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Am Ende des 2. Weltkrieges war der Einsatz von Scharfschützen selbstverständlich geworden, bei den Bodentruppen verbreitete das Feuer der Scharfschützen Angst und Schrecken. Diese Angst war auch begründet: ein Scharfschütze konnte mit wenig Munition und geringem Risiko entdeckt zu werden mehr Männer gezielt töten, als jeder andere Soldat. Am Anfang des Krieges war jedoch die Bedeutung eines Angriffs aus dem Hinterhalt noch nicht erkannt. Die Idee des Einsatzes eines Scharfschützen war aber nicht neu, bereits beim amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurden die besten deutschen Schützen angeheuert um ihre Truppen zu verstärken. Es ist jedoch dem technischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts zu verdanken das der Schütze zum Scharfschützen wurde. Die Einführung von rauchlosem Pulver brachte es mit sich das man einen Schuss schwer ausfindig machen konnte, eine höhere Genauigkeit auf weiten Strecken wurde auch durch die Entwicklung des Zielfernrohrs erreicht, die weltbekannte, deutsche optische Industrie war auf diesem Gebiet führend. Auch 1914, im ersten Weltkrieg, konnte man durchaus Nutzen aus diesen Entwicklungen ziehen. In den Schützengräben waren zusätzlich noch zwei Eigenschaften wichtig, zum einen natürlich die Treffsicherheit und zum anderen eine hohe Geschicklichkeit um sich im Gelände zu bewegen.
Die deutschen Scharfschützen wechselten ihre Angriffsposition bereits nach wenigen Schüssen, so waren sie besonders schwer zu entdecken. Um gegen sie trotzdem eine Chance zu haben, entwickelte Hascet Bridget eine neue Taktik: die britischen Scharfschützen sollten zu zweit zusammenarbeiten, einer war als Scharfschütze tätig während der Andere versuchte mit einem Zielfernrohr den Feind ausfindig zu machen. Langsam holten die Briten den Rückstand im Kampf zwischen den Heckenschützen auf.
Obwohl die britischen und die deutschen Stäbe wussten wie wichtig die Heckenschützen im ersten Weltkrieg waren, wurden sie nach dem Krieg nicht weiter ausgebildet. Da man annahm das Heckenschützen nur in einem Stellungskrieg wichtig waren und zukünftige Kriegstaktiken diesen gar nicht mehr verwenden würden, wurde in den Jahren zwischen den Kriegen in dieser Hinsicht keine Initiative ergriffen. Die großen Erfolge der deutschen Blitzkriegtaktik bestätigten diese Theorie. Als die britischen Truppen im Mai 1940 nach Dünkirchen zurückgedrängt wurden war es wichtig die Deutschen so lange wie möglich aufzuhalten, ihre Scharfschützen schafften es in verschiedenen Situationen die deutschen Truppen in entscheidenden Situationen festzunageln. In Dünkirchen stellten sie ihre Verwendungsmöglichkeit auch in einer schnell agierenden Kriegsführung unter Beweis, das britische Kriegsministerium gründete eine Schule um Offizieren und Unteroffizieren die Techniken eines Scharfschützen beizubringen, die Ausbildung wurde von den den "Lowet"-Pfadfindern auf dem schottischen Gut von Lord Lowet begleitet. Als sehr erfahrene Jäger konnten sich die Pfadfinder auch hervorragend an ihre Beute heranpirschen, ihr Ausbildungsprogramm konzentrierte sich also auf das Erlernen der Bewegungen im Gelände. Der britische Scharfschütze wurde mit der Zuverlässigen, jedoch unspektakulären "Lee Enfield 303" ausgestattet, man entnahm der Serienproduktion die gelungensten Exemplare und brachte ein T-32-Zielfernrohr mit dreifacher Vergrößerung an.
