Wehrmacht Artillerie Beobachtende/Aufklärende Artillerie
Beobachtende/Aufklärende Artillerie
Neben den VB zur unmittelbaren Feuerunterstützung der Kampftruppe verfügte die Artillerietruppe für den „Allgemeinen Feuerkampf“ der schweren Artillerieverbände gegen Feindziele, vornehmlich die feindliche Artillerie, auch über Beobachtungsabteilungen mit Vermessungs- Lichtmess-, Schallmess- und Ballon-Batterien.
Bis 1942 wurden noch wie im Ersten Weltkrieg durch Feldluftschiffer an Seilwinden befestigte Fesselballons zur Artilleriebeobachtung eingesetzt. Danach wurden nur noch Nahaufklärungsflugzeuge wie Fi 156 Storch, FW 189 Uhu und HS 126 für die Luftbeobachtung eingesetzt.
Arbeiteten die Ballon-Batterien mit Luftbeobachtern, die ähnlich wie die VB Feindziele per Augernbeobachtung orteten und meldeten, so setzten Schall- und Lichtmess-Batterien aufwändige technische Verfahren zur Zielortung ein.

Schallmesstruppe


Beim Schallmessverfahren wurde parallel mit an verteilten Geländepunkten aufgestellten Mikrofonen die Abschussdetonation feindlicher Geschütze aufgezeichnet und zeitlich präzise abgeglichen. Nah an der HKL eingesetzte Vorwarner alarmierten die Messstellen, welche daraufhin mit Mikrophonen den Knall aufnahmen. Aus den verschiedenen Messzeitpunkten ließ sich anhand der Schallgeschwindigkeit die gegnerische Feuerstellung ermitteln und als Zielmeldung an die Feldartillerie weitergeben.

Lichtmesstruppe


Ähnlich war das Prinzip der Lichtmessung, das bereits 1915 entwickelt worden war. Jede Lichtmessbatterie verfügte über fünf Beobachtungsgruppen, die an der HKL verteilt den Detonationsblitz feuernder Feindgeschütze anpeilten und auf die Karte übertrugen. Aus dem Gesamtbild ergab sich nun ein graphisches Fehlermehreck, in dessen Mitte die feindliche Batterie geortet und dann zerschlagen oder niedergehalten werden konnte.

Wetter- und Kartendienst


Neben der Aufklärungskomponente verfügten die Beobachtungsabteilungen auch über einen Wetter-Zug, der alle zwei bis drei Stunden die Wetterdaten, bezeichnet als „Barbara-Meldung“, benannt nach der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Artilleristen, an die Artillerieverbände übermittelte, damit die aktuellen „Besonderen- und Witterungseinflüsse“ in den Feuerleitstellen bei der Berechnung der Feuerkommandos berücksichtigt werden konnten. Außerdem versorgte der Karten-Zug die Artillerieverbände mit dem notwendigen Kartenmaterial.

Aufklärende Artillerie im Detail


Die Hauptaufgabe der "Aufklärenden Artillerie", gegliedert in Beobachtungs-Abteilungen, von denen in der Regel in der Division eine bestand, war das Orten der verdeckten und getarnte feindlichen schweren Waffen und das Einschießen der eigenen Geschütze auf das Ziel. Bei ungenauen oder fehlerhaften Karten führte die Vermessungs-Batterie die Einmessung der sich ergänzenden Aufklärungs-Systeme durch.
Weiter wurden im meist dreistündigen Rhythmus die Wetterverhältnisse (Windrichtung und -geschwindigkeit, Luftgewicht und Luftdruck) gemessen und als "Barbara-Meldung" an die schießende Artillerie und die schweren Infanteriewaffen gefunkt. Die Schallmess-Batterie erhielt besondere "Schallwettermeldungen".

