Verwaltungs- und Nachschubdienste
Eine Infanteriedivision mußte nicht nur marschieren und kämpfen können, ihre Soldaten mußten auch versorgt werden und alles zum täglichen Leben und Kämpfen Notwendige ausreichend und rechtzeitig erhalten. Und dies galt ebenso für Pferde und Fahrzeuge. Diesen Aufgaben dienten innerhalb der sog. Rückwärtigen Dienste die Verwaltungs- und Nachschubdienste (hellblaue Waffenfarbe). Sie unterstanden der Quartiermeisterabteilung der Division unter dem Ib. Die Führung dieser Dienste hatte ein Intendant, im Divisionsstab als IVa bezeichnet.

Die Verwaltungsdienste (Versorgungsdienste)

Sie gliederten sich bei einer Gesamtstärke von 3 Offizieren, 28 Beamten und 195 Unteroffizieren und Mannschaften in
  • Verpflegungsamt mit 7 Beamten, 15 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 1 Pkw, 3 Lkw und 1 Solo-Krad
  • Bäckereikompanie mit 2 Offizieren (davon einer Kp.Chef), 2 Beamten, 138 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 5 Pkw, 24 Lkw (davon 7 mit Anhänger [davon wiederum 5 mit angehängten fahrbaren Feldbacköfen]), 4 Solo- und 2 Beiwagenkräder
  • Schlächtereizug mit 1 Offizier, 1 Beamten, 42 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 1 Pkw, 6 Lkw, 1 Solo- und 1 Beiwagenkrad, (teilweise auch Schlächtereikompanie in entsprechender Stärke)
  • Feldpostamt mit 1 Feldpostmeister und 17 Beamten, dazu 2 Pkw und 2 Lkw.
Alle diese Dienste waren vollmotorisiert und konnten eine kriegsstarke Infanteriedivision voll versorgen. Zur Selbstverteidigung waren die Soldaten (wie auch bei den Nachschubdiensten) nur mit Handfeuerwaffen (Pistolen und Gewehren, je Einheit ein leichtes MG, später noch Panzernahkampfmittel) ausgerüstet. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben verfügten die Verwaltungsdienste über besonderes Feldgerät. In der Regel, d. h. nach den gegebenen Möglichkeiten, arbeiteten Verpflegungsamt, Bäckerei- und Schlächtereieinheiten in ortsfesten Gebäuden, vorhandenen Brotfabriken, Schlachthöfen usw., um das wertvolle Feldgerät zu schonen. Wo diese Einrichtungen nicht zu finden waren, und dies war in den Weiten Rußlands oft genug der Fall, mußte das Feldgerät kriegsmäßig gedeckt aufgebaut werden. Dazu standen große Zelte zur Verfügung, oft wurde auch auf den schweren Lastwagen mit den festen Kastenaufbauten gearbeitet und produziert. Der Strombedarf für die ganzen Anlagen wurde durch 15,0 kw-Aggregate, die als Sonderanhänger mitgeführt wurden, erzeugt. Für den großen Wasserbedarf von annähernd 15 000 Liter pro Arbeitstag sorgten eigene Wassertankwagen. Alle Einrichtungen, Anlagen und Fahrzeuge befanden sich meist außerhalb der feindlichen Artillerie-Wirkungszone. Da sie aber wegen ihres Umfanges nicht eingegraben werden konnten, mußten sie gegen Fliegerangriffe entsprechend auseinandergezogen und gut getarnt werden. Zum Schutz der Soldaten wurden Splittergräben ausgehoben, und durch ständige Posten und Wachen eine örtliche Verteidigungsbereitschaft sichergestellt, um Räubereien durch die Zivilbevölkerung zu verhindern und heimtückische Überfälle durch Partisanen abzuwehren.
Dieser ganze umfangreiche Geräte- und Fahrzeugpark mußte besonders im Bewegungskrieg häufig auf- und wieder abgebaut werden, um der eigenen Division im Abstand von 20 bis 30 Kilometern jeweils so nahe wie möglich zu sein, dies war besonders bei den späteren Rückzügen schwierig. Rechtzeitige Straßen-, Wege- und Brückenerkundungen waren deshalb ebenso wichtig wie das Auffinden geeigneter ortsfester Anlagen oder günstiger Plätze.