Allerdings wurde den Auszubildenden nahe gelegt sich dem Ziel höchstens 300m zu nähern, dass erforderte von ihnen Mut und äußerste Vorsicht. Die Heckenschützen wurden mit Gesichtsmasken und Tarnkleidung ausgestattet und sie wurden angewiesen auf keinen Fall ihre auffälligen Stahlhelme zu tragen, ihnen wurde beigebracht reflektierendes Material wie z.B. das Metall ihre Gewehrmündungen oder das Glas des Zielfernrohrs abdecken konnten, die Munition musste trocken gehalten werden, da feuchte Patronen beim Abschuss Rauch abgeben, was ihre Position verraten hätte. Wie im ersten Weltkrieg arbeiteten die Scharfschützen in Paaren: einer machte mit einem 20fachen Teleskop das Ziel für den Anderen ausfindig. Die Lowet-Pfadfinder versuchten die klassischen Eigenschaften eines Heckenschützen, wie Kaltblütigkeit, Vorsicht, Selbstständigkeit und eine gute Beobachtungsgabe zu fördern. Die Auszubildenden lernten so flach wie möglich am Boden zu kriechen um keine Schatten zu werfen, so langsam wie möglich zu kriechen um nicht auf sich aufmerksam zu machen, dazu mussten die Ausgebildeten unter schwersten Bedingungen jagen, sie durften nicht schiessen bevor sie sich nicht auf höchstens 50m genähert hatten um ein bloßes Verletzen der Tiere zu verhindern. Die Landbewohner die von klein auf in einer natürlichen Umgebung gelebt hatten brachten schon viele Vorraussetzungen für einen Einsatz als Scharfschütze mit, in der Normandie stellte man fest das Strassenjungen aus dem Osten Londons, die sich mit vielen Tricks durchs Leben schlagen mussten, einen ähnlichen natürlichen Instinkt besaßen. Mit der neuen Ausbildung bereiteten sich die Briten bereist auf den Tag vor, an dem sie in Frankreich gegen die Deutschen zurückkehren würden. Bis es dazu kommen sollte war die deutsche Wehrmacht am Zug.
Im Gegensatz zu den Briten und den Deutschen hatte die Rote Armee ihre Scharfschützen bereits in den dreißiger Jahren weiter ausgebildet, die kaiserliche russische Armee besaß im ersten Weltkrieg noch keine Scharfschützen, so dass die deutschen Heckenschützen an der Ostfront ein leichtes Spiel hatten. Die Erfahrung die man im spanischen Bürgerkrieg mit Scharfschützen gemacht hatte war für die Rote Armee schließlich der Anlass Scharfschützen auszubilden.
Der Finne Simo Hayha
Im Winter 1939 marschierten die Russen mit einer 250.000 Mann starken Streitmacht in Finnland ein - sie versuchten es zumindest. Auf einen Finnen kamen 20 Russen, sie hatten nur wenige Panzer und fast keine schweren Waffen, aber sie besaßen hervorragende Gewehre und wussten wie man sich im Wald bewegte. Im Schnee schlichen sich die finnischen Scharfschützen getarnt an die russichen Truppen heran, nahmen sich ihre Ziele vor und flohen so schnell wie möglich auf ihren Skiern. Da die Russen sich im Wald nicht auskannten konnten sie keine klare Front bilden und wurden aus allen Richtungen beschossen. Viele finnische Scharfschützen waren es gewohnt Eiderenten zu jagen, das Anpirschen lag in ihrer Natur und der Versuch ihre Beute so wenig wie möglich zu beschädigen machte sie zu hervorragenden Scharfschützen. Für Männer wie Unteroffizier Simo Hayha, der Meisterschütze der finnischen 6. Kompanie und bekanntester Scharfschütze der Armee, glich das Jagen von russichen Soldaten der Jagd nach Enten. Hayha war ein kleiner Bauer gewesen der mehrere Auszeichnungen wegen seiner Fähigkeiten erhalten hatte, seine Aktivitäten kosteten die Russen mehr als 500 Mann.
Im Frühling 1940 war Finnland wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit gleichsam erdrückt worden, allerdings musste jedes finnische Leben mit zahlreichen russischen Leben bezahlt werden: es war eine eindeutige Lektion für die Rote Armee. Die Russen forcierten daraufhin die Ausbildung und in der Armee wurden mehr Scharfschützen als in anderen Armeen eingesetzt, sie wurden direkt anderen Kompanien oder Zügen zugeteilt. Das taktische Training der Scharfschützen beinhaltete defensives und offensives Kämpfen, das Hauptziel eines defensiven Angriffs waren Offiziere die das Vorrücken des Feindes koordinierten. Das Aufgabengebiet der Scharfschützen war in der Roten Armee etwas umfangreicher, es umfasste allgemeines Scharfschießen, so wie Angriffe aus dem Hinterhalt mit Zielfernrohren, die Integration der Scharfschützen in die allgemeine Militärtaktik war hier einheitlicher als bei den westlichen Nachbarn. Stalin war selbst an der Entwicklung des russischen Gewehrs für Heckenschützen beteiligt, das einfache, jedoch zuverlässige 7,62mm Monsin-Nagant M91/30 mit einem 4fachen PE-Teleskop.