Zusatzaufgaben der aufklärenden Artilleristen waren das Auswerten von Luftbildern, kleine Kartenberichtigungen, das Bestimmen von auffallenden Punkten im Feindgelände, lagerichtige Angaben von Leuchtzeichen (etwa in der Hauptkampflinie) und die Vorbereitung von Feuerschlägen auf alle gewünschten Punkte innerhalb der Reichweite der Geschütze.

jede Beobachtungs-Abteilung besaß eine Stabs-Batterie, die in Nachrichtenzug (Funk -und Fernsprechtrupps), Wetterzug, Druckereitrupp (herstellen von Karten, Plänen und Koordinatenverzeichnissen im Lichtpausverfahren), Kraftfahrzeug-Instandsetzungs-Staffel, Instandsetzungstrupp für Waffen, Heeresgerät und Fernmeldegerät und den Verpflegungstroß gegliedert war.

Die Vermessungs-Batterie (später Vermessungszug) bestimmter exakt die Standpunkte der weit im Gelände verteilten Mess- und Beobachtungsstellen und Feuerstellungen der eigenen Artillerie sowie sichtbare Festpunkte beim Feind. So entstand ein "Festpunktnetz" als Schießgrundlage der eigenen Artillerie.

Die Schallmess-Batterie unterhielt mehrere mit Mikrophonen ausgestattete Schallmessstellen (Oszillograph), der die von den Mikrophonen aufgenommenen und durch Funk oder Draht weitergegebenen Schallwellen oder Einschlagknallen auf einem Film untereinander aufzeichnete. Der Film rollte mit einer konstanten Geschwindigkeit von 70 mm/sek ab. Er musste natürlich bereits laufen, bevor der Schall bei den einzelnen Messstellen eintraf. Deshalb befanden sich "Vorwarner" mindestens 2 Kilometer feindwärts der Messstellen, die einige Schallsekunden zuvor das Stichwort "Schuss" durchfunkten und so das rechtzeitige Einschalten des Aufnahmegerätes ermöglichten. Aus den "Knallbildern" des Films wurden Zeitunterschiede ermittelt udn die Witterungseinflüsse hinzugerechnet. Auf diese Weise konnten die Koordinaten feindlicher Geschütze erstaunlich genau festgestellt werden.
Die Russen wandten dagegen Tarn- und Täuschungsverfahren an: Die Geschütze einer Batterie schossen in verschiedene Richtungen, oder es feuerte nur ein Geschütz, dazu noch drei "Knallgeräte". Die Schallaufklärung war bis zu einer Tiefe von 30 km möglich.

Die Lichtmess-Batterie hatte ebenfalls bis zu fünf Messstellen auf Divisions-, manchmal auf Korpsebene vertelt. Sie meldeten die genaue Richtung von Mündungsrauch, Mündungsfeuer oder Feuerschein einer Feindbatterie nach Teilstrichen. Drei Schnitte auf dem Auswertungsplan ergaben die feindlichen Feuerstellungen.
Das Bekämpfen von Raketenwerfern (Stalinorgeln) war besonders schwierig, weil sie nach jeder Salve die Stellung wehselten. Dazu leitete die Lichtmess-Batterie das Feuer einer "Überwachungs-Batterie" (ständig feuerbereite Geschütze), die sofort das Wirkungsschießen aufnahm, sobald die Messstelle die Lage des noch feuernden Werfers angeschnitten hatten.

Die Ballon-Batterie besaß zwei Fesselballone von je 1.500 cbm Inhalt. Der Ballon konnte zwei Beobachter tragen und bis auf 2.000 m aufsteigen. Den Schutz vor feindlichen Flugzeugen übernahm die zur Batterie gehörenden 2-cm-Flak. Ab 1942 wurde ein kleinerer Ballon (Beobachtungshöhe: 500 m) mit kleinerer Motorwinde eingeführt, der im Hochmarsch bewegt werden konnte. Aus der Ballon-Batterie wurde später ein Zug. Die Beobachter hatten besondere Ballonfunkgeräte und lieferten ausgezeichnete Aufklärungsergebnisse, Tageseinsätze wurden allerdings durch feindliche Luftüberlegenheit immer schwieriger, deshalb konnten die Ballone gegen Ende des Krieges nur Nachts aufgelassen werden.
Zu dieser Zeit klärten die B-Abteilungen zwar lohnende Ziele auf, doch immer häufiger kam es vor, dass entweder keine Batterien frei oder nicht genügend Munition vorhanden waren, sie zu bekämpfen.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 19:46 Uhr
 

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