optimale Tarnung oberstes Gebot und eine Frage des Überlebens.
Viele Soldaten haben mit Sicherheit der Tarnbekleidung ihr Leben zu verdanken. Die Pionierleistung der Waffen-SS auf diesem Gebiet, hier insbesondere Wim Brandts und Prof. Otto Schicks, verdient Hochachtung und Respekt. Hier wurden neue Masstäbe in der Kampfbekleidung der Truppe gesetzt, welche heute weltweit, bis hin zu jedem Entwicklungsland internationalker Standard geworden sind. Das beste Merkmal setzten die alliierten Soldaten ihren Gegnern von der Waffen-SS mit Verleihung des ehrenvollen Spitznames „Tigerjacken“.
Nach der Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland 1954 und Aufstellung der Bundeswehr, knüpfte man diesbezüglich zunächst an die Tradition der Wehrmacht an. Vom neuen „großen Bruder“ der US-Army wurde alles übernommen, vom Stahlhelm bis zum Schnittmuster der Uniform. An vergleichbarer Tarnbekleidung fehlte es jedoch. Also experimentierte man jahrelang selbst herum.

Weiterführender Link: Beitrag im Forum

Kommentare (5)Add Comment
Peter
September 11, 2009
78.42.110.215
...

Super Infos, aber, dass die Namen der Muster bereits dem
Landser geläufig waren stimm nicht.
Leibertarnung ist die einzige überlieferte.
Im Landserjargon waren alles nur Tarnjacken. Für die Palmtarnung wurde manchmal auch "Tigerhemd" verwendet, wegen einiger paralleler Streifen. Es war auch keine Infrarot-Geräte sondern Restlichtverstärker mit Infrarot-Aufhellung, wie heutige Nachtsichtgeräte auch. Sonst würde die Wärme der Haut immer auffallen, trotz Tarnmuster.
Gruß
Peter

pete
Mai 31, 2010
91.61.52.93
...

In Vietnam wurde nur für das Marine Corps eine Uniform mit Tarnmuster eingeführt- die Army hatte keine.

Voss
Juli 20, 2011
95.222.107.178
...

Es gab im zweiten Weltkrieg noch keine Restlichtverstaerker! Es waren damals reine Infrarotscheinwerfer bzw. Sichtgeraete im Einsatz.
Die ersten Restlichtverstaerker kamen erst 1950 zum Einsatz.

Gruss
Voss

Fred
August 06, 2011
109.91.43.221
...

Stimmt im 2. Weltkrieg gab es nur unzulängliche Infrarot - Nachtsichtgeräte mit IR-Schweinwerfen. Die Restlichtverstärker wurden viel später entwickelt.

Nieallesglauben
Januar 17, 2012
195.243.159.99
...

Die ersten funktionsfähigen Restlichtverstärker wurden bereits auf dem Panther eingesetzt. Das kann jeder Besucher der Wehrtechnischen Sammlung in Koblenz sehen. Es sind als sehr wohl bereits Restlichverstärker resp. Bildwandler der ersten bzw. nullten Generation zum Einsatz gekommen.
Ein Infrarotscheinwerfer dient zur, dem menschlichen Auge unsichtbaren, Aufhellung des Geländes, der infrarotempfindliche Bildwandler machte mithilfe einer Röhrentechnik die Szenerie dann sichtbar, ganz so wie die heute erschwinglichen Tchibo-Teile etc. Autor Peter hat durchaus recht. Er meint auch nicht Infrarot-Geräte sondern Wärmebildgeräte wie die MIRA der Bundeswehr etc, mit deren Technik man auch durch dichten Nebel dringt, weil es die reinen Wärmestrahlen verarbeiten kann. Das Bild erscheint Dunkelrot bis Hellgelb, je nach Temperatur, während ein Restlichtverstärker ein grünes oder graues Bild liefert.

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