Das M91/30 war robust genug um den russischen Winter zu überstehen, bei der Operation Barbarossa benutzen die deutschen Soldaten lieber sichergestellte, russische Gewehre, die sie ihren Mausergewehren vorzogen. Bis jedoch die Wehrmacht im September 1942 Stalingrad erreichte hatten die Russen ihre Hausaufgaben beendet. Die Bombardierung der Stadt durch die Deutschen hatte die Stadt in Schutt und Asche gelegt - eine perfekte Umgebung für einen Heckenschützen. Stalingrad wurde zu einem städtischen Wald bei dem sich hinter jeder Tür ein Jäger befinden konnte. So wie im spanischen Bürgerkrieg konnte der Jäger ein Mann, eine Frau oder ein Kind sein. Die Wehrmacht hatte nicht erwartet das die Russen Widerstand leisten würden, jener Kampf der in den Straßen von Stalingrad stattfand war für die deutschen Truppen etwas ganz Neues. Sie konnten auch nicht mit der Geduld und Geschicklichkeit der russischen Heckenschützen konkurrieren, die sich ständig ändernte Front hatte zur Folge das man leicht in einem Versteck gefangen war, die russischen Heckenschützen mussten oft Tagelang ohne Nahrung und Schlaf am gleichen Ort Wache halten an dem sie auch ihre Notdurft verrichteten. Das Überleben in Stalingrad wurde nur durch die eigene Geschicklichkeit ermöglicht, im Gegensatz zum finnischen Winterkrieg hatten die Scharfschützen in diesem Gelände nicht so viele Möglichkeiten feindliche Soldaten abzuschießen, wenn sie von den Scharfschützen der feindlichen Armee bedrängt wurden. Die Bühne war frei für ein Duell: Wassili Saizew war vor Ausbruch des Krieges ein Jäger im Ural, er war sehr verlässlich, hatte eine ruhige Hand und konnte einen Gegenstand sehr lange anstarren ohne zu blinzeln. Im Herbst 1942 war er bereits der beste Scharfschütze der Roten Armee, bald gründete er eine eigene Schule für Scharfschütze in den Ruinen der riesigen chemischen Fabrik Lasur. Als der Erfolg der russischen Scharfschützen die Moral der 6. deutschen Armee auf einen Tiefpunkt brachte, erfuhr die Wehrmacht durch beschlagnahmte sowjetische Zeitungen von Saizew`s Existenz. Die Zeitung der Roten Armee, "Zur Verteidigung unseres Landes", veröffentlichte täglich die Zahl der von Scharfschützen getöteten Deutschen zusammen mit Bildern der "besten Treffer".
