Waffen-SS SS-Brigaden Waffen-Sturm-Brigade RONA (Kaminski-Brigade)
Waffen-Sturm-Brigade RONA (Kaminski-Brigade)

Im Herbst 1941, nach dem der Feldzug gegen die Sowjetunion begonnen hatte und die deutschen Truppen, in From der 2. Panzer-Armee, die Stadt Lokot (im Gebiet Brjansk in Südrussland) erobert hatten, zog sich die Rote Armee in die anliegenden Wälder zurück, um von dort aus die deutschen Nachschublinien anzugreifen.
Dem Bürgermeister von Lokot, Konstantin Woskobojnik, wurde daraufhin erlaubt, eine 500 Mann starke Miliz aufzustellen um gegen die Partisanenaktivitäten vorzugehen, welche auch schlagartig nachliesen.
Diese Einheit war zwar nur leicht bewaffnet, doch äuserst schlagkräftig, so schlagkräftig, dass die Rote Armee eine Spezialeinheit in die Stadt schickte, um Woskobojnik zu töten.
Als diese Spezialeinheit, zusammen mit den Partisanen, zum Sturm auf das Rathaus ansetzte, wurde Woskobojnik samt seinem Stab und die wenigen Milizen, die das Rathaus bewachten,  bei den folgenden Kämpfen getötet.
Einer der wenigen Überlebenden war Bronislav Vladislavovich Kaminski, welcher danach zum Kommandanten der Miliz ernannt wurde.

Bronislaw Kaminski war 1903 in St. Peterburg geboren und Sohn einer deutschen Mutter und eines polnischen Vaters. Er war Chemiker und Ingeneur und galt in Russland als "fremdgeborener Intellektueller", weshalb er von den russischen Behören auch als unzuverlässig betrachtet wurde. Als man ihn für einen Spion des Westens hielt, wurde er zu 5 Jahren harter Arbeit in einem Gulag verurteilt.

Nach dem Kaminski das Kommando über die Miliz in Lokot übernahm, kümmerte er sich zu erst um bessere Ausrüstung und besonders um bessere Waffen für die Miliz. So lies er alle zurückgelassenen Waffen rund um Lokot einsammeln, reparieren und an seine Miliz verteilen. Weiters versuchte er sowohl auf offiziellem Wege, als auch von den ansässigen Wehrmachtstruppen, Ausrüstung von den Deutschen zu erhalten.

Nach schweren Kämpfen der Miliz gegen rund 3.000 Partisanen im Raum Komaritchi, wurde die Leitung der Heeresgruppe Mitte auf die Kaminski-Miliz aufmerksam. So wurde Kaminski nach dieser Schlacht mehr Autonomie für sein Gebiet zugesprochen und das Gebiet um Lokot wurde erweitert - es umfasste jetzt 1.700.000 Menschen.
Kaminskis Miliz wurde jetzt von der Wehrmachtsführung als fester Bestandteil der Partisanenbekämpfung betrachtet und so wurden einige Stellen in seinem Stab mit deutschen Offizieren besetzt.

Am 5. Juni 1942 startete Operation "Vogelsang", eine groß angelegte Operation in den Wäldern im Norden von Bryansk, gegen russische Partisanen. Es wurde die Gruppe Gilsa II gebildet, befohlen durch Generalleutnant Werner Freiherr von Und zu Gilsa. Diese Kampfgruppe bestand aus einem Panzerregiment der 5. Panzer-Division, Teilen der 216. Infanterie-Division, der Kaminski-Miliz und Teilen der ungarischen 102. und 108. Leichten Division.
Die Kaminski-Miliz wurde in Einheiten mit Kompaniegröße aufgeteilt und diese dienten als Übersetzer, Führer und kleine Kampfgruppen.
Die Operation fand ursprünglich in der Region um Zhizdra statt und weitete sich während des Sommers und des Herbstes weiter aus, bis die Kampfgruppe Gilsa II im Oktober aufgelöst wurde.
Das offizielle Ergebnis dieser Operation und der ersten Operation an der die Kaminski-Miliz teilnahm:

  • 1.193 getötete Partisanen
  • 1.400 verwundete Partisanen
  • 498 Gefangene
  • 12.531 evakuierte Zivilisten
Die Wehrmacht kam auf 58 getötete und 130 verwundete Soldaten. Insgesamt nahmen 6.500 Wehrmachtssoldaten (inkl. der Kaminski-Mliz) teil.

