Aufklärungsabteilung
Die Aufklärungsabteilungen (teilmot.) mit goldgelber Waffenfarbe stellten einen merkwürdigen gemischten Verband dar. Sie existierten im Frieden nicht und wurden erst bei der Mobilmachung 1939 aus den 13 Kavallerieregimentern gebildet, die den bisherigen Armeekorps unterstanden. Jedes Kavallerieregiment stellte bei Kriegsende etwa drei bis fünf Divisions-Aufklärungsabteilungen und eine Kavallerie-Ersatzabteilung auf, die zunächst im jeweiligen Friedensstandort verblieben. Die Kavallerieregimenter hatten damit aufgehört zu bestehen, sie wurden später jedoch teilweise wieder aufgestellt.
Die Aufklärungsabteilung, auch das »Auge« der Division genannt, sollte voraus aufklären und die Division vor Überraschungen schützen. Hierzu war es im Bewegungskrieg oft notwendig, erst die Überlegenheit im Aufklärungsraum gegenüber feindlichen Aufklärungs- und Sicherungskräften zu erzwingen, manchmal aber auch vor überlegenem Feind auszuweichen und dann an anderer Stelle den Erfolg zu suchen. Die Abteilungen waren darüberhinaus geeignet, in besonderen Lagen offene Flanken zu sichern, ein feindliches Vorgehen zu verzögern und eigene Bewegungen zu verschleiern. Während rascher Vormarschbewegungen wurden sie zusammen mit einzelnen Pionierkompanien, Batterien und Panzerjägern als sog. Vorausabteilungen angesetzt, um rasch wichtige Punkte und Abschnitte wie Brücken, Verkehrsknotenpunkte, beherrschende Höhen usw. in die Hand zu bekommen.
Für diese kurz umrissenen Aufgaben waren die aus den aufgelösten Kavallerieregimentern (daher auch die übernommenen Bezeichnungen »Rittmeister« und »Schwadronen«) entstandenen Aufklärungsabteilungen der Infanteriedivisionen in den ersten Jahren des Krieges ausreichend geeignet, doch verlangte eine so vielseitige Kampfweise von allen Offizieren und Unterführern ein hohes Maß an Entschlußkraft und Verantwortungswillen. Auch war ein solcher gemischter Verband, teilweise motorisiert, zu Pferd oder per Fahrrad, nicht leicht in seiner Gesamtheit zu führen.
Später aufgestellte Infanteriedivisionen erhielten meist eine Aufklärungsabteilung ohne Reiterschwadron, dafür hatten sie eine weitere Radfahrschwadron. Die Panzerspähtrupps wurden durch Aufklärungsteile auf Krädern und Pkw ersetzt.

Die Aufklärungsabteilung hatte eine Gesamtstärke von 19 Offizieren, 2 Beamten, 90 Unteroffizieren und 512 Mannschaften, d. h. eine Gesamtstärke von 623 Mann. Die Bewaffnung bestand aus: 25 IMG, 3 IGr.W., 2 sMG, 3 Pak und 3 Panzerspähwagen. An Fahrzeugen war vorhanden: 7 bespannte HF, 29 Pkw, 20 Lkw, 50 Kräder (davon 28 mit Beiwagen). Der Pferdebestand einschl. der Reiterschwadron betrug 260, tatsächlich waren jedoch häufig weit über 300 Pferde vorhanden.

Gliederung

Die Abteilung hatte folgende Gliederung:

Abteilungsstab mit
  • Kommandeur, Adjutant, Ordonnanzoffizier, Führer des Nachrichtenzuges, Stabs- und Assistenzarzt, Veterinär, Oberinspektor (Führer der Instandsetzungsstaffel), Oberzahlmeister und Stabspersonal (teils beritten, teils mot.).Bemerkenswert ist, daß sich im Kübelwagen des Kommandeurs ein 100 Watt-Sender mit Empfänger befand, der sich auch ausbauen ließ und die Verbindung mit den drei Schwadronen der Abteilung hielt.
  • Melderstaffel mit 5 Fahrrad- und 5 Kradmeldern.
  • Nachrichtenzug mit
    - 1 Fernsprechtrupp (mot.) (1 Kfz. 15)
    - 1 Funktrupp a (mot.) (1 Kfz. 15, 1 großer Funkwagen)
    - 3 Tornisterfunktrupps b (beritten)
    - 1 Fernsprechtrupp (beritten)
    - 1 Nachrichtengerätewagen (bespannt).
    Stärke: 1 Offizier, 29 Unteroffiziere und Mannschaften, 25 Pferde.

