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| Sanitätsdienste |
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In Friedenszeiten waren die Sanitätssoldaten aller Dienstgrade - die "Sanis" - oft verspottet worden als "Pillendreher" und "Rizinusapostel", und nur allzu bekannt war das Lied vom Sanitätsgefreiten Neumann und seiner Wunderheilsalbe. Zahlreich waren auch die Witze über die Herren Ober- und Stabsärzte. Aber als es dann ernst wurde und man in den Krieg ziehen musste und die Gefechte, Kämpfe und Schlachten, besonders während des Feldzuges im Osten, immer schlimmer wurden, da haben unzählige Soldaten stöhnend und felhend in höchster Not und unter größten Schmerzen den Schrei nach dem "Sani" ausgestossen. Und "Sani" wurde bald zum Ehrennamen für alle Sanitätsdienstgrade, Sanitätssoldaten und ebenso für die Ärtze, von denen allen nicht wenige Blut und Leben gaben, um Verwundete und Kranke zu retten und ihnen zu helfen. Die Waffenfarbe für die Soldaten der Sanitätsdienste war dunkelblau, als äuseres Abzeichen trugen sie am linken Ärmel eine Rotkreuz-Armbinde. Sanitätsoffiziere (Ärzte) trugen die gleichen Schulterstücke wie andere Offiziere auch, doch zusätzlich darauf den Äskulapstab. Da natürlich die in Friedenszeiten beim Heer tätigen Ärzte im Krieg nicht ausreichten, wurden ab Kriegsbeginn zahlreiche Ärzte aus dem Zivilleben eingezogen, aus Ärztepraxen, Kliniken und Universitäten, darunter Experten auf allen ärztlichen Gebietn. Junge, neu ausgebildete Ärzte aus der Sanitätsakademie folgten laufend nach. Die Dienstgradbezeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften glich denen der übrigen Truppen, jedoch mit der Bezeichnung "Sanitäts" voraus, also z.B. Sanitätssoldat, Sanitätsgefreiter usw. Zudem trugen Sanitätsdienstgrade auf dem rechten Ärmel den Äskulapstab. Sie leisteten die Hälfte ihrer soldatischen Grundausbildung bei der Truppe, dann folgte eine Ausbildung und Prüfung an einer Sanitätsschule. Die Sanitäts-Mannschaften erhielten ihre Ausbildung in Erster Hilfe bei der Truppe durch die Truppenärzte. Beim Sanitätspersonal dienten im Krieg vielfach Geistliche, Patres, Ordensbrüder usw. Rotkreuz-Schwestern gab es in den Sanitätsdiensten einer Division nicht. Nach Verfügung des OKH vom 23. Mai 1939, wonach alles Wehrmachtspersonal Kombattanten waren, waren auch die Offiziere und Soldaten der Sanitätsdienste bewaffnet, jedoch nur mit Pistolen. Nach dem Genfer Abkommen von 1929 hatten sie das Recht und sogar die Pflicht, im Falle und für die Dauer dringender Gefahr, mit dieser Waffe sich selbst und anvertraute Personen (Verwundete und Kranke) zu verteidigen. Alle Angehörigen der Sanitätsdienste standen zudem unter dem Schutz des gleichen Abkommens und durften nicht angegriffen, beschossen noch zur Erde, Luft oder See in Kämpfe verwickelt werden. Sie hatten daher deutlich sichtbar ihre Rot-Kreuz-Armbinde an den Uniformen zu tragen. Das Rote Kreuz musste auch als Schutzzeichen weithin sichtbar an gebäuden, Zelten, Fahrzuegen usw. die Sanitätszwecken dienten, angebracht sein oder diese durch Flaggen gekennzeichnet werden. Sie durften nur zur Versorgung, Unterkunft und zum Transport von Verwundeten und Kranken verwendet werden. Die Sanitätseinheiten waren geteilt in die Truppen-Sanitätsdienste und die Sanitätsdienste der Division. Zu den Truppen-Sanitätsdiensten zählten: Jeder Schützenzug (oder entsprechend) mit einem ausgebildeten Sanitätssoldaten. In der Kompanie gab es im Kompanie-Trupp einen Sanitätsunteroffizier und einen Sanitätssoldaten, wie waren im Kampf meist beim Bataillonsarzt. Die Sanitätssoldaten, und wenn nötig Hilfskrankenträger, dienten zur Bergung von Verwundeten auf