Die Wehrmacht reagierte darauf mit der Verpflichtung von Major Konings, dem Oberausbilder der Scharfschützenschule Zossen, in der Nähe von Berlin. Koning sollte Saizew töten und wurde daher nach Stalingrad geschickt, Saizew hörte allerdings von Konings Besuch: nach dem zwei seiner besten Scharfschützen mit der selben Waffe getötet worden waren, wusste er das Konings kein gewöhnlicher deutscher Scharfschütze war. So begannen sie sich gegenseitig zu belauern, beide wussten das es am wichtigsten war den Anderen ausfindig zu machen, war einer von ihnen entdeckt konnte das Duell auch nicht mehr lange dauern. Konings Fähigkeiten waren einzigartig, er bewegte sich wie ein Gespenst durch die Ruinen, nach 4 Tagen glaubte Saizew jedoch Konings Versteck gefunden zu haben, nun musste es ihm nur noch gelingen Konings heraus zu locken. Er verwendete einen gewönhlichen Trick der Scharfschützen: Saizew wartete bis er die Sonne im Rücken hatte. Dann nutze er den Vorteil den zwei Scharfschützen gegenüber einem einsamen Schützen haben: Kulikov, der Partner Saizew)`s, setzte sein Leben aufs Spiel und tat als sei er von Schüssen Konings getroffen, Konings dachte er hätte seine Aufgabe erledigt und verlies eine Deckung. Damit bot er Saizew das Ziel auf das dieser so lange gewartet hatte. [siehe dazu auch die Anmerkung am Ende des Artikels]
Vassili Zaitsev 1942 in Stalingrad
In Stalingrad kämpften russiche Männer und Frauen und die klassische Schlacht des defensiven Angriffs, Saizew und seine Heckenschützen wurden zu Legenden für ihre Taten bei der Verteidigung der Stadt. Später als sich die Rote Armee auf ihren langen Weg nach Berlin begab, gingen die deutschen Heckenschützen in die Offensive und schossen auf Maschinengewehr- und Mörsertruppen um die Vorrückenden, russischen Truppen aufzuhalten. Panzerbrechende Kugeln wurden auf leicht gepanzerte Fahrzeuge und auf die Sehschlitze abgefeuert, allerdings zeigte sich der erfolgreiche Einsatz der Heckenschützen gegen die Rote Armee erst als die Leistungen der Führung der Wehrmacht bekannt wurden. Sie erweiterte ihr Schulungsprogramm und die Zahl der eingesetzten Scharfschützen drastisch, der gute Ruf den die Scharfschützen der Deutschen im ersten Weltkrieg hatten wurde langsam wieder aufgebaut. Die Soldaten lernten auf weite Entfernungen zu schiessen um dem Feind zu zeigen das er sich nicht in Sicherheit befand und sich ergeben sollte. Das Training zur Treffsicherheit war äuserst penibel, die Scharfschützen mussten sehr feinfühlig sein, da an den Abzügen der Schulungswaffen Druckmesser angebracht waren, mit einem Spiegelsystem konnten die Ausbilder die Ausrichtung des Visiers beim Schuss überprüfen. Die Zielfernrohre mussten besonders vorsichtig gehandhabt werden, sie konnten durch den geringsten Stoss verstellt werden. Man experimentierte mit den verschiedensten Waffen, es wurde z.B. versucht Zielfernrohre an halbautomatischen Waffen, wie an der 7,92mm Mauser G-43, anzubringen. Erfahrene Heckenschützen dachten allerdings das eine Halbautomatik unnötig und die Waffen für den ausgebildeten Scharfschützen nicht genau genug wären. Die meisten Scharfschützen zogen die 7,92mm Mauser 98K vor, die mit einem 4fachen Zeiss ZF42 Zielfernrohr ausgestattet war.
Gute Tarnung und Treffsicherheit waren ebenfalls von großer Bedeutung, die Entwicklung von neuen Tarnungsmöglichkeiten wurde intensiviert, auser den gewöhnlichen grün-braunen Tarnjacken die innen weiß waren und im Winter umgedreht werden konnten, wurden unendlich viele Kleidungsstücke für das unterschiedlichste Gelände hergestellt. Um gute Verstecke bauen zu können waren die Scharfschützen mit klappbaren Schaufeln und Infanteriemessern ausgestattet, mit denen sie Folien zur Abdeckung zerschneiden konnten. Was die Wehrmacht in Stalingrad als wichtigste Eigenschaft kennengelernt hatte, war jedoch der gute Instinkt für das Anpirschen. Ein Schulungsfilm zeigte folgendes: ein Scharfschütze muss sich zum Ziel setzen um mit der Natur, die der Jäger gut kennt, eins zu werden. Die Genauigkeit bei großen Entfernungen wurde gleichzeitig in den Bergen von Nordafrika und Südeuropa immer bedeutender. Da die Briten gelernt hatten so nah wie möglich an die Beute heran zu gehen waren sie benachteiligt, manchmal zielten zwei oder mehr Schützen auf das gleiche Ziel um die Trefferchance zu erhöhen.
