Waffen-SS SS-Brigaden 6. SS-Freiwilligen-Sturmbrigade Langemarck
6. SS-Freiwilligen-Sturmbrigade Langemarck
Mit Wirkung zum 31. Mai 1943 ordnete das SS-FHA die Umbildung der Legion "Flandern" zur SS-Freiwilligen-Sturmbrigade "Langemarck" an. Die Bezeichnung "Langemarck" kam von einem Schlachtfeld des 1. Weltkrieges.
Zur Aufstellung der SS-Freiwilligen-Sturmbrigade "Langemark" wurden die restlichen Flamen der Legion "Flandern" vom SS-Truppenübeungsplatz "Heidelager" (Debica bei Krakau) auf den SS-Truppenübeungsplatz "Böhmen" (Milowitz/Prag) verlegt. Die Pionierausbildung fand in Pikowitz statt. Den Stamm zur Aufstockung der Freiwilligen Legion stellten die verbliebenen und aus Lazaretten entlassenen rund 700 flämische Legionäre. Ende Juli 1943 traf aus Gent ein weiterer Transport mit 300 Flamen auf dem Truppenübungsplatz ein.
Einen Monat später wurden vom SS-Ersatz-Bataillon "Ost" aus Breslau noch weitere 400 Angehörige zur Brigade in Marsch gesetzt.
Die Brigade, die nun ein Grenadier-Bataillon hatte, fehlten rund fünf Bataillone um die normale Stärke eines solchen Verbandes zu erhalten. Sie bestand nur aus:

- Brigadestab
- 1.-3. Schützen-Kompanie
- 4. (schweren) Kompanie
- 5. (Infanterie-Geschütz) Kompanie
- 6. (Panzerabwehrkanonen) Kompanie
- 7. (Panzerjäger) Kompanie
- 8. (2 cm-Flak) Kompanie

Normalerweise bestand eine Brigade aus zwei Regimentern und entsprechenden Brigadeeinheiten und hatte eine Stärke von ca. 6.000 Mann.
Mit Wirkung zum 2.. Oktober 1943 erhielt die brigade im Zuge der Durchnummerierung der Waffen-SS-Verbände die Nummer 6.
Bis Ende November 1943 wurde die Brigade ausgerüstet und die Soldaten ausgebildet. Anfang Dezember 1943 fand die Aufstellung mit einer Parade in Prag ihren Abschluss. SS-Obersturmbannführer Schellong meldete die Brigade einsatzbereit.

Einsatz zwischen Dnjepr und Dnjestr

Anfang November 1943 war die Rote Armee gegen die Heeresgruppe "Süd" weit vorgedrungen. Als Verstärkung für die strak angeschlagenene Einheiten der Heeresgruppe wurde unter anderem auch die 6. SS-Freiwilligen-Sturmbrigade "Langemark" vorgesehen.
Ende Dezember 1943 wurde die flämische Brigade in Milowitz alamiert und verlies am 26. Dezember das Protektorat Böhmen und Mähren. Vier tage später bezogen die Truppenteile bereits Ortsunterkünfte entlang der Rollbahn nach Tschudnow und stellten zunächst zusammen mit der 6. Pz.Div., 16. Pz.Div. und der 18. Pz.Div. die Reserve der 4. Panzer-Armee. Noch am Sylversterabend wurden zwei Kompanien der SS-Brigade "Langemark" alamiert und zur SS-Division "Das Reich" in marsch gesetzt. Am 1. Januar 1944 wurde die gesamte brigade zum Einsatz geführt und dem XXXXVIII.Panzer-Korps (4. Panzer-Armee) unterstellt.
Die Flamen bezogen Stellungen 30 km südwestlich Shitomir - 5 km westlich der Rollbahn in die Stadt. Am folgenden Tag fühlten sowjetische Panzer an die flämischen Stellungen bei Dryslow vor. Nach zwei schweren Kampftagen musste sich die Brigade "Langemark" zurückziehen.
Am 5. Januar 1944 kämpften die Flamen bei Tschudnow und am nächsten Tag am Bahnhof von Oschansk. Im Raum Burkowcy konnte die Front für kurze Zeit etwas stabilisiert werden, doch war der gegnerische Druck so groß, dass sich die Truppen bis zum 11. Januar 1944 auf Sewerinowka zurückziehen mussten.

