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| Bekleidung innerhalb der Wehrmacht |
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Vor allem im Krieg kam es immer wieder zu teils erheblichen
Abweichungen von Bekleidungsvorschriften, wenn sich Soldaten ihre
Uniform abändern ließen. Gerade bei Kammerstücken findet man immer
wieder nachträglich vorgenommene vorschriftswidrige Modifikationen,
denn Schneideranfertigungen berücksichtigten den persönlichen Geschmack
und modische Einflüsse bereits von vornherein, wobei auch sie nicht
immer den Vorschriften entsprach. Überhaupt herrschte in der Wehrmacht weit weniger Uniformität als allgemein angenommen wird. Denn zum einen wurden unterschiedliche Muster des gleichen Bekleidungsstücks nebeneinander getragen, von denen nur ein Teil den Verfügungen gemäß abgeändert worden war. Dazu kamen die bereits erwähnten Eigenmächtigkeiten bei der Auslegung der Bekleidungsvorschriften, sowohl bei eigenen wie auch bei dienstlich gelieferten Stücken. Außerdem wurde in der Wehrmacht verschiedenes Material von fremden Heeren weiter verwendet, das vom Schnitt und der Farbe her nicht immer den deutschen Uniformen entsprach, und schließlich muss noch berücksichtigt werden, dass sich auch der Farbton des feldgrauen Grundtuchs zwischen 1933 und 1945 zunehmend veränderte. KammerstückeDazu zählen sämtliche dienstlich geliferten Bekelidungs- und Ausrüstungsstücke, die das Heer den Unteroffizieren und Mannschaften für die Dauer ihrer Dienstzeit unentgeltlich und leihweise zur Verfügung stellte. Diese wurden in der Bekleidungskammer gelagert und aufbewahrt, daher auch der Name "Kammerstücke". Unter gewissen Voraussetzungen konnten auch Offiziere Stücke aus Truppenbeständen beziehen, mussten diese jedoch bezahlen. Beschaffung und Ausgabe Mir der Mobilmachung 1939 wurde das Kriegsheer aufgestellt, das aus dem Feld- und dem Ersatzheer bestand. Letzteres umfasste die Ausbildungs- und Ergänzungstruppenteile für die im Fronteinsatz stehenden Verbä,nde des deutschen Feldheeres, während das Feldheer selber hauptsächlich aus den kräften zum beweglichen Einsatz im Felde bestand. Beschaffung, lagerung und Ausgabe der ganzen Dienstbekleidung erfolgten entsprechend dieser Unterteilung: A) Friedensheer und Ersatzheer Für die Beschaffung sämtlicher Bekleidung udn Ausrüstung war die Amtsgruppe für Ersatz- und Heerwesen (Heeresbekleidungsabteilung) im Allgemeinen Heeresamt zuständig. Lagerung und Ausgabe der Stücke an die Truppe war allerdings Sache des Heeresverwaltungsamtes (bei der Bekleidung nur bis 1937). Beide Stellen hatten ihren Sitz in Berlin, doch das Heeresverwaltungsamt hatte darüber hinaus auch in jedem der 15 Wehrkreise nachgeordnete Dienststellen. Die von den Herstellerfirmen gelieferte Bekleidung und Ausrüstung wurde von den zuständigen Abnahmeinspektionen auf Qualität und Vorschriftsmäßigkeit überprüft, bevor sie übernommen und auf die einzelnen Heeresbekleidungsämter verteilt wurde. Hier wurde das gesamte Material gelagert und je nach bedarf an die zugeordneten Wehrkreise weiter geleitet. B) Feldheer Der für die Front bestimmte Nachschub wurde in den Armee-Nachschublagern, zu denen auch Bekleidungsdepots gehörten, zusammengefasst. Die Zentralstellen für das Nachschubwesen beim Feldheer waren nämlich die Armeen. Der jeweilige Oberquartiermeister, bei dem die Bedarfsmeldung der unterstellten Divisionen zusammenliefen, sorgte dann für die Verteilung des benötigten Materials. Dieses wurde von den Depots in den Einsatzraum der Division transportiert, wo entsprechende Ausgabestellen eingerichtet worden waren. Je nach Lage holte dann entweder die Nachschubkolonnen der Truppenteile ihren bedarf ab oder aber die Divisionskolonne belieferte die vorne eingesetzten Truppen direkt. Instandhaltung und Reparatur Für die Erhaltung und Pflege der Dienstkleidung, die ja Eigentum des Reiches blieb und nur leihweise ans sie ausgegeben wurde, waren Mannschaften und Unteroffiziere selber