Die amerikanischen Scharfschützen hatten auf diesem Gebiet allerdings ihre eigene Methode, da Waffen in der amerikanischen Kultur eine große Rolle spielen war eine gute Treffsicherheit selbstverständlicher als in Großbritanien. Also konzentrierte sich die Ausbildung amerikanischer Scharfschützen darauf aus großer Entfernung ein Ziel zu treffen, man musste einen Körper aus min. 400m oder einen Kopf aus 200m Entfernung treffen können. Anfangs waren die Scharfschützen mit einem "30-06 Springfield M1903A4" ausgestattet das der britischen Amfield sehr ähnlich war, es besaß aber ein ziemlich schlechtes 3faches Zielfernrohr ohne Ersatzfernrohr, trotzdem bewährten sich die amerikanischen Scharfschützen in den Bergen von Tunesien und Italien. Die Ausbildung der amerikanischen Scharfschützen war allerdings sehr elementar und das Verhalten im Gelände war nicht wichtig. Das US-Oberkommando hatte sich noch nie auf ein systematisches Schulungsprogramm für seine Scharfschützen konzentriert, einige Intensivlehrgänge fanden hinter den feindlichen Linien statt, wie z.B. die fünfwöchige Ausbildung bei der 41. Panzertruppe in Tunesien. Da es allerdings kein koordiniertes Programm gab, waren die Fähigkeiten der Scharfschützen innerhalb der amerikanischen Armee sehr unterschiedlich und der Erfolg der Scharfschützen bei großen Entfernungen in den Bergen trug wenig dazu bei einen Schulungsbedarf anderer Fähigkeiten deutlich zu machen. Ein Bedarf der sich nach dem D-Day als fatal herausstellen würde. Nach dem die Alliierten im Juni 1944 die Strände der Normandie eingenommen und gesichert hatten, mussten sie aus ihrem eigenen Brückenkopf ausbrechen. Die dichten Hecken des Landes dienten als perfektes Versteck für die deutschen Scharfschützen, so konnten sie das was sie in Stalingrad gelernt hatten unter Beweis stellen. Die Alliierten waren in eine Schlangengrube getreten, sie waren von Scharfschützen umzingelt. Die amerikanischen Truppen waren überrascht, dass Scharfschützen so nah kommen konnten ohne entdeckt und gefangen genommen werden. Dazu begingen die unerfahrenen amerikanischen Truppen den taktischen Fehler sich bei Scharfschützenangriffen sich auf den Boden zu werfen und zu warten bis das Feuer wieder verstummte. Das machte es den deutschen Scharfschützen nämlich leicht sie nach und nach abzuschiessen. Die britischen Truppen waren überrascht das die deutschen Scharfschützen ihre Ziele selbst über große Entfernungen treffen konnten - auch wenn diese Ziele hinter Hecken lagen. Sie versuchten sich Nachts den deutschen Linien zu nähern, in der Dunkelheit waren es häufig möglich sich von dem Duft des "Eau de Cologne" leiten zu lassen, dass viele deutsche Offiziere benutzen. Die Deutschen reagierten in dem sie ein Anschleichen mit Minen an den Hecken verhinderten. Amerikaner und Briten waren den Deutschen im Gelände bei weitem Überlegen, obwohl die Briten besser ausgebildet waren als die Amerikaner, beschränke sich diese Ausbildung oft nur auf Offiziere von denen erwartet wurde das sie ihr Wissen weiter gaben, deshalb lies die Qualität der Scharfschützen zu wünschen übrig.