Swereinowka konnte bis Mitte Februar 1944 gehalten werden. Am 17. Februar wurde die flämsiche SS-Freiwilligen-Strumbrigade nach Scheptowka kommandiert. Im Raum Zaslaw - Wakowcy - Klembowka - Krywoluka - Begorodka kam es ab 22. Februar zu heftigen Gefechten mit vorstossenden gegnerischen Truppen. Die Front verlief in waagerechter Linie paralell zur Strasse von Belgorodka im Osten bis Lachowcy im Westen. Von hier zog sich die Hauptkampflinie in südwestliche Richtung auf Jampol zu.
Am 28. Februar erreichte ein am 22. Februar aus Breslau abgefahrener Transport mit flämischen Freiwilligen Jampol und verstärkte die Brigade, die Stellungen im Norden und Nordosten der Stadt bezogen hatte. Am nächsten Tag begann bereits der Kampf um Jampol. Am 2. März kam es zu schwersten Kämpfen. SS-Obersturmbannführer Schellong befahl aufgrund der sich ständig verschlechternden Lage am 3. März die Räumung der Stadt.
Im Laufe des Nachmittags erreichten die Flamen Bisowka bei Begorodka. Am folgenden Tag stiess die Rote Armee sofort auf Begorodka vor, und konnte die Stadt einschließen.
Der Kommandeur der Brigade ordnete daraufhin  den Durchbruch nach Starokonstantinow an. Dort kamen die Flamen unter das Generalkommando LIX.Panzer-Korps (1. Panzer-Armee).
Nach schweren und verlustreichen Durchbruchskämpfen am 5. und 6. März 1944 und wirrem Hin und Her erreichte die Masse der 6. SS-Brigade "Langemarck" erst am 19. März Starokonstantinow. Die Brigade hatte bisher rund 60% Verluste, die verbliebenen Einheiten waren stark angeschlagen. Von Starokonstantinow aus sollten die Reste nach Proskurow und dort neue Stellungen beziehen. Doch bereits kurze Zeit später waren die Stellungen nicht mehr zu halten. Die Übermacht der Sowjets war erdrückend. Die Brigadereste bekamen den befehl über Jarmolynzy - Kamenez-Podolsk nach Germonowka zu marschieren. Während des Übersetzens über den Dnjestr verlor die Brigade ihre letzten Fahrzeuge und schwere Waffen. SS-Männer versuchten durch den Fluss schwimmend das westliche Ufer zu erreichen und e rtranken dabei.

Als der Dnjestr überquert war, wurden die Flamen aus dem Einsatz gezogen. Die SS-Männer marschierten zunächst nach Jaslo ins Generalgouvernement. Dort erhielten sie vom SS-FHA den Befehl, zur Auffrischung auf den SS-Truppenübungsplatz "Böhmen" ins Protektorat Böhmen und Mähren zu verlegen.

Die Narwa-Front

Am 22. Juni 1944 eröffnete die Rote Armee auf breiter Front ihre Sommeroffensive in Weissrussland. Innerhalb weniger tage zerbrach die Heeresgruppe "Mitte" im feindlichen Sturmlauf. Zur gleichen Zeit griffen andere sowjetische Verbände die Heeresgruppe "Nord" an, deren Truppen sich bis auf die Armee-Abteilung "Narwa" ins Baltikum zurückziehen mussten.
Da abzusehen war, dass die gegnerische Führung nun die Narwa-Front eindrücken wollte, befahl Hitler diese durch verschiedene verfügbare Einheiten zu verstärken. Eine dieser Einheiten wurde die flämische Kampfgruppe "Rehmann".

Im Verlauf der Auffrischung der in der Ukraine zerschlagenen 6.SS-Freiwilligen-Sturmbrigade "Langemarck" auf dem Truppenübungsplatz "Böhmen", erhielt das Brigadekommando den befehl, eine Kampfgruppe aufzustellen. Während die Masse der Flamen bis in den Oktober 1944 in Böhmen und Mähren blieben, wurde die Kampfgruppe dem III. (germ.) SS-Pz-Korps nach Estland zugeführt.
Die Brigade verfügte trotz Ersatz zu diesem Zeitpunkt nur über 1.731 Mann, dazu die Kampfgruppe "Rehmann" mit 245 Mann.