dem Gefechtsfeld. Sie richteten Verwundetennester im Gelände ein, leisteten Erste Hilfe und sorgten für Weiterleitung und Transport mit Tragen und Behelfsmitteln zum Truppenverbandsplatz des Bataillons. Jedes Bataillon bzw. Abteilung hatte einen Arzt (Assistenz- oder Oberarzt = Truppenarzt) mit zwei Sanitätsdienstgraden. Diese San.Gruppe richtete im Gefecht an geeigenten Örtlichkeiten mittels der Truppensanitätsausrüstung einen Truppenverbandsplatz (TVP) ein. Hier leistete der Bataillons-Arzt eine erste fachliche Versorgung wie sachgerechtes Verbinden, Schienen und Lagern, Abbinden und Stillen bei größeren Blutugen, Spritzen und Wundstarrkrampfseren, Abgabe von für den Weitertransport und Ausgabe von Verwundetenzetteln zum Anhängen mit Angabe über die Verwundung und erste Masnahmen. Eine Operationsmöglichkeit gab es auf dem Truppenverbandsplatz nicht. Auf dem Marsch trug der Bataillons-Arzt in einer großen Sanitätstasche die notwendigen medikamente mit sich. Die Spritzen mit den Nadeln wurden in einem kleinen, mit Spiritus gefüllten Behälter aufbewahrt, denn sie konnten natürlich nicht dauernd ausgekocht, d.h. sterilisiert werden. Infektionen gab es auf diese Weise nicht. Zu den Aufgaben der Bataillons- und Abteilungsärzte gehörten in ruhigen Zeiten auch die Beratung der Truppenführer in allen sanitätsdienstlichen Belangen, vorbeugende Masnahmen gegen Krankheiten und Seuchen duch Ausgabe von entsprechenden Medikamenten (z.B. Atebrin und Chinin, jedem ehemaligen Soldaten wohlbekannt) und die Überwachnung der Hygienischen Masnahmen in Unterkunftsbereichen (Küchen, Aborte usw.) sowie Unterricht und gelegentliche Gesundheitsapelle. Zu den Truppen-Ärzten zählte auch der jeweilige Regimentsarzt, meist ein Oberstabsarzt oder Oberfeldarzt. Er hatte die Fachaufsicht über die Bataillons-Ärzte, die Sanitätseinrichtungen bei den Kompanien, Bataillonen und dem Regiment, steuerte den Abtransport von Verwundeten und Kranken, sorgte für entsprechenden Nachschub an Sanitätsmaterial und hielt direkte Verbindung zum Divisionsarzt. Der Regiments-Arzt konnte z.B. in Kampfzeiten auch die Regiments-Musiker las Hilfskrankenträger und Pflegepersonal einsetzen. Von hier ab begannen die Tätigkeiten der Sanitätsdienste der Division, deren Hauptaufgabe eine vollwertige Versorung, und - wenn erforderlich - der Weitertransport verwundeter und erkrankter Soldaten im ganzen Divisionsgebiet war. bemerkenswert ist, dass diese Dienste nicht in einer eigenen Einheit zusammengefasst waren und deshalb auch keinen Kommandeur und Stab hatten. Die einzelnen Einheiten wurden jeweils von Sanitätsoffizieren geführt. Direkter und oberster Vorgesetzter aller San.Dienste war der Divisionsarzt, der auch die Bewegungen und Einsätze der San.Dienste regelte. Die Sanitätsdienste der Division bestanden bei einer gesamtstärke von rund 16 Sanitätsoffizieren (Ärzte) und 600 Mann aus - 1. Sanitätskompanie (bespannt) mit 5 Sanitätsoffizieren, 2 Beamten, 160 Unteroffizieren und Mannschaften (als Sanitätsdienstgrade und -soldaten, Krankenpfleger, Pflegepersonal, Fahrer usw.), dazu 17 bespannte Fahrzeuge, 45 Pferde, 1 Pkw, 1 Lkw, 1 S- und 1 B-Krad, 1 Radfahrstaffel - 2. Sanitätskompanie (motorisiert) mit 184 Sanitätsoffizieren, -dienstgraden und -soldaten mit 4 Pkw, 21 Lkw, 2 S- und 4 B-Krädern. Jede Sanitätskompanie wurde von einem Stabsarzt oder Oberstabsarzt als Kompanie-Chef geführt und bestand aus der Gruppe Führer (Chefarzt und Ärzte) und 3 Zügen. Im späteren Verlauf des Krieges kam noch ein 4. Zug (Entlausungszug) hinzu. Übrigens wurde noch im Polen- und Westfeldzug 1939 und 1940 auch eine Hundestaffel mit Sanitätshunden aus der Mil.San.Hundeschule in Berlin eingesetzt. Der