verantwortlich. Das dafür erforderliche Näh- und Schuhputzzeug wurde ihnen ebenso wie Lederfett zur Verfügung gestellt. In jeder Einheit gab es außerdem einige Handwerker (Schneider, Schuster und Sattler), die sich jener Stücke annahmen, die von den Männern nicht selber ausgebessert werden konnten. Was auch dese handwerker nciht mehr instand setzen konnten, wurde an im Bereich der Division liegende Bekleidungswerkstätten geschickt oder ins Reichsgebiet (im Fireden). Sobald der Schaden behoben war, ging das Material auf den gleichen Wegen wieder an die Truppe zurück. Ahc die Offiziere mussten sich um die Instandhaltung ihrer Uniform und Ausrüstung selber kümmern. Dabei standen ihnen, genau wie den Uneroffizieren udn Mannschaften, die Dienste der Kompanieschneider, -schuster und -sattler zu, um Reparaturen oder Abänderungen an der Uniform udn Ausrüstung durchführen zu lassen. Stoffe Die dienstlich gelieferten feldgrauen, steingrauen (Hosen) und schwarzen (Panzer-Sonderbekleidung) Uniformstücke wurden aus sog. Grundtuch gefertigt. Bei diesem handelte es sich um ein gemisch aus Wolle und Ersatzspinnstoff, wobei sich das jeweilige Mischverhältnis nach der Art des Kleidungsstückes bzw. dem Produktionsjahr richtete. So legte eine Herstellungsvorschrift vom Oktober 1936 fest, dass Rocktuch zu 80%, feldgraues Feldblusentuch zu 90%, Hosentuch zu 100% und Mützentuch zu 70% aus Wolle (Schurwolle) zu bestehen habe. Die Rohstoff lage im Reich verschlechterte sich während des Krieges zusehens, was dazu führte, dass immer mehr Ersatzspinnstoffe (u.a. auch Kunstfaser) unter die Tüche gemischt wurden. Das hatte nicht nur negative Auswirkungen auf die Qualität (und damit den Tragekomfort) der Kleidungsstücke, sondern auch auf den Frabton. War das Feldgrau der Uniform vor dem Krieg noch ein stark grünliches grau, so entwickelte es sich im Verlauf des Krieges zu einem bräunlichen Olivgrün. Die feldgrauen bzw. bläulich-dunkelgrünen Krägen der Blusen und Mäntel wurden bis 1940 aus sog. Abzeichentuch gefertigt, das dünner und feiner als das Grundtuch war. Es bestand ebenfalls zu 90% aus Schurwolle, der Rest war Kammgarn. Einige Kammerstücke waren aus Gabardine, das ebenfalls eine Mischung von Wolle und Ersatzspinnstoffen war, wurde u.a. für Schirmmützen verwendet. Drillichstoff (auch Drilch genannt) hingegen bestand aus robustem Leinenmaterial mit Fischgrätenmster. Anfangs wurden natürlich in erster Linie Drillichanzüge daraus gefertigt, später wurde es aber auch für Sommer-Feldanzüge verwendet. Für die Unterfütterung von Feldblusen udn Mänteln kam bis 1941 gewöhnlich ein graubrauner Baumwollstoff zum Einsatz, während danach zunehmend graue oder graubrauen Kunstseide verwendet wurde. Das Futter der Schirmmützen war aus Kustseide oder Baumwollstoff udn stets in einem bräunlichen Ton, der von gelblich bis havannebraun reichte. Das Hosenfutter bestand meist aus weißer Baumwolle. Kennzeichnung Sämtliche von der kammer ausgegebenen Uniformstücke trugen den sog. Kammerstempel, auf dem sich unterschiedliche Angaben fanden. Dazu gehörten etwa die Abnahmedienststelle, der Truppenstempel, die größenbezeichnung und das Beschaffungsjahr. Die Hersteller lieferten ihre Uniformstücke mit einem Papieretikett auf der Innenseite aus, auf dem ihr Name und die Größe angegeben waren. In den Bekleidungsämtern wurden diese Informationen dann mit schwarzer Tinte in das Futter eingestempelt. Neben dem Kürzel des jeweiligen Bekleidungsamtes finden sich auch die beiden letzten Ziffern des Jahres, in dem das Stück ausgeliefert worden war. Die Stempelung "M.44" besagt bspw., dass das Stück 1944 an das Bekleidungsamt München ausgeliefert wurde. Größen Im Futter war auch die Größenbezeichnung des jeweiligen Bekleidungstückes vermerkt, mit schwarzer Stempelfarbe bzw. weißer oder roter, wenn der Grund zu dunkel war. Mäntel, Feldblusen und -jacken, Dienströce etc. trugen gewöhnlich 5 Angaben (in Zentimetern), die gewöhnlich links innen aufgestempelt waren: Rückenlänge, ganze