Bis zum 19. Juli 1944 wurde die Kampfgruppe unter der Führung von SS-Hauptsturmführer Rehmann gebildet und am folgenden tag in beneschau verladen. Nach fünf Tagen erreichten die Flamen den Küstenort Toila. Am selben Tag hatte bereits um 5.00 Uhr die sowjetische "Leningrader Front" (Marschall Goworow) mit der 2. Stoß- und 8. Armee nach einem einstündigen Trommelfeuer den Sturmangriff auf das III. (germ.) SS-Panzer-Korps (SS-Gruppenführer Steiner) begonnen.
Die flämischen Freiwilligen wurden sofort an die Front geworfen, die an verschiedenen Stellen bereits von gegnerischen Trupen durchbrochen war.

Am 26. Juli 1944 befahl SS-Gruppenführer Steiner die Stellungen an der Narwa aufzugeben, und etwa acht Kilometer weiter westlich, in der sog. "Tannenberg"-Stellung erneut zur Verteidigung überzugehen.
Durch einen Granattreffer fielen an diesem 26. Juli die flämischen Führer Van Bockel, Van Mol und Swinnen. Rehmann wurde fahnenflüchtig und SS-Untersturmführer D´Haese übernahm das Kommando über die Kampfgruppe.
Die "Tannenberg"-Stellung verlief vom finnischen Meerbusen etwa drei Kilometer nach Süden bis zur Rollbahn Narwa - Perjatse, wo die Blauberge mit der sog. "Kinderheimhöhe" im Osten und der westlich anschliesenden "Grenadierhöhe" sowie der Höhe 69,9 das Kernstück der Verteidigung darstellten. Zusammen mit estnischen Freiwilligen der 20. Waffen-Grenadier-Division der SS , Angehörigen der 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division und der 4. SS-Freiwilligen-Brigade "Nederland" standen die Flamen bei der "Kinderheim-" und "Grenadierhöhe" in schwersten Abwehrkämpfen gegen einen fortdauernd anstürmenden Feind.
Am 27. Juli 1944 war die flämische Kampfgruppe bereits vollkommen ausgeblutet. Es folgten heftige Kämpfte bei Waiwara. Hier wurde um jeden Meter und um jeden Granattrichter gefochten - die Kämpfe erinnerten an die des 1. Weltkrieges vor Verdun.

Weiter südlich griff am 10. August 1944 die sowjetische "3. Baltische Front" den Flügel der 18. Armee an und machte den Weg frei nach Estland. Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Nord", Generaloberst Schörner, befahl der Armee-Abteilung "Narwa" Stellungen zwischen dem Wirz- und Peipussee zu beziehen und dort das Vordringen der sowjetischen Verbände zu stoppen. Dazu wurde am 14. August 1944 u.a. die Kampfgruppe "Wagner" (SS-Brigadeführer Wagner, Kommandeur der 4. SS-Freiwilligen-Grenadier-Brigade) gebildet.
Dieser Kampfgruppe gehörte auch das SS-Bataillon "Wallonien" an, welchem die flämische Kampfgruppe mittlerweile unterstellt war.
Am 21. August begann die Schlacht um Estland. Die "3. Baltische Front" griff auf breiter Front zwischen Walk und Dorpat an, um sich später mit der "Leningrader Front" bei Reval zu vereinen. Am Ostufer des Wirzsees kam es zu schweren Abwehrkämpfen. Drei Tage später war die Verbindung zwischen der 18. Armee und der Armee-Abteilung "Narwa" unterbrochen. Bis Ende August kam es am gesamten Frontabschnitt zu schweren Kämpfen, bis Anfang September 1944 die Angriffe der Roten Armee nachliesen.
Zwei Wochen später eröffneten die gegnerischen Verbände ihre neue Offensive. Zwischen dem Peipus-SS und Schaulen stürmte die Rote Armee gegen die provisorische verteidigung an. Um ein Einkesseln der Armee-Abteilung "Narwa" zu verhindern, befahl die Heeresgruppe "Nord" das Unternehmen "Aster": die Räumung der Narwa-Front und Estlands. Das III. (germ.) SS-Panzer-Korps sollte sich ab 18. September mit Einbruch der Dunkelheit in Richtung Pernau absetzen. Die verbliebenen Flamen gelangten über Reval nach Riga und wurden am 19. September auf das Schiff "Gotland" verladen und erreichten am 25. September Swinemünde. Von dort aus marschierten sie zum Truppenübeungsplatz "Hammerstein" und erhielten hier nach rund vier Wochen den Marschbefehl nach Rotenburg/Soltau, um von dort  nach Scheeßel zur Aufstellung der 27. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division "Langemarck" kommandiert zu werden.

Kommandeur
SS-Obersturmbannführer Conrad Schellong (22 Oct 1943 - 19 Oct 1944)
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