Die Nachschubdienste

Alle gewaltigen Mengen an Verpflegung, Munition, Futter, Bekleidung, Kampfmitteln aller Art und sonstigen Verbrauchsgüter mußten natürlich laufend antransportiert, befördert und mitgeführt werden bis zu den eingerichteten Ausgabestellen an die Truppe. Dies war Aufgabe der Divisions-Nachschubtruppen unter dem Befehl des Divisionsnachschubführers (Dinafü) im Rang eines Majors. Sein Stab (zur Hälfte, die andere Hälfte befand sich beim Divisionsstab Ib) bestand aus Adjutant, z.b.V. Offizier, Oberzahlmeister, Kolonnenarzt und Kolonnenveterinär sowie 24 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 4 Pkw, 3 Lkw, 3 Solo- und 1 Beiwagenkrad. Dem Dinafü unterstanden
  • 1. bis 3. kleine Lkw-Kolonne mit 3 Offizieren (Kolonnenführer) und 90 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 3 Pkw, 33 Lkw (31), 3 Solo- und 6 Beiwagenkräder. Das gesamte Beladevermögen je Kolonne betrug ca. 30 t.
  • 4. bis 6. bespannte Kolonne mit 3 Offizieren (Kolonnenführer) und 90 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 36 zweispännige Heeresfahrzeuge (Ladegewicht je 700 kg), dazu 3 Pkw, 3 Solo- und 3 Beiwagenkräder
  • 7. Betriebsstoffkolonne mit 1 Offizier (Kolonnenführer) und 34 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 1 Pkw, 11 Lkw (Fassungsvermögen 25 cbm Sprit), 1 Solo- und 2 Beiwagenkräder
  • Nachschubkompanie mit 5 Offizieren und 240 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 1 Pkw, 14 Lkw, 1 Solo- und 6 Beiwagenkräder
  • Werkstattkompanie mit 1 Offizier (Kp. Führer), 7 Beamten bzw. Ingenieuren und 94 Unteroffizieren und Mannschaften, dazu 6 Pkw, 19 Lkw (4 davon mit Anhänger), 1 Solo- und 5 Beiwagenkräder. Die Kompanie gliederte sich in Werkstattzug, Waffenmeisterzug und Kfz.-In-standsetzungszug.
  • Trosse.
Die Aufgaben der Kolonnen im Zusammenhang mit den Verwaltungsdiensten wurde bereits kurz umrissen, wobei der Divisionsnachschubführer den Einsatz der Kolonnen zu koordinieren und zu regeln hatte.
Die Nachschubkompanie stellte insbesondere das Personal für die Einrichtung der verschiedenen Ausgabestellen, meist in Form einer Verteilerspinne, die von den V-Trossen der Einheiten angefahren wurden.
Die Aufgaben der Werkstattkompanie sollen ebenfalls an einem Beispiel aufgezeigt werden: 6. Infanteriedivision: Die Werkstattkompanie 6 machte im ersten Jahr des Ostfeldzuges 1941/42 wieder betriebsbereit: mit dem Werkstattzug 442 Bespannfahrzeuge, 54 Feldküchen und 181 Fahrräder; der Waffenmeisterzug setzte instand: 1 191 Handwaffen, 699 MG, 171 schwere Infanteriewaffen und 70 Geschütze; der Instandsetzungszug machte wieder fahrbereit: 999 Pkw, 430 Lkw, 787 Kräder und 342 Sonderfahrzeuge.
Die wenigen aufgezeigten Beispiele mit ihren Zahlen, wie sie ähnlich für alle Infanteriedivisionen galten, zeigen, daß auch die Verwaltungs- und Nachschubdienste kein faules »Etappenleben« führen konnten, zumal sie besonders im Ostfeldzug vor ungeheure Klima-, Wetter- und Wegeschwierigkeiten gestellt wurden und sich zudem im rückwärtigen Divisionsgebiet häufig gegen Partisanenüberfälle und durchgebrochene Feindteile mit ihren wenigen Handwaffen zur Wehr setzen mußten.
Sie taten abseits der großen Ereignisse, entfernt von Gefechten und Schlachten, im Hinterland unbekannt und ungenannt selbstverständlich ihre Arbeit, bei der es weder Auszeichnungen noch ruhmvolle Berichte zu ernten gab, und ohne die dennoch der Landser vorn an der Front nicht hätte leben und kämpfen können. Ihn tagaus, tagein, Woche für Woche, Monat um Monat, Jahr um Jahr auf Vormärschen, im Stellungskrieg und bei Rückzügen unter selbstlosem Einsatz nach größter Möglichkeit mit allem, was er brauchte, zu versorgen, das war ihre stille, doch große Aufgabe, die sie oft unter den schwierigsten Bedingungen erfüllen mussten.
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