Länge, Brustweite, kragenweite und Ärmellänge. Bei Schirm- und Feldmützen und anderen Kopfbedeckungen wurde hingegen nur die Knopfweite angegeben. Hosen trugen nur 4 Angaben (Schritt- und Seitenlänge, Leib- und gesäßweite) rechts innen am Bund. Herstellerstempel Über der Größenbezeichnung wurde in den Heeresbekleidungsämtern ein Stempel zum Herstellernachweis angebracht, obwohl sich diese Angaben mitunter auch auf der Verbandpäckchentasche finden. Bis Ende 1942 wurde Namen und Standort der Hersteller noch unverschlüsselt angegeben. Um jedoch zu verhindern, dass feindliche Nachrichtendienste aus solchen Angaben Rückschlüsse über die deutsche Rüstungsindustrie ziehen konnte, wurde fortan nur noch die entsprechende Reichs-Betriebsnummer (RB-Nr.) angegeben, ein mehrstelliger, aus drei Zahelngruppen bestehender Herstelelrcode, der jedem Rüstungsbetrieb des Reiches zugeteilt worden war. Nicht nur große Textilfirmen produzierten Uniformen für die Wehrmacht, sondern entsprechende Aufträge wurden auch an kleinere und mittlere Betriebe vergeben, die sich dafür oft zu sog. Landeslieferungsgenossenschaften zusammen schlossen. Die von derartigen Genossenschaften gelieferten Uniform- und Ausrüstungsstücke wurden mit dem Kürzel "Lago" bezeichnet. In Schirmmützen fand sich der Herstellerstempel gewöhnlich auf der linken Innenseite des Schweißleders. Eigene BekleidungsstückeOffiziere mussten sich ihre Uniform und Ausrüstung als "Selbsteinkleider" aus eigenen Mitteln beschaffen. Dafür erhielten sie zunächst einmal eine einmalige Ausrüstungsbeihilfe bei der Anstellung als Offizier und von da an eine monatliche Bekleidungsentschädigung.Sie konnten sich ihre uniformstücke entweder bei der Heeres-Kleiderkasse der Offiziere in Berlin, in der jeder Offizier Pflichtmitglied war, kaufen, bei einem Uniformschneider ihrer Wahl anfertigen lassen, oder aber von der Kammer ihrer Einheit käuflich erwerben. Unteroffiziere udn Mannschaften durften ebenfalls eigene Bekleidung tragen, jedoch nur außer Dienst, etwa zur Ausgehuniform. Die eigenen Stücke waren gewöhnlich maßgeschneidert udn aus feinerem Tuch. Typischerweise waren sie auf Taille geschnitten und im Schulterbereich leicht wattiert, außerdem fanden sich meist handgestickte Abzeichen daran. Auch wenn diese Stücke den Vorschriften entsprechen mussten, kamen dennoch immer wieder Abweichungen vor. Stoffe Die meisten maßgeschneiderten Stücke waren aus Wolle oder Gabardine geareitet. in den meisten Fällen war das verwendete Wolltuch von besserer Qualität als bei den dienstlich gelieferten Stücken. Kammgarntrikot oder Döskin waren zwei dieser hochwertigen Rocktuche. Für Röcke und Hosen wurde auch Gabardine verwendnet, der leichter war als gewöhnlich, oder feldgrauer Moleskin, ein helles, leichtes waschbares Tuch. Offiziere durften in der warmen Jahreszeit den weißen Rock tragen, der z.B. aus Cottondrell oder Piquet geschneidert wurde. Die eigenen Stücke waren gewöhnlich durchgehend gefüttert, auch in den Ärmeln. Als Futterstoff wurde hier meist feine Kunstseide verwendet, in Grün, Grau oder Braungrau. Kennzeichnung Maßgeschneiderte Unfromstücke waren nahzu ausnahmslos mit einem Herstellerstempel oder -etikett gekennzeichnet. Das Etikett mit Namen und Adresse des Schneiders wurde bei Blusen, Hosen und Mänteln im Innenfutter eingenäht. Bei Schirmmützen stand der Markennahme unter der Cellophanplatte, die sich innen im Deckel fand. In den Innentaschen von Blusen und Mänteln fand sich üblicherweise noch ein weiteres Adress-Schild des Schneiders, das Name und Dienstgrad des Kunden angab. Um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten, mussten die eigenen Stücke von Unteroffizieren und Mannschaften in Schnitt und Ausstattung den Vorschriften entsprechen. Vor der ersten Benutzung wurden sie daher durch den Kompaniechef usw. auf Vorschriftsmäßigkeit geprüft und dann mit dem Vermerk "Geprüft" abgestempelt. Kommentare (0)
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