Kaminskis autonomes Gebiet war schon fast ein ein eigener kleiner Staat und war in der Realität weitaus größer als auf dem Papier. Es hatte seine eigene Industrie und es wurden wieder die Kirchen und Schulen eröffnet. Die deutsche Führung lies Kaminski gewähren, so lange er die deutschen Transporte sicherte und für die erforderlichen Nahrungsmittel für die Wehrmachtstruppen sorgte.
Kaminski nannte seine Truppen nun "Russkaya Osvoboditelnaya Narodnaya Armiya", RONA (Russische Volksbefreiungsarmee), während sie für die Deutschen die Kaminski-Brigade war. Die RONA wuchs nun stetig an und es meldeten sich Freiwillige aus der gesamten Lokot-Region. Hinzu kam,en noch ehemalige Partisanen und Kriegsgefangene. Es dienten aber nicht nur Russen in der RONA, sondern auch Balten, Ukrainer und einige Polen.
Weiters erhielt die RONA nun auch scheres Gerät in Form von Artillerie und 24 T-34/76 Panzern.

Im Sommer 1943, nach dem die Rote Armee größere Erfolge erzielen konnte, kam es in der RONA zu einigen Desertationen und einige Mitglider schlossen sich den russischen Partisanen an. Weiters kam es zu mehreren Mordversuchen an Kaminski. Ein Attentat, dass mehrere Offiziere planten, konnte in letzter Minute verhindert werden. Oberst Hermann Tescke, der im Generalstab der Heeresgruppe Mitte diente,  berichtete später, dass daraufhin vor Kaminskis Hauptquartier 4 ehemalige Mitarbeiter des Offiziersstabs Kaminskis am Galgen hingen.
Nach diesen Vorfällen wurde das deutsche Personal in Kaminskis Stab erweitert um so das Risiko von Massendesertationen zu minimieren und dem Stab eine bessere Struktur zu geben.

Im Frühsommer 1943 nahm die Kaminski-Brigade an mehreren Operationen teil, die zur Vorbereitung der Operation Zitadelle dienten:
  • "Nachbarhilfe": die Soldaten der Kaminski-Brigade übernahmen nur Rollen von nichtkämpfenden Einheiten, andere beteilige Einheiten waren die 98. Infanterie-Abteilung und die ungarische 108. Leichte Division.
  • "Zigeunerbaron": teile der Kaminski-Brigade zusammen mit dem XLVII. Panzer-Korps, 4. Infanterie-Abteilung, 7. Inf.-Abt., 292. Inf.-Abt., 18. Panzer-Abteilung, 10. Panzergrenadier-Division, ungarische 102. Leichte Division und andere kleinere Einheiten.
  • "Freischütz": Teile der Kaminski-Brigade mit Teilen der 5. Panzer-Abteilung, 6. Infanterie-Abteilung, 707. Inf.-Abt., gepanzerter Zug Nr. 4 und mehrere kleinere Einheiten.
  • "Tannenhauser": Teile der Kaminski-Brigade zusammen mit mehreren kleinen Einheiten.
  • "Osterei": Teile der Kaminski-Brigade zusammen mit mehreren kleinen Einheiten.
Das Scheitern der Operation Zitadelle, veranlasste im Herbst 1943 die Kaminski-Brigade samt 50.000 Zivilisten, sich aus ihrem Heimatgebiet in Richtung Westen nach Weissrussland zurückzuziehen - dies geschah zum Großteil zu Fuss. Dadurch kam es zu vielen Desertationen und Störungen des Rückzuges.
Bei einem Vorfall, bei dem der Kommandant des durch Partisanen bedrohten 2. Regiment der RONA, sich den Partisanen anschliesen wollte, soll  Kaminski in das Hauptquartier geflogen sein und den Kommandanten vor den Augen seiner Einheit eigenhändig stranguliert haben.
Nach ihrem Rückzug wurde die Kaminski-Brigade in Lepel im Raum Polotsk stationiert, ein Gebiet, dass von den Partisanen kontrolliert wurde und so kam es wieder zu Kämpfen zwischen der Kaminski-Brigade und den Partisanen.