Die deutschen Scharfschützen verbreiteten hinter den Linien der Alliierten Angst und Schrecken wie die Finnen im Winterkrieg Jahre zuvor. Einige britische Offiziere verkleideten sich als einfache Soldaten um dem Feuer der Scharfschützen zu entkommen, sie trugen Gewehre anstatt Pistolen und versteckten ihre Landkarten und Feldstecher und verdeckten ihre Abzeichen und Winkel. Alledings wurden sie so nicht einmal von ihren eigenen Truppen erkannt, besonders da jeden Tag Verstärkung ankam. So lange die deutsche Linie hielt, bremsten die Scharfschützen den Vormarsch der Alliierten ungemein. Als jedoch die Alliierten aus ihrem Brückenkopf in der Normandie ausgebrochen waren und schneller vorrückten, waren die Scharfschützen nur noch schwer einsetzbar. Im September wiedrum, als sich die Alliierte Front langsam dem Rhein näherte, gewannen die Scharfschützen wieder an Bedeutung. Die Versorgungslinie der Alliierten erstreckte sich über 400km an der Küste der Normandie entlang, Kolonnen von Lastwagen die Treibstoff und Munition transportierten mussten durch gefährliche Gebiete fahren, diese Gebiete waren von deutschen Scharfschützen durchsetzt und wurden von amerikanischen Lastwagenfahrern "Indianerland" genannt. Die Angst vor feindlichen Scharfschützen verstärkte noch das allgemeine Unbehagen gegenüber den Scharfschützen. Für die übrigen Soldaten in der Armee waren die Scharfschützen eine eigene Rasse, reguläre Infanterie auf beiden Seiten distanzierten sich sogar von ihren eigenen Scharfschützen. Eine der Aufgaben der Scharfschützen war die Position des Feindes auszuspähen und an die eigene Einheit weiterzuleiten, der Rest der Truppe war einer Gruppendisziplin unterworfen die für die Scharfschützen nicht relevant war. Der Scharfschütze war ein Einzelgänger, er war auf sich selbst gestellt und musste aus eigenem Antrieb heraus sein Leben verteidigen. Er musste genau wissen was um ihn herum vorging, die Glut einer Zigarette konnte sein Leben kosten wenn sich ein paar hundert Meter weiter ein feindlicher Scharfschütze aufhielt.
Man brauchte gute Nerven um an Ort und Stelle zu bleiben - auch wenn die feindlichen Truppen so nah waren das man sie riechen konnte. Die regulären Truppen empfanden den Angriff aus dem Hinterhalt aber als Unfair, man war allgemein der Meinung das die meisten Soldaten unwillkürlich und fast ausversehen töteten, es war quasi nur ein Zufall wenn ein Soldat in ihre Schussrichtung geriet. Ein Scharfschütze suchte sich seinen Mann selbst aus, er wusste wer er war: wurde ein Freund von einem Scharfschützen getötet, war dies persönlicher zu nehmen als wenn er von automatischem Feuer getroffen worden war. Der Scharfschütze erledigte seine Arbeit jedoch wie andere Soldaten auch, die meisten Scharfschützen hatten ein ruhiges Gemüt mit einer nüchternen Einstellung ihrer Arbeit gegenüber. Wenn man sich einmal ein Ziel ausgesucht hatte, musste das Töten schnell und genau, oder garnicht ausgeführt werden. Wenn möglich wurde immer auf den Kopf gezielt, zu verwunden wäre heuchlerisch und gefährlich gewesen. Auser Angst spürte der Scharfschütze lediglich den Anstieg des Adrenalinspiegels eines Jägers der seine Beute sieht, in diesem Moment des Innehaltes wurde das Gehör geschärft, die Nerven gestärkt und Moral oder Ethik spielten keine Rolle mehr - so hätte es zumindest sein sollen: aus nächster Nähe war es jedoch auch für viele kaltblütige Scharfschützen schwer einen kühlen Kopf zu bewahren, allerdings mussten die Befehle befolgt werden. Immerhin trugen die Scharfschützen nicht zum Töten der vielen Zivilisten bei, die gerade im 2. Weltkrieg in noch nicht gekannten Ausmas in Kampfhandlungen verwickelt wurden. Für einen normalen Soldaten gingen die Scharfschützen jedoch einer unehrlichen und unfairen Aufgabe nach. Die amerikanischen Truppen hatten eine besondere Wut auf die Heckenschützen, da sie sich Positionen aussuchten von denen sie die alliierten Soldaten tagelang beschießen konnten, bevor sie sich ergeben mussten wenn ihre Rationen knapp wurden. Hitler hatte den Befehl erlassen das feindliche Scharfschützen getötet werden sollten, auch die Alliierten waren dieser Meinung: General Bradley sagte privat das er gegen keinen Soldaten vorgehen würde, der einen in Gefangenschaft genommenen Scharfschützen "schlecht" behandelte.
1944 führte die Wehrmacht ein besonderes Abzeichen für Scharfschützen ein, dass als Ansporn an der Westfront dienen sollte. Es gab 3 Stufen: - Stufe 3 für 20 Abschüsse - Stufe 2 für 40 Abschüsse - Stufe 1 für 60 Abschüsse Es war nicht überraschend das die Wenigen die diese Abzeichen bekamen es nur selten trugen, es hätte tödlich ausgehen können wenn man mit einem Scharfschützenabzeichen in Gefangenschaft geriet.