I. Zug jeder San.Kompanie, geführt von einem Internisten, war der Krankenträgerzug. Er half den San.Soldaten und Hilfskrankenträgern der Truppe beim Absuchen des Gefechtsfeldes nach verwundeten. Der Zug richtete im Einsatz auch Wagenhalteplätze (besetzt mit einem Dienstgrad) ein, um Verwundete und Kranke von den Truppenverbansplätzen und San.Revieren zu übernehmen und mit bespannten oder mot. Fahrzeugen zum Hauptverbandsplatz (HV-Platz) zu bringen. Im Bewegungskrieg sorgte dieser Zug ebenso für Verwundeten- und Krankensammelpunkte zur Weiterleitung nach rückwärts. Der II. Zug war der Hauptverbandsplatzzug. Er wurde von einem Chirugen geführt und hatte zur Aufgabe, etwa 3 Kilometer hinter der Front (also etwa auserhalb der Schussweite schwerer Infanteriewaffen), einen HV-Platz einzurichten. HV-Plätze konnten in großen Zelten (mit Operationszelt, behandlungs- und Pflegezelt), im Stellungskrieg auch in schusssicher eingedeckten Bunkern arbeiten ohne Anlehnung an feste Gebäude, wenn diese auch bei Gegebenheit vorgezogen wurden. Dieser II. Zug besas eine in Einsatzkörben verpackte vollständige Operationseinrichtung mit kompletter Beleuchtungsanlange und ein leichtes Feldröntgengerät sowie entsprechende Pflegemöglichkeiten für frisch operierte Soldaten. Der Zug konnte eine oder zwei Operationsgruppen bilden, zu einer OP-Gruppe gehörten: 1 CHirurg, 1 oder 2 Ärzte zum Assistieren, 1 Instrumenteur, 2 Narkotiseure, 2 Sterilisateure, weitere Operationshelfer und eine Pflegergruppe. Der III. Zug jeder San.Kompanie, ebenfalls nach Möglichekit von einem Chirurgen geführt, war der Ergänzungszug und hatte Reservegerät und -material bei sich. Der Zug stellte notwendiges Ergänzungspersonal für die beiden anderen Züge und diente zur Errichtung von Leichtverundeten- und Leichtkrankensammelstellen. Bei jeder San.Kompanie befand sich ebenfalls eine Feldapotheke mit allem nötigen Verbandsmaterial und Medikamenten. Die Apotheke wurde geleitet von einem Heeresapotheker (Beamter) und einem Apothekergehilfen (Sanitätsdienstgrad). Der sog. "Apothekensatz B" wurde von einem 3,5 Tonner-Lkw mitgeführt. Auserdem hatte jede San.Komapnie eine Zahnstation mit einem Zahnarzt und einem Gehilfen. Weiter gehörten zu jeder Komapnie ein Zahlmeister, Schreibstube und eine Feldküche mit Küchenpersonal. Davon musste mindestens ein Koch in der Lage sein, auch Diätkost herzustellen. Beide San.Kompanien waren in der Lage, personal- und ausstattungsmäsig zwei HV-Plätze einzurichten. Auf den HV-PLätzen wurden die Verwundungen gesichtet, Verbände erneuert und kleinere Eingriffe sofort vorgenommen. Die eingesetzten Ärzte waren aber auch in der Lage, dringenste und schwierigste Operationen, z.B. bei Bauchschüssen, Kopfschüssen, Lungendurchschüssen, schwerverletzten Gliedmasen erfolgreich durchzuführen und Scherverwunderte und Schwerkranke zu behandeln, die dann entsprechend gelagert, gepflegt und zu einem Weitertransport vorbereitet wurden. Doch konnten die HV-Plätze wegen des großen Andranges von verwundeten, besonders in Großkampfzeiten, nur Durchgangsstation zu den Feldlazaretten sein. Zu den San.Diensten der Division gehörte weiter ein Feldlazarett (mot.) mit einem Oberstabsarzt als Chef, fünf Ärzten, vier Beamten und 66 Mann San.Personal, dazu 6 Pkw, 11 Lkw und 2 B-Kräder. Feldlazarette wurden mindestens 25 bis 30 Kilometer hinter der Front, meist in Anlehnung an vorhandene Krankenhäuser, Schulen oder größere geeignete gebäude errichtet. Daneben gab es wie bei den HV-Plätzen eigene Operations-, Behandlungs-, Behandlungs- und Pfelgezelte. Hier war der Schwerpunkt der fachärztlichen, d.h. vor allem der chirurgischen und internistischen Behandlung von