Die Brigade wurde in Volksheer-Brigade Kaminski umbenannt, kurz bevor sie der Waffen-SS als Waffen-Sturm-Brigade RONA, im Juli 1944, unterstellt wurde. Kamisnki war nun im Rang eines Waffen-Brigadeführer der SS. Die Waffen-SS plante, die Brigade in eine volle Division umzuwandeln und ihr den Namen 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (russische Nr. 1) zu geben.
Sie nahm in den ersten sechs Monaten des Jahres 1944 an diversen Operationen zur Partisanenbekämpfung teil, wie der Operation "Regenschauer", "Frühlingsfest" (7.011 getötete Partisanen und 1.065 erbeutete Waffen), "Komoron" (7.697 getötete Partisanen und 325 erbeutete Waffen, als Teil der SS-Kampfgruppe von Gottberg).

Im Juni wurde die Einheit mittlerweile stark demoralisierte Einheit wieder verlegt, diesmal nach Czestochowa. Sie wurde der SS unterstellt, da sie für die Wehrmacht an der Fronz unbrauchbar war.
Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand (nicht zu verwechseln mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto), bei dem die polnische Heimatarmee einen unabhängigen polnischen Staat errichten wollte, bevor die Rote Armee in Polen einmarschiert.
Daraufhin bildete Heinrich Himmler die Kampfgruppe Reinfarth unter dem Kommando von SS-Gruppenführer Heinz Reinfarth. Diese Kampfgruppe bestand aus Einheiten der SS und Polizeieinheiten, dazu gehörten die Kaminski-Brigade und die Brigade Dirlewanger, und wurde von Posen nach Warschau verlegt.
Allerdings wurde nicht die gesamte Kaminski-Brigae verlegt, sondern vielmehr ein 1.700 Mann starkes Regiment zusammen mit vier T-34 Panzern, einem SU-76 (Panzerjäger und Artillerie-Fahrzeug) und zwei 122 mm-Kannonen. Der Kommandant dieses Regiments wird in diversen Quellen als Frolow, Vrolow oder auch als Trolow genannt.
Das Regiment kam am 4. August in Warschau an und war für den Bezirk Ochota zuständig. Am folgenden Tag sollte das Regiment zusammen mit anderen Einheiten um 8:00 Uhr die polnischen Stellungen angreifen, die allerdings nur mit rund 300 Mann besetzt waren und damit den wohl schwächsten Punkt in der polnischen Verteidigung darstellten.
Als sich die Soldaten um 8:00 Uhr allerdings nicht an ihrer vorgesehenen Position befanden und auch nicht bis 9:30 Uhr dort eintrafen, fand man sie von den Frontlinien entfernt beim Plündern diverser Gebäude.
Als man sie neu formierte und sie nun endlich ihr vorgesehenes Ziel angriffen, kamen sie bis Einbruch der Dukelheit nur ca. 275 Meter weit. Während des Angriffs betraten einige Männer der Kaminski-Brigade ein Krankenhaus für weibliche Krebspatienten und vergewaltigten sowohl das Personal als auch die Patienten. Dabei wurden auch mehrere Menschen erschossen.
Bevor das Krankenhaus dann in Brand gesteckt wurde, wurde es geplündert. Rund 30 Menschen fanden darin den Tod.
Die war allerdings nicht der einzigste Vorfall bei dem es Plünderungen, Vergewaltigungen und Tötungen seitens der Kaminski-Brigade gab - im Kriegstagebuch der 9. Armee steht trocken: "Das 1. Regiment Kaminski [...] zog betrunken von der Reichstrasse bis zur Machorka Fabrik. Kaminski selbst nahm an Plünderungen teil und sagte er sammle für seine "Russische Befreiungs-Kasse."