Es gab allerdings ein Gebiet in dem die Scharfschützen es leicht vermeiden konnten in Gefangenschaft zu geraten - der Dschungel, ein Irrgarten in dem Formen, Täuschungen und Geräusche aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheinen - eine Welt wie sie für Scharfschützen gemacht ist. Im Dschungel war es wichtig saich richtig zu verstecken, das Scharfschützentraining der Japaner beschränkte sich nicht auf das heranpirschen sondern konzentrierte sich auf das Erlernen von Methoden eine Position durch natürliche Materialien zu tarnen. Scharfschützen wurden mit Kletterspikes ausgestattet und banden sich manchmal tagelang an einen Baum, die japanischen Scharfschützen konnten unbequeme Stellungen viel länger aushalten als die alliierten Soldaten. Diese gute Tarnung ermöglichte es den Japanern die alliierten Truppen vorbei ziehen zu lassen um sie dann von hinten anzugreifen. Die Treffsicherheit der Japaner war nicht gerade perfekt, sie musste es allerdings auch nicht sein - im Dschungel wurde in der Regel aus einer geringen Entfernung von 100m-300m angegriffen, die besondere Fähigkeit der Amerikaner auch aus besonders weiten Entfernungen zu treffen war hier nicht mehr gefragt. Das 6,5mm Arisaka 97 war für amerikanische und europäische Verhältnisse zu schwach. Eine nur kleine Pulvermenge zusammen mit einem ungewöhnlich langen Lauf bedeudete das der Schwefel bereits zum Zeitpunkt des Schusses verbrannte und somit kein Funke zu sehen war. In einer Welt in der Geräusche keine Richtung zu haben scheinen ist es schwierig ohne einen Funken die Position des Schützen ausfindig zu machen. In den Augen der Europäer und Amerikaner hatten die Japaner allerdings noch eine Waffe die sie unbesiegbar machte, die japanischen Scharfschützen schienen den Tod nicht zu füchten, die japanischen Soldaten lernten das der Tod im Kampf ein heldenhafter Tod sei, in Gefangenschaft zu geraten wäre hingegen eine Schande für das Vaterland. Es dauerte aber nicht lange und die vermeintliche Stärke wurde zur lähmenden Schwäche, der Gleichmut mit dem die japanischen Scharfschützen in ein und der seleben Position ausharren konnten bedeudete auch das sie sich nich schnell genug auf neue Taktiken einstellen konnten. Das nutzen die alliierten Trupen geschickt aus und entwickelten verschiedene Taktiken gegen die japanischen Scharfschützen. Amerikanische und australische Truppen schickten zwei Soldaten in die Bäume um die japanischen Scharfschützen, die meist alleine arbeiteten, zu beschießen.
Die entschlossenen aber unflexiblen japanischen Scharfschützen, die oft in einer Position festgebunden waren, wurden zum sitzenden Ziel. Eine andere Maßnahme war, die Panzerkanonen mit Kartetschen zu füllen und in die Bäume abzufeuern. Der allgemeine Standard der japanischen Scharfschützen wurde immer schlechter und mehr und mehr von ihnen wurde gefunden und getötet. Die japanische Einstellung zum Angriff aus dem Hinterhalt unterschied sich stark von der konventionellen Einstellung die besagte das ein Scharfschütze, für den die Selbsterhaltung nicht das Wichtigste war, kein effektiver Kämpfer sein konnte. Der endgültige Test für die japanischen Scharfschützen sollte auf den Inseln im Pazifik stattfinden. Die amerikanische Marine, die unter General McArthur von Insel zu Insel "hüpfte" und sich dem japanischen Festland näherte, führte Scharfschützen innerhalb der Truppen die sich von denen in den amerikanischen Truppen in Europa unterschieden. Sie wurden mit einem verbesserten Springfield A1 mit einem 8fachen Zielfernrohr ausgestattet - die beste Scharfschützenwaffe im zweiten Weltkrieg. Auch