1.  Reiterschwadron mit Führer und Schwadronstrupp
  • 3 Reiterzüge mit je 1 Zugtrupp und 3 Gruppen (je 2 Schützen- und 1 IMG-»Abmarsch«), je Gruppe 1 Unteroffizier und 12 Reiter. Die Bewaffnung des einzelnen Reiters bestand wie bei den Regimentsreiterzügen aus dem Gewehr 98 k, das anfänglich in einem Trageschuh rechts am Sattel, dann umgehängt auf dem Rücken getragen wurde. Die im Polen- und Westfeldzug noch mitgeführten Säbel mußten, da kaum noch gebraucht, bereits Ende 1940, teilweise zu Anfang 1941 abgelegt und an die Zeugämter zurückgegeben werden, was aber wohl zunächst nicht einheitlich durchgeführt wurde (die Lanzen waren schon 1928 abgeschafft worden). Die Ausrüstung bestand aus dem Koppel mit 1 Patronentasche links, aus beiderseitigen Packtaschen am Pferd, davon in der rechten Tasche 15 Reservepatronen, Eiserne Ration, 2 Reservehufeisen und Pferdeputzzeug, in der linken Tasche 1 Beutel mit Toilettenartikeln, 1 Reservehandtuch, 1 Paar Unterhosen, 1 Paar Socken und private Kleinigkeiten. Als Vordergepäck befand sich über den Packtaschen Gasmaske, Handspaten, Brotbeutel, Feldflasche und Kochgeschirr. Das Hintergepäck bestand aus aufgeschnallter Zeltbahn, Mantel, Decke und Stallhalfter, rückwärts am Sattel der Stahlhelm. Die Pferde trugen am Hals ihren Freßbeutel. Die 1. bis 3. Gruppe jedes Zuges hatte einen Packpferdeführer mit einem Packpferd, darauf auf der Kruppe verlastet ein IMG, Munitionskästen links und rechts. Die Stärke jedes Zuges betrug 1 Offizier, 42 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 46 Pferde. Die Gefechtsstärke der ganzen Schwadron reduzierte sich jedoch, da beim Absitzen zum Gefecht jeweils ein Pferdehalter zwei Handpferde aus der Feuerlinie bringen musste.
  • Der Troß umfasste 1 bespannte Feldküche, 3 bespannte HF 1,4 bespannte HF 2 (davon 1 Schmiedewagen mit Feldschmiede), 35 Pferde, 1 Solo-Krad, 1 Beiwagenkrad und 28 Unteroffiziere und Mannschaften.
2.  Radfahrschwadron mit Kompaniechef (1 Pkw) und Schwadronstrupp (2 Kräder)
  • 3 Radfahrzüge mit je 1 Zugführer, 3 Meldern und 3 Gruppen (je 12 Mann mit 1 IMG), leichter Granatwerfertrupp (2 Beiwagenkräder)
  • 1 Lkw mit Ersatzrädern und Reparaturwerkstatt.
  • Die Radfahrer hatten das schwere Wehrmachtsfahrrad 38, auf den Gepäckträgern oder vorn am Lenker befanden sich Sturmgepäck und sonstige Ausrüstung, am Fahrradrahmen waren die MG-Kästen befestigt. Gewehre und leichte MG wurden umgehängt über dem Rücken getragen.
  • Dazu kam noch 1 schwerer Zug mit Zugtrupp (3 Beiwagenkräder) und einer sMG-Staf-fel, bestehend aus 2 sMG mit Bedienung auf 8 Beiwagenkrädern. Einschließlich Gefechtstroß mit Feldküche, Verpflegungstroß und Gepäcktroß hatte die Radfahrschwadron eine Gesamtstärke von 158 Mann.
3.  Schwere Schwadron mit Führer und Schwadronstrupp
  • 1 Kavalleriegeschützzug (2 leichte Infanteriegeschütze 7,5 cm) sechsspännig
  • 1 Pakzug (3 Pak 3,7 cm) mot.
  • 1 Panzerspähtrupp (3 leichte Vierrad-Panzerspähwagen nur mit MG bewaffnet, davon 1 Funkwagen
  • Diese 3 leichten Spähwagen waren die einzigen gepanzerten Fahrzeuge in der ganzen Division. Sie erwiesen sich sowohl nach Anzahl als auch nach Stärke als völlig unzureichend.
  • Gefechtstroß mit 1 Feldküche (mot.), 1 Munitions-Lkw, 1 Instandsetzungs- und Ersatzteil-Lkw, 1 Betriebsstoffahrzeug, 1 Beiwagenkrad für Waffen und Geräteunteroffizier und Waffenmeistergehilfe, Verpflegungstroß (1 Lkw) und Gepäcktroß (1 Lkw) sowie je 1 Solokrad für Hauptfeldwebel und Rechnungsführer.
Entsprechend ihrer Hauptaufgabe, entweder zur Aufklärung oder als Vorausabteilung vor der eigenen Division, befand sich die Aufklärungsabteilung während der Vormarschkämpfe ca. 25 bis 30 Kilometer weit voraus oder wurde seitlich der Division in Lücken oder offenen Flanken eingesetzt. Während der Kämpfe im Osten 1941 wurden gewöhnlich drei kampfkräftige Spähtrupps der Reiterschwadron in Stärke von je zwei Gruppen mit einem berittenen Funktrupp auf, sowie links und rechts der Vormarschstraße in einer Breite von etwa zehn Kilometern angesetzt, dazu Radfahrerspähtrupps auf kurze Entfernung, und der Panzerspähtrupp oft mehrmals am Tage auf Seitenstraßen und Nebenwegen. Die Masse der Radfahrschwadron und die 3. Schwadron mit ihren schweren Waffen wurden zum Brechen schwächeren Feindwiderstandes zunächst zurückgehalten.
Als den Aufklärungsabteilungen bereits schon 1942, der Not gehorchend, überwiegend infanteristische Aufgaben übertragen werden mußten, waren sie dazu allzu häufig personell nicht stark genug und darüberhinaus auch zu schwach bewaffnet. Dessen ungeachtet wurden sie als "Divisionsfeuerwehr" oft dorthin geworfen, wo es gerade "brannte" und Not am Mann war. Mit der offensichtlichen Wende des Feldzuges im Osten Anfang 1943 war auch das Schicksal der Aufklärungsabteilungen besiegelt. Nach und nach wurden alle Reiterschwadronen aus den Aufklärungsabteilungen herausgezogen und zu neu errichteten Kavallerieregimentern formiert. Da Aufklärungsaufgaben ohnehin nur noch selten zu erfüllen waren, wurden die restlichen Teile der Aufklärungsabteilungen zu sog. Füsilierbataillonen umgegliedert und verstärkten damit die laufend absinkende infanteristische Kampfkraft der Divisionen.
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