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Das, was zu Beginn des Zweiten Weltkrieges so veraltet aussah und weniger an ein modernes, neues deutsches Heer als vielmehr an die alte Armee des Ersten Weltkrieges erinnerte, nämlich die zu Fuss marschierenden Soldaten und die langen Kolonnen pferdebespannter Geschütze und Fahrzeuge der Infanteriedivisionen, erwies sich spätestens ab dem Ostfeldzug von einem zwar nicht angestrebten, doch unschätzbarem Vorteil. Denn während in d en Sommermonaten die Motoren von mot. Einheiten von Sand und Staub zerfressen wurden, in den Frühjahrs- und Herbstzeiten die mot. Fahrzeuge reihenweise im Schlamm stecken blieben und in den schneereichen Wintern der mot. Verkehr oft völlig zum Erliegen kam: die Pferde kamen immer durch. In keinem Krieg der Weltgeschichte wurden mehr Pferde eingezogen und eingesetzt als im Zweiten Weltkrieg. Der etatmäsige Bestand des deutschen Heeres an Pferden und Maultieren (für die Gebirgstruppen) betrug 1939 bei Kriegsbeginn 537.000. Dann waren es 1940 schon 771.000 Tiere. Im Sommer 1941, kurz nach Beginn des Feldzuges im Osten, erhöte sich die Zahl auf 119 pferdebespannte Infanteriedivisionen, der Tierbestand betrug damit rund 88 % aller eingesetzten Divisionen. Insgesamt waren bereits fast 1 Million Heerespferde in Dienst gestellt.
Unverzichtbarer und teuer Kamerad: Das Pferd
Bei ihnen setzte im furchtbaren Russlandwinter 1941/42 das große Sterben ein. Vom 1. Dezember 1941 bis 15. März 1942 gingen 179.600 Pferde meist durch Kälte und Hunger verloren, während im gleichen Zeitraum nur 20.000 Tiere nachgeschoben werden konnten. Als weiterer Ersatz flossen dann dem Feldheer im Osten für die bisherigen hohen Verluste bis zum 1. Mai 1942 129.000 Pferde zu, darunter etwa 60.000, die in winterlichen Landmärschen über Entfernungen bis zu 1.000 Kilometer herangeführt werden mussten. Da jedoch mit dem Ausfall zahlreicher Kraftfahrzeuge der bedarf an bespannten Einheiten noch gestiegen war, mussten weitere 118.000 Pferde in den besetzten Ostgebieten ausgehoben werden. Darüberhinaus wurden von der Truppe selbst zahlreiche Beutepferde und landeseigene Panjepferde unmittelbar übernommen. So konnte der Pferde- und Tragtierbestand trotz weiterer großer Ausfälle bis 1943 auf 1.380.000 erhöht werden. Insgesamt waren es etwa 3 Millionen Pferde und Maultiere, die von 1939 bis 1945 Dienst getan hatten. 1,7 Millionen von ihnen kamen um, von den übrigen sahen nur die wenigsten die Heimat wieder, sie gehörten zur Beute der Sieger. Dies sind, soweit bekannt, die offiziellen Zahlen. Die inoffiziellen waren nicht zu erfassen, sind aber sicher beträchtlich höher. Etwas noch zu den nciht "etatmäsigen" Tieren, vor allem den russischen Panjepferden: Da besonders im Verlauf des Feldzuges im Osten der bedarf an Heerespferden längst nicht mehr ausreichend gedeckt werden konnte, mussten mehr und mehr auserplanmäsig diese kleinen Pferde eingestellt werden. Sie waren äuserst willig, ausdauernd, unempfindlich gegen Hitze und Kälte und sehr genügsam. Da sie aber von natur aus körperlich schwächer waren, konnten sie nur leichte Lasten ziehen und kamen als Zugpferde für die Artillerie, schwere Waffen und gahrzeuge nicht in Betracht.
Panjepferde
Pferde - sie waren überall mit dabei, diese vierbeinigen Kriegskameraden, in drückender Sommerhitze und frostklirrenden Wintern, im strömenden Dauerregen und tiefen Schlamm. Sie zogen und schleppten stumm und klaglos Hunderte und tausende von Kilometern ihre schweren geschütz- und Fahrzeuglasten, bis sie vor Erschöfung in den Sielen niederbrachen, sterbend am Wegrand lagen und ein Gnadenschuss sie von ihren Leiden erlöste. Sie galoppierten vor Schreck wiehernd unter feindlichem Beschuss und Fliegerangriffen davon, bis sie unter Granattreffern und Bombenexplosionen ihr Pferdeleben lassen mussten. Sie gingen ohne ausreichende Stallungen in eisiger Kälte zugrunde oder verhungerten, weil auch die tüchtigsten und besorgtesten Fahrer nicht genügend Futter beibringen konnten. Sie waren bis zu ihren letzten Kräften die braven, nie versagenden Helfer der Soldaten, ihre besten und treuesten kameraden. In keiner der nach dem Krieg erschienenen Divisionsgeschichten wurden die Pferde vergessen. Hier einige wenige Auszüge:
- 45. Infanteriedivision, Ostfeldzug:
"Feststeht, dass wir den Wert und die Bedeutung des Pferdes ganz besonders in Russland kenn- und schätzen gelernt haben. Ob hier in Sand und Sumpf oder später im tiefen Schlamm, wo die kraftfahrzeuge rettungslos stecken blieben, wo bei sibirischer Kälte die Motoren versagten und im schluchtenreichen Gelände die Räder auf vereisten Steilhängen keinen Halt finden konnten - das Pferd war immer noch am verlässkichsten, um vorwärts zu kommen und oft die letzte Hoffnung...Mann und Pferd waren immer eng verwachsen."
- 83. Infanteriedivison, Ostfeldzug:
"Unser Kamerad Pferd soll bei diesem gedenken unserer gefallenen, verwundeten und vermissten Kameraden nicht vergessen sein. Treu und willig tat es unter dürftigsten Verhältnissen und Entbehrungen jederzeit seine Arbeit."
- 98. Infanteriedivision, Ostfeldzug:
"Ohne die kleinen anspruchslosen Panjepferde und ihre entsprechenden Wagen und Schlitten wäre der gesamte Nachschub bereits im Winter 1941/42 zum Erliegen gekommen."
Quelle: Artikel aus "Das Handbuch der deutschen Infanterie" von Alex Buchner
Themenverwandter Link: Veterinärdienste Externer Link: Pferde im Einsatz bei Wehrmacht und Waffen-SS (Bundesarchiv)
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