war ihre Ausbildung etwas besser, sie lernten das Kartenlesen, die Anfertigung von Militärzeichnungen und Interpretation von Luftfotos, was ihnen den Titel "Kundschafter-Scharfschütze" gab. Da bei der Landung an den Stränden defensives verhalten nicht gefragt war, mussten die Kundschafter-Scharfschützen oft mit in die Offensive gehen. Auf Tarawa im November 1943 wurden die Kundschafter-Scharfschützen gemeinsam mit den Stoßtruppen der anderen Truppen vorausgeschickt um die japanischen Verteidigungsstellungen an der Küste zu zerstören, auf Sai-Phan und Okinawa griffen sie ebenfalls feindliche Befestigungen an. Auf Tarawa jedoch wurden die Scharfschützen stundenlang von besser getarnten, japanischen Scharfschützen an den Stränden festgehalten. Die Ausbildung der Scharfschützen der Marine beschäftigte sich auch mit den Anti-Scharfschützen-Techniken, die Ausbildung unterschied sich jedoch sehr von der Realität, so wurde beispielsweise versucht mit Hilfe von Hunden die feindlichen Scharfschützen aus ihrem Versteck zu holen. Auf den Inseln gruben sich die Japaner oft in den Boden ein, manchmal erstellten sie ein kompliziertes Grabensystem das mehrere Verstecke miteinander Verband. Im Vergleich dazu waren die Taktiken der Amerikaner eher bescheiden, trotzdem waren sie insgesamt erfolgreicher und nach und nach ergaben sich die Scharfschützen und reguläre Infanterie. In dieser Zeit gab es nur noch wenige Unterschiede im totalen Krieg, ein Scharfschütze war eben nur eine weitere Leiche. Bis 1945 hatten die Scharfschützen, egal ob ihr Land siehte oder verlor, ihre Bedeutung demonstriert und ihre Rolle in späteren Konflikten gesichert. Kurz vor Ende des Krieges begann die Wehrmacht Infrarotfernrohre zu erforschen, im Februar 1945 wurde verspätet das erste Produktionsmodell vorgestellt, dass für halbautomatische Waffen entwickelt worden war.
Der Scharfschütze bleibt für viele eine zwiespältige Gestalt, er sah sich selbst als Jäger und Handwerker. Die Freunde seiner Opfer sahen ihn als zynischen Mörder. Millionen von Zivilisten, die von den verschiedensten Waffen, von Bomben bis zum Zyklon B-Gas, getötet wurden, hätten wahrscheinlich überlebt - wäre der Krieg nur von Scharfschützen bestritten worden...
[Das Duell in Stalingrad zwischen Zaitsev und Koning] Dieses Duell (verfilmt unter dem Titel "Duell: Enemy at the Gates") ist nicht komplett belegt, es gibt kaum Beweise dafür das dieses Duell tatsächlich stattgefunden hat. Man geht davon aus das der Kampf zwischen Zaitsev und Koning von der sowjetischen Propaganda erfunden wurde um den Heldenkult von Saitzew weiter zu födern. Vom deutschen Scharfschützen gibt es in diversen Büchern nicht belegte Berichte, dieser wird dort Koning, Konings, König (im Film) oder Thorvald genannt.
Erfolgreichste deutsche Scharfschützen
Sepp Allerberger
Matthäus Hetzenauer, Tirol Ostfront 1943-45 345 bestätigte Abschüsse K98, 6x, G43 4x Sepp Allerberger, Salzburg Ostfront 1942-45 257 bestätigte Abschüsse russ.Scharfschützengewehr, K98 6x Helmut Wirnsberger, Steyr Ostfront 1942-45 64 bestätigte Abschüsse K98 1,5x, K98 4x, G43 4x. nach einer Verwundung war er Lehrer für Scharfschützenkurse
Quellen: Peter Brookesmith: Scharfschützen. Geschichte - Taktik - Waffen Albrecht Wacker: Im Auge des Jägers. Der Wehrmachtsscharfschütze Sepp Allerberger Dokumentation "Scharfschützen - Bedrohung Aus Dem Hinterhalt", erschienen bei Eagle Rock Entertainment, 1999 Engl. Original Text: Peter Davidson, Lyn Beardsall, Lucy Bartlett, Michael Dolan. Aus dem englischen übersetzt durch Billie Bierling.
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