Schwerverwundeten und -kranken und deren stationäre Aufnahme bis zu einer begrenzten Zeitdauer. Ein Feldlazarett sollte etwa 200 bis 300 Patienten behandlung und Unterkunft für einige Zeit bei laufender Versorgung und ausreichendeer Pflege gewähren, die hier in Betten oder auf Strohsäcke gelegt werden konnten. Angehörige des Feldlazaretts waren auch bei der Trinkwasserversorgung durch eine eigene Trinkwasseraufbereitungsanlage und bei der Ungeziefer- und Seuchenbekämpfung (Entlausungsstation) tätig. Für Infektionskrankheiten wie z.B. bei Ruhr- und Fleckenfieberkranken wurden besondere, vorübergehende Isolierstationen eingerichtet. Die Feldlazarette waren jedoch personell zu schwach bestzt, und bei beweglicher Kampfführung in Vor- und Rückmarschzeiten verschwand mehr und mehr ihr Zweck gegenüber den HV-Plätzen. Auch mussten, weil die Feldlazarette häufig verlegt wurden, eigentlich nicht transportfähige Patienten doch weiter nach rückwärts transportiert werden. Letztlich gehörten zu den San.Diensten der Division noch zwei Krankenkraftwagenkolonnen, geführt von einem Oberleutnant der Leutnant und gegliedert in je 3 Züge, je Zug 40 Mann und 12 Sanitätskraftwagen, allgemein nur "Sankas" genannt, dazu 2 Pkw und 8 B-Kräder. Auch bei Krankenkraftwagenkolonnen waren selbstständige Einheiten und unterstanden unmittelbar dem Divisionsarzt, der auch ihren Einsatz regelte. Die Züge hatten die Aufgabe, verwundete oder Kranke von den Truppenverbansplätzen, HV-Plätzen, Revieren usw. zum Feldlazarett oder anderen rückwärtigen Lazaretten, zu Lazarettzügen, Sanitätsflugzeugen oder Lazarettschiffen zu bringen. Je nach Bedarf wurden sie dabei schwerpunktmäsig ab sog. Wagenhalteplätzen eingesetzt, oder auch den bataillons- und Regimentsärzten vorübergehend zum Abtransport von Verwundeten und Kranken unterstellt. Dazu kamen, wenn diese Fahrzeuge nicht ausreichten oder durch witterungs- und geländemäsige Umstände behindert, eine große Anzahl weiterer Verwundeten-Transportmittel, von denen hier nur einige genannt sein sollen. Im Ostfeldzug bewährten sich auch hier vor allem die leichten Panjewagen, die mit Stroh ausgefüllt und mit einer Plane überdacht, selbst auf längeren Strecken einen verhältnismäsig schonenden Transport ermöglichten. Im Winter wurde der gleichermasen ausgestattete Schlitten zum unersetzlichen Transportmittel. Auch Akjas leisteten gut Dienste. Meldungen über den Aufbau von HV-Plätzen, Feldlazarett und deren Einsatzbereitschaft gingen an den Divisionsarzt, der weiterhin verfügte. Zur Bedetung der Sanitätsdienste und ihrer Einrichtung innerhalb der Division eine kurze Angabe: Abgesehen von den bei der Truppe ausgeheilten leichteren Fällen kehrte 1942/43 von den bis zu den Feldlazaretten überwiesenen Verwundeten- und Kranken rund 47,7 % dienstfähig wieder zur Truppe zurück. Sie waren immer da, die Männer der Sanitätsdienste, stets voller Einsatzbereitschaft und mit dem festen Willen, unter allen Umständen zu helfen. Die Sanitätssoldaten und Krankenträger bargen oft mitten im feindlichen Feuer die Verwundeten und leisteten noch im Kampf Erste Hilfe. Tag und Nacht waren die Fahrer der "Sankas", emist auf den schlechtesten Wegen, unterwegs, um die ihnen anvertrauten Verwundeten und Kranken möglichst rasch zurück zu bringen. Gleich ihnen taten Ärzte und Hilfspersonal unter vielfach widrigsten Umständen auf Truppenverbandsplätzen, Hauptverbandsplätzen und in den Feldlazaretten ohne Pause und bis zum Umfallen ihre schwere Pflicht, bis auch der letzte Verwundete versorgt war. Hunderttausende von deutschen Landsern verdanken Ärzten und Sanitätern gesundheit und Leben. Kommentare (0)
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