General Rohr, Kommandeur des südlichen Sektors von Warschau, verlangte von SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski, Kommandeur der deutschen Truppen in Warschau, die Kaminski-Brigade umgehend aus Warschau zu entfernen. Bach-Zelewski wollte selbst diese Brigade loswerden, da sie seine Pläne, den Auftstand zu Untersdrücken, erheblich störten.
Als endlich Verstärkungen eintrafen, wurde die Kaminski-Brigade zurückgezogen. Kaminski selbst wurde unter einem Vorwand von Bach-Zelewski nach Lodz beordert - was danach geschah ist bis Heute nicht vollständig aufgeklärt. Einige Quellen gehen davon aus, dass Kaminski vor ein Kriegsgericht kam und daraufhin erschossen wurde. Andere Quellen meinen, Kaminski sei schon bei seiner Verhaftung durch die Gestapo erschossen worden. Die offizielle Version war, dass Kaminski in einen Hinterhalt der Partisanen geriet und dort gefallen war. Guderian schrieb in seinen Memorien, dass Kaminski wegen seines Vorgehens schon in Warschau erschossen wurde.
Weiters gab es Gerüchte, Kaminskis Soldaten hätten auch zwei deutsche Frauen (Mitglider des KdF - Kraft durch Freude) vergewaltigt und anschliesend getötet, was wohl auch dazu führte, dass Kaminski erschossen wurde.
Durch die Kämpfe in Warschau verlor das Regiment gut 30% seiner Männer und war dadurch nur noch ein schwach bewaffneter Mob.
Durch den Tod Kaminskis wurden auch die Pläne, aus der Brigade eine Division zu bilden, aufgegeben. Statt dessen wurden die Reste der Kaminski-Brigade in die Russische Befreiungsarmee des General Wlassows eingegliedert.
Wlassow machte Oberst Sergei K. Bunyachenko verantwortlich für die Bildung der ersten Division, als aber Bunyachenko die Männer der ehemaligen Kaminski-Brigade sah, schrie er zum deutschen Verbindungsoffizier: "So, dass ist es also was ihr mir gebt: Banditen, Räuber und Diebe! Ihr gebt mir dass, was ihr selbst nicht mehr braucht!"
Alle Offiziere der RONA, bis auf den fähigen Major Kostyenko, wurden aus der Einheit entfernt - was auch das Ende der RONA darstellt.

Auszeichnungen von Kaminski
Eisernes Kreuz 1. Klasse (27 Jan 1944)
Eisernes Kreuz 2. Klasee (27 Jan 1944)
Bandenkampfabzeichen (31 July 1944)
Ostvolk Medaille 1. Klasse (1944)
Ostvolk Medaille 2. Klasse (1944)
Verwundetenabzeichen in Schwarz

Schlachtordnung und Organisation (Februar 1943)
Stab
   Panzer-Kompanie
1. Regiment
   I Bataillon
   II Bataillon
   III Bataillon
2. Regiment
   V Bataillon
   V Bataillon
   VI Bataillon
3. Regiment
   VII Bataillon
   VIII Bataillon
   IX Bataillon
4. Regiment
   X Bataillon
   XI Bataillon
   XII Bataillon
5. Regiment
   XIII Bataillon
   XIV Bataillon
   XV Bataillon

Mannstärke
Dez.  1941
 400-500 
Jan.
 1942
 800
Feb.
 1942
 1.200
Mär. 1942
 1.650
Jul. 1942
 5.000
Dez. 1942
 8.000 - 10.000
Feb. 1943
 9.000 - 10.000
Mär. 1943
 8.000
Aug. 1943
 6.000
Sep. 1943
 12.000 - 15.000
Jul. 1944
 4.000 - 5.000
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